15:25:52 | Donnerstag, 21. Juli 2005
Schuld ist Papst Johannes Paul II.
(kreuz.net) Die zweite These, um die Schuld von Papst Johannes Paul II. an der Aids-Misere in Afrika zu
belegen, ist die Überzeugung, daß Kondome für die Verhütung von AIDS in Afrika wesentlich sind.
Für
die Wissenschaftler in der ‘Schule für Hygiene und Topenmedizin’ in London ist das Kondom ein lebensrettendes
Mittel:
„Es ist höchst wirksam, um die Verbreitung von HIV zu verhindern, wenn es korrekt und regelmäßig
verwendet wird, und es ist die beste Methode der HIV-Verhütung für jene, die sexuell aktiv sind und
zu HIV-AIDS-Risikogruppen gehören.“
Man beachte, daß dieses Dogma von zwei wesentlichen Qualifikationen
eingeschränkt wird: „wenn es korrekt und regelmäßig verwendet wird“.
Wie oft können wir davon ausgehen,
daß dies in Schwarzafrika geschieht?
Wenn es den Fachleuten in San Francisco und Sydney nicht gelungen
ist, AIDS über die Verbreitung von Kondomen auszurotten, was bringt sie dann auf den Gedanken, daß sie
damit in Afrika mehr Erfolg haben werden?
Es überrascht, daß es kaum Studien gibt, die zeigen, daß
die Verbreitung von Kondomen die einzige Weise ist, um AIDS in seinen Anfängen zu stoppen, obwohl diese
Lehre mit dogmatischer Überzeugung verkündigt wird.
Letztes Jahr gab das ‘Bulletin der Weltgesundheitsorganisation’
in einem Artikel zu, daß kaum Studien vorhanden sind, die den Einfluß von Kondomförderungsprogrammen
auf die Verbreitung der HIV-Ansteckung beschreiben.
Es ist außerdem zu sagen, daß Kondome, auch wenn
sie „wirksam“ sind – das heißt – nicht platzen oder Löcher bekommen – nach dem Gesetz von Murphy eine
hohe Fehlerquote aufweisen.
Gemäß der US-amerikanischen Gruppe ‘Family Health International’, einer
Organisation, die Verhütungsprogramme unterstützt und energisch Kondome verbreitet, „müssen Kondome
korrekt und regelmäßig verwendet werden, um eine Wirkung zu erzielen“.
„Der korrekte Gebrauch des Kondoms
ist komplizierter als es scheint, weil es viele Möglichkeiten gibt, es falsch zu machen.“ „Manche Kondombenützer
haben Schwierigkeiten, Kondome erfolgreich zu verwenden und werden mehr als einmal erleben, daß sie platzen.“
Im chaotischen sozialen Umfeld vieler afrikanischer Staaten, wo die Armut eingewurzelt ist, Frauen häufig
mißbraucht werden und die Vielweiberei verbreitet ist, besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, daß
Männer Kondome regelmäßig benutzen.
In den Worten des Präsident von Uganda, Yoweri Museveni:
„In
Ländern wie den unsrigen, wo eine Mutter oft 20 Meilen laufen muß, um eine Aspirintablette für ihr
krankes Kind zu bekommen oder fünf Meilen, um Wasser zu finden, wird die Frage eines konstanten Nachschubs
von Präservativen wohl nie gelöst werden können.“
Eine kürzliche Untersuchung zum Kondomgebrauch
in den Entwicklungsländern in der Zeitschrift ‘Studies in Family Planning’ faßt die Situation mit diesen
Worten zusammen:
„Bisher gibt es kein Beispiel eines Landes, das eine allgemeine Epidemie primär mit
Hilfe der Verbreitung von Kondomen hätte eindämmen können.“
Das sieht man am deutlichsten im südlichen
Afrika.
Dort gibt es hohe HIV-Übertragungsraten trotz einer verbreiteten Kondomverwendung.
In Botswana
stieg der Kondomverkauf nach Professor Norman Hearst von der Universität von Kalifornien in San Frnacisco
von einer Million im Jahre 1993 auf 3 Millionen im Jahre 2001 an, während die HIV-Verbreitung bei schwangeren
Frauen im Stadtmilieu von 27% auf 45% anstieg.
In Kamerun stiegen die Kondomverkäufe in der gleichen
Zeitspanne von 6 Millionen auf 15 Millionen, während HIV-Rate in der Bevölkerung von 3% auf 9% anstieg.
Die Geschichte von AIDS in Uganda bestärkt die Lehre der Kirche, daß Abstinenz und Treue in der Ehe
die beste Art sind, um AIDS zu bekämpfen.
Im Jahre 1991 lag die Infektionsrate in Uganda bei 21%. Jetzt,
nach Jahren eines einfachen und billigen Programms, das sich ABC nennt, fiel sie auf ungefähr 6%.
ABC
steht für A wie Abstinenz, B wie „Bleib treu“ und C für Condom, sofern A und B nicht praktiziert werden.
Der Präsident von Uganda, Yoweri Museveni, predigt das ABC-Programm mit dem Eifer eines Evangelisten:
„Ich bin gegen Kondome in Primar- oder Sekundarschulen. Kondome sollen ein letzter Zuflucht sein“, erklärte
er kürzlich während einer internationalen AIDS-Konferenz in der Hauptstadt Kampala:
„Ich habe erwachsene
Kinder, und ich habe sie immer vor undiszipliniertem Sex gewarnt. Ich begann mit ihnen zu sprechen, als
sie 13 waren und sagte ihnen, sie sollen sich auf die Schule konzentrieren. Die Zeit für Sex würde noch
früh genug kommen.“
Frau Toynbee behauptete in ihrer Polemik im ‘Guardian’ daß „Abstinenz und Zölibat
nicht den menschlichen Umständen entsprechen“.
Aber Präsident Museveni – der über die menschlichen
Umstände nicht unwissend ist – glaubt, daß sie es sind:
„Wir haben es zur höchsten Priorität gemacht,
unser Volk zu überzeugen, zu den traditionellen Werten der Keuschheit und Treue zurückzukehren oder –
erst wenn das scheitert – Kondome zu benützen“, erklärte er US-amerikanischen Pharma-Mitarbeitern vor
einigen Jahren:
„Die Alternative wäre ein Massensterben in der Bevölkerung von Uganda gewesen.“
Die
Kampagne, den Namen von Papst Johannes Paul II. mit afrikanischen AIDS-Toten zu beflecken, ist so offensichtlich
und himmelschreiend hirnlos, so daß diesbezüglich der endgültige Beweis vorliegt, daß die Theorie
von der Schuld des Papstes an AIDS zu jenen Orwell’schen Ideen gehört, die so dumm sind, daß nur Intellektuelle
daran glauben können.
Was steckt dahinter?
Dazu gibt es eine politische Antwort: Eine Schmierkampagne,
um den Papst und die Lehre der Kirche zu beschmutzen, ist seit verschiedenen Jahren im Gang.
Eine Gruppe
von Abtreibungsbefürworten, die sich „Katholiken für eine frei Wahl“ nennt, hat im Dezember 2001 eine
internationale Werbekampagne gestartet, um die Theorie zu verbreiten, „daß gute Katholiken ein Kondom
benützen“.
Werbungen in den USA, Mexiko, den Philippinen, Südafrika, Kenia, Chile und Zimbabwe hatten
die Absicht, „die erste Phase einer Kampagne einzuleiten, welche zu einer Änderung der Haltung des Vatikan
beitragen und dessen Widerstand gegen die Verfügbarkeit und den Zugang zu Kondomen in Gebieten der Welt,
die am meisten unter Risiko stehen, in die Schranken weisen sollte“.
In der Folge begannen die Medien –
wenigstens in Großbritannien – die wichtigsten Anliegen der „Katholiken für eine freie Wahl“ zu verbreiten.
Auf einer tieferen Ebene stehen die katholischen Lehren über die Sexualität mit dem in Kontrast, was
Johannes Paul II. „Pathologie des Geistes“ genannt hat.
Als ein Beispiel dafür kann man Polly Toynbees
Behauptung nehmen, daß „die Verhütung der wahre Retter der Frauen ist“.
Dagegen hat der Papst auf einen
anderen Retter geblickt.
Er wußte, daß die verwundete menschliche Natur nicht durch Technologie geheilt
werden kann. Technologie kann keine Selbstbeherrschung einflößen. Sie kann nicht zu Respekt für den
anderen erziehen. Sie kann keinen Sinn für Verantwortung erzeugen.
Die einzige wirkliche Rettung kommt
nicht von einer Pille oder einer Latexröhre, sondern von der Umkehr der Herzen.
Ein Plastikflicken wird
die akuten Probleme Afrikas, die Ungleichheit der Geschlechter, die Armut, die schlechte Erziehung und
die sozialen Unruhen ungelöst lassen.
Solange diese Probleme nicht gelöst sind, wird das AIDS-Problem
mit Sicherheit schlimmer werden.
Während sich britische Journalisten über die furchtbare Gesundheitsfürsorge
in Afrika entsetzen, ist die britische Regierung damit beschäftigt, die Situation noch schlimmer zu machen.
Gemäß einer jüngsten Ausgabe von ‘The Lancet’ strömen schwarzafrikanische Ärzte und Krankenpfleger
in Massen nach Großbritannien und lassen die Gesundheitsfürsorge ihrer eigenen Ländern in einer desolaten
Situation.
Es wird zum Beispiel geschätzt, daß 60% der Ärzte, die in den 80er Jahren in Ghana ausgebildet
wurden, das Land inzwischen verlassen haben.
Initiativen gegen AIDS – wie der Plan der Weltgesundheitsorganisation,
HIV-Patienten eine lebenslange Antiretroviralbehandlung zu garantieren –, sind aufgrund eines Ärztemangels
bedroht.
Wenn sich Ärzte und Krankenschwestern in Großbritannien nach besseren Löhnen umsehen, statt
im eigenen Land zu bleiben, werden noch viel, viel mehr HIV-infizierte Menschen sterben.
Es gibt eine
Person, die diesen Skandal beenden kann: der britische Premierminister.
Wenn die Guardian-Journalistin
Polly Toynbee Nadeln in eine Tony-Blair-Woodoo-Puppe stechen wird, könnte sich das ganze Problem lösen.
Töricht? Meinetwegen.
Aber das wäre sinnvoller, als ihre Nadeln am verstorbenen Papst zu verschwenden.
Zum ersten Teil des Artikels
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