Zur Zeit untersucht ein Gericht in Südruanda die mögliche Mitschuld des gegenwärtigen Erzbischofs von Kigali an dem Völkermord von 1994. Der Erzbischof habe von den Massakern gewußt und Flüchtlinge in den Tod geschickt.
(kreuz.net, Nyamasheke) Der Erzbischof von Kigali, Mons. Thaddée Ntihinyurwa (62), wurde letzten Donnerstag
vor ein Lokalgericht in einer Südprovinz zitiert.
Kigali ist die Hauptstadt von Ruanda und befindet
sich im Zentrum des Landes. Ruanda liegt in Zentralafrika.
Mons. Ntihinyurwa wurde im März 1996 von
Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof erhoben und in sein gegenwärtiges Amt eingesetzt.
Vorher war
er seit 1981 Bischof von Cyangugu. In dieser Gegend befindet sich auch das Lokalgericht, vor dem der Erzbischof
geladen war.
1994 begann in Ruanda eine extremistische Regierung der Hutu-Bevölkerungsmehrheit mit einer
systematischen Abschlachtung der wirtschaftlich und politisch einflußreichen Tutsi-Minderheit.
Nach
Angaben der UNO starben bei dem Völkermord 800.000 Menschen. Jüngste Schätzungen der Regierung von
Ruanda sprechen von knapp einer Million Opfern.
Im Vorfeld der Anhörungen auf dem Territorium seiner
früheren Diözese wurde dem Bischof gesagt, er müsse lediglich als Zeuge einige Fragen beantworten.
Doch die Wahrheit ist eine andere.
Es wird geprüft, inwieweit Erzbischof Ntihinyurwa – selber ein Hutu –
als damaliger Bischof von Cyangugu für Massaker an Tutsis und gemäßigten Hutus mitverantwortlich war.
Erzbischof Ntihinyurwa gestand, 1994 im Vorfeld der Massaker an geheimen Treffen teilgenommen zu haben.
Allerdings sei es dabei niemals um Mordpläne gegangen – so der Erzbischof vor Gericht:
„An diesen Treffen
nahm ich als Bischof der Provinz teil. Ich versichere Ihnen, daß es in den Besprechungen einzig und allein
um die Wiederherstellung des Friedens ging.“
Ein ehemaliger Bürgermeister des betroffenen Gebietes behauptet
das Gegenteil. Er hatte kürzlich seine Mittäterschaft an den Massakern von 1994 gestanden.
Der Bürgermeister
erklärte, daß das Ziel der Treffen war, die Massenabschlachtungen zu organisieren.
Als die Massaker
einsetzten, soll sich der Bischof mehr um die Kirchenmauern als um die lebendigen Katholiken gekümmert
haben:
„Aus Angst um das Gebäude verweigerte der Bischof flüchtenden Tutsi – mit Ausnahme einiger Kleriker
und Bekannter – sich in die Kathedrale zu flüchten“, berichtete der ehemalige Bürgermeister weiter.
Der Erzbischof habe in Begleitung von bewaffneten Soldaten 600 Tutsi aus der Pfarrkirche in ein Stadium
geschickt. Dort wurden die Flüchtlinge am nächsten Tag zu Tode gehackt.
Diese Darstellung wird angeblich
von anderen Überlebenden des Völkermordes bestätigt.
Erzbischof Ntihinyurwa sei zudem mehrmals in
Gesellschaft des berüchtigten Emmanuel Bagambiki gesehen worden.
Bagambiki ist für die Ermordung von
knapp 50.000 Flüchtlingen in der Gegend verantwortlich, wo die jüngsten Verhandlungen stattfanden.
Diese Massaker ereigneten sich Mitte April 1994.
Zwischen April und Juni organisierte Bagambiki gezielt
Hinrichtungen von in katholischen Pfarreien versteckten Tutsi.
Dem Erzbischof wird vorgeworfen, über
die Massaker in seiner Diözese informiert gewesen zu sein, dazu aber geschwiegen zu haben.
Das Gericht
von Nyamasheke will nun die verschiedenen Zeugenaussagen prüfen, bevor eine mögliche Mitschuld des Erzbischofs
näher in Betracht gezogen wird.
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