Benedikt XVI.
100 Tage im Amt
Benedikt XVI. wurde am 19. April zum Papst gewählt. Heute, an seinem letzten Urlaubstag in den italienischen Alpen, ist er 100 Tage im Amt. Kirchen- und Medienvertreter kommentieren das neue Pontifikat.
Aus der gestrigen Ausgabe der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’, von Werner Weidenfeld, Politikwissenschaftler aus München:

Die Frage nach der 100-Tage-Bilanz eines Papstes mag zunächst merkwürdig erscheinen. Eine Institution, die in Ewigkeitskategorien denkt, scheint über solche Hektik erhaben.

Dennoch ist es aufschlußreich, die ersten neuen Ansätze zu prüfen, die Papst Benedikt XVI. – weltlich definiert: der letzte absolutistische Monarch – praktiziert und damit der großen Weltkirche neue Profillinien verleiht.

Als erstes fällt die Kontinuität zum Vorgänger Johannes Paul II. ins Auge. Es zeichnen sich die Konturen eines Doppel-Pontifikats ab.

Künftige Historiker werden die Frage zu erörtern haben, wieviel Ratzinger im Pontifikat von Johannes Paul II. steckte und wieviel Karol Woytila im Pontifikat von Benedikt XVI.

Noch aufschlußreicher ist die Beobachtung, daß Papst Benedikt nicht mit einer weiteren feinen Ziselierung seiner jahrzehntelang entwickelten Theologie aufwartet, sondern jene Rolle weiter entfaltet, mit der er in den Tagen des Sterbens seines Vorgängers und bei seiner eigenen Inthronisation überraschte.

Der Erzbischof von München, Friedrich Kardinal Wetter, kommentierte die ersten 100 Tage des Pontifikats im Gespräch mit dem Münchner Merkur, von der Homepage des Erzbistums München:

Auf die Frage, wie er sich „die Wandlung vom strengen Glaubenshüter zum sichtlich entspannten Pontifex“ erkläre, sagte der Kardinal, die Amtsführung des Präfekten der Glaubenskongregation sei „von einigen sicher mit viel Unkenntnis der Person und der Sache, vielleicht noch mehr mit Vorurteilen und ausgeprägten Ressentiments begleitet worden“.

Das Papstamt sei sicher eine ganze andere Aufgabe und Herausforderung.

Aber der Mensch sei der gleiche und Benedikt XVI. bleibe sich auch darin treu. Im übrigen zeige sich, daß der Papst eine große Faszination auf die Menschen ausübe.

Aus dem gestern erschienen Leitartikel für die österreichische Tageszeitung ‘Die Presse’, von Hans Kronspieß:

Eine von Johannes Paul II. abweichende neue kirchenpolitische Handschrift ist jedenfalls bei Benedikt XVI. (noch) nicht erkennbar. Der Grund für die päpstliche Zurückhaltung ist klar:

Der Schrecken über die Kür des konservativen obersten Glaubenshüters Joseph Ratzingers zum Papst war groß – zumindest bei jenen Katholiken, die auf einen „liberaleren“ und „progressiveren“ Oberhirten gehofft hatten.

Der frisch Gewählte war sich dessen bewußt – und er war in den ersten Amtstagen bestrebt, nur ja niemanden mit seinen Positionen zu verängstigen. Der früher als „Panzerkardinal“ titulierte mühte sich redlich, sein Image zu verbessern:

Er nahm plötzlich Worte wie Dialog und Kollegialität in den Mund, stellte die Mächtigen an den Pranger. Und er zeigte sich – bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit – überraschend locker.

Nein, so hatte man sich den gestrengen deutschen „Großinquisitor“ nicht vorgestellt.

Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bischof Bernard Fellay, im Interview mit dem Nachrichtendienst ‘Dici’ zur Frage, ob er drei Monate nach der Wahl – wie nach dem Konklave – noch immer einen Hoffnungsschimmer sehe:

Wenn wir einen Vergleich machen dürfen: Vor dem Aufstieg von Kardinal Ratzinger zum Papstamt befand sich die Kirche im freien Fall. Benedikt XVI. wird einen Fallschirm öffnen.

Es wird eine gewisse Verlangsamung eintreten. Die Bremsung wird mehr oder wenig stark sein, je nach der Größe des Fallschirms.

Aber die Richtung bleibt die gleiche. Dürfen wir auf mehr hoffen, als auf diese Verzögerung? Die Verheißungen Unseres Herrn bleiben immer gültig. Und der liebe Gott wird sich alles bedienen, um Seine Kirche dorthin zu bringen, wo Er sie haben will.

Erlauben Sie mir, meine persönliche Meinung kundzutun:

Wenn Benedikt XVI. vor eine Wand gestellt würde, in eine Krisensituation hinein, wenn er mit heftigen Reaktionen der Progressisten konfrontiert wäre, mit einer politischen Krise oder Verfolgungssituation, dann – denke ich – aus der Beobachtung seiner bisherigen Handlungen und Reaktionen –, daß er die richtige Entscheidung treffen würde.

Aus einem gestrigen Artikel in ‘Südtirol Online’ zu 100 Tage Benedikt XVI:

Anders als im bisherigen Pontifikat ist der Leitungsstil. Als dienstältester Kurienchef hat Kardinal Ratzinger beobachtet, wie manche Prälaten das ‘Leitungsvakuum’ unter dem kranken Johannes Paul II. zu nutzen suchten.

Als Papst bemüht er sich daher sichtlich um Transparenz und korrekte Umsetzung des Kurien-Gesetzes „Pastor bonus“.

Die Kurienkardinäle haben wieder einen direkteren Zugang zum Papst, können mit ihm unmittelbar Fragen ihrer Behörden besprechen. Der Umweg über das Staatssekretariat oder andere Sekretärsstellen ist verkürzt.

Ohnehin scheint offen, ob in einer neuen Kurienreform, an der der Papst offenbar arbeitet, das Staatssekretariat weiterhin die ‘Superbehörde’ bleibt oder zu einer normalen ‘Dienst’-Stelle wird. Gespannt kann man auch auf die neue Regierungsmannschaft sein.

Mehr als ein Drittel der Ressortchefs ist über der Pensionsgrenze.
      
17 Lesermeinungen
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#17   Benedikt   13:25:51 | Donnerstag, 4. August 2005
@ Elendester Sünder
„Ungehorsam“ gegenüber der Kirche ist kein Grund für eine Exkommunikation. Wenn dem so wäre, hätte der deutsche (und auch etliche andere) Episkopat schon mehrmals zum größten Teil exkommuniziert werden müssen.
Wegen Verstoßes gegen den Gehorsam sofort exkommuniziert werden müssten dann derzeit:
Erzbischof Stanislaw Dziwisz (wegen der Testamentssache)
Joachim Kardinal Meisner (zuviel Gerede übers Konklave)
Karl Kardinal Lehmann (Abtreibungsscheine)
Bischof Franz Kamphaus (Abtreibungsscheine)
Titularbischof Jacques Gaillot (Dauerrenitent)
usw. usf.
Das kann es aber nicht sein. Einfacher Ungehorsam kann durch Maßregel (wie bei Gaillot) usw. gelöst werden oder bei geringen Verstößen (wie zB von Kard. Meisner) einfach übersehen werden.
Wenn es sich also tatsächlich bei den Bischofsweihen nur um Ungehorsam gehandelt haben sollte, wie es zB Prof. May vertritt, dann kann es tatsächlich sein, dass die Exkommunikation unrichtig war. Das ist aber glaube ich nicht die Frage: Die Frage ist, ob Lefebvre die Notstandsregelung aus dem CIC in Anspruch nehmen kann. 1988 konnte man diesen Notstand vielleicht noch nicht so klar beurteilen wie man es heute oder später könnte. Abwarten also.
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#16   Laurentius2   11:29:31 | Donnerstag, 4. August 2005
@ Sünder
Ich habe früher auch mal so ähnlich gedacht. Aber lesen Sie mal den Link von Marcel. Er gibt sehr zu denken …
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#15   Irenäus   20:43:29 | Mittwoch, 3. August 2005
@Sünder
Aber Du hast immer noch nicht meine Frage beantwortet: Wie kann der Papst Barths Schriften als Segen bezeichnen?
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#14   Elendester Sünder   20:41:27 | Mittwoch, 3. August 2005
Levebvre und seine Gemeinschaft
sind weder wegen der Liturgie noch wegen des Ritus von Priester- oder Bischofsweihen exkommuniziert worden, sondern aus der Tatsache heraus, daß er ohne Zustimmung des Papstes Bischöfe geweiht hat, d.h. in Ungehorsam. Und das, obwohl Rom zu umfassenden Zugeständnissen bereit gewesen wäre. Unter anderem wäre Johannes Paulus II. sogar bereit gewesen, seine Zustimmung zur Ernennung eines Mitglieds der Bruderschaft zum Bischof geben.
Ich denke, man wollte um jeden Preis das Schisma auf der Grundlage des letzten Konzils.
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#13   MilesChristi   20:18:06 | Mittwoch, 3. August 2005
@ Didimus
Dir auch einen erholungsreichen Urlaub !
Doch, der Notstand ist da – weil das „Problem“ sich nicht nur um die Liturgie dreht, sondern viel tiefgehender ist. DAs war für mich auch der entscheidende Punkt – warum ich, der ich seit 2001 zu einer INdultmesse in München gegangen bin, letztes Jahres angefangen habe die Kapellen und Kirchen der FSSPX zu besuchen.
(Viele Priester der FSSP zelebrieren inzwischen auch die „neue Messe“; dasselbe tut Bischof Rifan von der Personaladministration in Campos. Der Bischof, der der FSSP 1988 versprochen wurde, ist immer noch nicht da… und gerade die FSSP wird von (Teilen von) Rom ziemlich übel behandelt. Wenn ich an die kleine Kirche denke, die sie in Rom verwalten würden… am Ende einer dunklen Sackgasse (wörtlich) und sehr klein. Aber das ist was anderes.
Bischof Rifan zelebrierte wiederholt die neue Messe, auch sein Generalvikar, und in Le Barroux wird diese Messe auch vom Abt zelebriert.)
Der Notstand geht wie gesagt viel tiefer. Die ganze ökumenistische Wahn, die Zerstörung der Kirche von innen, die geduldeten Häresien und Blasphemien sind immer noch da !
Gruß!
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#12   Didimus   19:54:53 | Mittwoch, 3. August 2005
Notstand?
Ich billige Erzbischof Lefebvre zu, daß er tatsächlich gemeint hat, Rom wolle die Frage seiner Priesterbruderschaft tatsächlich „biologisch“ lösen, also warten, bis er stirbt und dann die Piusbrüder und damit die Tradition gewissermaßen „austrocknen“ lassen.
Daß Lefebvre darin einen Notstand gesehen haben könnte, halte ich durchaus für möglich, ob es und wenn ja welche anderen Motive es für ihn noch gegeben hat, kann und wage ich nicht zu beurteilen.
Tatsache ist aber, daß es diesen Notstand, wenn es ihn objektiv je gegeben haben sollte, heute nicht mehr gibt. Seit den verhängnisvollen Bischofsweihen von Êcone wurden zahlreiche Priester im klassischen römischen Ritus geweiht, es gibt mittlerweile sogar einen Bischof in diesem Ritus. Also gibt es keinen Grund, noch länger in der Exkommunikation (die sich nicht nur auf die damals Geweihten, sondern auch auf alle die an der unerlaubten Bischofsweihe teilgenommen haben erstreckt) zu verharren.
Damit möchte ich mich für einige Tage in den Urlaub verabschieden, Gottes Segen Euch allen!
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#11   Marcel   16:31:59 | Montag, 1. August 2005
Notstand und Rettung: Instaurare omnia in Christo
Diejenigen, die einen Notstand sehen, kann ich sehr gut verstehen. Eigentlich müßte das doch jeder können, der in seinem Dorf oder Stadtviertel seit Jahrzehnten die Hl.Messe besucht und mit ganz „normalen“ Katholiken befreundet, verwandt oder bekannt ist.
Ja. Deswegen ist die Exkommunikation nichtig, wie erklärt www.fsspx.info/…uderschaft/index.php?show=fragen&pa….
Jedenfalls solte man dies meineserachtens letztlich der Kirchengeschichte überlassen
Ja. Deswegen lasse ich das Thema von meiner Seite aus mit folgendem Hinweis bewenden:
Für einen Überblick über die Bischofsweihen durch den Erzbischof, um die FSSPX besser zu verstehen, sei Gutwilligen dieses Interview der Zeitschrift „Fideliter“ mit Erzbischof Lefebvre www.fsspx.info/…zbischof/artikel.php?show=208 empfohlen, vom 30.6.1989 in Ecône.
Daß die Visitatoren von Ecône, zurück in Rom, das Gegenteil dessen sagten, was sie während der Visitation sagten, kann jeder dort per Gästebuch nachprüfen: die Visitatoren zeigten sich begeistert und sparten nicht mit Lob. Kardinal Gagnon schrieb in das Gästebuch von Ecône www.fsspx.info/…uderschaft/index.php?show=fragen&pa…, daß dies der richtige Weg sei, um die Kirche wieder aufzubauen!
Bei solchen Manövern seitens Rom ist die Situation der FSSPX logisch. Ironie: solcherart unbehindert kann sie zur Zeit viel kräftiger mithelfen, alles in Christus zu erneuern.
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#10   Laurentius2   10:22:45 | Montag, 1. August 2005
Notstand ?
Das scheint mir an dieser nimmermüden Exkommunikationsdebatte das entscheidende zu sein: Liegt in unserer Kirche (wenigstens in Europa) ein Notstand vor ?
Ich glaube, daß man da verschiedener Meinung sein kann. Diejenigen, die einen Notstand sehen, kann ich sehr gut verstehen. Eigentlich müßte das doch jeder können, der in seinem Dorf oder Stadtviertel seit Jahrzehnten die Hl.Messe besucht und mit ganz „normalen“ Katholiken befreundet, verwandt oder bekannt ist. Ich bin da wohl nicht der einzige, der subjektiv einen freien Fall feststellen muß …
Jedenfalls solte man dies meineserachtens letztlich der Kirchengeschichte überlassen und für den Glauben da kämpfen, wo man steht und betet (egal ob in der Neuen oder Alten Messe).
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#9   Marcel   15:22:58 | Samstag, 30. Juli 2005
Patt
Obwohl das vom Thema wegführt und hier im Forum nicht entschieden wird: es wird später geregelt werden. Derweil wenden wir uns vertrauensvoll an ebenfalls ungültig exkommunizierte Heilige (z.B. Athanasius, Jungfrau von Orleans, uam.).
P.S. Gesegneten Sonntag!
Aus der FAQ der FSSPX www.fsspx.info/…uderschaft/index.php?show=fragen&pa…:
Und die Exkommunikation?
Es gibt keine Exkommunikation für die Priester der Bruderschaft und erst recht nicht für die Gläubigen, die sich ihr anschließen. Das hat u.a. kein geringerer als Kardinal Ratzinger erklärt, in einem Brief vom 28.6.1993 an Bischof Ferrario von Hawaii. Die einzige Exkommunikation, die jemals ausgesprochen wurde, war die über Erzbischof Lefebvre und die von ihm geweihten Bischöfe. Und auch deren Gültigkeit bestreiten wir mit gutem Grund. Denn laut can. 1323 des Kirchenrechts tritt eine Kirchenstrafe wie die Exkommunikation dann nicht ein, wenn jemand „aufgrund einer Notlage oder erheblicher Beschwernis gehandelt hat, sofern jedoch die Tat nicht in sich schlecht ist oder zum Schaden der Seelen gereicht“ (Nr. 4). Nr. 7 desselben Kanons legt fest, daß der Betreffende auch dann ohne Strafe bleibt, wenn er nur „ohne Schuld geglaubt hat“, eine solche Notlage läge vor. Selbst wenn wir keine Notlage anerkennen würden, so müßten wir doch Mgr. Lefebvre wenigstens zugestehen, ohne Schuld geglaubt zu haben, eine solche läge vor; damit ist eine „Exkommunikation“ aber auch bereits hinfällig.
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#8   Didimus   14:37:01 | Samstag, 30. Juli 2005
@ MilesChristi
Entschuldigung angenommen!
Statistische Daten können meiner Meinung nach die wirkliche Situation der Kirche in der heutigen Zeit nicht exakt abbilden, da man im Guten wie im Schlechten die Langzeitwirkung beachten muß. Würde man die Berichte von Seelsorgern über die Zustände in den Gemeinden in den Jahrzehnten nach dem Konzil von Trient zum Maßstab für die Qualität der damaligen Pontifikate machen, kämen die Päpste damals sicherlich ganz schlecht weg.
Ich leugne die heutigen Mißstände nicht. Viele sind einfach noch Auswirkungen der Zeit vor Johannes Paul II. Die Zustände in Brasilien sind vor allem der unseligen Befreiungstheologie anzulasten. Und gegen die ist der letzte Papst deutlich vorgegangen; theologisch und durch seinen Beitrag zum Sturz des Kommunismus. Daß er es auch entschiedener in personalpolitischer Hinsicht hätte tun müssen, streite ich gar nicht ab.
Ich sehe auch, um nur ein Beispiel zu nennen, wie der geistig noch ganz in den Siebzigern lebende Pastoralreferent unserer Gemeinde immer mehr an Einfluß verliert, wie ein neues Interesse an katechetischer Unterweisung, Anbetung und Rosenkranz wächst und wie die Alt-68er in der Kirche immer weniger ernst genommen werden.
Auch Dir einen gesegneten Sonntag!
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#7   MilesChristi   14:10:03 | Samstag, 30. Juli 2005
@ Didimus
Du hast recht, ich habe den Satz von dir nicht gelesen. Bitte um Entschuldigung.
1978 und 2005: mach bitte einen Statistik-Vergleich, zB zwischen der Anzahl von Katholiken in der brasilianischen Bevölkerung von 1980 bis 2000.
1980 war 90% der Bevölkerung katholisch; 2000 waren es 73%.
Ähnliche Zahlen sind im Internet verfügbar für andere Länder, ich kann dir die Links geben.
1978 wußten noch viele Katholiken, zB den Rosenkranz zu beten unjd konnten mit dem Glaubensbekenntnis und Katechismus noch anfangen – auch bei denen, die nicht regelmäßig zur Messe gegangen sind. Wieviele kennst du, Jahrgang 1978 aufwärts, die das noch können ?
Gab es keinen Bruch in der Katechese ? Wuchs eine neue Generation nicht heran ohne den katholischen Glauben empfangen zu haben ? Ich sehe das täglich unter meinen Bekannten !! Die Menschen gehen noch munter zur Sonntagsmesse (diejenigen die das tun), alle brav zur Kommunion, aber sie gehen nihct zur Beichte! Ich kenne viele Katholiken deren erste und letzte Beichte vor der Erstkommunion war. Sie haben wie jeder gesündigt, einige schwer, und trotzdem – sie gehen zur Kommunion.
Alles rosig ? Stärkere Kirche ? Inwiefern ?
Schönes WE, gesegneten Sonntag.
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#6   Didimus   13:52:09 | Samstag, 30. Juli 2005
@ Miles und Marcel
Nein, Miles, es hat wirklich keinen Sinn zu diskutieren, wenn man die Postings des Mitdiskutanten nicht liest. Hättest Du das getan, wäre Dir deutlich geworden, daß ich das Pontifikat Johannes Pauls II. nicht durch die rosarote Brille sehe. Von einem Hurra-Katholizismus à la kath.net halte ich gar nichts. Genausowenig halte ich davon, überall nur das Negative zu sehen und ständig Haare in der Suppe zu suchen.
Ich sprach von einem Vergleich zwischen 1978 und 2005. Und da hat sich sehr vieles zum Positiven entwickelt. Vieles ist auch erst keimhaft sichtbar. Freilich nur für den der sehen will.
In der langen Geschichte der Kirche hat es immer Mißstände, laue und schlechte Bischöfe und Theologen, substanzlose Gemeinden u.s.w. gegeben. Wer die Vergangenheit nicht verklärt, kann dies ohne weiteres feststellen.
Tja und ob es gefällt oder nicht, Bischof Fellay und seine damals geweihten Mitbischöfe haben sich ebenso wie der Konsekrant die Tatstrafe der Exkommunikation zugezogen.
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#5   MilesChristi   13:00:41 | Samstag, 30. Juli 2005
@ Didimus
Es macht wirklich keinen Sinn zu diskutieren !
WO siehst du eine selbstbewußte, stärkere, jüngere Kirche ? Wo bleiben die Berufungen zum Priesterum und zu einem Ordensleben ? Wo bleiben die Messebesucher ? Wo bleibt die kirchliche Bestrafung von häretischen Bischöfen, Priestern, Kardinälen, Theologen (abgesehen von einigen wenigen Fällen) ? Würdest du als katholisch bezeichnen, was sich in der Mehrheit der katholischen Pfarreien weltweit abspielt ?
Es ist klar – wenn du die Zustände so rosig bezeichnest, kannst du die Thematik Notstand nicht akzeptieren. Wenn du anfangen würdest die Realität ohne die berühmente rosarote Brille zu sehen, könntest du dann verstehen, worum es hier geht.
Was hat Papst Benedikt XVI (als Kardinal Ratzinger) am heurigen Via Crucis im Kolosseum gesagt ? War da nicht etwas über ein sinkendes Schiff ? – Sicher haben die letzten Päpste, darunter JP II erkannt, daß nicht alles in Ordnung ist – endlich. Aber es ist eine Tatsache, daß der Kirche immer weiter Schäden zugefügt werden, zB durch die ökumenistische Wahn !
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#4   Marcel   12:21:59 | Samstag, 30. Juli 2005
Nichts neues in der Kirchengeschichte: Alptraums-Pontifikate
Johannes Paul II. hat eine stärkere, jüngere und selbstbewußtere Kirche hinterlassen.
Sie war nie schwächer, sie hatte nie weniger Jugendliche in den hl. Messen (das ist etwas ganz anderes als Massenandrang auf Pope-Festivals wie den WJT), und sie war nie unselbstbewußter.
Bei uns in einer „vollkatholischen“ Gegend werden zur Zeit schöne große Dorfkirchen geschlossen, die vor einer Generation noch gefüllt waren durch Jung und Alt.
Johannes Paul II. auch Fehler gemacht hat und noch sehr sehr viel Reparaturbedarf ist, schmälert die positive Gesamtbilanz nicht.
Ich muß wohl den langen Artikel Dr. Barths in der „Kirchlichen Umschau“ (Mai?) über das insgesamt verheerende Pontifikat JP2s abtippen, damit hier ein paar stichhaltige Argumente gegen diese Märchen auf den Tisch kommen.
Ob die Aussagen eines exkommunizierten Bischofs tatsächlich so wichtig und richtig sind, wage ich zu bezweifeln.
Er wurde nie feierlich exkommuniziert. Daß die festgestellte Exkommunikation ungültig ist, zeigen zwar viele Kleriker, aber darüber kann man sich mit Papalisten kaum streiten.
Auf der Internet-Seite der französischen Bischofskonferenz ist immerhin zu lesen, daß diese Feststellung nicht unfehlbar war. :-) Wie schon beim hl. Kirchenlehrer Athanasius, der hl. Jungfrau von Orleans, uvm.: alles ehemalige „Exkommunizierte“.
Gebe unser Herr, Jesus Christus, daß Sein neuer Stellvertreter die Kirche wieder zum Glauben Christi zurückführt.
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#3   Didimus   12:02:14 | Samstag, 30. Juli 2005
Im freien Fall?
Wer vorurteilslos die Situation der Kirche im Jahr 1978 mit der im Jahr 2005 vergleicht, wird nicht behaupten können, sie hätte sich in dieser Zeit im freien Fall befunden. Papst Benedikt XVI. hat vielmehr recht, wenn er sagt, Johannes Paul II. hat eine stärkere, jüngere und selbstbewußtere Kirche hinterlassen. Daß es nach wie vor viele Mißstände gibt, viele Entwicklungen schief laufen, Johannes Paul II. auch Fehler gemacht hat und noch sehr sehr viel Reparaturbedarf ist, schmälert die positive Gesamtbilanz nicht.
Nach Meinung Bischofs Fellay geht es also auch unter Benedikt XVI. abwärts, nur halt etwas langsamer. Warten wir ab. Ob die Aussagen eines exkommunizierten Bischofs tatsächlich so wichtig und richtig sind, wage ich zu bezweifeln.
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#2   Rosa von Lima   20:21:23 | Donnerstag, 28. Juli 2005
Papst Benedikt – 100 Tage im Amt
Erfreulich, die Bilanz nach 100 Tagen Papst Benedikt XVI.
Mir ist auch aufgefallen, wie anfängliche Kritiker sich nun plötzlich positiv zum Papst äussern. Ich denke, der neue Papst versteht es meisterhaft, nicht zu polarisieren, sondern sachlich zu bleiben und seinen Standpunkt glaubwürdig zu vertreten.
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#1   Marcel   10:47:38 | Donnerstag, 28. Juli 2005
Schöner Überblick
Danke an die Kreuz.net-Redaktion für diesen interessanten Überblick.
Meinen besonderen Dank für die Erwähnung der Worte des FSSPX-Generaloberen über unseren Papst. Ich bin sehr dankbar dafür, daß Sie als eine der wenigen katholischen Nachrichtendienste zur FSSPX eine katholisch-sachliche Haltung vertreten und nicht von der „Traditionalisten-Keule“ Gebrauch machen – auch wenn entsprechende Leute ohne katholische Gesamtsicht Sie deswegen zu diskreditieren versuchen. Vergelts Gott!
Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit Amen.
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