15:30:56 | Donnerstag, 28. Juli 2005
Vor zwei Wochen wurde der kenianische Missionsbischof Luigi Locati nach dem Abendessen erschossen. Der Priester, der seinen Mord in Auftrag gab, speiste im gleichen Saal. Jetzt werden Einzelheiten und besorgniserregenden Hintergründe der Mordtat bekannt.
(kreuz.net, Isiolo) Minuten
vor seinem Tod speiste Mons. Locati im gleichen Raum mit dem Priester, der
vermutlich die Tötung seines Bischofs in Auftrag gab.
Das berichtete die kenianische Tageszeitung ‘The
Standard’.
Beide – der Bischof und der Priester – wohnten im Bereich des Pastoralzentrums von Isiolo.
Doch der Priester hatte sich seit fast einem Jahr nicht mehr beim Essen im großen Speisesaal blicken
lassen.
Mons. Locati und seine Priester- und Laienmitarbeiter pflegten in einer zentralen Mensa im Pastoralzentrum
zu speisen.
Am Abend der Ermordung des Bischofs – am 14. Juli – erschien der Priester beim Abendessen.
Er habe einige Tische vom Bischof entfernt gesessen, erklärte ein Augenzeuge:
„Obwohl er im Pastoralzentrum
wohnte, zeigte er sich nie bei den Mahlzeiten im großen Speisesaal.“ Der Priester sei in einer nachdenklichen
Stimmung gewesen und habe mit niemandem gesprochen.
Um 19.30 Uhr verließ der Bischof den Speisesaal,
um sich in seine nahegelegene Wohnung zu begeben. Auf dem Weg dorthin geschah das Gewaltverbrechen.
Vorgestern
veröffentlichte die Polizei dazu makabre Details.
Zwei Personen seien beauftragt gewesen, die Mordtat
durchzuführen.
Ursprünglich bestand der Plan darin, den Bischof vorher zu zwingen, seinen Häschern
Geld auszuhändigen.
Doch der mit den zwei Angreifern konfrontierte Bischof wehrte sich. Er ergriff den
Stock eines Wächters, der ihn hätte beschützen sollen, und traf die Verbrecher damit.
Es gelang ihm
beinahe, die zwei Angreifer zu überwältigen.
Doch im Hintergrund befanden sich vier weitere Mittäter.
Einer von ihnen war der Anführer. Er wies seine drei Begleiter an, ihren bedrängten Kollegen beizustehen.
Als der Bischof zu schreien begann, beschlossen die Kriminellen, ihn zu töten. Zwei Angreifer schossen
zweimal auf den Bischof.
Die Suche nach den Motiven der Tat, scheint jetzt einen ganzen Sumpf offenzulegen.
Die Untersuchungsbehörden glauben, daß Mons. Locati umgebracht wurde, weil der tatverdächtige Priester
den Bischof hindern wollte, eine unrechtmäßige Liaison mit einer Frau aufzudecken.
Der Bischof hatte
auch Veruntreuung von Kirchengeldern durch den betreffenden Priester festgestellt. Deswegen war der Priester
sogar von der Suspendierung bedroht.
Doch das scheint nur die Spitze eines Eisberges zu sein.
Gegenwärtig
läuft in Kenia eine weiträumige römische Untersuchung. Sie betrifft schwere Mißstände unter Priestern
und Bischöfen. Am stärksten sind die Diözesen von Mombasa, Kisumu, Nairobi und Kakamega betroffen.
Mons. Locati war an diesen Untersuchungen beteiligt. Das mag auch ein Grund sein, warum man sich des
Bischofs entledigen wollte.
Die von Rom beorderte Kommission konzentriert ihren Schwerpunkt auf angebliche
Liebes- und Geldgeschichten bei einem Teil der Priester und Bischöfe. Sie hofft, dadurch weitere Einsichten
in das Tatmotiv zu bekommen.
Inzwischen geht die Kommission davon aus, daß Mons. Locati ermordet wurde,
um die Aufdeckung der schweren Mißstände in verschiedenen Diözesen zu bremsen oder ganz zu verhindern.
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#2
turk 00:52:55 | Freitag, 29. Juli 2005
#1
muntu 19:29:08 | Donnerstag, 28. Juli 2005