Afrika
Das letzte Abendmahl
Vor zwei Wochen wurde der kenianische Missionsbischof Luigi Locati nach dem Abendessen erschossen. Der Priester, der seinen Mord in Auftrag gab, speiste im gleichen Saal. Jetzt werden Einzelheiten und besorgniserregenden Hintergründe der Mordtat bekannt.
(kreuz.net, Isiolo) Minuten vor seinem Tod speiste Mons. Locati im gleichen Raum mit dem Priester, der vermutlich die Tötung seines Bischofs in Auftrag gab.

Das berichtete die kenianische Tageszeitung ‘The Standard’.

Beide – der Bischof und der Priester – wohnten im Bereich des Pastoralzentrums von Isiolo. Doch der Priester hatte sich seit fast einem Jahr nicht mehr beim Essen im großen Speisesaal blicken lassen.

Mons. Locati und seine Priester- und Laienmitarbeiter pflegten in einer zentralen Mensa im Pastoralzentrum zu speisen.

Am Abend der Ermordung des Bischofs – am 14. Juli – erschien der Priester beim Abendessen. Er habe einige Tische vom Bischof entfernt gesessen, erklärte ein Augenzeuge:

„Obwohl er im Pastoralzentrum wohnte, zeigte er sich nie bei den Mahlzeiten im großen Speisesaal.“ Der Priester sei in einer nachdenklichen Stimmung gewesen und habe mit niemandem gesprochen.

Um 19.30 Uhr verließ der Bischof den Speisesaal, um sich in seine nahegelegene Wohnung zu begeben. Auf dem Weg dorthin geschah das Gewaltverbrechen.

Vorgestern veröffentlichte die Polizei dazu makabre Details.

Zwei Personen seien beauftragt gewesen, die Mordtat durchzuführen.

Ursprünglich bestand der Plan darin, den Bischof vorher zu zwingen, seinen Häschern Geld auszuhändigen.

Doch der mit den zwei Angreifern konfrontierte Bischof wehrte sich. Er ergriff den Stock eines Wächters, der ihn hätte beschützen sollen, und traf die Verbrecher damit.

Es gelang ihm beinahe, die zwei Angreifer zu überwältigen.

Doch im Hintergrund befanden sich vier weitere Mittäter. Einer von ihnen war der Anführer. Er wies seine drei Begleiter an, ihren bedrängten Kollegen beizustehen.

Als der Bischof zu schreien begann, beschlossen die Kriminellen, ihn zu töten. Zwei Angreifer schossen zweimal auf den Bischof.

Die Suche nach den Motiven der Tat, scheint jetzt einen ganzen Sumpf offenzulegen.

Die Untersuchungsbehörden glauben, daß Mons. Locati umgebracht wurde, weil der tatverdächtige Priester den Bischof hindern wollte, eine unrechtmäßige Liaison mit einer Frau aufzudecken.

Der Bischof hatte auch Veruntreuung von Kirchengeldern durch den betreffenden Priester festgestellt. Deswegen war der Priester sogar von der Suspendierung bedroht.

Doch das scheint nur die Spitze eines Eisberges zu sein.

Gegenwärtig läuft in Kenia eine weiträumige römische Untersuchung. Sie betrifft schwere Mißstände unter Priestern und Bischöfen. Am stärksten sind die Diözesen von Mombasa, Kisumu, Nairobi und Kakamega betroffen.

Mons. Locati war an diesen Untersuchungen beteiligt. Das mag auch ein Grund sein, warum man sich des Bischofs entledigen wollte.

Die von Rom beorderte Kommission konzentriert ihren Schwerpunkt auf angebliche Liebes- und Geldgeschichten bei einem Teil der Priester und Bischöfe. Sie hofft, dadurch weitere Einsichten in das Tatmotiv zu bekommen.

Inzwischen geht die Kommission davon aus, daß Mons. Locati ermordet wurde, um die Aufdeckung der schweren Mißstände in verschiedenen Diözesen zu bremsen oder ganz zu verhindern.
      
2 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#2   turk   00:52:55 | Freitag, 29. Juli 2005
Jaja, muntu, und dann war es halb drei am Mars
Soso, und wer hätte das denn getan? Die Hetze gegen die Gott sei Dank erfolgreiche Apostolische Visitation geht ausgerechnet von einem Kleingrüppchen aus, das sich als „konservativ“ oder so ähnlich definiert. Bei Verdrehungen sind ja muntu und andere gut in Übung …
Redaktion benachrichtigen
#1   muntu   19:29:08 | Donnerstag, 28. Juli 2005
eine spannende Kirchenkrimi
…eine spannende Kirchenkrimi wie im Bistum St. Polten. Dort hat man Bischof Krenn psychisch umgebracht und erledigt…
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
AfrikaDer Verdacht wird zur Gewißheit AfrikaExkommunikation gerichtlich durchgesetzt AfrikaDer Verdacht erhärtet sich AfrikaErstaunliche Vermutungen AfrikaMitläufertum oder echte Bekehrungen? AfrikaGhana: Gesicht Jesu in einer Grotte erschienen
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net