Deutschland
Wie bei einem Karussell
Der Bischof von Regensburg äußerte sich am Samstag in einem Interview zur jüngsten Kampagne gegen seine Person und sein Bistum: „Wir haben zwei Bilder der Diözese Regensburg: Eins, das mit der Realität zu tun hat, und das andere, das aus dem Willen zum Schlechtreden in der Phantasie geboren ist.“
(kreuz.net, Regensburg) Die Regensburger Bistumsleitung hat eine Evaluierungskommission eingerichtet, um die Arbeit des Diözesanrates zu überprüfen.

Das erklärte der Diözesanbischof, Mons. Gerhard Ludwig Müller (57), im Gespräch mit der katholischen Zeitung ‘Tagespost’. Das Interview wurde in der Samstagsausgabe veröffentlicht.

„Die Kommission soll untersuchen, welche positiven Signale und Initiativen vom Diözesanrat ausgegangen sind“, erläuterte Bischof Müller:

„Sie soll auch herausarbeiten, woran es hapert und was verbessert werden kann.“

Bischof Müller läßt den Diözesanrat aufgrund der jüngsten Probleme mit dem gegenwärtigen Vorsitzenden, Fritz Wallner, evaluieren.

Wallner hat jüngst einen Kleinkrieg gegen seinen Bischof angezettelt, weil dieser bei der Änderung der Rechtsordnung für Pfarrgemeinderäte den Diözesanrat nicht konsultiert hatte.

Der Diözesanratsvorsitzende lancierte seine Proteste, obwohl ein Diözesanbischof in der Handhabung solcher Satzungen nach den Bestimmungen des Kirchenrechtes autonom ist.

Das Problem bestehe im Bistum Regensburg darin – so Bischof Müller –, daß ein Diözesanratsvorsitzender beansprucht, am Bischofsamt Anteil zu haben, und zugleich meint, daß die bischöflichen Entscheidungen nur dann gelten, wenn er zustimme:

„Da ist natürlich die Kirchenverfassung auf den Kopf gestellt. Das muß zurückgewiesen werden.“

Die Presse stelle den Sachverhalt dar, als ob der Bischof diesem Herrn etwas Böses getan habe.

Tatsächlich sei genau das Gegenteil geschehen:

„Die Wirklichkeit sieht so aus, daß es hier um einen Übergriff ins Bischofsamt geht. Diese Propaganda-Masche, die hier getrieben wird, der Bischof sei angeblich gegen die Laien, hat ganz bestimmte Absichten.“

Es sei auch leicht zu erkennen, wie sich bestimmte Medien willig einspannen ließen.

In diesem Zusammenhang seien auch immer dieselben Namen zu lesen, bemerkt der Bischof:

„Das Landeskomitee der bayerischen Katholiken hat sich jetzt ebenfalls mit Presseerklärungen an die Öffentlichkeit gewandt – wie bereits Professor Meyer vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken –, ohne vorher mit mir einen Dialog gesucht zu haben.“

Wo die Argumente fehlten, bleibe nur Emotionalisierung und billige Stimmungsmache. Gewisse Damen und Herren wüßten von der Diözese Regensburg sehr wenig:

„Sie meinen aber, sie könnten hier hineinfunken, um einfach die Person des Bischofs in der Öffentlichkeit zu beschädigen, ihm das Etikett des Polarisierers anzuhängen oder das Bistum Regensburg dann so zu diffamieren, als ob es bei uns hauptsächlich Streit gäbe.“

In Wahrheit gebe es diesen Streit nur in den Medien. Die diözesane Wirklichkeit sehe anders aus.

Bei den sieben Pastoralbesuchen hätten jeweils Zehntausende von Menschen an Gottesdiensten teilgenommen. Dabei sei von den Dingen, die in den Zeitungen so hochgespielt wurden, nichts zu spüren gewesen.

„Wir haben zwei Bilder der Diözese Regensburg: Eines, das mit der Realität zu tun hat, und das andere, das aus dem Willen zum Schlechtreden in der Phantasie geboren ist.“

Auch wenn man manche mit dieser Stellungnahme vielleicht verschrecke:

„Das alles sieht nach einer Kampagne aus.“

Zur Frage, warum es solche Kampagnen auch in der Kirche gebe, bemerkt der Bischof, daß sie immer von den Leuten angezettelt werden, denen es um Macht geht:

„Diejenigen, die sich in Seelsorge und Verkündigung abmühen, haben andere Sorgen.“

Es sei interessant zu beobachten, wie die Betreiber der Kampagne, die ganz deutlich untereinander vernetzt seien, sich die Bälle gegenseitig zuspielten:

Dabei würden sie sich eigentlich kaum für das interessieren, was im Bistum Regensburg in Pastoral und Verkündigung, im Schulwesen und im caritativen Bereich an Neuaufbrüchen geschehe.

Es sei grotesk, daß der Vorwand, um die Kampagne zu eröffnen, darin bestanden habe, daß er – Bischof Müller – in den Satzungen der Pfarrgemeinderät und in andere Satzungen Zitate aus der Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanums eingefügt habe.

„Es sind ganz selbstverständliche Elemente des katholischen Glaubens, die offenbar auf Ablehnung stoßen.“

Auch die formale Autorität des Bischofs werde in Frage gestellt.

Er habe derartige Kampagnen schon mehrmals erlebt:

„Sie werden immer wieder von den gleichen Personen mit den gleichen stereotypen Parolen vorgetragen.“

Es handle sich dabei um fünf, sechs Namen, die sich wie bei einem Karussell immer wieder vorbeidrehten:

„Diese Kampagnen werden von Ideologen betrieben, die mich damit auch ausbremsen und isolieren wollen.“

Die verwendete Taktik sei zum Beispiel in internen Anweisungen der antikatholischen Bewegung „Wir sind Kirche“ niedergeschrieben. Sie bestehe darin, die Bischöfe beständig mit Eingaben, Kampagnen und Briefen einzudecken.

Damit wolle man die Hirten von ihrer eigentlichen Aufgabe – der Verkündigung und Seelsorge – fernhalten, sagte Bischof Müller.

Das werde aber nicht gelingen.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Laurentius2   11:19:42 | Donnerstag, 4. August 2005
Nicht nur Bischof Müller … Augiasställe ausmisten
Ich denke, wir sollten im selben Sinne auch für die guten Oberhirten Mixa, Schick (obwohl Obersofti) , Meisner, Haas und in Rom Cordes beten. Gott seis dedankt haben wir auch noch hervorragende, leider durch die idiotische Altersbeschränkung entmachtete Kardinäle: Scheffczyk, Stickler und Maier. Ich weiß persönlich (u.a. aber auch von Pfarrern), daß diese guten Leute oft ins Ordinariat kommen und alle Sesselkatholiken sich verbiegen vor Höflichkeit und Unterwürfigkeit. Kaum ist der brav-fromme Mann wieder aus dem Raum, lachen sie über ihn und kungeln mit oder begünstigen die vielen offen häretischen Pfarrer. Das ist die Lage !
DIESE vollgstopften AUGIASSTÄLLE gehören AUSGEMISTET !
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#3   bonifatius   22:07:28 | Montag, 1. August 2005
@Laurentius2: Ja, ein kleines Mosaik hierzu!
Als Bischof Müller seine Antrittspredigt hielt mailte ich diese einem damaligen Freund aus der Diözese Regensburg. Dies war gleichsam der casus belli in unseren Beziehungen.
Besagter Freund unterrichtete damals im aktiven Volksschuldienst auch Religion. Er gehörte einem sog. Altherrenverband einer (aussterbenden) kath. Studentenvereinigung an. Dieser Kreis erhitzte sich regelmäßig bei Diskussionen gegen JP II, war für Frauenordination, „Hinzutreten an den Tisch des Herrn…“ sowie für Zölibatsaufhebung etc. Mich verwunderte, dass auch ein Benediktinerpater mit von der Partie war.
Die Tagungen fanden meist in kirchlichen Räumen mit kirchlich finanzieller Unterstützung statt.
Ich erwähne dies um anzudeuten, mit welchen Schwierigkeiten Bischof Müller noch zu kämpfen hat, um den Sumpf einigermaßen trockenzulegen.
Möge Gott ihm Stärke, Klugheit und Geduld schenken!
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#2   Laurentius2   14:38:20 | Montag, 1. August 2005
Bischof braucht viel Kraft und Gebete
Dieser mutige Oberhirte benötigt viel Energie und Unterstützung durch romtreue Schäfchen in seinem Bistum. Hoffentlich sind die noch nicht alle eingeschlafen und tun endlich mal etwas gegen die 68er in ihrer Diözese. Auch wenn der Bischof nur einen sehr moderat liberal-konservativen Kurs fährt, so kämpft er dennoch tapfer um den letzten Rest katholischer Positionen und hat unchristlichen 68ern in der Kirche von Anfang an und ganz offiziell, zB in einer seiner Einführungspredigten, den Kampf angesagt ! Gott sei dank für diesen Mann ! Hoffentlich bekommmt er genug Flankenschutz, denn dies ist das entscheidende Ringen um die Zukunft der Kirche in Deutschland:
Leute, die im Grunde Marx, Mohammed und Mahatma Gandhi mit unserem Gott auf eine Stufe stellen, sind die pseudo-katholischen Vertreter der letztlich antichristlichen „DIKTATUR DES RELATIVISMUS“ (Benedikt XVI. im April d.J.).
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#1   Benedikt   14:00:19 | Montag, 1. August 2005
Deutschland
Es ist doch mittlerweile hinlänglich bekannt, wie die Medien von den Kirchenkritikern für ihre Zwecke eingesetzt werden. Seit dem Fall Küng ist doch praktisch jeder von der „Amtskirche“ gemaßregelte Theologe/Priester/Laienvertreter in den Medien (und dadurch beim übrigen Kirchenvolk) eine Art Märtyrer.
Der beste Beweis ist der Fall Hasenhüttl: Da war auch wieder das Lamento groß in den Medien und in der Öffentlichkeit. Und als unser Kaplan in seiner Predigt (es geschah ja zZ der Evangelienteile zu den „Brotreden“ Jesu, da passte das thematisch) anhand von Hasenhüttl-Aussagen nachwies, dass dieser weder ein katholisches noch ein evangelisches Mahlverständnis habe und außerdem kein christliches Gottebild lehre, da schüttelte die Hälfte der Gemeinde lieber dan Kopf anstatt zuzuhören – es ging ja um einen armen verfolgten Kirchenoppositionellen! Dass der Mann seit Jahren Atheist war/ist und seine atheistischen und apostatischen Lehren als katholischer Theologieprofessor (!) jahrzehntelang im Land verbreiten durfte, interessierte dagegen niemanden.
Seitdem weiß cih, was ich von Mediengeschwätz zu angeblich verfolgten Laien zu halten habe.
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