13:44:53 | Montag, 1. August 2005
Der Bischof von Regensburg äußerte sich am Samstag in einem Interview zur jüngsten Kampagne gegen seine Person und sein Bistum: „Wir haben zwei Bilder der Diözese Regensburg: Eins, das mit der Realität zu tun hat, und das andere, das aus dem Willen zum Schlechtreden in der Phantasie geboren ist.“
(kreuz.net, Regensburg) Die Regensburger Bistumsleitung hat eine Evaluierungskommission eingerichtet,
um die Arbeit des Diözesanrates zu überprüfen.
Das erklärte der Diözesanbischof, Mons. Gerhard Ludwig
Müller (57), im Gespräch mit der katholischen Zeitung ‘Tagespost’. Das Interview wurde in der Samstagsausgabe
veröffentlicht.
„Die Kommission soll untersuchen, welche positiven Signale und Initiativen vom Diözesanrat
ausgegangen sind“, erläuterte Bischof Müller:
„Sie soll auch herausarbeiten, woran es hapert und was
verbessert werden kann.“
Bischof Müller läßt den Diözesanrat aufgrund der jüngsten Probleme mit
dem gegenwärtigen Vorsitzenden, Fritz Wallner, evaluieren.
Wallner hat jüngst
einen Kleinkrieg gegen
seinen Bischof angezettelt, weil dieser bei der Änderung der Rechtsordnung für Pfarrgemeinderäte den
Diözesanrat nicht konsultiert hatte.
Der Diözesanratsvorsitzende lancierte seine Proteste, obwohl ein
Diözesanbischof in der Handhabung solcher Satzungen nach den Bestimmungen des Kirchenrechtes autonom
ist.
Das Problem bestehe im Bistum Regensburg darin – so Bischof Müller –, daß ein Diözesanratsvorsitzender
beansprucht, am Bischofsamt Anteil zu haben, und zugleich meint, daß die bischöflichen Entscheidungen
nur dann gelten, wenn er zustimme:
„Da ist natürlich die Kirchenverfassung auf den Kopf gestellt. Das
muß zurückgewiesen werden.“
Die Presse stelle den Sachverhalt dar, als ob der Bischof diesem Herrn
etwas Böses getan habe.
Tatsächlich sei genau das Gegenteil geschehen:
„Die Wirklichkeit sieht so
aus, daß es hier um einen Übergriff ins Bischofsamt geht. Diese Propaganda-Masche, die hier getrieben
wird, der Bischof sei angeblich gegen die Laien, hat ganz bestimmte Absichten.“
Es sei auch leicht zu
erkennen, wie sich bestimmte Medien willig einspannen ließen.
In diesem Zusammenhang seien auch immer
dieselben Namen zu lesen, bemerkt der Bischof:
„Das Landeskomitee der bayerischen Katholiken hat sich
jetzt ebenfalls mit Presseerklärungen an die Öffentlichkeit gewandt – wie bereits Professor Meyer vom
Zentralkomitee der deutschen Katholiken –, ohne vorher mit mir einen Dialog gesucht zu haben.“
Wo die
Argumente fehlten, bleibe nur Emotionalisierung und billige Stimmungsmache. Gewisse Damen und Herren wüßten
von der Diözese Regensburg sehr wenig:
„Sie meinen aber, sie könnten hier hineinfunken, um einfach
die Person des Bischofs in der Öffentlichkeit zu beschädigen, ihm das Etikett des Polarisierers anzuhängen
oder das Bistum Regensburg dann so zu diffamieren, als ob es bei uns hauptsächlich Streit gäbe.“
In
Wahrheit gebe es diesen Streit nur in den Medien. Die diözesane Wirklichkeit sehe anders aus.
Bei den
sieben Pastoralbesuchen hätten jeweils Zehntausende von Menschen an Gottesdiensten teilgenommen. Dabei
sei von den Dingen, die in den Zeitungen so hochgespielt wurden, nichts zu spüren gewesen.
„Wir haben
zwei Bilder der Diözese Regensburg: Eines, das mit der Realität zu tun hat, und das andere, das aus
dem Willen zum Schlechtreden in der Phantasie geboren ist.“
Auch wenn man manche mit dieser Stellungnahme
vielleicht verschrecke:
„Das alles sieht nach einer Kampagne aus.“
Zur Frage, warum es solche Kampagnen
auch in der Kirche gebe, bemerkt der Bischof, daß sie immer von den Leuten angezettelt werden, denen
es um Macht geht:
„Diejenigen, die sich in Seelsorge und Verkündigung abmühen, haben andere Sorgen.“
Es sei interessant zu beobachten, wie die Betreiber der Kampagne, die ganz deutlich untereinander vernetzt
seien, sich die Bälle gegenseitig zuspielten:
Dabei würden sie sich eigentlich kaum für das interessieren,
was im Bistum Regensburg in Pastoral und Verkündigung, im Schulwesen und im caritativen Bereich an Neuaufbrüchen
geschehe.
Es sei grotesk, daß der Vorwand, um die Kampagne zu eröffnen, darin bestanden habe, daß
er – Bischof Müller – in den Satzungen der Pfarrgemeinderät und in andere Satzungen Zitate aus der Kirchenkonstitution
„Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanums eingefügt habe.
„Es sind ganz selbstverständliche Elemente des
katholischen Glaubens, die offenbar auf Ablehnung stoßen.“
Auch die formale Autorität des Bischofs
werde in Frage gestellt.
Er habe derartige Kampagnen schon mehrmals erlebt:
„Sie werden immer wieder
von den gleichen Personen mit den gleichen stereotypen Parolen vorgetragen.“
Es handle sich dabei um
fünf, sechs Namen, die sich wie bei einem Karussell immer wieder vorbeidrehten:
„Diese Kampagnen werden
von Ideologen betrieben, die mich damit auch ausbremsen und isolieren wollen.“
Die verwendete Taktik
sei zum Beispiel in internen Anweisungen der antikatholischen Bewegung „Wir sind Kirche“ niedergeschrieben.
Sie bestehe darin, die Bischöfe beständig mit Eingaben, Kampagnen und Briefen einzudecken.
Damit wolle
man die Hirten von ihrer eigentlichen Aufgabe – der Verkündigung und Seelsorge – fernhalten, sagte Bischof
Müller.
Das werde aber nicht gelingen.
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