[ « 516 517 518 519 520 » ]
Montag, 1. August 2005 18:00
Obersturmbannführer Benediktus?
Das israelische Außenministerium benützte letzte Woche die Terroropfer eines Terroranschlages in Netanya, um den Papst und das Andenken von Johannes Paul II. anzugreifen. Wie hat die oft von Vorurteilen gegen die Kirche geplagte deutsche – und israelische – Presse reagiert?
Süddeutsche Zeitung – München

Man hatte über den beeindruckenden Versöhnungsgesten Papst Johannes Pauls II. vergessen, wie brüchig das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Israel in Wirklichkeit ist.

Alle Päpste von Pius XII. bis Johannes Paul II. verstanden sich als Unterstützer der christlichen Palästinenser, lange vertrat der Vatikan die Forderung, Jerusalem müsse als heiliger Ort eine Stadt mit besonderem Status bleiben.

Israel wiederum warf dem Vatikan vor, die PLO aufzuwerten, die Intifada zu unterstützen, kurz: auf der anderen Seite zu stehen.

Nun gibt es einen neuen Papst, und nun will die Regierung in Tel Aviv es wissen: Wo stehst du, Benedikt? Bei uns? Dann bete für uns! Das sollte er auch tun. Weil Selbstmordattentate in London so scheußlich sind wie in Haifa. Und wenn Israels Vergeltung das internationale Recht bricht? Dann sollte er auch für diese Opfer beten.

Der Tagesspiegel – Berlin

Der Heilige Stuhl läßt sich von niemandem vorschreiben, was und wie er etwas sagen soll.’ So hart und unverblümt hat der Vatikan lange nicht mehr gesprochen – und das gegenüber einem Partner, um den sich Johannes Paul II. über zweieinhalb Jahrzehnte mit Geduld, Milde, Vorsicht und Bußgesinnung bemüht hatte.

Doch jetzt hat die Regierung in Israel einen anderen Ton angeschlagen, und der Vatikan sieht sich frontal angegriffen. Papst-Sprecher Joaquin Navarro Valls startete seinerseits einen Frontalangriff, die Anschuldigungen Israels seien ‘nur ein Vorwand’.

Hamburger Abendblatt

Der Konflikt zwischen Israel und dem Vatikan hatte sich zunächst lediglich an dem Nichterwähnen Israels im Papstgebet am vergangenen Sonntag entzündet. Darauf hatte Navarro-Valls zunächst mit dem Hinweis reagiert, Papst Joseph Ratzinger habe sich ausdrücklich auf Gewaltakte der vergangenen Tage beschränkt.

Über die wahren Hintergründe des Streits wird gerätselt.

Aus dem vatikanischen Umfeld gibt es Äußerungen, Israel wolle mit dem Streit um die Terror-Debatte von den stockenden Verhandlungen um den juristischen Status der katholischen Kirche im Heiligen Land ablenken.

Da sich der Streit allerdings sehr schnell und massiv hochgeschaukelt hat, gerät nun auch der Allgemeinzustand der israelisch-vatikanischen Beziehungen ins Blickfeld.

Frankfurter Rundschau

Der feine Theologe Joseph Ratzinger mag zwar in der rauen Politik vielleicht noch nicht erfahren sein. Aber seine etablierte Diplomatie wird sich doch nicht von einer plumpen Attacke überrumpeln lassen.

Es wird gewiß dabei bleiben, daß die katholische Kirche gute Beziehungen zur jüdischen Welt sucht, aber daß der Heilige Stuhl auch seine eigenen, handfesten Interessen unbeirrt weiter verfolgt.

Ratzinger-Vorgänger Wojtyla sprach überzeugt von den Juden als ‘unseren älteren Brüdern’, ließ sich aber nicht davon abhalten, mit Yasser Arafat quasi eine Anerkennung des Palästinenserstaates zu vereinbaren.

Der neue Papst hat mehrfach deutlich gemacht, die Politik seines Vorgängers fortsetzen zu wollen. Daß er bald die Synagoge in Köln besuchen will, ist ein guter Anfang.“

die tageszeitung – Berlin

Solche Ansichten werden im israelischen Radio vertreten
Solche Ansichten werden im israelischen Radio vertreten
Die ungewöhnlich scharfe Reaktion auf die israelische Kritik ist Wasser auf die Mühlen derer, die schon zu Beginn der Amtszeit von Benedikt XVI. Zweifel hinsichtlich seiner Herkunft, vor allem mit Blick auf sein Verhalten während der NS-Diktatur, laut werden ließen.

Vom ‘Obersturmbannführer Benediktus’ sprach die populäre Radiomoderatorin Irit Linur und ging damit noch über die damaligen Schlagzeilen der britischen Boulevardpresse vom ‘Hitlerjungen’ Ratzinger hinaus.

Spiegel

Die Begeisterung für den deutschen Segen schwindet. Denn Benedikt XVI. ist kein konservativer Papst, er ist ein Reaktionär, der seine Kirche in eine geistige Zitadelle führt, anstatt sie selbstbewußt ins offene Feld zu schicken.

Die von jüdischer und israelischer Seite geäußerte Kritik hat der Vatikan kalt abgefertigt. Daß er Terrorismus gegen Israel nicht Terrorismus nennen will, ist ein Beleg dafür, daß Benedikt XVI. nicht in der Tradition von Johannes Paul II. sondern eher in der geistigen Nachfolge von Pius XII. steht.

Auch der hat immer streng nach Vorschrift gehandelt und Dogmen für wichtiger gehalten als das wahre Leben und die politische Wirklichkeit.

Braunschweiger Zeitung

Der Papst hat unter dem Eindruck des Bombenterrors von London und Sharm el-Sheikh gesprochen. Es ist dreist, ihm die unmittelbare Betroffenheit als Einseitigkeit anzukreiden. Insofern ist die für Vatikan-Verhältnisse deutliche Antwort verständlich.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Donnerstag, 4. August 2005 14:16
Laurentius2: Höllenverdammung und Selbsthaß
Oft sind die katholischen Frechheiten von Athanasius erfrischend klar und unbekümmert.

Wenn er jedoch meint, die Juden wären in der Hölle, möchte ich meinen schärfsten Protest formulieren ! Es ist für die Gemeinschaft dieses Forums sehr abträglich, wenn in unseren Reihen so über Gottes auserwähltes Volk geredet wird. Als Katholik und Deutscher verwahre ich mich dagegen !

Natürlich kommt man zum Heil nur durch Christus, doch haben wir nicht darüber zu entscheiden oder vorschnell abzuleiten, wem Christus dieses Heil zukommen läßt und wem nicht. Wir wissen doch aus der uns offenbarten katholischen Lehre, daß Gott das Heil auch Nichtkatholiken über die gnadenhafte Vermittlung (zB durch Gebete und Meßopfer) seiner Kirche schenken kann – sozusagen auf einem außerorentlichen Heilsweg.

Gott schreibt mit seinem Volk eine ganz besondere Geschichte und wir Deutschen haben viel zu tun, damit wir darin auch noch das ein oder andere gute Kapitel mitgestalten können. Unser gemeinsamer Patron, der Hl.Erzengel Michael helfe dabei ! Dazu müssen wir uns allerdings zuerst vom auch bei Juden oft anzutreffenden Selbsthaß befreien (zB beim Judenhassenden Juden Marx, dem Geistvater der meisten deutschen Intellektuellen). Dieser jüdische und deutsche Selbsthaß ist allerdings das Vermächtnis eines anderen Engels …
Dienstag, 2. August 2005 22:49
Elendester Sünder: Lieber Rocky,
Jesus Christus: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14,6)
Dienstag, 2. August 2005 22:22
Rocky: Lieber Athanasius
wenn auch nicht antisemitisch, dann doch ein wenig grob! Tatsache ist, dass die Auserwählung der Juden eine Auserwählung durch Gott war! Oder glaubst du nixcht daran, dass Gott auch die Zukunft kennt? Und was Gott tu, das tut er in seiner ewigen Gegenwart! Dass ihnen – „das Reich Gottes genommen“ wurde und den „Heiden“ gegeben wurde sagt noch überhaupt nichts aus über die vom ewigen Gott in Jakob (Israel) gemachte Auserwählung! Das Reich Gottes wird denen gegeben, die daran glauben! Was hat das mit der Auserwählung der Juden zu tun? Sie in die Hölle zu versetzen ist mehr als „christlich“ gewagt! – Und was werden wir europäischen Christen sagen, wenn uns „das Reich Gottes genommen“ wird – weil wir es selbst schon lange verlassen haben? Vorsicht mit der Hölle! Sie ist sicher nicht „leer“ (H.U. v Balthasar) – aber ein ganzes Volk da hinein zuz vderdammen… lieber Atahansius, überlege mal, was Hölle bedeutet…!
Dienstag, 2. August 2005 19:10
bonifatius: Hallo Methusalem!
empfehle ihnen das Buch „die Kultur der Freiheit“ von Udo di Fabio (Richter am Bundesverfassungsgericht). Seit gestern auf dem Markt.
C.H. Beck schreibt hierzu: Der Westen gerät in Gefahr, weil eine falsche Idee der Freiheit die Alltagsvernunft zerstört.
Dienstag, 2. August 2005 18:19
methusalix †: Hallo Marcel…
…ohne diese Freiheiten, die Sie so verabscheuen, gibt es keine persönliche Verantwortung, also auch keine Sünde.
Dienstag, 2. August 2005 17:13
Benedikt: Pressefreiheit
Das Problem der Pressefreiheit ist nicht, dass es sie überhaupt gibt, sondern das ihr Sinngehalt völlig degeneriert ist.

Ursprünglich war die Pressefreiheit zu Kontrolle der Staatsgewalt (4. Macht im Staat) gedacht. So wahrgenommen, ist sie auch ein Segen.

Leider wird sich auch bei allem absurden Boulevardjournalismus, Hetzkampagnen usw. auf die Pressefreiheit berufen. Die Pressefreiheit war aber nie dazu gedacht zu ermöglichen, kompromittierende Bilder irgendwelcher VIPs in der Welt zu verbreiten, oder selber Meinungsbildner (was nur wenig weg von der Manipulation ist) zu werden. Es handelt sich also hier um eine Art stückweit missbrauchtes Freiheitsrecht.
Alle Lesermeinungen anzeigen 8 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2009 kreuz.net