11:03:00 | Dienstag, 2. August 2005
Einige private jüdische Institutionen bemühen sich nach dem häßlichen Angriff des israelischen Außenministeriums gegen den Papst und das Andenken von Johannes Paul II. um Schadensbegrenzung. Die israelische Tageszeitung ‘Jerusalem Post’ hetzt dagegen weiter.
(kreuz.net, Jerusalem) Gestern vor einer Woche verursachte das israelische Außenministerium einen schweren
diplomatischen Eklat.
Es griff den Papst persönlich an und beschmutzte anschließend auch das Andenken
von Papst Johannes Paul II. Beiden Päpsten wurde unterstellt, die israelischen Terroropfer angeblich
zu ignorieren.
Der Vatikan wies diese
üblen Verleumdungen mehrfach und mit ungewohnter Schärfe zurück.
Der Oberrabbiner von Tel Aviv, Meir Lau, warnte Israel jetzt, sich Papst Benedikt XVI. zum Feind zu machen.
Die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan seien heikel: „Wir müssen Papst Benedikt Glauben schenken.
Wir dürfen ihn nicht in einen Feind verwandeln.“
Vertreter einer jüdischen Stiftung, die sich „Pave
the way“ – „Ebnet den Weg“ – nennt, distanzierten sich ebenfalls von den Vorwürfen gegen den Vatikan.
150 Rabbiner der Stiftung erinnern in einem Schreiben an den Heiligen Stuhl an den Einsatz von Joseph
Kardinal Ratzinger um den Dialog mit dem Judentum.
Sie baten Benedikt XVI. um eine Audienz. Man wolle
dem Papst das Vertrauen in sein fruchtbares Wirken im jüdisch-christlichen Dialog persönlich mitteilen.
„Pave the way“ wurde bereits zu Beginn dieses Jahres von Papst Johannes Paul II. empfangen.
Der Oberrabiner
von Rom, Riccardo Di Segni, beschränkte sich darauf zu erklären, daß die gegenwärtige Situation „für
beide Parteien“ nur schädlich sei:
Als Religionsführer sei er über das „eskalierende Ausmaß“ der
Debatte besorgt. Er wünsche, daß der Streit so bald wie möglich beigelegt werde.
Gleichzeitig kritisierte
Oberrabiner Di Segni das Vorgehen der Stiftung „Pave the way“: „Anstatt sich selbst zu distanzieren, wäre
es besser, den Disput zu beenden.“
Es sei Zeit, Gras über die Sache wachsen zu lassen.
Der frühere
Vorsitzende des ‘Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Kontakte’, Seymour Reich, versuchte
ebenfalls die gezielte öffentliche Demütigung zweier Päpste zu verharmlosen:
„Beide Seiten haben überreagiert.“
Man solle durchatmen und die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan in einem größeren Zusammenhang
sehen.
Der italienische Nachrichtendienst ‘AsiaNews’ berichtete am Samstag, daß Israel angeblich selber
eine Aussöhnung suche und bereits einen
Gesandten nach Washington entsandt habe.
Diese Interpretation
der Reise dürfte allerdings einem Wunschdenken entsprechen. Bei dem Gesandten handelte es sich nämlich
ausgerechnet um jenen Beamten des israelischen Außenministeriums, der die hässlichen Verleumdung gegen
Papst Johannes Paul II. in einem Interview mit der ‘Jerusalem Post’ in die Welt gesetzt hat.
Die englischsprachige
Tageszeitung ‘Jerusalem Post’ meinte in ihrem Titel am Sonntag: „Israel sucht im verbalen Krieg über
den Terror einen Waffenstillstand mit dem Vatikan“.
Die Zeitung stellt sich immer wieder als Trägermedium
zur Verfügung, um Unterstellungen gegen den Heiligen Stuhl zu verbreiten.
Auch in ihrer gestrigen Ausgabe
bezichtigte das Blatt den Vatikan wie gehabt: Bislang habe der Heilige Stuhl nur allgemein Gewalt im Heiligen
Land, nicht aber ausdrücklich Attentate auf Israelis verurteilt.
Das angeblich „aufgehäufte Schweigen“
des Vatikan, der ansonsten Terror in aller Welt verurteilt, sei eine Ermutigung für palästinensische
Terroristen:
„Deshalb wurde eine kleine Krise mit dem Vatikan erwogen, gebilligt und – gut kalkuliert –
ausgelöst.“
Diesbezüglich hatte der Pressesprecher des Vatikan erklärt, daß es nicht immer möglich
gewesen sei, jedem Anschlag gegen Israel eine öffentliche Erklärung folgen zu lassen.
Einer der Gründe
dafür habe darin bestanden, daß Terroranschläge in Israel bisweilen von direkten israelischen Vergeltungsaktionen
begleitet waren, „die nicht immer in Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Rechtes“ erfolgten.
„Es wäre darum unmöglich, die ersten zu verurteilen und die zweiten zu verschweigen.“
Die Kommentare
in der ‘Jerusalem Post’ zeigen, daß in führenden Medien Israels die Einsicht in die Schwere des Vergehens
fehlt und somit ähnliche kirchenfeindliche Propagandaaktionen wieder zu befürchten sind.
Pater David
Jaeger – der führende Experte im Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Israel –
hat vor einigen Tagen
darauf hingewiesen, daß das israelische Außenministeriums die Toten des Terrors nur als einen Vorwand
mißbraucht.
Mit der Propagandaaktion solle die Verschleppung der seit Jahren anstehenden, vertraglich
vereinbarten Verhandlungen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl vertuscht werden.
Diese hat das israelische
Außenministerium genau in diesen Tagen erneut platzen lassen.
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