Judentum
Noch mehr Selbstrechtfertigungen aus Jerusalem
Nach den schweren Angriffen auf Papst Benedikt XVI. und das Andenken von Johannes Paul II. hat ein Jerusalemer Blatt erneut versucht, die Verleumdungen der israelischen Regierung gegen die Kirche zu verteidigen. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Jerusalem) Am vergangenen Montag hat die englischsprachige israelische Tageszeitung ‘Jerusalem Post’ den kürzlich produzierten diplomatischen Skandal erneut gerechtfertigt.

Das Blatt veröffentlichte am 25. Juli die Angriffe von Nimrod Barkan gegen Papst Benedikt XVI. und das Andenken von Papst Johannes Paul II.

Sie riefen in der katholischen Welt Empörung hervor.

Barkan ist ein höherer Beamter im israelischen Außenministerium. Der langjährige Diplomat ist dort der Direktor des Büros für ‘Angelegenheiten des Weltjudentums’.

Die ‘Jerusalem Post’ nennt ihn „erfahren und respektiert“.

Am Montag veröffentlichte das Blatt einen mit „Analyse“ überschriebenen Kommentar von Herb Keinon mit dem Titel: „Der größere Zusammenhang hinter dem vatikanischen Disput“.

Kommentator Keinon bemüht sich darin, den beschämenden Angriff des israelischen Außenministeriums zu verniedlichen:

Die Demütigung zweier Päpste, der Kirche und jedes Katholiken durch die rechtsnationalistische Regierung Scharon bezeichnet er als „Disput“.

Der vom Außenministerium erzeugte internationale Skandal ist für ihn ein „sehr öffentlicher Protest“.

Unter Papst Johannes Paul II. habe die israelische Regierung angeblich stillere und konventionellere und zugleich erfolglose Proteste eingereicht.

Jetzt sei gezielt die Presse alarmiert worden.

Souverän ignoriert Keinon das Dementi des Pressesprechers des Vatikan, Dr. Joaquin Navarro-Valls.

Dieser hatte erklärt, daß es solche israelische Proteste in der Vergangenheit nicht gegeben habe und veröffentliche zugleich eine ellenlange Liste von päpstlichen Verurteilungen von Anschlägen in Israel.

Zugleich betonte der vatikanische Pressesprecher, daß verschiedene Terroranschläge nicht kritisiert werden konnten, weil sie von völkerrechtswidrigen Racheaktionen und Sippenbestrafungen der israelischen Besatzungsarmee gefolgt waren.

Mit anderen Worten.

Der Vatikan hat darauf verzichtet, die Armee eines völkerrechtlich anerkannten Landes zusammen mit im Untergrund operierenden Terroristen zu verurteilen.

Kommentator Keinon verniedlicht weiter:

Das israelische Außenministerium habe sich – nachdem es dem Apostolischen Nuntius hochoffiziell eine Protestnote überreicht und Barkan gleichentags in der ‘Jerusalem Post’ nachgedoppelt hatte – strikt geweigert, weitere Kommentare abzugeben, um die „Spannungen mit dem neuen Papst nicht zu verschärfen“.

Keinon vergißt dabei zu sagen, daß Brandstifter immer so handeln.

Wenn das Haus in Flammen steht, sieht man von ihnen nichts mehr.

Doch dann stellt sich der Kommentator die Frage:

„Was erwartet sich Israel durch diesen Brachialakt?“

Die Antwort:

Israel wolle dem Terrorismus in Israel nach dem Abzug seiner Armee aus dem Gaza-Streifen jede Art der internationalen Toleranz entziehen. Dabei möchte Israel den Vatikan auf seine Seite zwingen.

Doch Keinon und die israelische Regierung werden vorher eine andere Lektion lernen müssen:

Ihr legitimer Wunsch nach einer internationalen Koalition gegen den Terrorismus in Israel wird dann in Erfüllung gehen, wenn sich Israel selber entschließen kann, auf illegale Gewalttaten – nicht nur diplomatischer, sondern auch militärischer Art – zu verzichten.

Wieviele Jahre sind vergangen, als die israelische Armee damit begann, mit scharfer Munition auf steinewerfende Schulkinder zu schießen?

Wohin hat diese Politik der Eskalation der Gewalt geführt?

Das Problem sind nicht angebliche Zweifel über die moralische Verwerflichkeit von terroristischen Aktionen, sondern die in der Vergangenheit von Israel – mit fatalen Konsequenzen – praktizierte Politik, Terror mit wachsendem Terror zu vergelten.

Seit dem Sechstagekrieg hielt die israelische Besatzungsmacht die Bewohner der besetzten Gebiete wie rechtloses Vieh. Sie begann außerdem, Land zu enteignen und illegale Siedlungen zu errichten.

Gleichzeitig schaute Israel jahrzehntelang zu, wie sich der Haß der rechtlosen und unterdrückten Palästineser hochschaukelte.

Doch Keinon bleibt uneinsichtig:

„Israel macht sich über den Vatikan – und die Welt – Sorgen, weil man den Terrorismus auf der ganzen Welt delegitimiert, aber gegenüber dem Terrorismus in Israel ein Auge zumacht.“

Nein. Israel wird lernen müssen, sich als ein normaler Rechtsstaat zu benehmen.

Das dürfte dem Land angesichts seiner erdrückenden militärischen Übermacht gegenüber den Palästinensern nicht schwerfallen.

Es braucht nur einen guten Willen.

Wenn sich der Staat Israel als Rechtsstaat benimmt, wird das Land alle Rechte haben, auch als solcher behandelt zu werden.

Den fünf Toten von Netanya werden diese Theorien freilich nicht helfen können.

Sie sind – und unzählige Menschen vor ihnen – Opfer einer brutalen Politik, die Gewalt mit Gewalt, Haß mit Haß und Bomben mit Bomben vergilt.

(Am Donnerstag verübte ein desertierter israelischer Soldat in Uniform, der zur rechtsextremen Kach-Bewegung gehörte, einen Terroranschlag. In einem Dorf bei Haifa erschoß er vier israelische Araber. 12 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.)
      
1 Lesermeinung
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#1   Lilith   21:49:06 | Sonntag, 7. August 2005
Das ist echt seltsam…
Sehr seltsam sogar, dass hier so ein Trara drum gemacht wird, denn es ist ja so, dass dies nur eine Zeitung ist, die soetwas schreibt. Die Regierung Israels ist vom Heiligen Vater und seinem Vorgänger durchaus begeistert gewesen…
„Die israelische Regierung begrüßte die Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger (78) zum neuen Papst. Der israelische Außenminister Silvan Shalom zeigte sich hoffnungsvoll, dass der neue Papst gerade unter Berücksichtigung seiner deutschen historischen Erfahrung sich insbesondere der Bekämpfung des Antisemitismus verschreiben wird.“
Da ich es nicht vollständig hier einfügen kann gibt es hier den Link:
Internationale Christliche Botschaft Jerusalem www.icej.de/…-papst-benedikt.html
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