17:25:38 | Sonntag, 7. August 2005
Nach den schweren Angriffen auf Papst Benedikt XVI. und das Andenken von Johannes Paul II. hat ein Jerusalemer Blatt erneut versucht, die Verleumdungen der israelischen Regierung gegen die Kirche zu verteidigen. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Jerusalem) Am vergangenen Montag hat die englischsprachige israelische Tageszeitung ‘Jerusalem
Post’ den
kürzlich produzierten diplomatischen Skandal erneut gerechtfertigt.
Das Blatt veröffentlichte
am 25. Juli die Angriffe von Nimrod Barkan gegen Papst Benedikt XVI. und das Andenken von Papst Johannes
Paul II.
Sie riefen in der katholischen Welt Empörung hervor.
Barkan ist ein höherer Beamter im israelischen
Außenministerium. Der langjährige Diplomat ist dort der Direktor des Büros für ‘Angelegenheiten des
Weltjudentums’.
Die ‘Jerusalem Post’ nennt ihn „erfahren und respektiert“.
Am Montag veröffentlichte
das Blatt einen mit „Analyse“ überschriebenen Kommentar von Herb Keinon mit dem Titel: „Der größere
Zusammenhang hinter dem vatikanischen Disput“.
Kommentator Keinon bemüht sich darin, den beschämenden
Angriff des israelischen Außenministeriums zu verniedlichen:
Die Demütigung zweier Päpste, der Kirche
und jedes Katholiken durch die rechtsnationalistische Regierung Scharon bezeichnet er als „Disput“.
Der
vom Außenministerium erzeugte internationale Skandal ist für ihn ein „sehr öffentlicher Protest“.
Unter Papst Johannes Paul II. habe die israelische Regierung angeblich stillere und konventionellere und
zugleich erfolglose Proteste eingereicht.
Jetzt sei gezielt die Presse alarmiert worden.
Souverän ignoriert
Keinon das Dementi des Pressesprechers des Vatikan, Dr. Joaquin Navarro-Valls.
Dieser hatte erklärt,
daß es solche israelische Proteste in der Vergangenheit nicht gegeben habe und veröffentliche zugleich
eine ellenlange Liste von päpstlichen Verurteilungen von Anschlägen in Israel.
Zugleich betonte der
vatikanische Pressesprecher, daß verschiedene Terroranschläge nicht kritisiert werden konnten, weil
sie von völkerrechtswidrigen Racheaktionen und Sippenbestrafungen der israelischen Besatzungsarmee gefolgt
waren.
Mit anderen Worten.
Der Vatikan hat darauf verzichtet, die Armee eines völkerrechtlich anerkannten
Landes zusammen mit im Untergrund operierenden Terroristen zu verurteilen.
Kommentator Keinon verniedlicht
weiter:
Das israelische Außenministerium habe sich – nachdem es dem Apostolischen Nuntius hochoffiziell
eine Protestnote überreicht und Barkan gleichentags in der ‘Jerusalem Post’ nachgedoppelt hatte – strikt
geweigert, weitere Kommentare abzugeben, um die „Spannungen mit dem neuen Papst nicht zu verschärfen“.
Keinon vergißt dabei zu sagen, daß Brandstifter immer so handeln.
Wenn das Haus in Flammen steht,
sieht man von ihnen nichts mehr.
Doch dann stellt sich der Kommentator die Frage:
„Was erwartet sich
Israel durch diesen Brachialakt?“
Die Antwort:
Israel wolle dem Terrorismus in Israel nach dem Abzug
seiner Armee aus dem Gaza-Streifen jede Art der internationalen Toleranz entziehen. Dabei möchte Israel
den Vatikan auf seine Seite zwingen.
Doch Keinon und die israelische Regierung werden vorher eine andere
Lektion lernen müssen:
Ihr legitimer Wunsch nach einer internationalen Koalition gegen den Terrorismus
in Israel wird dann in Erfüllung gehen, wenn sich Israel selber entschließen kann, auf illegale Gewalttaten –
nicht nur diplomatischer, sondern auch militärischer Art – zu verzichten.
Wieviele Jahre sind vergangen,
als die israelische Armee damit begann, mit scharfer Munition auf steinewerfende Schulkinder zu schießen?
Wohin hat diese Politik der Eskalation der Gewalt geführt?
Das Problem sind nicht angebliche Zweifel
über die moralische Verwerflichkeit von terroristischen Aktionen, sondern die in der Vergangenheit von
Israel – mit fatalen Konsequenzen – praktizierte Politik, Terror mit wachsendem Terror zu vergelten.
Seit dem Sechstagekrieg hielt die israelische Besatzungsmacht die Bewohner der besetzten Gebiete wie rechtloses
Vieh. Sie begann außerdem, Land zu enteignen und illegale Siedlungen zu errichten.
Gleichzeitig schaute
Israel jahrzehntelang zu, wie sich der Haß der rechtlosen und unterdrückten Palästineser hochschaukelte.
Doch Keinon bleibt uneinsichtig:
„Israel macht sich über den Vatikan – und die Welt – Sorgen, weil
man den Terrorismus auf der ganzen Welt delegitimiert, aber gegenüber dem Terrorismus in Israel ein Auge
zumacht.“
Nein. Israel wird lernen müssen, sich als ein normaler Rechtsstaat zu benehmen.
Das dürfte
dem Land angesichts seiner erdrückenden militärischen Übermacht gegenüber den Palästinensern nicht
schwerfallen.
Es braucht nur einen guten Willen.
Wenn sich der Staat Israel als Rechtsstaat benimmt,
wird das Land alle Rechte haben, auch als solcher behandelt zu werden.
Den fünf Toten von Netanya werden
diese Theorien freilich nicht helfen können.
Sie sind – und unzählige Menschen vor ihnen – Opfer einer
brutalen Politik, die Gewalt mit Gewalt, Haß mit Haß und Bomben mit Bomben vergilt.
(Am Donnerstag
verübte ein
desertierter israelischer Soldat in Uniform, der zur rechtsextremen Kach-Bewegung gehörte,
einen Terroranschlag. In einem Dorf bei Haifa erschoß er vier israelische Araber. 12 weitere Personen
wurden zum Teil schwer verletzt.)
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