Euthanasie
Mörderin oder Avantgardistin?
Eine deutsche Ärztin ist angeklagt, acht Krebspatienten mit radikalen Mitteln von ihrem Leiden befreit zu haben. Die behandelten Kranken wußten nichts von ihrem Glück.
(kreuz.net) Die Staatsanwaltschaft Hannover hat gegen eine Krebsärztin aus Langenhagen Anklage erhoben. Dem waren zweijährige Ermittlungen vorausgegangen. Das berichtete die deutsche Tageszeitung ‘Welt’.

Hannover ist die Hauptstadt des norddeutschen Bundeslandes Niedersachsen. Langenhagen befindet sich knapp 10 Kilometer nördlich von Hannover.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag entsprechende Medienberichte.

Zum Inhalt der Klage wollte er keine Angaben machen, weil diese den Verteidigern noch nicht zugestellt sei. Laut Angaben aus Justizkreisen lautet die Anklage auf achtfachen Totschlag.

Die Beklagte ist Dr. Mechthild Bach (55). Ihr wird vorgeworfen, acht Patienten eigenmächtig hochdosiertes Morphium gespritzt zu haben, um diese dadurch einzuschläfern.

Die Staatsanwaltschaft unterstrich, daß es sich bei den untersuchten Fällen nicht um eine der in Deutschland bereits legalen Formen des assistierten Selbstmordes gehandelt habe.

Die Patienten hatten nicht um ihre Ermordung gebeten.

Eine Behandlung mit hohen Dosen des Opiats war nach Ansicht eines Gutachters medizinisch nicht notwendig. Zudem wird bezweifelt, daß alle acht ermordeten Patienten unter starken Schmerzen litten.

Die Krebsärztin war wegen der mutmaßlichen Hilflosenmorde bereits im Jahr 2004 mehrere Wochen inhaftiert worden. Der Haftbefehl wurde gegen Bezahlung einer Kaution ausgesetzt.

Frau Dr. Bach verlor angesichts der Vorwürfe auch ihre Berufserlaubnis. Sie bestreitet nach wie vor alle Vorwürfe und behauptet lediglich „Sterbebegleitung“ betrieben zu haben.

Sie habe nie einen Patienten aktiv umgebracht.

Die Krebsärztin bezeichnet sich sogar als „gläubige Christin“ und „Ärztin aus Berufung“:

Mit 13 Jahren sei sie erkrankt und habe über Monate schwerste Schmerzen ertragen müssen:

„Als ich hilflos im Krankenbett lag, habe ich den Entschluß gefaßt, später Ärztin zu werden.“

Die Ermittlungen gegen die einstige Ärztin wurden eher zufällig durch eine Untersuchung der ‘Allgemeinen Ortskrankenkasse Niedersachsen’ im Jahr 2003 ausgelöst.

Eigentlich war man dem Abrechnungsbetrug eines anderen Mediziners nachgegangen. Dabei stieß man bei Dr. Mechthild Bach auf ungewöhnlich viele und hohe Verschreibungen von Opiaten und Psychopharmaka.

Die alarmierte Justiz beauftragte den Bochumer Schmerzspezialisten Professor Michael Zenz ein Gutachten zu erstellen.

Mehrere Leichen wurden exhumiert.

Professor Zenz kam zum Schluß, daß Dr. Mechthild Bach in acht Fällen ohne Grund eine tödlich wirkende Kombination von Morphium und Valium eingesetzt habe.

Das Landgericht Hannover wird diese oder nächsten Wochen entscheiden, ob der Prozeß gegen die ehemalige Krebsmedizinerin eröffnet wird. Bei einer Verurteilung wegen Totschlags drohen Bach fünf bis 15 Jahre Haft.
      
1 Lesermeinung
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#1   franco.felice   20:22:21 | Mittwoch, 10. August 2005
Ärztin als Avantgardistin?
Wieso sich aufregen? Was soll die Hypokrisie, da0 die Staatsanwaltschaft sich ereifert?
Wo es erlaubt ist, Leben nach unten hin zu begrenzen, ist es doch nur eine Frage der Zeit gewesen, es nach oben gleichzutun. Insofern ist diese Ärztin natürlich als Avantgardistin zu betrachten.
Im übrigen habe ich diese logische Konsequenz schon nach der Novellierung (!!) § 218, seit des in dulci jubilo des Bundesverfassungsgerichtes kommen sehen. Ins Muster dieser Ärztin zielt übrigens die neulich ins Gespräch gekommene mehrfache Kindsmörderin. Und nun regt sich plötzlich bundesweites Gewissen? Ist doch völlig gleich, ob hinter einer Bauchdecke oder nach Verlassen derselben menschliches Leben abgemurkst wird – oder nicht? Mord bleibt Mord. Nur solche wie Roth, Beck, Westerwelle lehnen sich gegen diese „Relativierung“ auf. Und über Krankenkassenbeiträgen wird das ganze Volk an diesem zügellosen Treiben mitbeteiligt, während gleichzeitig noch – 60 Jahre nach dem Krieg – unseren Kindeskindern das Wort vom Tätervolk um die Ohren geschlagen wird.
Zeitgleich schreit die illustre Gesellschaft auch nach Religionsersatz und fordert einheitlich Ethikunterricht an den Schulen! Welche Ethik? – ihre etwa? –… dann behüte uns GOTT!
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