Benedikt XVI.
Ein Paket in der Post
Diesen Morgen fand ich ein interessantes Paket in der Post. Es war keine Bombe, sondern eine längliche Postsendung mit vatikanischen Briefmarken. Der Absender war Mons. Georg Gänswein. Von einem irischen Journalisten.
(kreuz.net) Mons. Georg Gänswein ist wohl nicht jedermann bekannt. Aber ein Journalist im internationalen Dienst erkennt den Namen augenblicklich.

Gänswein ist der Name des Privatsekretärs seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI.

Was verschaffte mir die Ehre, ein Paket vom Privatsekretär des Papstes zu erhalten?

War das vielleicht doch eine Bombe – geschickt von irgendeinem Gotteskrieger mit einem eigenwilligen Humor – oder ein Witz?

Ich dachte sogleich an meinen Scherzkeks-Cousin von Killarney.

Doch dann sprach ich ein schnelles ‘Ave Maria’ und öffnete das Paket. Der Gedanke huschte durch meinen Kopf, daß dies möglicherweise meine letzte Tat auf dieser Welt gewesen sein könnte.

Im Paket war eine Schachtel und in der Schachtel eine Flasche ‘Old Bushmills Irish Whiskey’ – der beste aller Whiskeys.

Das ist, was die irischen Kobolde trinken – danach verwandelt sich ihr Urin in pures Gold!

Ich fand im Paket auch eine Note von Mons. Gänswein. Dort stand nur geschrieben: „Seine Heiligkeit erinnert sich an die Wette“.

Das löste in mir ein lautes Lachen aus. Gut, daß Seine Heiligkeit sich daran erinnerte, denn ich hätte die Wette – bei Sankt Kevin und Sankt Patrick! – mit Sicherheit vergessen.

Vor acht Jahren war ich neben meiner Tätigkeit als Reporter auch der Bücherrezensent meiner Tageszeitung.

In diesem Jahr – 1997 – publizierte Joseph Kardinal Ratzinger, der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, sein autobiographisches Buch ‘Meilensteine’.

Das Buch wurde in Rom vorgestellt und meine Zeitung sandte mich dorthin, um darüber zu berichten. Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, die eine bezahlte Reise nach Rom zurückweisen.

Darum machte ich mich auf den Weg.

Bei der Buchbesprechung hatte ich das Privileg, den damaligen Kardinal Ratzinger persönlich zu treffen. Ich stand mit einer Gruppe von anderen Reportern um den silberhaarigen vatikanischen Fuchs.

Die Diskussion war ziemlich angenehm, bis ein Reporter kräftig ins Fettnäpfchen trat.

Der Korrespondent der ‘Los Angeles Times’ – ein typischer Kalifornier – in anderen Worten: ein richtiger Idiot und Eselskopf – fragte seine Eminenz:

„Wann, glauben Sie, wird der gegenwärtige Papst sterben?“

Es entstand eine längere Pause.

Dann sagte seine Eminenz in aller Höflichkeit: „Seine Heiligkeit wird noch eine lange Zeit unter uns sein.“

Um nicht vollkommen blöd dazustehen, fuhr der Korrespondent der ‘Los Angeles Times’ fort: „Wer, glauben Sie, wird der nächste Papst sein?“

Noch eine Pause.

Seine Eminenz zuckte mit der Schulter: „Das ist in Gottes Hand.“

In diesem Augenblick warfen die umstehenden Reporter die Namen verschiedener Kardinäle ein, die für sie als Päpste in Frage kamen.

Es war ohne Zweifel die Wirkung des ausgeschenkten italienischen Weins – ganz abgesehen vom Effekt des weißen trockenen Rheinweines – denn plötzlich kam es aus mir:

„Vielleicht werden Sie der nächste Papst sein, Eminenz.“

Das führte zu einer noch längeren Konversationspause.

Die Gesichter der Journalisten verzogen sich.

Kardinal Ratzinger schaute auf mich mit dem Ausdruck, mit welchem Christus auf Sankt Petrus geblickt haben muß, als er ihm sagte: „Weiche zurück, Satan!“

Schließlich sagte Seine Eminenz augenzwinkernd: „Die Chancen dafür stehen nicht sehr gut.“

„Würden Sie sich also lieber ein Exemplar ihres Buches ‘Meilensteine’ um den Hals hängen als das Papsttum?“ – antwortete ich mit einer gewagten Anspielung auf eine Bibelstelle.

Der Kardinal lächelte: „Man könnte das so ausdrücken. Aber die Chancen sind gering, daß ich der nächste Papst sein werde.“

Ich weiß nicht, ob es der Effekt des spritzigen Italieners oder des trockenen Rheines – oder vielleicht die Sehnsucht nach Guiness-Bier war – denn dann sprudelte es aus mir hervor: „Wollen Sie wetten?“

Diese Frage erzeugte die längste Pause.

Die Augen der Weltpresse und die Blicke des Mannes, der ‘Großinquisitor’ genannt wurde, ruhten auf mir.

Schließlich lachte Seine Eminenz: „Sie wissen, daß Geldspiele in der Kirche verpönt sind. Doch angesichts der Tatsache, daß Sie ein Ire sind und die Kirche Ihrem Volk offenbar eine spezielle Erlaubnis für Geldspiele gegeben hat, weil man das in Ihrem Land so häufig tut, bin ich bereit, für Sie eine Ausnahme zu machen. Was ist der Einsatz?“

„Wie wäre es mit einer Flasche ‘Bushmills Whiskey’? – antwortete ich im Glauben, daß es sich um einen Scherz handelte.

„Einverstanden“, sagte er. Der Kardinal reichte mir die Hand, und ich schlug ein.

Bevor die Runde aufgelöst wurde, kam ein Priester auf mich zu: „Seine Eminenz möchte wissen, wie er mit Ihnen in Kontakt treten könnte, sollten Sie die Wette gewinnen.“

Ich lachte und dachte mir, daß das eine Fortsetzung des Scherzes war. Aber ich gab ihm meine Arbeitsadresse, die sich in all diesen Jahren nicht geändert hat.

Wieviele Leute können von sich sagen, daß ihnen der Heilige Vater höchstpersönlich eine Flasche ‘Bushmills Whiskey’ zugeschickt hat?

Stellen Sie sich vor, der bigotte Belfaster Prediger Rev. Ian Paisley würde das erfahren.

Ich sehe ihn schon vor mir, wie er in seiner ‘Freien Presbyterianischen Kirche’ in Belfast am nächsten Sonntag von der Kanzel donnert:

„Der Vatikan ist nicht nur die Hure Babylons, sondern auch eine Höhle von Geldspielern und ein weltweiter Verbreiter der gottlosen Trinksucht.“
      
8 Lesermeinungen
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#8   Breze   00:58:53 | Samstag, 7. Oktober 2006
@ Gerhard
Danke für den Zuspruch!!!!
Tut gut!!!!
Liebe Grüsse
:-)
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#7   Gerhard   02:44:25 | Freitag, 6. Oktober 2006
Archiv
Wenn einem ein Leser (hier: Breze)durch seine fundierten Beiträge auffällt, ist es schön, auch frühere Einträge von ihm rückverfolgen zu können. Dabei kann man dann auf solche hübschen Geschichten stoßen, wie diese! Ich würde mich freuen, wenn ich im kreuz.net-Forum öfter mal solche Beiträge fände!
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#6   Toby   14:49:07 | Mittwoch, 10. August 2005
„Meilensteine“?
Ratzingers autobiographisches Buch von 1997 ist in Deutschland unter dem Titel „Aus meinem Leben – Erinnerungen 1927-1977 publiziert worden – und nicht unter dem Titel „Meilensteine“. „Meilensteine“ ist die wörtlich von Englischen ins Deutsche übersetzte engschlischssprachige Ausgabe der Autobiographie unter dem Titel „Milestones“. Bei der Übersetzung des Berichts „eines irischen Journalisten“ hätte man also besser die deutsche Ausgabe angeben sollen.
Auch vermisse ich in dem Artikel den Namen dieses Journalisten und eine Quellenangabe.
Toby
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#5   Benedikt   23:57:00 | Dienstag, 9. August 2005
Hehe ;-)
@ Breze: Natürlich haben Katholiken Humor :-). Wird sind doch keine verbiesterten Protestanten (siehe dazu auch den letzten Artikelabsatz).
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#4   Mimi   21:56:16 | Dienstag, 9. August 2005
Wunderschön!
Was für eine herrliche Geschichte, ich hab mich sehr amüsiert! Und es macht unseren neuen Papst wirklich noch sympathischer, da es einen Blick auf seine menschliche Seite freigibt.
Im übrigen würde ich diese Flasche wohl eher nicht trinken sondern aufbewahren…
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#3   Beobachterin   21:40:22 | Dienstag, 9. August 2005
Großartig!
Das war eine schöne herzerfrischende Geschichte. Ich freue mich für Sie!
Die Frage ist nun: Was macht man mit einer Flasche Whiskey, die einem vom Papst geschenkt wurde? (Allerdings kommen nicht viele Glückliche in die Situation, sich dies zu fragen ;-))
Wird man diese Flasche jemals öffnen, oder immer aufbewahren?
Ich würde sie öffnen. Und nach und nach mit ganz besonderem Genuß trinken.
Und der leeren Flasche würde ich einen Ehrenplatz geben.
Prosit! :-)
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#2   Irenäus   20:46:56 | Dienstag, 9. August 2005
Sympathisch
Bei aller Kritik an Joseph Ratzinger/Benedikt XVI: ich schätze ihn tausendmal mehr als seinen Vorgänger. Und auch ich habe beim Lesen dieser Geschichte viel gelacht.
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#1   Breze   20:41:17 | Dienstag, 9. August 2005
Köstlich!!!
Da sag mal einer, wir Katholiken hätten keinen Sinn für Humor und für die kleinen Freuden des Lebens. Eine super nette Geschichte, die die menschlichen Seiten des Papstes „aufdeckt“. Ich hab jedenfalls sehr geschmunzelt
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