16:04:49 | Dienstag, 9. August 2005
Benedikt XVI.
Diesen Morgen fand ich ein interessantes Paket in der Post. Es war keine Bombe, sondern eine längliche Postsendung mit vatikanischen Briefmarken. Der Absender war Mons. Georg Gänswein. Von einem irischen Journalisten.
(kreuz.net) Mons. Georg Gänswein ist wohl nicht jedermann bekannt. Aber ein Journalist im internationalen
Dienst erkennt den Namen augenblicklich.
Gänswein ist der Name
des Privatsekretärs seiner Heiligkeit
Papst Benedikt XVI.Was verschaffte mir die Ehre, ein Paket vom Privatsekretär des Papstes zu erhalten?
War das vielleicht doch eine Bombe – geschickt von irgendeinem Gotteskrieger mit einem eigenwilligen
Humor – oder ein Witz?
Ich dachte sogleich an meinen Scherzkeks-Cousin von Killarney.
Doch dann sprach
ich ein schnelles ‘Ave Maria’ und öffnete das Paket. Der Gedanke huschte durch meinen Kopf, daß dies
möglicherweise meine letzte Tat auf dieser Welt gewesen sein könnte.
Im Paket war eine Schachtel und
in der Schachtel eine Flasche ‘Old Bushmills Irish Whiskey’ – der beste aller Whiskeys.
Das ist, was
die irischen Kobolde trinken – danach verwandelt sich ihr Urin in pures Gold!
Ich fand im Paket auch
eine Note von Mons. Gänswein. Dort stand nur geschrieben: „Seine Heiligkeit erinnert sich an die Wette“.
Das löste in mir ein lautes Lachen aus. Gut, daß Seine Heiligkeit sich daran erinnerte, denn ich hätte
die Wette – bei Sankt Kevin und Sankt Patrick! – mit Sicherheit vergessen.
Vor acht Jahren war ich neben
meiner Tätigkeit als Reporter auch der Bücherrezensent meiner Tageszeitung.
In diesem Jahr – 1997 –
publizierte Joseph Kardinal Ratzinger, der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, sein autobiographisches
Buch ‘Meilensteine’.
Das Buch wurde in Rom vorgestellt und meine Zeitung sandte mich dorthin, um darüber
zu berichten. Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, die eine bezahlte Reise nach Rom zurückweisen.
Darum
machte ich mich auf den Weg.
Bei der Buchbesprechung hatte ich das Privileg, den damaligen Kardinal Ratzinger
persönlich zu treffen. Ich stand mit einer Gruppe von anderen Reportern um den silberhaarigen vatikanischen
Fuchs.
Die Diskussion war ziemlich angenehm, bis ein Reporter kräftig ins Fettnäpfchen trat.
Der Korrespondent
der ‘Los Angeles Times’ – ein typischer Kalifornier – in anderen Worten: ein richtiger Idiot und Eselskopf –
fragte seine Eminenz:
„Wann, glauben Sie, wird der gegenwärtige Papst sterben?“
Es entstand eine längere
Pause.
Dann sagte seine Eminenz in aller Höflichkeit: „Seine Heiligkeit wird noch eine lange Zeit unter
uns sein.“
Um nicht vollkommen blöd dazustehen, fuhr der Korrespondent der ‘Los Angeles Times’ fort:
„Wer, glauben Sie, wird der nächste Papst sein?“
Noch eine Pause.
Seine Eminenz zuckte mit der Schulter:
„Das ist in Gottes Hand.“
In diesem Augenblick warfen die umstehenden Reporter die Namen verschiedener
Kardinäle ein, die für sie als Päpste in Frage kamen.
Es war ohne Zweifel die Wirkung des ausgeschenkten
italienischen Weins – ganz abgesehen vom Effekt des weißen trockenen Rheinweines – denn plötzlich kam
es aus mir:
„Vielleicht werden Sie der nächste Papst sein, Eminenz.“
Das führte zu einer noch längeren
Konversationspause.
Die Gesichter der Journalisten verzogen sich.
Kardinal Ratzinger schaute auf mich
mit dem Ausdruck, mit welchem Christus auf Sankt Petrus geblickt haben muß, als er ihm sagte: „Weiche
zurück, Satan!“
Schließlich sagte Seine Eminenz augenzwinkernd: „Die Chancen dafür stehen nicht sehr
gut.“
„Würden Sie sich also lieber ein Exemplar ihres Buches ‘Meilensteine’ um den Hals hängen als
das Papsttum?“ – antwortete ich mit einer gewagten Anspielung auf eine Bibelstelle.
Der Kardinal lächelte:
„Man könnte das so ausdrücken. Aber die Chancen sind gering, daß ich der nächste Papst sein werde.“
Ich weiß nicht, ob es der Effekt des spritzigen Italieners oder des trockenen Rheines – oder vielleicht
die Sehnsucht nach Guiness-Bier war – denn dann sprudelte es aus mir hervor: „Wollen Sie wetten?“
Diese
Frage erzeugte die längste Pause.
Die Augen der Weltpresse und die Blicke des Mannes, der ‘Großinquisitor’
genannt wurde, ruhten auf mir.
Schließlich lachte Seine Eminenz: „Sie wissen, daß Geldspiele in der
Kirche verpönt sind. Doch angesichts der Tatsache, daß Sie ein Ire sind und die Kirche Ihrem Volk offenbar
eine spezielle Erlaubnis für Geldspiele gegeben hat, weil man das in Ihrem Land so häufig tut, bin ich
bereit, für Sie eine Ausnahme zu machen. Was ist der Einsatz?“
„Wie wäre es mit einer Flasche ‘Bushmills
Whiskey’? – antwortete ich im Glauben, daß es sich um einen Scherz handelte.
„Einverstanden“, sagte
er. Der Kardinal reichte mir die Hand, und ich schlug ein.
Bevor die Runde aufgelöst wurde, kam ein
Priester auf mich zu: „Seine Eminenz möchte wissen, wie er mit Ihnen in Kontakt treten könnte, sollten
Sie die Wette gewinnen.“
Ich lachte und dachte mir, daß das eine Fortsetzung des Scherzes war. Aber
ich gab ihm meine Arbeitsadresse, die sich in all diesen Jahren nicht geändert hat.
Wieviele Leute können
von sich sagen, daß ihnen der Heilige Vater höchstpersönlich eine Flasche ‘Bushmills Whiskey’ zugeschickt
hat?
Stellen Sie sich vor, der bigotte Belfaster Prediger Rev. Ian Paisley würde das erfahren.
Ich
sehe ihn schon vor mir, wie er in seiner ‘Freien Presbyterianischen Kirche’ in Belfast am nächsten Sonntag
von der Kanzel donnert:
„Der Vatikan ist nicht nur die Hure Babylons, sondern auch eine Höhle von Geldspielern
und ein weltweiter Verbreiter der gottlosen Trinksucht.“
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