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Samstag, 13. August 2005 10:39
Sachlich-nüchtern
Am letzten Donnerstag widmete ein Politmagazin des ‘Westdeutschen Rundfunks’ dem Weltjugendtag einen Beitrag. Trotz hochgesteckter Themenvorgabe kam die Sendung nicht über die Gürtellinie hinaus. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Köln) Am letzten Donnerstag abend versuchte das ARD-Politmagazin ‘Monitor’ über den Weltjugendtag in Köln zu berichten. Der Titel des Beitrags lautete: „Weltjugendtag – Aufbruch für katholische Fundamentalisten.“

Er stammte von Markus Zeidler und Julia Friedrichs.

Das Sendegefäß ‘Monitor’ bietet nach eigenen Angaben „seriöse Information“.

Man betreibe eine „sorgfältige Analyse der Hintergründe“. Diese „sachlich-nüchterne Berichterstattung ohne jeglichen Ansatz von Sensationsjournalismus“ sei nach wie vor gefragt.

Schon der Titel des Beitrags über den Weltjugendtag ist ein eindeutiger Hinweis, daß die Selbstdarstellung von ‘Monitor’ der Wahrheit entsprechen muß.

In Köln soll das Bild einer jungen Kirche im Aufbruch vermittelt werden, erklärte eine einleitende Moderatorin und stellt die Frage: Aufbruch wohin?

Die Absicht des dann folgenden Beitrags war, dem Zuschauer allen Ernstes weiszumachen, daß der Weltjugendtag ein „Forum für Ultrakonservative“ sei.

Dieses Urteil läßt auf die extremistische ideologische Position der Urteilenden zurückschließen.

Bewiesen wird die ungewöhnliche These mit viel Emotionalem und einer gehörigen Portion Sensationsjournalismus.

Zuerst ereifert sich der sachlich-nüchterne Beitrag von Zeidler und Frau Friedrichs an der ‘Jugend 2000’.

Die ‘Jugend 2000’ ist eine internationale Jugendbewegung. Sie entstand im Jahre 1989 nach einem Aufruf von Papst Johannes Paul II. am Weltjugendtag in Santiago de Compostella. ‘Jugend 2000’ engagiert sich vor allem für die Weltjugendtage und die Neuevangelisierung.

Jugendliche und Priester, die der ‘Jugend 2000’ angehören, werden im Beitrag zu den Dauerthemen einer einseitigen und phantasielosen antikirchlichen Berichterstattung verhört:

Zeidler und Frau Friedrichs interessieren sich vor allem für die Evolution und natürlich für viel Sex.

Die Jugendlichen schlagen sich tapfer:

Die Homosexualität könne nicht normal sein, antwortet ein junger Mann: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Welt, in der Schwule leben, auf Dauer Bestand haben kann.“

Anschließend macht der Beitrag Gratiswerbung für die antikatholische Gruppierung ‘Wir sind Kirche’. Was die Vereinigung in einem Beitrag über den Weltjugendtag sucht, ist rätselhaft.

Die Gruppe ist weder jugendlich noch im Jugendbereich tätig. Sie nimmt auch nicht am Weltjugendtag teil.

„Wir sind Kirche“ ist ein international agierender Zusammenschluß von glaubensfernen und kirchenfeindlichen Katholiken. Der Verein setzt sich unter anderem für die Homo-Ideologie, die Priesterehe und die Frauenpriesterinnen ein.

Auch bei den rüstigen Damen und Herren von ‘Wir sind Kirche’ erhebt sich das Gespräch nicht über die Gürtellinie.

Bei den deutschen Katholikentagen sei die Gruppe immer eingeladen worden, um das Programm mitzugestalten, erklärt ein Kölner Mitglied.

Man habe – halt die üblichen – Themen wie Frauenordination oder Priesterehe eingebracht:

„Diese Themen sind auf dem Weltjugentag nicht gefragt und daher sind wir auch nicht eingeladen“, wundert sich der Kölner.

Möge er sich trösten: Damit ist er wenigstens beim ‘Westdeutschen Rundfunk’ an der richtigen Adresse.

Die Kamera schwenkt ins Büro von ‘Wir sind Kirche’. Dort wird eifrig an einer Art Gegenveranstaltung zum Weltjugendtag gearbeitet.

‘Monitor’ belohnt auch eine bisher ziemlich unbekannte Formierung ‘Frauenwürde’ sowie die Abtreibungsberatung ‘Donum Vitae’ mit einer kurzen Werbeeinschaltung.

Beide Gruppen stehen mit dem Weltjugendtag in keinem inhaltlichen Zusammenhang.

Trotzdem beklagen sich die sachlich-nüchternen Moderatoren von ‘Monitor’, daß die Kirche keine dieser Vereinigungen, die im deklarierten Widerspruch zur Lehre und Leitung der Kirche stehen, zum Weltjugendtag bittet.

Um den eigenen Groll zu objektivieren, bitten die Journalisten eine angegraute Dame von ‘Wir sind Kirche’ zum Mikrophon. Ihr „Engagement“ am Weltjugendtag sei nicht erwünscht, meint sie:

„Die Kirche will das Thema Sexualität nicht angehen.“

Anschließend darf der Generalsekretär des Weltjugendtages etwas sagen.

Denn ‘Monitor’ ist ein sachlich-nüchternes Medium, das auf eine ernstzunehmende Berichterstattung Wert legt.

Der Generalsekretär – immerhin der Generalsekretär – darf aber nur dem soeben aufgebauten Kontext von ‘Wir sind Kirche’ zudienen. (Worum geht es in der Sendung eigentlich?)

Er erklärt, daß die Sorge um die ungeborenen Menschen von mehreren Gruppen thematisiert werde und verweist diesbezüglich auf afrikanische Jugendverbände:

„Donum Vitae ist kein Jugendverband. Insofern erfüllt er nicht die Kriterien. Wir sind nicht ein Forum für alle Gruppierungen und Vereine, die sich darstellen wollen.“

Als nächster darf Johannes Brosseder, ein Theologe der Universität Köln, etwas sagen. Er benützt die Gelegenheit, um seinen Vorgesetzten, den Erzbischof von Köln, ohne falsche Hemmungen in die Pfanne zu hauen.

Das ist natürlich nur in der autoritären, undemokratischen und mittelalterlichen Katholischen Kirche möglich.

Was würde geschehen, wenn ein WDR-Journalist in seiner Firma Ähnliches wagen würde?

Doch zurück zum bösen Erzbischof.

Dieser sei als „Hardliner“ bekannt.

Ist das vielleicht der Grund, warum die Mäuse vor seiner Nase tanzen können – wie das der Kölner Professor in der Hauptsendezeit des Deutschen Fernsehens vormacht.

Der Erzbischof liebäugle mit „rechten Gruppierungen“ und locke diese in seine Diözese.

Und schon beginnt ‘Monitor’ die rabenschwarze Litanei der „rechten Gruppierungen“ herunterzubeten.

Man beginnt mit dem finsteren, die große Weltverschwörung planenden und wohl in Transsilvanien – der Heimat von Graf Dracula – gegründeten Opus Dei.

In der Hitze des Gefechtes wird die Personalprälatur als „Geheimorden“ auf eine Ebene mit der Freimaurerei gestellt.

Das läßt darauf hindeuten, daß die nächste ‘Monitor’-Sendung von Zeidler und Frau Friedrichs sich nüchtern-sachlich mit der Weltverschwörung der Logen befassen wird.

Das ‘Opus Dei’ steht – dank des Hinweises von ‘Monitor’ – für „mittelalterliche Selbstgeißelung“.

Eine entsprechende Darstellung haben die Autoren – wohl im Internet – auch gefunden.

Dann geben Zeidler und Frau Friedrichs erneut einem sogenannten Theologen das Wort.

Es ist bekanntlich ein journalistischer Trick, daß man die schmutzigsten Dinge von einem anderen sagen läßt – um den Schein der Objektivität zu wahren.

Für das Dreckwerfen eigenen sich frustrierte katholische Theologen der Neuen Schule hervorragend.

Auf geht’s: Beim Opus Dei würden „bereits Minderjährige auf den Geist der Organisation eingeschworen“ und auf den Zölibat „präpariert“.

Vermutlich denkt der Theologe an den Sex-Unterricht für Fünfjährige.

‘Monitor’ verweist noch auf „andere traditionalistische Gruppen“.

Der ‘Monitor’-Eintopf wird mit der großen Kelle angerührt.

Ein besonderer Leckerbissen sind dabei die Mitglieder der Jugendgruppe Juventutem.

Ziel der Vereinigung sei – so die mahnenden Worte von ‘Monitor’ – der „liturgische Rückschritt hinter die Reformen des Zweiten Vatikanums“.

Der tapferen Verteidigung des letzten Konzils der Römischen Kirche durch die nüchtern-sachlichen Journalisten des ‘Westdeutschen Rundfunks’ sei an dieser Stelle Dank gesagt.

Wenigstens der WDR ist noch auf Linie.

Was sagen die Jugendlichen von ‘Juventutem’ selber:

„Wir wollen, daß die Heiligkeit der Kirche bewahrt bleibt.“

Juventutem sei erstmals bei einem Weltjugendtag dabei – hilft der Journalist von ‘Monitor’. Bisher sei ihnen „selbst das“ zu liberal gewesen.

In einem abschließenden Theologenbeitrag tadelt ‘Monitor’ die traditionellen Jugendlichen, in einem Turm zu sitzen und auf Häretiker, Abweicher und Verräter zu schießen.

Tatsächlich?

Ob dieser Turm der Fernsehturm des ‘Westdeutschen Rundfunks’ ist?
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 17 Lesermeinungen:
Dienstag, 16. August 2005 10:59
jonathan: Endlich
@yersinia: Vielen Dank für die treffenden Worte.

Da sitzt man Steine werfend im Glashaus und wundert sich, dass es zieht.
Sonntag, 14. August 2005 08:37
Yersinia: nun, was die Beschäftigung mit Themen in der Gegend der „Gürtellinie“ betrifft
ist kreuz.net wahrlich ein leuchtendes Beispiel; ganz besonders herausgestellt werden soll aber die immer von jeglicher Polemik völlig freie Berichterstattung;
Sonntag, 14. August 2005 00:37
Benedikt: Schade nur…
…dass die Sendung Monitor so wenige Zuschauer hat. Da dort seit längerer Zeit in wirklich JEDE Richtung gehetzt wird, schaltet halt kaum noch einer ein.

Währe es anders, so könnten sich Juventutem & Jugend 2000 mal wieder über kostenlose Werbung bedanken. Jeder Katholik weiß doch, was er von Lobhudeleien auf Wir Sind Kirche zu halten hat und wie dann der Beitrag einzuschätzen ist. Das wird auch der Grund sein, warum Monitor überhaupt dort filmen durfte.
Samstag, 13. August 2005 22:53
Sebastijonas: Bravo!
Endlich mal wieder ein geistvoller Kommentar bei kreuz.net. Bravo! Sehr gut gemacht!
Samstag, 13. August 2005 21:51
Romulus: @ Marcel – Rundfunkverweigerung
Hut ab vor Ihrer Rundfunkverweigerung, Marcel! Der Mann meiner Cousine hat dies auch gemacht (bei GEZ abgemeldet) und mußte auch diese unangenehmen Fragen und Besuche über sich ergehen lassen. Die einzige sinnvolle Erklärung für die Abmeldung der Fernsehkiste für die ist, man ist gestorben. Da man das einer Familie mitte dreißig nicht abnimmt, deswegen gibt’s die Kontrollbesuche.
Vielen Dank für Ihr Lob! Aber: Auch Ihre Beiträge, v.a. Ihre Links, sind hervorragend und werden -glauben Sie mir- von sehr vielen sehr genau mit Dankbarkeit gelesen!
Samstag, 13. August 2005 21:00
Marcel: Verweigerung
„Nehmen die Deutschen jenes TV-Programm wirklich ernst?“

Ob sie’s ernstnehmen oder nicht, sei einmal dahin gestellt.

Aber BEZAHLEN tun wir’s alle.

Ist ja „öffentlich-rechtlich“.


Nun, ich nehme das öffentlich-rechtliche Programm weder ernst noch wahr. Und ich bin – zum ersten Mal im Leben – damit nicht in der Minderheit: in meiner FSSPX-Gemeinde.

Als TV-Verweigerer (*) zahle ich jedenfalls nicht für die ständig antikirchliche Agitation des Allgemeinen Rotfunks Deutschlands (ARD). Bis jetzt nicht. Denn falls die Pläne der Volksverdummer durchkommen, und viele Politiker protifieren davon und helfen daher mit, wird demnächst GEZ für jeden Internet-fähigen PC fällig. Begründung: „sonst könnte man ja deren WWW-Seiten kostenlos ‘konsumieren’…“
Dito für ZDF. Dafür lese ich aber Peter Hahnes neues Buch, obwohl er Protestant ist.

Allen einen gesegneten morgigen Tag des Herrn wünsche ich!
In Christo verbunden mit allen Katholiken.

(*) Man macht sich allerdings „sehr verdächtig“ damit und muß jährlichen für das Wahrheitsministerium einen Bogen ausfüllen und zurücksenden, sowie Kontrollbesuche sehr unangenehmer Drückermenschen über sich ergehen lassen.
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