09:03:20 | Donnerstag, 18. August 2005
St. Pölten
Der Bischof von St. Pölten hat für sein Priesterseminar einen neuen Spiritual ernannt. Die jetzt vollständig ereuerte dreiköpfige Hausleitung wird sieben Seminaristen betreuen und den angerichteten Schaden – wie sich der Bischof ausdrückte – beheben helfen.
(kreuz.net, St. Pölten) Die Ernennung des neuen Hausgeistlichen für das St. Pöltner Priesterseminar
durch Bischof Klaus Küng wurde durch die diözesane Kirchenzeitung ‘Kirche bunt’ in ihrer jüngsten Ausgabe
bekanntgegeben.
Das Priesterseminar, das im vergangenen Schuljahr nach Anklagen schwerer sexueller Verfehlungen
seitens der Leitung und einiger Seminaristen geschlossen wurde, wird am 1. Oktober wiedereröffnet.
Das
Amt des Spirituals wird in Zukunft der Benediktinerpater Laurentius Resch (49) ausüben. Der Benediktiner
gehört zum Stift Seitenstetten.
Der Ort Seitenstetten befindet sich rund 70 Kilometer westlich von St.
Pölten an der Grenze zu Oberösterreich. Das dortige Benediktinerstift gilt wie die meisten niederösterreichischen
Klöster als sehr liberal.
Der Spiritual hat in einem Priesterseminar die Aufgabe, die Seminaristen,
die sich auf das Priestertum vorbereiten, geistlich zu begleiten und ihnen mit Ratschlägen zur Seite
zu stehen. Während Regens und Subregens als Leiter des Hauses eher die Rolle des Vaters übernehmen,
wirkt der Spiritual gleichsam als ‘Mutter’ der Alumni.
Pater Resch wurde am 26. Juni 1956 in der Ortschaft
Waidhofen/Ybbs – 70 km südwestlich von St. Pölten – geboren. Er maturierte im interdiözesanen Seminar
für Spätberufene im Canisusheim in Horn im nördlichen Waldviertel.
Nach dem Theologiestudium in St.
Pölten wurde er am 1. Juli 1982 durch den damaligen Bischof von St. Pölten, Mons. Franz Zâk († 2004),
in der Stiftskirche Seitenstetten zum Priester geweiht.
Der bisherige Spiritual, Prof. Josef Kreiml,
wird Dekan der Hochschule. Er übersiedelt in die ehemalige Wohnung des entlassenen Pressesprechers der
Diözese, Dipl. Ing. Michael Dinhobl. Der aus Bayern stammende Kreiml ist Professor für Fundamentaltheologie.
Der neue Spiritual ist geistlicher Leiter des Jugendhauses „Schacherhof“ und des „Hauses Gennesaret“
sowie Novizenmeister und Klerikermeister im Stift. Diese Aufgaben wird er trotz des neuen Amtes behalten.
Das Jugendhaus Schacherhof ist ein alter Gutshof des Stiftes Seitenstetten, der jetzt als diözesanes
Jugendhaus funktioniert. Im Jugendhaus sieht Pater Resch die Chance eines kirchlichen Impulszentrums:
„Daher ist mir sehr wichtig, einen Schwerpunkt auf Bibel und Liturgie zu legen und jungen Menschen dazu
einen neuen Zugang zu verschaffen.“
Das Haus Gennesaret soll „Menschen auf der Suche nach ihrer Berufung“
entgegenkommen: „Wer auf der Suche nach seiner Berufung ist, kann in diesem Haus der Stille einige Tage
oder sogar Wochen verbringen, am Chorgebet der Mönche teilnehmen und mit einem Begleiter über seine
Lebenserfahrung und Lebensziele sprechen.“
Das Haus ist in gewisser Weise die Nachfolgeinstitution des
ehemaligen kleinen Seminars in Zwettl, das vor einigen Jahren vom damaligen Bischof von St. Pölten geschlossen
wurde. Das Seminar – das Gymnasiasten beherbergte – wurde zuletzt von der jungen Ordensgemeinschaft der
‘Servi Jesu et Mariae’ geführt.
Zwettl befindet sich rund 50 Kilometer nordwestlich von St. Pölten.
Noch am Montag sprach Bischof Küng mit der Presseagentur ‘APA’ über das Priesterseminar.
Er erklärte,
daß äußerlich weitgehend Ruhe eingekehrt sei: „Der Schaden ist noch nicht zur Gänze behoben. Es liegt
noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, um noch weiter aufzuarbeiten.“
Er sei zuversichtlich. Derzeit gebe
es 14 Kandidaten, sieben Seminaristen würden im Herbst im Priesterseminar sein:
„Einer muß das Propädeutikum
nachholen, ein anderer noch ein Sozialjahr absolvieren, wieder andere, die in ihren Studien bereits fortgeschritten
sind, werden hauptsächlich in der Pastoral tätig sein und blockweise gewisse Zeiten im Seminar verbringen.
Es ist ein bescheidener Neuanfang“, erläuterte der Bischof.
Der Bischof unterstrich die Wichtigkeit
eines „intensiven geistlichen Lebens“.
„Das wäre sehr wünschenswert“, kommentierte ein Religionslehrer
der Diözese gegenüber kreuz.net: „Ich glaube aber nicht, daß man unter der
neuen Hausleitung den Rosenkranz
einführen und die völlig verunstaltete Hauskapelle endlich nach den Vorgaben der kirchlichen Ordnung
gestalten wird.“
In der gegenwärtigen Kapelle sei das Beten fast unmöglich. Dort stehe ein Evangeliar
parallel gegenüber dem auf die Seite geschobenen Tabernakel – als würde die Kirche ein Buch wie das
Allerheiligste verehren:
„Während des kurzen Interregnums des vorhergenden Regens, Pater Werner Schmidt
von der
Gemeinschaft des Hl. Josef, wurde das Evangeliar entfernt.“
Mit dem neuen Regens sei es bereits
wieder an seinen umstrittenen Platz zurückgekehrt.
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