Ökumene
Die Mörderin von Prior Roger Schütz
Am Dienstag abend um 20.45 Uhr wurde Frère Roger Schütz – der Prior der ökumenischen Brüdergemeinschaft von Taizé – während des Abendgebetes ermordet. Jetzt werden Einzelheiten über seine Mörderin bekannt.
(kreuz.net, Taizé) Die Mörderin von Prior Roger Schütz heißt Luminita Zamfira Solcan. Sie ist 36jährig und stammt aus der Stadt Iasi – gesprochen: Jasch.

Iasi ist die Hauptstadt des rumänischen Teils von Moldawien und befindet sich im Nordosten des Landes.

Luminita – gesprochen: Luminitsa – ist Absolventin der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik an der Universität in Iasi. Das berichtet die rumänische Tageszeitung ‘Adeverul’ in ihrer heutigen Ausgabe. Sie ist gegenwärtig arbeitslos.

Am Montag, dem 15. August, flog sie von Bukarest nach Frankreich. Noch am gleichen Tag kaufte sie sich in der Stadt Cluny – 10 Kilometer südlich von Taizé – die Tatwaffe, mit der sie den Prior am Dienstag abend erstach. Luminitsa spricht fließend Französisch.

In Taizé angekommen habe sie sich am Montag abend in einem leeren Schlafsaal eingerichtet, ohne sich offiziell bei der Gemeinschaft zu registrieren.

Während des Abendgebetes am Dienstag gelang es ihr in der mit 2500 Jugendlichen gefüllten Kirche zum Brüderchor vorzustoßen. Sie näherte sich dem Prior von hinten und stach zweimal in seinen Rücken und einmal in den Hals.

Die Tat geschah um 20.45 Uhr. Für den 90jährigen kam jede Hilfe zuspät. Um 21.00 Uhr wurde Prior Roger Schütz für tot erklärt.

Der zuständige Staatsanwalt Jean-Louis Coste erklärte, daß die Frau während der Verhöre zusammenhängend gesprochen habe. Das habe die Einweisung in die Psychiatrie nicht gerechtfertigt.

Eine Sprecherin des rumänischen Außenministerums bestätigte die Nationalität der Frau. Sie habe sich auf dem französischen Staatsgebiet als Touristin aufgehalten. Ebenfalls wurde ihre Herkunft aus Iasi bestätigt. Luminitsa sei nicht vorbestraft.

Bereits im vergangenen Juni besuchte die mutmaßliche Mörderin von Prior Roger Schütz die Brüdergemeinschaft im Burgund.

Bruder Joao von Taizé, der für die rumänischen Pilger zuständig ist, traf die Mörderin damals.

Der Bruder erklärte, daß die Rumänin klare Anzeichen einer psychischen Störungen aber kein aggressives Verhalten gezeigt habe:

„Ich sprach vor einem Monat das letzte Mal mit ihr, als sie eine Woche bei uns war. Damals erzählte sie mir, daß sie immer gewünscht hatte, Ordensschwester zu werden. Sie sei aber von keinem Kloster aufgenommen worden. Sie erklärte auch, daß das der Wille Gottes für sie sei und daß sie persönlich mit Frère Roger sprechen wolle.“

Luminitsa sei darum im Juni eingeladen worden, den Prior nach dem allabendlichen Segensgebet in der Kirche kurz zu treffen. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters war es Frère Roger nicht mehr möglich, Pilger in Einzelgesprächen zu treffen.

Mit diesem Vorschlag war Luminitsa Solcan aber nicht zufrieden. Sie kehrte nach Hause zurück und kam am Himmelfahrtstag wieder, um den Prior zu ermorden.

„Auf den ersten Blick scheint sie normal zu sein“, erklärte Bruder Joao vor der rumänischen Presse: „Aber es genügt, mit ihr fünf Minuten zu sprechen, um festzustellen, daß etwas mit ihr nicht stimmt.

Luminitsa lebte nach Angaben der rumänischen Tageszeitung ‘Jurnalul National’ mit ihrer Mutter – einer Lehrerin – in einer Blockwohnung in Iasi.

Ihre Mutter Maria wollte sich vor der Presse nicht äußern. Adriana Alexandrescu – eine Freundin der Mörderin – erklärte, daß Luminitsa eine ruhige Person gewesen sei: „Sie hat nie etwas über Frankreich gesagt. Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist.“

Eine andere Nachbarin erklärte dagegen der Nachrichtenagentur ‘Mediafax’, daß sie eigenartig war. Sie habe die ganze Zeit gelacht und erklärte, daß die Leute von Taizé sie verfolgten und ihr ein Leid zufügen wollten.

Teoctist – der orthodoxe Patriarch von Bukarest und ganz Rumänien – drückte gestern sein Bedauern über den Tod von Prior Roger Schütz, „einem Freund der orthodoxen Kirche Rumäniens“ aus.

Taizé ist ein äußerst populärer Wallfahrtsort für rumänische Jugendliche. Der relativ geringe Preis einer Wallfahrt dorthin sowie das religiöse Angebot in Taizé haben den Ort unter rumänischen Jugendlichen immer populärer gemacht.

Fast jede Pfarrei des Landes – ob orthodox, römisch-katholisch oder griechisch-katholisch – organisiert Pilgerreisen nach Taizé.
      
6 Lesermeinungen
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#6   dreamer468   10:19:05 | Mittwoch, 22. August 2007
Nachdenklich
2 Jahre ist es her. Kaum fassbar, was damals passiert ist. Ich saß nur 5 Meter entfernt und kann es immer noch nicht Revue passieren lassen, ohne zu weinen. Vergeben? Das ist so schwer!
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#5   nikola   11:53:09 | Dienstag, 23. August 2005
„Die Mörderin von Prior Roger Schütz“
Aufmerksam und sehr nachdenklich habe ich den Bericht gelesen. Bei aller Trauer und Betroffenheit sollten wir uns als Christen mehr als nur hüten, als Ankläger und Richter aufzutreten und vorschnelle Urteile fällen. Seit Kain und Abel steckt in uns allen sowohl ein Engel als auch Mörder. Die Geschichte und die Gegenwart beweisen und zeigen es sehr deutlich!
Freundliche Grüße
Orthodoxe Katholische Glaubensgemeinschaft Bregana/Kroatien und Lauterbach/Deutschland
Wolfgang Bastian
Nikola Kekic
Jasminka Mujanic
Pavle Tomaic
Anka Bastian
Hertmut Chodura
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#4   Botschafter   21:12:32 | Donnerstag, 18. August 2005
Mörderin
Machts wie der grosse Papst, vergebt ihr und betet für sie!
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#3   MilesChristi   15:42:01 | Donnerstag, 18. August 2005
Französisch und Rumänien
Rumänisch ist auch eine romanische Sprache und es gab sehr enge kulturellen Bindungen zwischen Frankreich und Rumänien. Die Tatsache daß die Mörderin französisch spricht muß nichts bedeuten.
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#2   Sulpicius   14:03:23 | Donnerstag, 18. August 2005
„Fließend Französisch“???
Cui bono?
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#1   virOblationis   13:28:56 | Donnerstag, 18. August 2005
ein wenig ratlos
Ich frage mich, ob sich die verschiedenen Aussagen über die Täterin eher widersprechen oder ergänzen.
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