11:35:28 | Freitag, 19. August 2005
Ist der Weltjugendtag eher einem Marketing-Event vergleichbar oder wird hier das Spaß- und Vergemeinschaftungs- Versprechen zum zentralen Angebot?
(kreuz.net) Events sind mehr und mehr ein Charakteristikum gegenwärtiger Gesellschaften – erklärt ein
zur Zeit laufendes wissenschaftliches Projekt.
Das Projekt hat sich zum Ziel gemacht, den Weltjugendtag
soziologisch und kommunikationswissenschaftlich auszuwerten.
Das Forschungsvorhaben ist eine Kooperation
der Universitäten von Dortmund, Koblenz-Landau, Trier und Bremen. Es wird von der ‘Deutschen Forschungsgemeinschaft’
gefördert und besitzt
eine eigene Homepage.
Arbeitstitel des Projekts: ‘Situative Vergemeinschaftung
mittels religiöser Hybridevents’.
Der ‘Hybridcharakter’ des Weltjugendtages entsteht aus der zentral
organisierten religiösen Festveranstaltung einerseits und dem Vergemeinschaftungsereignis, das sich von
der ‘Basis’ her entwickelt – erklären die Wissenschaftler.
Drei Aspekte werden studiert: die Organisatoren,
die Teilnehmer und die Mediatisierung des Ereignisses in Deutschland und Italien.
Im Zentrum der Untersuchungen
stehen die Messfeiern, Andachten, Gesprächs-, Gebetskreise und Workshops, aber auch „Großveranstaltungen
mit Unterhaltungsprimat“ und spontane Treffen der Teilnehmer untereinander.
Die ‘Eventisierung’ tauche
zunehmend überall auf, nicht nur in der Populärkultur. Selbst im religiösen Bereich sei dieser kulturelle
Wandlungsprozeß auszumachen:
„Religiöses Gemeinschaftserleben ist zunehmend auf Veranstaltungen konzentriert,
welche Momente traditioneller religiöser Festlichkeit mit Momenten populärer Events verbinden“.
Auch
die Kirche könnten sich dem Trend, ihr Publikum über die Herstellung von Erlebniswelten zu binden, nicht
entziehen. Sie habe sogar diese Entwicklung schon früh und mit Absicht für sich genutzt.
Um die Anziehungskraft
und das Gemeinschaftsgefühl der Weltjugendtage zu erhöhen, setze man – neben typisch religiösen Elementen –
auch auf international bekannte Jet-Set-Prominenz und mediale Inszenierungen.
„Damit findet die Kirche
bei den anderen jene Wurzeln, die sie bei sich selber abgeschnitten hat“, meint dazu ein US-amerikanischer
Priester, der gegenwärtig am Weltjugendtag teilnimmt:
„In der Vergangenheit wurden Erlebniswelten vor
allem durch die Liturgie und den Kirchenbau errichtet. Das eindrücklichste Beispiel sind die Barockkirchen.“
Doch im Gefolge des letzten Konzils sei das Konzept der Erlebniswelten jahrelang verdächtigt worden,
erklärte der Priester:
Die Kirche sei in diesem Bereich jahrhundertelang der Marktführer gewesen: „Jetzt
unterwirft sie sich einem Trend, der von außen kommt“, so der Priester.
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apex 09:14:01 | Samstag, 20. August 2005