Ökumene
Mehr von der Mörderin
Die Tatwaffe, mit der Frère Roger Schütz am Dienstag abend erstochen wurde, wurde im nahegelegenen Cluny gekauft. Die Käuferin hat – nach Angaben des Geschäftes – um ein Messer gebeten, „das gut schneidet.“
(kreuz.net, Cluny) Die 36jährige Rumänin Luminitsa Solcan, die am vergangenen Dienstag abend den Prior der Brüdergemeinschaft von Taizé mit einem Messer tödlich verletzte, befindet sich gegenwärtig im Untersuchungsgefängnis von Dijon. Das berichtete die rumänische Tageszeitung ‘Jurnalul National’.

Die Stadt Dijon ist die historische Hauptstadt der französischen Region Burgund im Osten von Frankreich. Sie liegt rund 100 Kilometer nördlich von Taizè.

Luminitsa gab vor den Untersuchungsbehörden zu, die Tatwaffe gekauft zu haben. Sie habe aber die tödlichen Verletzungen nicht selber zugefügt.

Wenn es solche gegeben habe, so habe nicht sie die Tat ausgeführt, sondern jemand anderer. Luminitsa erklärte auch, daß Frère Roger sich „selber geschnitten“ habe.

Sie habe dem getöteten Gründer der Brüdergemeinschaft von Taizé das Messer nur an den Hals gehalten, um ihn zu zwingen, ihr zuzuhören, weil sie glaubte, daß er sich von ihr abwenden würde.

Die verwirrte Täterin wollte Frère Roger vor der Gefahr warnen, Opfer eines Komplottes von „freimaurerischen Mönchen“ zu werden. Allerdings waren die Hinweise, welche Luminitsa den Untersuchungsbehörden diesbezüglich liefern konnte, ziemlich vage.

Inzwischen stellten psychiatrische Experten fest, daß die junge Frau an einem paranoiden Delirium – das heißt: an Wahnvorstellungen – leidet.

Die Polizei hat auch den Verkäufer der Tatwaffe befragt. Luminitsa habe um ein Messer gebeten, daS sehr gut schneide, wußte dieser zu berichten.

Inzwischen wurde in Taizé ein verlassenes Mietauto gefunden. Die Untersuchungsbehörden gehen davon aus, das Luminitsa es benützte, um von Lyon nach Taizé zu fahren.

Die Rumänin war am Himmelfahrtstag mit einem von Bukarest kommenden Linienflugzeug in Lyon gelandet.

Rumänische Pilger, die sich zur Zeit in Taizé aufhalten, berichteten, daß sich Luminitsa nicht als Rumänin ausgegeben habe, sondern mit Landsleuten auf Englisch sprach.

Unter den Rumänen fiel Luminitsa wegen ihres merkwürdigen Gesichtsausdrucks auf. Sie sei ärmlich gekleidet gewesen und habe einen ungepflegten Eindruck gemacht.

Luminitsa Solcan leidet seit der Pubertät an psychischen Störungen. Die ersten Symptome traten bei ihr im Alter von 14 Jahren auf.

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur ‘Rompres’ wurde sie im Jahr 2003 in das Psychiatrische Universitätsspital ihrer Heimatstadt Iasi – im Nordosten Rumäniens – eingeliefert. Damals lautete die Diagnose auf Schizophrenie.

Luminitsa blieb aber nur einen Tag in der Klinik und verweigerte weitere Behandlungen.

Ärzte erklärten, daß ähnliche Symptome ohne Behandlung zu Halluzinationen und sogar zu einem mystischen Delirium führen können. Dann können Betroffenen sogar dem Glauben verfallen, die Stimme Gottes zu hören.
      
5 Lesermeinungen
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#5   virOblationis   13:12:27 | Samstag, 20. August 2005
Charakterisierung der Täterin
Sehr widersprüchliche Aussagen: Wozu braucht man ein Messer, das gut schneidet, wenn man jemanden – mittels des Messers – warnen oder ihm nur drohen will?
Ich denke, daß die uns zugänglichen Informationen so spärlich und widersprüchlich sind, daß es äußerst schwierig ist, sich eine Vorstellung von der Täterin zu machen.
Gewiß mag es Hinweise auf Besessenheit geben, doch anderes könnte ebenso auf eine Psychose weisen.
Vielleicht erfahren wir ja irgendwann mehr.
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#4   Evelin   09:41:31 | Samstag, 20. August 2005
Hinweise auf Besessenheit
Die Diagnose Schizophrenie bzw. auch Wahnvorstellungen könnten ebenso Hinweise auf Besessenheit der Täterin sein wie folgende Aussage von ihr: Sie habe aber die tödlichen Verletzungen nicht selber zugefügt. Wenn es solche gegeben habe, so habe nicht sie die Tat ausgeführt, sondern jemand anderer. Das ist keine übliche Ausrede eines Täters, der seine Tat in günstigem Licht darstellen will. Was man bei der französischen Justiz ausschließen kann: Dass sie Besessenheit auch nur theoretisch in Betracht zieht.
Gatte der Evelin
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#3   MilesChristi   19:50:27 | Freitag, 19. August 2005
Sprachwunder
Nochmal, Rumänien hat historische Bindungen zu Frankreich, seit dem 19. Jahrhundert. Weil rumänisch eben eine romanische Sprache ist, fühlten sich die Rumänier zu jenen Zeiten Frankreich sehr verbunden. Es wundert mich nicht, daß die Frau gut französisch kann.
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#2   Sulpicius   18:48:59 | Freitag, 19. August 2005
Ist diese Frau…
… ein !„Sprachenwunder“?: Sie spricht „fließend französisch“ und nun spricht sie auch noch englisch mit ihren Landsleuten. Dabei ist sie aber ärmlich gekleidet. Paßt nicht unbedingt zusammen, das alles…
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#1   Athanasius   17:38:56 | Freitag, 19. August 2005
–-
Es muss uns von der Kürze des Lebens doch endlich mal überzeugen, dass man sogar noch im 91. Lebensjahr ermordet werden kann. Sehr tragisch.
Ich wünsche nochmals den Nachgebliebenen Freunden, Familie Schutz’ und Mtg. der Taizé-Gemeinschaft (mit dessen Ökumenismus ich absolut nicht einverstanden bin), nochmal alle Liebe und alles Gute zu, um diesen tragischen Mordangriff und diesen Tod zu überstehen und emotional zu bewaltigen. C V B.
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