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Montag, 22. November 2004 16:09
Neuer Katechismus der US-Bischöfe erntet Kritik
Die Bischofskonferenz der USA hat sich auf den Text für einen neuen, nationalen Katechismus geeinigt. Das Werk stößt nicht auf einhellige Begeisterung. Kritisiert werden verschiedene Dinge, die man in einem Katechismus nicht erwarten würde.
(kreuz.net, USA) Letzte Woche hat die Herbstvollversammlung der US-amerikanischen Bischöfe über den Text eines nationalen Erwachsenenkatechismus abgestimmt und ihn gutgeheißen. Der Katechismus soll dazu dienen, Menschen zum Glauben zurückzuführen und ihnen ein neues Verständnis der kirchlichen Lehre zu eröffnen.

Jedes der 36 Kapitel wird mit Kurzberichten über mehr oder weniger prominente, vorwiegend amerikanische Katholiken eingeleitet. Es folgt die Darlegung der katholischen Lehre. Anschließend gibt der Katechismus Beispiele, wie der dargebotene Stoff im täglichen Leben praktisch umgesetzt werden kann. Fragen, die den Stoff wiederholen, und ein Meditationstext schließen jedes Kapitel ab.

Ein Charakteristikum des neuen amerikanischen Katechismus ist die „geschlechtsneutrale Sprache“. Viele der Bischöfe bewerteten die ihrer Auffassung nach „rein männerbezogenen“ Formulierungen des 1992 in Rom von Papst Johannes Paul II. promulgierten „Katechismus der Katholischen Kirche“ speziell für junge Frauen als befremdend.

Fachleute der englischen Sprache kritisieren an dieser Auffassung, daß sie auf einer ideologischen Interpretation grammatikalischer Phänomene beruhe und eine unzulässige Gleichsetzung von grammatikalischem und biologischem Geschlecht durchführe.

Ein weiteres Anliegen des Katechismus ist, die Darstellung der katholischen Lehre in einer vereinfachten, leicht verständlicheren Alltagssprache, die von der modernen Fernsehgesellschaft verstanden werden soll.

„Sakramente besitzen eine sichtbare und eine unsichtbare Wirklichkeit, eine Wirklichkeit, die offen ist für alle menschlichen Sinne, die aber in ihrer gottgegebenen Tiefe mit den Augen des Glaubens erkannt wird. Wenn zum Beispiel Eltern ihre Kinder umarmen, dann ist die sichtbare Wirklichkeit, die wir sehen, die Umarmung. Die unsichtbare Wirklichkeit, welche die Umarmung vermittelt, ist Liebe.“

Katholische Kreise der USA äußerten sich kritisch über solche Formulierungen. Ein erkennbarer Bezug zur großen Tradition des Konzils von Trient sei in einer solchen Erklärung nicht mehr sichtbar. Ein Sakrament ist ein von Christus eingesetztes und der Kirche anvertrautes wirksames Zeichen, daß bewirkt was es bezeichnet. Eine Veränderung der Formulierung würde schnell den Inhalt der Aussage verändern.

Kritik muß der neue Katechismus auch für die darin enthaltenen Kurzbiographien hinnehmen. Soziale Leistungen und politisches Engagement der dargestellten Persönlichkeiten seien im Vordergrund und ließen den Bezug zum gelebten Christentum in den Hintergrund treten. Als Glaubensbeispiel führt der neue Katechismus z. B. den 1996 verstorbenen Erzbischof von Chicago, Joseph Louis Kardinal Bernardin, an. Kardinal Bernardin war eine höchst einflußreiche, aber äußerst umstrittene Gestalt des amerikanischen Katholizismus und galt als Führer des dominierenden liberalen Kirchenflügels in den USA.

Bevor der US-amerikanische Katechismus verbreitet werden kann, muß der Text vom Heiligen Stuhl approbiert werden. Der Katechismus wird frühestens 2006 erscheinen.
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