Orthodoxie
„Unierte, zurück nach Lemberg! Katholiken, zurück nach Rom!“
Die byzantinisch- katholische Kirche der Ukraine hat gestern den Sitz ihres Großerzbischofs vom westlichen Lemberg in die Hauptstadt Kiew verlegt. Der Umzug verlief nicht ohne Proteste.
(kreuz.net, Kiew) Der Großerzbischof von Lemberg, Lubomir Kardinal Husar, nennt sich seit gestern Sonntag „Großerzbischof von Kiew und Galizien“.

Sein alter Bischofssitz Lemberg – Lwiw – liegt in Galizien, dem ehemals polnischen Westteil der Ukraine. Dort leben die meisten der mit Rom unierten Byzantiner.

Insgesamt gehören rund 10 Prozent der 48 Millionen Ukrainer zur byzantinisch-katholischen Kirche.

Nach seiner Proklamation zum Großerzbischof von Kiew zelebrierte Kardinal Husar in Anwesenheit von mehr als 1.000 Gläubigen eine Göttliche Liturgie.

Die Messe fand neben der sich noch im Bau befindlichen Kathedrale des neuen Bischofssitzes statt.

„Wir bedrohen niemanden und wollen auch keine orthodoxe Kirche bedrohen“, erklärte der Kardinal in einem Fernsehinterview vom Samstag: „Der Sitz einer religiösen Gemeinschaft sollte in der Hauptstadt sein.“

In seiner Predigt am Sonntag bat der Großerzbischof um Verständnis. Der Umzug nach Kiew sei ein Wunsch Gottes gewesen. Gott selbst habe Kiew zur Wiege des Christentums gemacht.

In Kiew wurde die russische Nation im Jahre 988 unter Prinz Waldimir getauft.

Der Umzug der byzantinischen Katholiken der Ukraine wurde deshalb vor allem vom Moskauer Patriarchat als Provokation betrachtet.

In der Ukraine gibt es drei orthodoxe Gemeinschaften, die miteinander im Streit liegen.

Ein Gruppe unterstellt sich dem Moskauer Patriarchat und betrachtet sich als Teil der russisch-orthodoxen Kirche.

Davon spaltete sich nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 ein Teil des Klerus ab und bildete die ukrainisch-orthodoxe Kirche mit einem Patriarchat in Kiew.

Die dritte Gruppe – die autokephale Kirche – überlebte als orthodoxe Exilkirche im Westen und ging eine kurzlebige Verbindung mit dem Kiewer Patriarchat ein.

Zur Einführungsliturgie von Kardinal Husar erschien lediglich ein Vertreter der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, daß die beiden Kirchen zu einem gegenseitigen Verständnis finden würden.

Der ukrainisch-orthodoxe Patriarch von Kiew, Filaret, hatte bereits im Vorfeld erklärt, daß die Verlegung des Bischofssitzes Sache der byzantinischen Katholiken sei.

Das Moskauer Patriarchat hatte den Heiligen Vater noch vor einer Woche gebeten, den Umzug des Sitzes aufzuhalten:

„Ich wende mich mit der Bitte an Sie, das von Ihrem Vorgänger unterzeichnete Dekret über den Umzug aufzuheben.“ Die Verlagerung ihres Sitzes in die Hauptstadt werde der Ökumene schaden – so die Warnung des Patriarchen.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexij II. hatte den geplanten Umzug im Vorfeld als „zweifellos unfreundlichen Akt“ bezeichnet, der die Beziehung der Russen zum Vatikan trüben werde.

Gläubige des Moskauer Patriarchats reagierten gestern mit Protestaktionen:

Einige Hundert Orthodoxe demonstrierten mit Ikonen und ukrainischen Flaggen. Mit Megaphonen suchten sie die Zeremonie der Verlegung des Bischofssitzes zu stören: „Unierte, zurück nach Lemberg! Katholiken, zurück nach Rom! Nieder mit der Inquisition.“

„Wir verstehen das als eine Aggression des Vatikan“, erklärte ein orthodoxer Priester von Odessa nach einem Bericht der britischen Tageszeitung ‘The Guardian’. Odessa ist eine Hafenstaat im Süden der Ukraine. Der Priester erhob auch die stereotype Anklage des Proselytismus.

Manche Demonstranten rempelten auch bewußt katholische Priester und Nonnen an, die sich zur Einführungszeremonie begaben.

Auch einige muskulöse Männer – aufgrund ihrer Kleidung offensichtlich Mitglieder eines Klubs von Kickboxern – versuchten den katholischen Gläubigen den Weg zu versperren.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Athanasius   18:18:31 | Dienstag, 23. August 2005

Ich finde es übrigens sehr komisch, wenn mer die Ostkatholikensituation und die zur Piusbruderschaft anschaut:
1. Der Vatikan hat bereits seit 1962 alle aktive Mission unter Orthodoxen seitens der Unierten verboten bzw. abgeschwört.
2. Die Ostkatholiken wurden nach der „Balamand Declaration“ endgültig dazu gezwungen den schismatischen (häretischen) Klerus zu akzeptieren und ‘orthodoxe’ Sakramente zu empfangen.
3. Rom entschuldigt sich immer wieder für Mission, obwohl es auch „nur“ der „Lateinische Ritus Administration“ betrifft (in diesem Modernismuszeitpunkt genauso lateinisch wie eine Moschee in Kazakhstan).
4. Nur die von der FSSPX (Piusbruderschaft des angeblich „schismatischen“ Msgr. Lefebvre) auf Anfrage vom lokalen unierten Klerus und traditionalistischen Gläubigen gegründeten Priesterbruderschaft St. Josaphat betreibt mittlerweile Mission und bekehrt immer mehrt Schismatiker zum Papsttum und dem katholischen Glauben. Die „Schismatiker“ bekehren Schismatiker während die Konzilskirche die eigenen Schäfchen den Wolfen („Orthodoxen“) anvertraut.
5. Nur dürft die Westkatholiken (W.-Europ.) natürlich NIE bei der völlig röm-kath Piusbruderschaft zur hl. Messe, obwohl der Vatikan Unierte zwingt zu den Orthodoxen zu gehen!
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#3   MilesChristi   18:16:56 | Dienstag, 23. August 2005
@ Chrysostomos
Die „unierten“ Kirchen, auch die Ukrainisch-Katholische, haben eine lange Leidensgeschichte. Es ist daher sehr traurig zu sehen, wie sie unter dem Namen dieses Ökumenismus von höchster Stelle verraten werden. Ich denke dabei an die Balamand-Erklärung und an verschiedene anderen, die ihre Existenzberechtigung in Frage stellen; und vor allem an Kardinal Kasper, der kaum er den Mund öffnet sofort von einem „Proselytismusverbot“ spricht.
Aber auch die lateinische Kirche in Ungarn wurde verraten (vom Papst Paul VI): erinnert sich noch jemand, kennt hier noch jemand die Figur von Kardinal Mindszenty ?
Oder wußte jemand hier daß es einen russisch-katholischen Ritus gibt, daß es immer noch russisch-katholische Gläubigen in Rußland sind die oft von der (lateinischen) Hierarchie verschwiegen werden, Gläubigen, die seit Jahren keine eigene Hierarchie ? Vom russisch-katholischen Ritus gibt es weltweit einige Pfarreien; ich kenne eine hier in München, eine in Brasilien und einige weiteren in Amerika. In Rußland gibt es Gemeinden sowohl in St. Petersburg als auch in Moskau.
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#2   Stimme aus dem Tradiland   17:42:19 | Dienstag, 23. August 2005
@ Chrysostomus
Leider ist S.Em. Cardinal Lubomyr Husar, Großerzbischof der Griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, ein radikaler Modernist und Ökumenist. Er schlug Johannes Paul II. Assisi II vor. Er ist strikt gegen die Priesterbruderschaft St. Josaphat (mit griechisch-katholischem Ritus), die der FSSPX nahesteht.
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#1   Chrysostomos   17:27:22 | Dienstag, 23. August 2005
Chrysostomos
Ich begrüße den Umzug des Großerzbischofs Kardinal Lubomyr aus tiefstem Herzen und freue mich, dass das Kiewer Patriarchat mit Metropolit Filaret diese „Rückkehr“ begrüßt. Na mnohaja lita!! Großerzbischof Lubomyr verdiente schon lange den Patriarchentitel, aber der Vatikan zögert…!Wohin denn sonst, als nach Kiew, dem ursprünglichen Sitz des ukrainischen Großerzbischofs hätte er den gehen sollen? Es ist keine Provokation des Moskauer Patriarchates: die russisch orthodoxe Kirche hat in Wien auch einen orthodoxen Erzbischof und niemand regt sich auf!! Schluß mit diesen langweiligen, unsachlichen Jammereien unserer orthodoxen Schwestern-hierarchen!! Bei aller historischen Problematik sollten die mit Rom „unierten“ orientalischen Kirchen von íhren „römisch-lateinischen“ Brüdern und Schwestern mehr respektiert und geliebt werden! Sie können eine Brücke in den Osten und sein und ihre Liturgie für die römisch-katholischen Christen eine Quelle des Wiedergewinnens urpsrünglicher eucharistischer Frömmigkeit und Schönheit!
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