Orthodoxie
Theophilos III. ist neuer Patriarch in Jerusalem
Die griechisch-orthodoxe Kirche in Jerusalem hat am Montag nachmittag einen neuen Patriarchen gewählt: „Mit ihm ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Orthodoxen garantiert.“
(kreuz.net, Jerusalem) Der Metropolit von Tabor – Theophilos III. (54) – folgt als 97. griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem auf seinen abgesetzten Vorgänger.

Der Berg Tabor, auf dessen Titel Theophilos geweiht ist, liegt im Norden des Heiligen Landes, unweit von Nazareth.

Der engste Kreis um den Patriarchen von Jerusalem – der Heilige Synod – hatte den bisherigen Patriarchen Irenaios I. am 10. Mai wegen umstrittener Immobilien-Geschäfte abgesetzt.

Irenaios I. hatte in der christlichen Altstadt von Jerusalem kirchliche Liegenschaften in langfristigen Verträgen an jüdisch-israelische Spekulanten vermietet.

Kürzlich wurde er von einem kirchlichen Diözesangericht zum einfachen Mönch degradiert.

Am 24. Mai wurde seine Absetzung von einem panorthodoxen Konzil in Konstantinopel bestätigt.

Irenaios I. kämpfte bis zuletzt gegen seine Absetzung. Er appellierte sogar an das Oberste Gericht des Staates Israel, die Wahl eines neuen Patriarchen zu verhindern. Doch der Einspruch wurde Ende Juli abgelehnt. Der Patriarch weigert sich dennoch, seinen Palast zu räumen.

Theophilos III. wurde von der 47köpfigen ‘Bruderschaft vom Heiligen Grab’ und anschließend vom Heiligen Synod in nur zwei Wahlgängen gewählt. Die ‘Bruderschaft vom Heiligen Grab’ kontrolliert historisch bedingt die Ämter und die Besitztümer des Patriarchates.

Die 14 Mitglieder der Bischofssynode entschieden einstimmig.

Als weitere Kandidaten für das Amt des Patriarchen wurden die beiden griechischen Metropoliten Aristarchos und Timotheos genannt. Aristarchos wurde vom Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., unterstützt. Er ist der Generalsekretär des Heiligen Synods. Timotheos galt als Vorzugskandidat der russischen Kirche.

Auf der Kandidatenliste fand sich auch ein arabischer Bischof. 98% der Orthodoxen im Heiligen Land sind arabischsprechende Palästinenser.

Erzbischof Aristarchos erklärte nach der Wahl vor Journalisten, daß man einen Patriarchen gesucht habe, der die Ehre des Patriarchats wiederherstellen könne: „Jetzt fühlen wir uns in der Lage, die Krise zu überwinden, die Irenaios I. losgetreten hat.“

Der neugewählte Patriarch selbst sagte: „In den letzten Monaten hatten wir viele Pobleme, aber mit der Hilfe Gottes werden wir sie lösen.“

Der Superior der Franziskaner in der Grabeskirche, Pater Atanasio, erklärte vor dem römischen Nachrichtendienst ‘AsiaNews’, daß Mons. Theophilus III. eine aufrichtige und freundliche Person sei:

„Mit ihm ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den Katholiken und den Orthodoxen garantiert.“

Patriarch Theophilos muß nach geltendem Recht durch die israelische Regierung, den jordanischen König sowie die palästinensische Verwaltung bestätigt werden.

Bislang hat der Staat Israel die Absetzung Irenaios I. nicht anerkannt.

Sollte es von den staatlichen Autoritäten keine Einwände geben, wird Theophilos sein neues Amt am kommenden Sonntag antreten.

Bereits am 5. August bezeichnete die englischsprachige Wochenzeitung ‘Athens News’ Theophilos als Favoriten für die Wahl zum nächsten Patriarchen.

Der Erzbischof gilt als pro-amerikanisch, nicht zuletzt weil er auf die ökonomische Unterstützung griechischstämmiger Amerikaner hofft. Diese seien dem Patriarchat in Jerusalem sehr verbunden, erklärte Theophilos der Zeitung.

Seine Gegner versuchten darum, Theophilos als „Kandidaten der Amerikaner“ zu denunzieren. Letztes Jahr soll er sogar mit der US-Außenministerin Condoleeza Rice zusammengetroffen sein.

Der neue Patriarch ist wie seine Vorgänger griechischer Herkunft. Er kam 1964 – gerade 11jährig – nach Jerusalem. Später wurde er Erzdiakon des damaligen Patriarchen Benediktos, dem er nach eigenen Angaben viel zu verdanken hat.

Theophilos studierte in Athen und London Theologie.

Von 1991-1996 war er griechisch-orthodoxer Pfarrer in Kanaa in Galiläa. Bei seinen arabischsprechenden Gläubigen war er sehr beliebt.

1996 nahm Theophilos als erster christlicher Geistlicher seit Jahrhunderten, Kontakte mit dem Fürstenhaus von Qatar auf.

Qatar ist ein Staat am Persischen Golf. Die Halbinsel grenzt an Saudi-Arabien und an Bahrain. Das Gebiet gehört für die Orthodoxen historisch zum Patriarchat von Jerusalem. Inzwischen wird in Qatar die erste orthodoxe Kirche gebaut.

Von 2001-2003 war Theophilos auch Gesandter beim Patriarchat von Moskau. Diese Aufgabe gilt als heikel, weil es im Heiligen Land Rivalitäten zwischen Griechen und Russen gibt.

Der neue Patriarch wurde erst im letzten Februar von Irenaios I. zum Bischof geweiht. Dieser Schritt galt damals als Versuch des angeschlagenen Irenaios, seinen Reformeifer unter Beweis zu stellen.

Im September 2004 trat Theophilos das Amt des orthodoxen Oberen in der Grabeskirche an. Gleich am ersten Tag seiner Tätigkeit erhielt er die Feuertaufe.

Als die Franziskaner sich weigerten, während einer Prozession der Griechen die Türe zu ihrer Kapelle auf der rechten Seite des Heiligen Grabes zu schließen, starteten die orthodoxen Mönche unter der Leitung von Patriarch Irenaios ein Handgemenge.

Es sei Theophilos zu verdanken, daß die erschütterten Beziehungen zwischen den Franziskanern und den Orthodoxen schnell wieder ins Lot gekommen seien.
      
5 Lesermeinungen
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#5   nikola   22:36:22 | Dienstag, 23. August 2005
Staatliche Zustimmung zur Ernennung von geistlichen Oberhäuptern
nikola @christfidel
Stimme ohne Einschränkung zu!
Freundliche Grüße
Wolfgang Bastian und Nikola Kekic
von
Orthodoxe Katholische Glaubensgemeinschaft Bregana/Kroatien
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#4   christfidel †   22:20:19 | Dienstag, 23. August 2005
@sirilo: sie haben recht, aber…
ja, der verweis auf die besoldung ist absolut berechtigt! und wie ich sagte, es gibt ja de facto keine konflikte in ernennungsangelegenheiten, ABER: an sich reiht sich die nihil-obstat-pflicht in die reihe der möglichkeiten, die heute mit exkommunifikation bestraft werden (vgl. konklave-veto). unterschied nur: das hier genannte ist konkordatsrechtlich abgedeckt. meiner meinung nach nur eben nicht angemessen!
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#3   Sirilo   21:11:53 | Dienstag, 23. August 2005
Bischöfe und Staat
Da in Deutschland die Bischöfe vom Staat besoldet werden, ist es nur recht und billig, daß der Staat mit ihrer Ernennung einverstanden sein muß und von ihnen einen Eid auf die Verfassung verlangt. (Bei den Beamten ist es ähnlich.)
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#2   christfidel †   12:13:54 | Dienstag, 23. August 2005
@nikola
ich stimme zu, gebe aber zu bedenken, daß die nähe zwischen staat und kirche in der orthodoxie seit alters her ziemlich groß ist, mit allen konsequenzen eben. aber ich bin der meinung (sie denke ich auch), daß das absolut nicht zeitgemäß ist und nicht unserem kirchenverständnis emtspricht. dazu eine anfrage: ein nordrhein-westfälischer (erz-)bischof (weiß nicht im detail, wie es anderorts geregelt ist) kann nur rechtsgemäß ernannt werden, wenn er 1. von der landesregierung quasi ein „nihil obstat“ bekommt und 2. einen eid auf die landesverfassung schwört. zwar muß man sagen, daß die staatliche seite dies noch nie mißbraucht hat, soweit ich weiß, aber ich halte das gleichwohl für eine form der einmischung/mitwirkung, die nicht hinnehmbar ist, zumal in einem derart entchristianisierten land.
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#1   nikola   12:03:45 | Dienstag, 23. August 2005
Geistliche von staatlicher Anerkennung abhängig?
Hierzu erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass es sehr bedenklich ist, wenn staatliche Führungen bzw. Besatzungsländer darüber zu befinden haben, ob jemand geistliches Oberhaupt, hier der Orthodoxen Griechischen Kirche werden darf oder nicht!?
Freundliche Grüße
Wolfgang Bastian
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