09:24:55 | Dienstag, 23. August 2005
Theophilos III. ist neuer Patriarch in Jerusalem
Die griechisch-orthodoxe Kirche in Jerusalem hat am Montag nachmittag einen neuen Patriarchen gewählt: „Mit ihm ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Orthodoxen garantiert.“
(kreuz.net, Jerusalem) Der Metropolit von Tabor – Theophilos III. (54) – folgt als 97. griechisch-orthodoxer
Patriarch von Jerusalem auf seinen abgesetzten Vorgänger.
Der Berg Tabor, auf dessen Titel Theophilos
geweiht ist, liegt im Norden des Heiligen Landes, unweit von Nazareth.
Der engste Kreis um den Patriarchen
von Jerusalem – der Heilige Synod – hatte den bisherigen Patriarchen Irenaios I. am 10. Mai wegen umstrittener
Immobilien-Geschäfte abgesetzt.
Irenaios I. hatte in der christlichen Altstadt von Jerusalem kirchliche
Liegenschaften in langfristigen Verträgen an jüdisch-israelische Spekulanten vermietet.
Kürzlich wurde
er von einem kirchlichen Diözesangericht zum einfachen Mönch degradiert.
Am 24. Mai wurde seine Absetzung
von
einem panorthodoxen Konzil in Konstantinopel bestätigt.
Irenaios I. kämpfte bis zuletzt gegen seine
Absetzung. Er appellierte sogar an das Oberste Gericht des Staates Israel, die Wahl eines neuen Patriarchen
zu verhindern. Doch der Einspruch wurde
Ende Juli abgelehnt. Der Patriarch weigert sich dennoch, seinen
Palast zu räumen.
Theophilos III. wurde von der 47köpfigen ‘Bruderschaft vom Heiligen Grab’ und anschließend
vom Heiligen Synod in nur zwei Wahlgängen gewählt. Die ‘Bruderschaft vom Heiligen Grab’ kontrolliert
historisch bedingt die Ämter und die Besitztümer des Patriarchates.
Die 14 Mitglieder der Bischofssynode
entschieden einstimmig.
Als weitere Kandidaten für das Amt des Patriarchen wurden die beiden griechischen
Metropoliten Aristarchos und Timotheos genannt. Aristarchos wurde vom Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios
I., unterstützt. Er ist der Generalsekretär des Heiligen Synods. Timotheos galt als Vorzugskandidat
der russischen Kirche.
Auf der Kandidatenliste fand sich auch ein arabischer Bischof. 98% der Orthodoxen
im Heiligen Land sind arabischsprechende Palästinenser.
Erzbischof Aristarchos erklärte nach der Wahl
vor Journalisten, daß man einen Patriarchen gesucht habe, der die Ehre des Patriarchats wiederherstellen
könne: „Jetzt fühlen wir uns in der Lage, die Krise zu überwinden, die Irenaios I. losgetreten hat.“
Der neugewählte Patriarch selbst sagte: „In den letzten Monaten hatten wir viele Pobleme, aber mit der
Hilfe Gottes werden wir sie lösen.“
Der Superior der Franziskaner in der Grabeskirche, Pater Atanasio,
erklärte vor dem römischen Nachrichtendienst ‘AsiaNews’, daß Mons. Theophilus III. eine aufrichtige
und freundliche Person sei:
„Mit ihm ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den Katholiken und den Orthodoxen
garantiert.“
Patriarch Theophilos muß
nach geltendem Recht durch die israelische Regierung, den jordanischen
König sowie die palästinensische Verwaltung bestätigt werden.
Bislang hat der Staat Israel die Absetzung
Irenaios I. nicht anerkannt.
Sollte es von den staatlichen Autoritäten keine Einwände geben, wird Theophilos
sein neues Amt am kommenden Sonntag antreten.
Bereits am 5. August bezeichnete die englischsprachige
Wochenzeitung ‘Athens News’ Theophilos als Favoriten für die Wahl zum nächsten Patriarchen.
Der Erzbischof
gilt als pro-amerikanisch, nicht zuletzt weil er auf die ökonomische Unterstützung griechischstämmiger
Amerikaner hofft. Diese seien dem Patriarchat in Jerusalem sehr verbunden, erklärte Theophilos der Zeitung.
Seine Gegner versuchten darum, Theophilos als „Kandidaten der Amerikaner“ zu denunzieren. Letztes Jahr
soll er sogar mit der US-Außenministerin Condoleeza Rice zusammengetroffen sein.
Der neue Patriarch
ist wie seine Vorgänger griechischer Herkunft. Er kam 1964 – gerade 11jährig – nach Jerusalem. Später
wurde er Erzdiakon des damaligen Patriarchen Benediktos, dem er nach eigenen Angaben viel zu verdanken
hat.
Theophilos studierte in Athen und London Theologie.
Von 1991-1996 war er griechisch-orthodoxer
Pfarrer in Kanaa in Galiläa. Bei seinen arabischsprechenden Gläubigen war er sehr beliebt.
1996 nahm
Theophilos als erster christlicher Geistlicher seit Jahrhunderten, Kontakte mit dem Fürstenhaus von Qatar
auf.
Qatar ist ein Staat am Persischen Golf. Die Halbinsel grenzt an Saudi-Arabien und an Bahrain. Das
Gebiet gehört für die Orthodoxen historisch zum Patriarchat von Jerusalem. Inzwischen wird in Qatar
die erste orthodoxe Kirche gebaut.
Von 2001-2003 war Theophilos auch Gesandter beim Patriarchat von Moskau.
Diese Aufgabe gilt als heikel, weil es im Heiligen Land Rivalitäten zwischen Griechen und Russen gibt.
Der neue Patriarch wurde erst im letzten Februar von Irenaios I. zum Bischof geweiht. Dieser Schritt
galt damals als Versuch des angeschlagenen Irenaios, seinen Reformeifer unter Beweis zu stellen.
Im September
2004 trat Theophilos das Amt des orthodoxen Oberen in der Grabeskirche an. Gleich am ersten Tag seiner
Tätigkeit erhielt er die Feuertaufe.
Als die Franziskaner sich weigerten, während einer Prozession
der Griechen die Türe zu ihrer Kapelle auf der rechten Seite des Heiligen Grabes zu schließen, starteten
die orthodoxen Mönche unter der Leitung von Patriarch Irenaios ein Handgemenge.
Es sei Theophilos zu
verdanken, daß die erschütterten Beziehungen zwischen den Franziskanern und den Orthodoxen schnell wieder
ins Lot gekommen seien.
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