Der gegenwärtige Friedensvertrag wird entscheiden, ob der Sudan als Staat bestehenbleibt oder auseinanderbricht. Das erklärte der Kardinalerzbischof von Khartum in Köln.
(kreuz.net, Köln) Der Friedensprozeß im Sudan wird weitergehen. Der Tod des Vizepräsidenten John Garang
(60) werde die positive Entwicklung nicht aufhalten.
Das erklärte der Erzbischof von Khartum, Gabriel
Kardinal Zubeir Wako, auf einer Pressekonferenz des Hilfswerks ‘Kirche in Not/Ostpriesterhilfe’ mitte
August in Köln.
Der Sudan befindet sich in Nordostafrika. Das Land ist gespalten. Einem islamischen
Norden steht ein vom Christentum sowie von Naturreligionen geprägter schwarzafrikanischer Süden gegenüber.
Der Vizepräsident John Garang kam am 30. Juli bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Er befand sich
auf dem Rückflug von einem Treffen in Uganda mit dem Präsidenten des Landes sowie Vertretern der EU
und den USA.
Zwar seien Mißtrauen und Gewaltpotential zwischen den zwei Bevölkerungsteilen noch sehr
groß. Die Situation sei aber „nicht hoffnungslos“. Garangs „Botschaft von Frieden und Hoffnung“ werde
von seinen Nachfolgern weitergetragen.
Von der Entwicklung der nächsten Jahre werde es abhängen, ob
der Südsudan sich vom Norden abspalten und einen eigenen Staat gründen werde, sagte Kardinal Zubeir.
Entscheidend sei, inwieweit die Menschenrechte durchgesetzt und die Rohstoffe „ehrlich verteilt“ würden.
Es komme jetzt vor allem darauf an, die politischen Parteien zu unterstützen, die sich für Demokratie
und Menschenrechte einsetzen.
Wichtig für die Rückkehr der Flüchtlinge in den Süden des Landes sei
es, die Präsenz der Kirche dort wiederherzustellen:
„Wo die Kirche ist, gehen die Menschen hin, weil
sie wissen, daß ihnen dort geholfen wird“, sagte der Kardinal.
Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg –
Mitglied der ‘Kommission Weltkirche’ der Deutschen Bischofskonferenz – hob besonders den Einsatz der katholischen
Kirche des Sudans für Frieden und Gerechtigkeit hervor.
Ohne diesen Einsatz wäre der gegenwärtige
„Friedensvertrag nicht zustande gekommen“. Der Vertrag biete einen politischen Rahmen für dauerhaften
Frieden und ein gewaltloses Miteinander.
Bei der Wiedereingliederung der Vertriebenen werde die deutsche
Kirche die Katholiken im Sudan nicht allein lassen:
„Hilfswerke wie ‘Kirche in Not’ werden weiterhin
an ihrer Seite stehen und die Not lindern helfen“, betonte Weihbischof Pieschl.
‘Kirche in Not’ hat nach
eigenen Angaben allein seit 2003 den sudanesischen Katholiken mit 1,8 Millionen Euro geholfen.
Die Freude
über den Frieden zwischen dem Norden und dem Süden des Landes wird durch die anhaltenden schweren Verletzungen
der Menschenrechte getrübt.
Diese betreffen vor allem die westsudanesische Region Darfur. Dort hat es
bisher 300.000 Tote, Massenvergewaltigungen und zwei Millionen vertriebene Menschen gegeben.
Da von diesem
Geschehen keine Bilder an die Weltöffentlichkeit gelangten, müsse die Kirche als Anwalt der Menschen
auftreten.
Weihbischof Pieschl forderte alle Christen und die Öffentlichkeit auf, sich mehr für den
Sudan zu interessieren.
Email-Adressen der Empfänger
Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.