Gegen die Massen- Sentimentalisierung des katholischen Glaubens und für eine klare, trockene Kirche. Von Peter Fuchs.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich bin Katholik, gar, wie man so seltsam verquer zu sagen pflegt,
ein praktizierender Katholik.
Ich gehe regelmäßig zur Kirche, bemühe mich, in etwa so zu leben, wie
Christen in dieser Kirche leben können: lebens- und leidenschaftsgemäßigt im Alltag, mit typischen
Konzessionen an menschliche Schwächen, hin und wieder erbaut durch die Sinnlichkeitshochleistungen der
katholischen Liturgie, eher abgestoßen durch religiöses Virtuosentum, durch unangebrachte öffentliche
Glaubens-Ekstasen, durch frömmelndes Gitarrengezupfe.
Ich schätze diese Kirche, weil sie das Weltliche
nicht scheut, bodenständig und robust ist, so robust, daß sie religiöse Sonderleistungen gleichsam
an ihren Rändern noch zuläßt, aber eben doch mit gedämpfter Begeisterung für emphatisches Augenrollen,
für Glossolalie, für alle Anzeichen von Verzückung und Erweckung.
Aber trifft dieses Bild noch zu?
Seit einiger Zeit (und im Weltjugendtag gegenwärtig kulminierend) wird diese klare, trockene Kirche
seltsam „sentimentalisiert“. Es ist, als ob sie, diese sündige Pilgerin durch alle Turbulenzen der Zeiten,
die nie auf einen Zug aufgesprungen ist, nur weil er modern ist, nun plötzlich Gefallen daran findet,
auf diesen einen der jugendbewegten Gemeinschaftsseligkeit und ihre massenmediale Wirksamkeit aufzuspringen.
Sie gibt sich den Anschein, daß sie schäumt und brodelt, auf Pumaschuhen läuft, die unvermeidlichen
Rucksäcke, Handys und Walksmans trägt, daß sie wie eine soziale Bewegung sei, durch-enthusiasmiert
und de-rationalisiert bis auf ihren Grund.
Hunderttausende, mitunter Millionen fassen sich an den Händen
und zelebrieren Friede, Freude und zu Herzen gehende Gemeinschaft. Die Kirche, scheint es, hebt an zu
schunkeln, sogar: zu rocken. Sie entdeckt die Popularität, sie wird, wie man gesagt hat: Pop.
Was soll
daran bedenklich sein?
Doch nicht allein der Umstand, daß jene Myriaden jugend-gläubig bewegter Leute
wohl nicht alle täglich in der Bibel lesen, den Katechismus wohl kaum durchgängig beherzigen und wohl
auch nicht auf Liebes- und Lebensfreiheiten verzichten, auf die keinen Wert zu legen die Kirche dringlich
anrät und mitunter gebietet?
Und vermuten läßt sich auch, daß nur ein verschwindend geringer Teil
dieser schwärmerischen Menschen im eigenen Leben das Ur-Christentum lebt.
Die Bedenklichkeit speist
sich aus anderen Quellen. Zum Beispiel werden wir Zeugen riefenstahlscher Masseninszenierungen. Das ist
nicht nur formal so, sondern auch funktional äquivalent: Es geht um Giga-Appelle ans Emotionale, um bedenkenlose
Gefühlsausschüttung, die als Instrument der Reflexionsblockade genutzt wird. Das Herdersche „Ich fühle,
ich bin!“, das Goetheische „Gefühl ist alles!“ gewinnt dabei aktuelle Bedeutung. Es heißt jetzt: „Wir
fühlen, wir sind jung, wir sind, und das ist alles!“
Es ist mehr als bezeichnend, daß im Zentrum dieser
gewaltigen Schaustellungen ein nachgerade fiebrig-frenetischer Personenkult exerziert wird, der nichts
gemein hat mit dem gleichsam zusammengenommenen, schlichten Leben des Jesus von Nazareth, der sich diesen
Lärm verboten hätte.
Man vergleiche die Bilder von Massenbegeisterungen, welchem Anlaß sie sich auch
immer verdanken, durch die Zeiten: Sie sind immer Bilder einer körperlich-mimisch ausgedrückten Entleerung,
endzeitlicher Hoffnung und Erwartung, von völliger Obsession, in der die Hände flehend gereckt sind,
die Augen naß, Körper und Geist adrenalingesättigt und verschwitzt – ohne jede Aussicht auf ein cooling-down,
das bislang ein Schlüsselmerkmal des Katholizismus war: als Bändigung überschießender Leidenschaften,
als Ausschluß der (selbstbefriedigenden) Berauschungen.
Kann man denn als kopfschüttelnder Katholik
dazu noch etwas theoretisch sagen?
Ja, auf die Schnelle, in kaum zu verantwortender Kürze. Eines der
zentralen Bewandtnisse der Moderne ist das, was man „wilde Kontingenz“ nennen könnte. Im Prinzip geht
es darum, daß in der modernen Gesellschaft kaum mehr die Möglichkeit besteht, nicht zu beobachten, daß
alles, was geschieht, nicht eindeutig oder kontingenzfest ist, sondern auch von wo anders her anders beobachtet
werden könnte und beobachtet wird.
Ohne, daß es eine Stelle, einen archimedischen Punkt der Beobachtung
gäbe, von dem aus Ereignisse kontingenzfrei und gleichsam legal beurteilbar wären. Eine Metapher dafür
ist: Wir leben in einer dämonisierten Welt, in einer Welt der De-Präzisierung aller Anschlüsse, worüber
man dann auch bisweilen unter dem vergilbten Stichwort Postmoderne redet.
Es steht zu erwarten, daß
unter diesen Vorzeichen Einrichtungen evolutionär begünstigt werden, die Kontingenz abfedern, strangulieren,
ausschalten.
Der moderne Boom der Organisationen wäre dafür ein Beispiel, die mit ihren internen Hierarchien
garantieren, daß – wie Luhmann gesagt hat – immer klar ist, wer die Befugnisgewalt hat, wer wo wann und
in welcher Farbe zeichnungsberechtigt ist, wie groß die Büros jeweils sind, wer den Dienstwagen wann
und mit welchem bürokratischen Aufwand benutzen darf, usw.
Ein anderes Beispiel ist die Ausdifferenzierung
des Leistungssportsystems, durch das immer klargestellt wird, wer gewonnen, wer verloren hat.
Und ein
drittes Beispiel ist hier einschlägig: Die Hausse der Gefühls-, Körper- und Gemeinschaftskultur. Die
Referenz auf Gefühle garantiert ein Areal der Unwidersprechbarkeit. Gefühle hat man, wie man einen Körper
hat. Gefühle sind immer „Basta!“ Die Kommunikation von Gefühlen schließt Gegenbeobachtung aus. Emotionen
sind in gewisser Weise sakrosankt, vor allem, wenn sie in ekstatischer Gemeinschaft zelebriert werden.
Und da lauert die Gefahr für meine Kirche. An die Stelle des Sakralen, des Numinosen tritt: von sich
selbst begeisterte Begeisterung.
Gesucht wird die kontingenzvernichtende seelische Bewegtheit, die schlichte
Botschaft Nina Ruges: „Alles wird gut!“ – irgendwie, irgendwann. Jemand wird’s richten. Habemus papam.
Die gute Botschaft (eu angelion) wird zur netten (nicht zur strengen) Botschaft. Gottes Liebe, hat man
gesagt, ist schrecklich, weil sie unnachsichtig fordernd ist. Sie drückt sich nicht aus in hüpfenden
Kinderengelchen, geschwenkten Feuerzeugen und Wunderkerzen. Sie berichtet statt dessen von der fundamentalen
Unheilbarkeit der Welt.
Ich vermute (und bisher hatte mich das meine Kirche gelehrt), die Botschaft des
neuen Testamentes hat nicht viel zu tun mit betäubenden Spektakeln der Gefühlsduselei, die wohlfeil
zu haben sind.
Die katholische Kirche täte gut daran, Kontingenzen der Moderne auf ihre eigene Weise
auszuhebeln. Kognitive Verfettung, die eines der Symptome sich selbst feiernder Systeme sind, sollte sie
vermeiden.
Und zur Kenntnis nehmen: Strohfeuer wärmen bekanntlich nicht lange, so wenig wie die Jugend
lange währt.
Peter Fuchs ist Professor für Soziologie in Neubrandenburg.
Der Artikel erschien am 19.
August in der Frankfurter Rundschau. Der Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitung und
von Prof. Peter Fuchs.
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@ P. Cappabianca Auch JoPaII. ist bei seinen Events bescheiden aufgetreten. Wenn’s nur um das ginge, hätten
wir kein Problem. Außerdem die Mitte zwischen was? Die Tradition wahrt die Mitte zwischen Sedisvakantismus
und Papalismus. Wenn Sie diese Mitte meinen, bin ich einverstanden. Der Gatte der Evelin
Ein bedenkenswerter Beitrag! Ich halte die Überlegungen des Neu-Brandenburger Soziologieprofessors für
sehr bedenkenswert. Schon lange treibt mich die Frage um, wie bei solchen Massenevents „von sich selbst
begeisterte Begeisterung“ vermieden werden kann. Ich denke, dass das bescheidene Auftreten Papst Benedikts
XVI. in die richtige Richtung geht! Aber vielleicht muss noch mehr geschehen, um die Mitte zu wahren!
@ Toby Aber warum wurden dann entgegen den kanonischen Bestimmungen noch 3.000 „außerordentliche Kommunionspender“
ausgesandt, die eigentlich nur für Notfälle (Todesgefahr, kein Priester erreichbar) vorgesehen sind?
Ich habe schon in einem Beitrag vor ein paar Tagen (Dienstag?) aufgezählt, wie oft VOM VATIKAN gegen
Redemptionis Sacramentum verstoßen wird. Nichts neues daher. Allerdings gebe ich zu von diesem Verstoß
nichts gewusst zu haben. Ich habe keinen außerordentlichen Kommunionspender gesehen (war vor Ort = begrenzter
Winkel). @MilesChristi Kann jemand sagen, wie das mit der Kommunionspendung war ? Also Kniebänke usw.
gab es nicht, Patenen auch nicht. Den Schirmträger hatte auch nicht jeder (ich sah keinen). Darin sind
aber keine Verstöße gegen irgendwelche Vorschriften zu sehen. Die Verwendung von Kniebänken nur für
diesen Gottesdienst (und ansonsten eben nicht) wäre Heuchelei gewesen. Allerdings muss man sagen, dass
von den Veranstaltern geplant gewesen war, dass die Glüubigen auf ihrem Platz bleiben, und die Priester
vorbeikommen. Da man am Platz vor der Kommunionausteilung kniet, kann man den Veranstaltern etwas Positives
unterstellen. Natürlich wurde auch Handkommunion gegeben. Sie ist auch grds. erlaubt. Allerdings war
da der Wind (Profanierungsgefahr), und dreckige Camping-Finger. Auf die Handkommunion hätte daher nach
RS verzichtet werden müssen und ich hab mich dran gehalten.
Initiatoren und Organisatoren Das Ärgernis des WJT besteht in der furchtbaren Gegensätzlichkeit zwischen
dem, was der Papst tat und sagte und dem, was sich die Initiatoren und Organisatoren unter einem WJT vorstellen
und worauf der Papst kaum Einfluss gehabt haben dürfte. Mich würde mal interessieren, wer „die“ Initiatoren
und „die“ Organisatoren des Weltjugendtags eigentlich sind. Ist für die sogenannte „Gestaltung“ der Gottesdienste
das Organisationskommittee des Weltjugentags verantwortlich? Wie und von wem wurden welche Leute in dieses
Gremium berufen? Hat Kardinal Meisner da keinen größeren Einfluss gehabt? Wie sah das alles bei den
früheren Weltjugendtagen aus, beispielsweise in Toronto oder Rom? Dort war ja, so meine ch mich zu erinnern,
auch alles ein großes Sacropop-Event. Also darf man nicht alles einfach den bösen Deutschen, insbesondere
dem linken BDKJ anlasten. Und welchen Einfluss auf das ganze Geschehen und den Ablauf hat eigentlich der
päpstliche Zeremoniar und Bugnini-Schüler Erzbischof Marini, der auch in Köln keine Minute von der
seite des Papstes wich, zumindest nicht bei den liturgischen Abläufen? Fragen über Fragen. Ih hoffe,
dass hier jemand Antworten parat hat …
#22 palestrina 11:23:38 | Freitag, 26. August 2005
Sehe ich auch so @virOblationis: Richtig, aber früher wurde der schlechte Geschmack durch einen höheren
Grad an Verbindlichkeit reguliert, welcher ein gewisses Niveau sicherstellte. Auch da trifft Ihre Aussage
über die Hierarchie zu. P.S. Das Beispiel mit dem Priester und dem man mit der Einwegbibel ist gut. Was
meinen Sie, wie ich mich immer freue, wenn mir Eltern, die keine Note kennen, im Brustton der Überzeugung
erklären, ein Keyboard sei für ihr Kind geeigneter, als ein Klavier… @wolfgang e: Wir sind uns, glaube
ich, fast vollkommen einig. Auch ich höre auf den Papst und fand das, was er sagte, durchweg sehr gut.
Die Sache mit der Kommunionankündigung, dem römischen Kanon und manch anderes waren Hoffnungszeichen.
Das Ärgernis des WJT besteht in der furchtbaren Gegensätzlichkeit zwischen dem, was der Papst tat und
sagte und dem, was sich die Initiatoren und Organisatoren unter einem WJT vorstellen und worauf der Papst
kaum Einfluss gehabt haben dürfte. Damit meine ich vor allem die Musik (sorry, ist halt mein Beruf),
aber auch liturgische Tänze, Jongleur-Nummern bei der Vigil etc. Um zu analysieren, dass so etwas frevelhaft
ist, genügt auch die Ferndiagnose. Ich muss mich doch auch nicht betrinken, um festzustellen, dass Alkohol
die Sinne benebelt.
#21 wolfgang e. 10:10:07 | Freitag, 26. August 2005
@palestrinam Der Professor hätte recht, wenn seine Diagnose zutreffend wäre. Es ist eine unangenehme
Eigenschaft vieler Soziologen, ungebeten Ferndiagnosen zu stellen, aus wenigen Fersehbildern gleich eine
Generaldiagnose der Masse zu erstellen. Ich brauche keinen Soziologen, der mir erklärt, was katholisch
ist. Ich höre lieber auf den Papst. Man kann gerne einiges an dem WJT kritisieren, mir hat auch nicht
alles gefallen, und Meinungsfreiheit steht in diesem Bereich jedem Katholiken zu. Vielleich war manches
zu Eventmäßig, aber die Pilger als schwitzende, brüllende, enthemmte Masse darzustellen, deren Verstand
durch Emotion ausgeschaltet wurde, ist schlicht und einfach eine Entstellung. Was hat den der Papst angesprochen
in seinen Predigten, wenn nicht den Verstand? Ein kleinen Detail, das offenbar vielen entgangen ist: Vor
der Kommunion wurde in vielen Sprachen verkündigt, dass man hier den Leib Christi empfängt, und daher
nur Katholiken, die entsprechend vorbereitet sind die Kommunion empfangen dürfen. Ist das Emotionalisierung?
#20 virOblationis 09:50:33 | Freitag, 26. August 2005
ad palestrinam Schlechten Geschmack gibt es überall, unter Traditionalisten wie Modernisten, gewiß.
Das von Ihnen angesprochene Problem entsteht m.E. dadurch, daß sich gemäß einem verfehlten demokratischen
Verständnis, jeder berufen fühlt, alles nach seinen subjektiven Maßstäben zu beurteilen. Ich versuche,
so etwas – überspitzt – mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Ein Priester sitzt zusammen mit jemandem
an einem Tisch(*), und dieser sagt: „Ich habe zwar seit zwanzig Jahren keine Bibel mehr aufgeschlagen
und mich auch zuvor kaum damit beschäftigt, doch meine Ansicht in bezug auf diesen Text (sc. irgendeine
Perikope) ist ja genauso wertvoll wie die des Priesters, (dessen tägliches Brot gewissermaßen das Wort
Gottes ist).“ Abhilfe schafft meiner Meinung nach nur eine Rückkehr zu recht verstandener und praktizierter
Hierarchie. (*) hoffentlich nicht im PGR
#19 palestrina 09:00:47 | Freitag, 26. August 2005
Er hat recht. Der Herr Professor hat recht. Der beste Beweis ist die Art und Weise der Diskussion hier.
Die wenigsten lesen den Text genau. Und das hervorragende denkerische Niveau überfordert uns offenbar.
Also hauen wir wieder in gewohnter intellektueller Schlichtheit aufeinander ein, wobei sich Tradis und
Modernisten nichts, aber auch gar nichts nehmen. So ist das auch sonst, z. B. auf meinem Gebiet, der Kunst.
Das bei den Tradis der gregorianische Choral bevorzugt wird, gilt für wenige. Die meisten wollen schmachtige
deutsche Kirchenlieder. Mir wurde schon gedroht, wenn es jetzt dauernd Choralämter gäbe, komme man nicht
mehr. Bei den Bildern dasselbe. Den unsäglichen modernistischen Krakeleien steht nicht Giotto oder Schongauer
gegenüber, sondern jener rosarot/himmelblaue Kitsch, der mal als Ideengeber der Barby-Kultur in die Geschichte
eingehen wird. Der Traditionalismus orientiert sich in Wahrheit nicht an der zweitausendjährigen Tradition,
sondern spiegelt auf höchst subjektivistische (post)moderne Art („wilde Kontingenz“) den Modernismus.
Nur antimodernistisch zu sein, ist aber nicht katholisch, nur modernistisch natürlich auch nicht. So,
das war jetzt nicht nur zum Thema, aber das hat ja auch Tradition…
#18 Umkehrbefreit 23:46:57 | Donnerstag, 25. August 2005
Lasst die Kirche im Dorf! Auf diesem Weltjugendtag waren sehr viele Jugendliche die der überlieferten
Messe beiwohnten. Es gilt: Ob Katholikentage oder Weltjugendtage! Mischt euch darunter und diskutiert
mit. Die Progressisten haben damals auch so angefangen und konnten nach Jahren die Stimmung für sich
gewinnen. Der Weltjugendtag ist aber nie und nimmer mit Katholikentagen vergleichbar, da hier nichts kirchenfeindliches
dabei war. Der Weltjugendtag brachte echte Katholizität. Alles Schlechtreden finde ich absurd, darum
lasst die Kirche im Dorf!
@ Miles Christi: Intervention von Pro Sancta Ecclesia zur Kommunionspendung: Es wurde schon zuvor – mit
unsinniger Begründung – durch die Verantwortlichen auf Intervention von Pro Sancta Ecclesia – Initiative
katholischer Laien und Priester e.V. in Rom und der Erzdiözese Köln darauf hingewiesen, dass es keine
Kommunionbänke, keine Patenen und keine Priester als Kommunionspender geben werde. Daraus resultiert
in der Haupsache Hand- und Stehkommunion mit dem – ohne Verwendung von Patenen besonders – daraus resultierenden
Partikelverlust. Sakrilegien sind ebenfalls wahrscheinlich. Die Teilnehmer am Marienfeld – egal welcher
Gesinnung, auch von Pro Juventutem – sind also sodann auf dem Leib Christi ausgibig herumgehatscht. Da
Gott gnädig ist, hat er schlammigen Boden geschickt, in welchem die Eigenschaft als Leib Christi rascher
verloren geht. Die V2-Propagandisten werden auch für das sicher eine pastorale Begründung haben… Der
Gatte der Evelin
#16 Gotthard 21:52:45 | Donnerstag, 25. August 2005
Gemeinschaft der Sünder die Kirche ist ebenso sehr die Gemeinschaft der Sünder – und deshalb war das
mehrfach geäußerte „mea culpa“ dringend notwendig und geboten … und wäre auch weiterhin geboten.
#15 Pelagius 21:52:39 | Donnerstag, 25. August 2005
Pop-Kultur Man mag einzelne Punkte der Ausführungen kritisieren, die großen Linien aber wird man schlecht
abstreiten können. Der Unterschied zu NS-Veranstaltungen (und ähnlich den Zusammenkünften katholischer
Jugendverbände in illo tempore ) liegt u.a. auch darin, daß der Weltjugendtag weithin von der Pop-Kultur
beherrscht wird. Und zu dieser gehört nun einmal das Herauslassen von Gefühlen, in denen dann gemeinschaftlich
gebadet wird. Daß die Pop-Kultur formal wie materiell, von ihrem Ursprung wie von ihren Zielen her nicht
gerade eine ideologiefreie Zone ist, dürfte allgemein bekannt sein. Es ist nun dringend an der Zeit,
die hervortretenden religiösen Energien zu reinigen, an die konkreten Inhalte der Offenbarung zu binden
und in geordnete kirchliche Bahnen zu lenken. Aus der Ansprache des Papstes tritt dieses Anliegen wohl
deutlicher hervor als aus denen seines Vorgängers.
„Kommunionspender“ An der dreistündigen Messe nahmen auch 10.000 Priester sowie 800 Bischöfe und Kardinäle
teil. Das sind ordentliche Kommunionspender. Wenn man von der offiziellen Zahl von 1,1 Millionen Gläubigen
auf dem Marienfeld ausgeht und alle die Hl. Kommunion empfangen hätten, käme man auf ca. 100 Gläubige
pro ordentlichem Kommunionspender. Das wäre durchaus vertretbar und machbar gewesen. Aber warum wurden
dann entgegen den kanonischen Bestimmungen noch 3.000 „außerordentliche Kommunionspender“ ausgesandt,
die eigentlich nur für Notfälle (Todesgefahr, kein Priester erreichbar) vorgesehen sind?
#12 Romulus 21:07:36 | Donnerstag, 25. August 2005
Regenschirme und Sinalco Als die Kommunion auf dem WJT auf dem Marienfeld ausgeteilt wurde, war auf den
knallgelben Regenschirmen der „Kommunionspender“ groß das Sinalco Logo zu sehen. Da verschlägts einem
doch die Sprache…
Sündige Pilgerin??? Die Kirche als sündige Pilgerin zu bezeichnen, zeigt, was für ein Kirchenbild die
neokonservativen V2-Katholiken haben. Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Die Kirche kann gar nicht
sündigen. Wer sagt, die Kirche sei sündhaft, beleidigt den Leib Christi. Darum war auch das medienwirksame
„Mea culpa“ von JP2 nichts anderes, als eine öffentliche Demütigung der Kirche zur hämischen Genugtuung
ihrer Feinde.
#10 virOblationis 20:36:18 | Donnerstag, 25. August 2005
Geist und Fleisch An Prof. Fuchs’ Zeilen gefällt mir, daß sie versuchen, das „Event“ WJT in einen größeren
Zusammenhang zu stellen. – Das Event, ein Ereignis, das mehr auf Emotionen als auf den Verstand hin ausgerichtet
ist. Tatsächlich geht doch der Zeitgeist immer mehr dahin, Emotionen ungehemmt auszuleben: Darauf zielt
die Gruppendynamik, ebenso Adorno (als Vertreter der Frankfurter Schule); das ist der neue Freiheitsbegriff
der 68’ger (vgl. sex. Revolution) – während Lenin noch (in stoischer Tradition) gesagt hatte: Freiheit
ist Einsicht in die Notwendigkeit. Im 20. Jh geht der Zeitgeist weg von der (im 18. Jh sozusagen „verklärten“)
Vernunft und taucht gewissermaßen unter: Das Un(ter)bewußte gerät ins Blickfeld und soll den Menschen
mehr oder weniger bestimmen. Demgegenüber hatte die christliche Überlieferung stets die Unterwerfung
des Sinnlichen unter den Geist gefordert. So haben wir es am letzten Sonntag in der Epistel (Gal. 5, 16 –
24) gehört: „Brüder! Wandelt im Geiste, dann werdet ihr die Gelüste des Fleisches nicht vollbringen…“ –
Gewiß, noch mögen die Massen beim WJT einigermaßen diszipliniert gewesen sein; das waren sie bei den
ersten Rockfestivals meiner Beobachtung nach auch. Doch dies läßt auf die Dauer nach. Dann werden die
Werke des Fleisches zunehmend sichtbar: „Unzucht, Unreinigkeit etc.“, so die o.g. Epistel. Die Vernunft
gehört zum Glauben, doch nicht die selbstherrliche Vernunft (der Aufklärung), sondern die durch den
Glauben erleuchtete Vernunft.
#9 wolfgang e. 18:59:07 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Stimme aus dem Tradiland & Benedikt „sine ira et studio“ ist ein gutes Motto, tatsächlich müssen wir
einander nicht beleidigen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind (Auch wenn der Professor, wohl ungewollt,
mich und viele andere beleidigt mit seinen Aussagen). Man muss als Katholik WJTs nicht gut finden. Es
steht uns frei, daran Gefallen zu finden oder nicht. Ich glaube aber nicht das Sprechchore ansich etwas
schlechtes sind. Darf man seine Freude nicht in Sprechchören ausdrücken? Natürlich sind emotionale
Events zu wenig für einen Katholiken. Der Glaube spricht die ganze Person an, dazu gehört Geist, Leib,
Seele, Verstand, Wille, aber auch die Emotionen. Wir müssen vor Emotionen keine Angst haben, wenn sie
von einem echten Glauben getragen sind. Viele gläubige Jugendliche stehen mit ihrem Glauben alleine da
(ging mir oft auch so). Es ist gut, hin und wieder zu sehen, dass man nicht allein ist. Doch dann muss
die Vertiefung und die Bekehrung folgen.
#8 Benedikt 18:36:54 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Tradiland: Zwanghaft Die Sache mit dem Anbetungszelt, die an sich erfreulich ist (wenn auch besser in
einer Kirche stattfinden sollte), sollte man nicht überwerten. Denn nicht nur, dass lediglich für einen
Bruchteil der Veranstaltungsteilnehmer im Zelt Platz war, war es in dieser Nacht auch ziemlich kalt, sodaß
die – mangels Schlaf – Alternative zum einfachen F rieren auch im Aufsuchen eines Zelts gelegen sein konnte.
Der Wahn, alles schlecht zu reden und immer die bösesten oder niedrigsten Motive zu unterstellen ist
einfach zum – entschuldige – kotzen. Was weißt du über die Motive der Jugendlichen dort? Es war teilweise
sehr weit zum Zelt, außerdem war es davor schlammig und man musste anstehen. Wärmer als in einem Schlafsack
kann es auch nicht gewesen sein, jedenfalls nach meinem Empfinden war es eher kälter dort. Und ungemütlicher.
Die Mitteleuropäer, die es trotz Schlafsack auf dem Feld zu kalt fanden, gehen offenbar ein bißchen
zu selten vor die Tür. Ich habs mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und der Rest meiner Gruppe auch.
Das nur nebenbei.
Sine ira et studio @ Wolfgang E. und Benedikt: So leicht kann man sich’s nicht machen. Die Anbiederung
des WJT an die Zeitgeistkultur sind eindeutig und unübersehbar. Das betrifft die äußere Ähnlichkeit
von Veranstaltungsort, Musik, spontanen oder weniger spontanen Gefühlausbrüchen, die Kleidung der Teilnehmer,
das komische Fahnen-Gewachel (wir aus Dschibuti haben auch eine Delegation entsandt usw.), Sprechchöre,
Herumsitzen, – latschen, -liegen oder auch -stehen in wenig ehrfurchtsvoller Haltung. Dass Prof. Fuchs
mit seinem Beitrag eine Analogie zum Nürnberger Reichsparteitag gezogen hat, kann ernstlich nicht behauptet
werden (nicht nur wegen der fehlenden Erwähnung): Bekanntlich ließen derartige Veranstaltungen der NSDAP
wenig Raum für spontane Gefühlsausbrüche, auf Disziplin, Kleidung etc. wurde ganz anders geachtet.
Wichtig ist auch nicht bloß, was der Papst gedacht oder veranlaßt hat, sondern wie die Veranstaltung
von einem unbefangenen Beobachter gesehen werden konnte: Mit Sprechchören udgl. Die Sache mit dem Anbetungszelt,
die an sich erfreulich ist (wenn auch besser in einer Kirche stattfinden sollte), sollte man nicht überwerten.
Denn nicht nur, dass lediglich für einen Bruchteil der Veranstaltungsteilnehmer im Zelt Platz war, war
es in dieser Nacht auch ziemlich kalt, sodaß die – mangels Schlaf – Alternative zum einfachen Frieren
auch im Aufsuchen eines Zelts gelegen sein konnte. Dass gebeichtet wurde, ist jedenfalls erfreulich.
#6 wolfgang e. 18:19:21 | Donnerstag, 25. August 2005
nürnberger Reichstag Die Bedenklichkeit speist sich aus anderen Quellen. Zum Beispiel werden wir Zeugen
riefenstahlscher Masseninszenierungen. Das ist nicht nur formal so, sondern auch funktional äquivalent:
Es geht um Giga-Appelle ans Emotionale, um bedenkenlose Gefühlsausschüttung, die als Instrument der
Reflexionsblockade genutzt wird.
@ Benedikt & wolfgang e Na na, vom Nürnberger Parteitag ist in dem Artikel nicht die Rede, also bitte
nicht Dinge hineininterpretieren, die nicht dastehen, sondern besser reflektieren, was das positive Anliegen
des Professors ist. In der Tat stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche es nötig hat, den allgemeinen
Trend zur „Eventisierung“ zu kopieren und an die Stelle ihrer egenen Proprien, die da sind Sakralität,
Heiligkeit, Wahrheit zu setzen. Was mir missfällt: Das JPII-Projekt Weltjugendtag scheint seiner Erscheinungsform
nach immer mehr zu einem Zeitgeist-Phänomen zu werden, obzwar der Papst das Glaubengut gegen den Zeitgeist
zu verteidigen beabsichtigt. Nur stimmen da Inhalt und Form kaum mehr zusammen …
#3 wolfgang e. 17:36:28 | Donnerstag, 25. August 2005
Sehr geehrter Professor „Man vergleiche die Bilder von Massenbegeisterungen, welchem Anlaß sie sich auch
immer verdanken, durch die Zeiten: Sie sind immer Bilder einer körperlich-mimisch ausgedrückten Entleerung,
endzeitlicher Hoffnung und Erwartung, von völliger Obsession, in der die Hände flehend gereckt sind,
die Augen naß, Körper und Geist adrenalingesättigt und verschwitzt…“ Dieser Text ist schlichtweg
eine Beleidigung der Teilnehmer. Tud mir leid, anders kann ich das nich ausdrücken. Haben sie wirklich
Dinge wie Nürnberger Reichstag, Woodstock oder Rockkonzerte mit WJT verglichen, oder habe ich mich verlesen?
Ein Kölner Atheist, dem ich begegnet bin, war ganz erstaut, dass derart viele Jugendliche sich trotz
der Unannehmlichkeiten so gesittet benahmen. Er sagte: „Eine Woche später gibt es bei uns das Festival
„Rock am Ring“, da werden wir sicher anderes erleben. Noch etwas: Die Botschaft von Benedikt XVI enthielt
keine Emotionalisierung, und gegen jeden Ansatz von „Personenkult“ hat er sich sofort gewehrt. Am Marienfeld
gab es ein Anbetungszelt, dass 800 Personen fasste. die Ganze Nacht über musste man sich anstellen, um
überhaupt hineinzukommen. Überall waren Priester, bei denen ständig gebeichtet wurde. Haben sie soetwas
in Woodstok gesehen? Der Papst ist Stellvertreter Christi, „il dolce Christo in terra“ (Katharina v. Siena).
Wenn ich ihn verehre, verehre ich Christus, niemanden sonst. Das „Personenkult zu nennen ist für jeden
Katholiken eine Beleidigung.
Furztrocken Ja so sind sie, unsere furztrockenen deutschen Professoren. Nehmet zur Kenntnis, euer Liebden,
daß wir eurer trockenen, in staubigen Bücherhallen und tristen Betonburgen hausenden Kirche, die es
verlernt hat, den Glauben zu feiern, davongelaufen sind, hin zu denen, die uns Ersatz zu bieten versprachen,
den Rattenfänger, den Drogenhändlern, den Zelebranten magischer Rockexzesse, den Revoluzzern. Eine Kirche,
die keine Geheimnisse zu bieten hat, keinen Weihrauch, keine Mystik, keine Extase, kein Fest, tauscht
man gerne ein gegen das Versprechen diesseitiger Erlösung. Zu spät fiel uns auf, daß wir Katzendreck,
nicht Gold in den Händen hielten. Ich hätte mir einen WJT gewünscht, aber wir hatten ja nur Woodstock.