Weltjugendtag
Die sakrosankte Ekstase
Gegen die Massen- Sentimentalisierung des katholischen Glaubens und für eine klare, trockene Kirche. Von Peter Fuchs.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich bin Katholik, gar, wie man so seltsam verquer zu sagen pflegt, ein praktizierender Katholik.

Ich gehe regelmäßig zur Kirche, bemühe mich, in etwa so zu leben, wie Christen in dieser Kirche leben können: lebens- und leidenschaftsgemäßigt im Alltag, mit typischen Konzessionen an menschliche Schwächen, hin und wieder erbaut durch die Sinnlichkeitshochleistungen der katholischen Liturgie, eher abgestoßen durch religiöses Virtuosentum, durch unangebrachte öffentliche Glaubens-Ekstasen, durch frömmelndes Gitarrengezupfe.

Ich schätze diese Kirche, weil sie das Weltliche nicht scheut, bodenständig und robust ist, so robust, daß sie religiöse Sonderleistungen gleichsam an ihren Rändern noch zuläßt, aber eben doch mit gedämpfter Begeisterung für emphatisches Augenrollen, für Glossolalie, für alle Anzeichen von Verzückung und Erweckung.

Aber trifft dieses Bild noch zu?

Seit einiger Zeit (und im Weltjugendtag gegenwärtig kulminierend) wird diese klare, trockene Kirche seltsam „sentimentalisiert“. Es ist, als ob sie, diese sündige Pilgerin durch alle Turbulenzen der Zeiten, die nie auf einen Zug aufgesprungen ist, nur weil er modern ist, nun plötzlich Gefallen daran findet, auf diesen einen der jugendbewegten Gemeinschaftsseligkeit und ihre massenmediale Wirksamkeit aufzuspringen.

Sie gibt sich den Anschein, daß sie schäumt und brodelt, auf Pumaschuhen läuft, die unvermeidlichen Rucksäcke, Handys und Walksmans trägt, daß sie wie eine soziale Bewegung sei, durch-enthusiasmiert und de-rationalisiert bis auf ihren Grund.

Hunderttausende, mitunter Millionen fassen sich an den Händen und zelebrieren Friede, Freude und zu Herzen gehende Gemeinschaft. Die Kirche, scheint es, hebt an zu schunkeln, sogar: zu rocken. Sie entdeckt die Popularität, sie wird, wie man gesagt hat: Pop.

Was soll daran bedenklich sein?

Doch nicht allein der Umstand, daß jene Myriaden jugend-gläubig bewegter Leute wohl nicht alle täglich in der Bibel lesen, den Katechismus wohl kaum durchgängig beherzigen und wohl auch nicht auf Liebes- und Lebensfreiheiten verzichten, auf die keinen Wert zu legen die Kirche dringlich anrät und mitunter gebietet?

Und vermuten läßt sich auch, daß nur ein verschwindend geringer Teil dieser schwärmerischen Menschen im eigenen Leben das Ur-Christentum lebt.

Die Bedenklichkeit speist sich aus anderen Quellen. Zum Beispiel werden wir Zeugen riefenstahlscher Masseninszenierungen. Das ist nicht nur formal so, sondern auch funktional äquivalent: Es geht um Giga-Appelle ans Emotionale, um bedenkenlose Gefühlsausschüttung, die als Instrument der Reflexionsblockade genutzt wird. Das Herdersche „Ich fühle, ich bin!“, das Goetheische „Gefühl ist alles!“ gewinnt dabei aktuelle Bedeutung. Es heißt jetzt: „Wir fühlen, wir sind jung, wir sind, und das ist alles!“

Es ist mehr als bezeichnend, daß im Zentrum dieser gewaltigen Schaustellungen ein nachgerade fiebrig-frenetischer Personenkult exerziert wird, der nichts gemein hat mit dem gleichsam zusammengenommenen, schlichten Leben des Jesus von Nazareth, der sich diesen Lärm verboten hätte.

Man vergleiche die Bilder von Massenbegeisterungen, welchem Anlaß sie sich auch immer verdanken, durch die Zeiten: Sie sind immer Bilder einer körperlich-mimisch ausgedrückten Entleerung, endzeitlicher Hoffnung und Erwartung, von völliger Obsession, in der die Hände flehend gereckt sind, die Augen naß, Körper und Geist adrenalingesättigt und verschwitzt – ohne jede Aussicht auf ein cooling-down, das bislang ein Schlüsselmerkmal des Katholizismus war: als Bändigung überschießender Leidenschaften, als Ausschluß der (selbstbefriedigenden) Berauschungen.

Kann man denn als kopfschüttelnder Katholik dazu noch etwas theoretisch sagen?

Ja, auf die Schnelle, in kaum zu verantwortender Kürze. Eines der zentralen Bewandtnisse der Moderne ist das, was man „wilde Kontingenz“ nennen könnte. Im Prinzip geht es darum, daß in der modernen Gesellschaft kaum mehr die Möglichkeit besteht, nicht zu beobachten, daß alles, was geschieht, nicht eindeutig oder kontingenzfest ist, sondern auch von wo anders her anders beobachtet werden könnte und beobachtet wird.

Ohne, daß es eine Stelle, einen archimedischen Punkt der Beobachtung gäbe, von dem aus Ereignisse kontingenzfrei und gleichsam legal beurteilbar wären. Eine Metapher dafür ist: Wir leben in einer dämonisierten Welt, in einer Welt der De-Präzisierung aller Anschlüsse, worüber man dann auch bisweilen unter dem vergilbten Stichwort Postmoderne redet.

Es steht zu erwarten, daß unter diesen Vorzeichen Einrichtungen evolutionär begünstigt werden, die Kontingenz abfedern, strangulieren, ausschalten.

Der moderne Boom der Organisationen wäre dafür ein Beispiel, die mit ihren internen Hierarchien garantieren, daß – wie Luhmann gesagt hat – immer klar ist, wer die Befugnisgewalt hat, wer wo wann und in welcher Farbe zeichnungsberechtigt ist, wie groß die Büros jeweils sind, wer den Dienstwagen wann und mit welchem bürokratischen Aufwand benutzen darf, usw.

Ein anderes Beispiel ist die Ausdifferenzierung des Leistungssportsystems, durch das immer klargestellt wird, wer gewonnen, wer verloren hat.

Und ein drittes Beispiel ist hier einschlägig: Die Hausse der Gefühls-, Körper- und Gemeinschaftskultur. Die Referenz auf Gefühle garantiert ein Areal der Unwidersprechbarkeit. Gefühle hat man, wie man einen Körper hat. Gefühle sind immer „Basta!“ Die Kommunikation von Gefühlen schließt Gegenbeobachtung aus. Emotionen sind in gewisser Weise sakrosankt, vor allem, wenn sie in ekstatischer Gemeinschaft zelebriert werden.

Und da lauert die Gefahr für meine Kirche. An die Stelle des Sakralen, des Numinosen tritt: von sich selbst begeisterte Begeisterung.

Gesucht wird die kontingenzvernichtende seelische Bewegtheit, die schlichte Botschaft Nina Ruges: „Alles wird gut!“ – irgendwie, irgendwann. Jemand wird’s richten. Habemus papam. Die gute Botschaft (eu angelion) wird zur netten (nicht zur strengen) Botschaft. Gottes Liebe, hat man gesagt, ist schrecklich, weil sie unnachsichtig fordernd ist. Sie drückt sich nicht aus in hüpfenden Kinderengelchen, geschwenkten Feuerzeugen und Wunderkerzen. Sie berichtet statt dessen von der fundamentalen Unheilbarkeit der Welt.

Ich vermute (und bisher hatte mich das meine Kirche gelehrt), die Botschaft des neuen Testamentes hat nicht viel zu tun mit betäubenden Spektakeln der Gefühlsduselei, die wohlfeil zu haben sind.

Die katholische Kirche täte gut daran, Kontingenzen der Moderne auf ihre eigene Weise auszuhebeln. Kognitive Verfettung, die eines der Symptome sich selbst feiernder Systeme sind, sollte sie vermeiden.

Und zur Kenntnis nehmen: Strohfeuer wärmen bekanntlich nicht lange, so wenig wie die Jugend lange währt.

Peter Fuchs ist Professor für Soziologie in Neubrandenburg.

Der Artikel erschien am 19. August in der Frankfurter Rundschau. Der Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitung und von Prof. Peter Fuchs.
      
26 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#26   Evelin   16:01:52 | Sonntag, 28. August 2005
@ P. Cappabianca
Auch JoPaII. ist bei seinen Events bescheiden aufgetreten. Wenn’s nur um das ginge, hätten wir kein Problem. Außerdem die Mitte zwischen was? Die Tradition wahrt die Mitte zwischen Sedisvakantismus und Papalismus. Wenn Sie diese Mitte meinen, bin ich einverstanden.
Der Gatte der Evelin
Redaktion benachrichtigen
#25   P. Max Cappabianca OP   10:14:31 | Samstag, 27. August 2005
Ein bedenkenswerter Beitrag!
Ich halte die Überlegungen des Neu-Brandenburger Soziologieprofessors für sehr bedenkenswert. Schon lange treibt mich die Frage um, wie bei solchen Massenevents „von sich selbst begeisterte Begeisterung“ vermieden werden kann. Ich denke, dass das bescheidene Auftreten Papst Benedikts XVI. in die richtige Richtung geht! Aber vielleicht muss noch mehr geschehen, um die Mitte zu wahren!
Redaktion benachrichtigen
#24   Benedikt   16:02:50 | Freitag, 26. August 2005
@ Toby
Aber warum wurden dann entgegen den kanonischen Bestimmungen noch 3.000 „außerordentliche Kommunionspender“ ausgesandt, die eigentlich nur für Notfälle (Todesgefahr, kein Priester erreichbar) vorgesehen sind?
Ich habe schon in einem Beitrag vor ein paar Tagen (Dienstag?) aufgezählt, wie oft VOM VATIKAN gegen Redemptionis Sacramentum verstoßen wird. Nichts neues daher. Allerdings gebe ich zu von diesem Verstoß nichts gewusst zu haben. Ich habe keinen außerordentlichen Kommunionspender gesehen (war vor Ort = begrenzter Winkel).
@MilesChristi
Kann jemand sagen, wie das mit der Kommunionspendung war ?
Also Kniebänke usw. gab es nicht, Patenen auch nicht. Den Schirmträger hatte auch nicht jeder (ich sah keinen). Darin sind aber keine Verstöße gegen irgendwelche Vorschriften zu sehen. Die Verwendung von Kniebänken nur für diesen Gottesdienst (und ansonsten eben nicht) wäre Heuchelei gewesen. Allerdings muss man sagen, dass von den Veranstaltern geplant gewesen war, dass die Glüubigen auf ihrem Platz bleiben, und die Priester vorbeikommen. Da man am Platz vor der Kommunionausteilung kniet, kann man den Veranstaltern etwas Positives unterstellen. Natürlich wurde auch Handkommunion gegeben. Sie ist auch grds. erlaubt. Allerdings war da der Wind (Profanierungsgefahr), und dreckige Camping-Finger. Auf die Handkommunion hätte daher nach RS verzichtet werden müssen und ich hab mich dran gehalten.
Redaktion benachrichtigen
#23   Toby   13:23:05 | Freitag, 26. August 2005
Initiatoren und Organisatoren
Das Ärgernis des WJT besteht in der furchtbaren Gegensätzlichkeit zwischen dem, was der Papst tat und sagte und dem, was sich die Initiatoren und Organisatoren unter einem WJT vorstellen und worauf der Papst kaum Einfluss gehabt haben dürfte.
Mich würde mal interessieren, wer „die“ Initiatoren und „die“ Organisatoren des Weltjugendtags eigentlich sind. Ist für die sogenannte „Gestaltung“ der Gottesdienste das Organisationskommittee des Weltjugentags verantwortlich?
Wie und von wem wurden welche Leute in dieses Gremium berufen? Hat Kardinal Meisner da keinen größeren Einfluss gehabt?
Wie sah das alles bei den früheren Weltjugendtagen aus, beispielsweise in Toronto oder Rom? Dort war ja, so meine ch mich zu erinnern, auch alles ein großes Sacropop-Event. Also darf man nicht alles einfach den bösen Deutschen, insbesondere dem linken BDKJ anlasten.
Und welchen Einfluss auf das ganze Geschehen und den Ablauf hat eigentlich der päpstliche Zeremoniar und Bugnini-Schüler Erzbischof Marini, der auch in Köln keine Minute von der seite des Papstes wich, zumindest nicht bei den liturgischen Abläufen?
Fragen über Fragen. Ih hoffe, dass hier jemand Antworten parat hat …
Redaktion benachrichtigen
#22   palestrina   11:23:38 | Freitag, 26. August 2005
Sehe ich auch so
@virOblationis: Richtig, aber früher wurde der schlechte Geschmack durch einen höheren Grad an Verbindlichkeit reguliert, welcher ein gewisses Niveau sicherstellte. Auch da trifft Ihre Aussage über die Hierarchie zu.
P.S. Das Beispiel mit dem Priester und dem man mit der Einwegbibel ist gut. Was meinen Sie, wie ich mich immer freue, wenn mir Eltern, die keine Note kennen, im Brustton der Überzeugung erklären, ein Keyboard sei für ihr Kind geeigneter, als ein Klavier…
@wolfgang e: Wir sind uns, glaube ich, fast vollkommen einig. Auch ich höre auf den Papst und fand das, was er sagte, durchweg sehr gut. Die Sache mit der Kommunionankündigung, dem römischen Kanon und manch anderes waren Hoffnungszeichen.
Das Ärgernis des WJT besteht in der furchtbaren Gegensätzlichkeit zwischen dem, was der Papst tat und sagte und dem, was sich die Initiatoren und Organisatoren unter einem WJT vorstellen und worauf der Papst kaum Einfluss gehabt haben dürfte. Damit meine ich vor allem die Musik (sorry, ist halt mein Beruf), aber auch liturgische Tänze, Jongleur-Nummern bei der Vigil etc. Um zu analysieren, dass so etwas frevelhaft ist, genügt auch die Ferndiagnose. Ich muss mich doch auch nicht betrinken, um festzustellen, dass Alkohol die Sinne benebelt.
Redaktion benachrichtigen
#21   wolfgang e.   10:10:07 | Freitag, 26. August 2005
@palestrinam
Der Professor hätte recht,
wenn seine Diagnose zutreffend wäre. Es ist eine unangenehme Eigenschaft vieler Soziologen, ungebeten Ferndiagnosen zu stellen, aus wenigen Fersehbildern gleich eine Generaldiagnose der Masse zu erstellen.
Ich brauche keinen Soziologen, der mir erklärt, was katholisch ist. Ich höre lieber auf den Papst.
Man kann gerne einiges an dem WJT kritisieren, mir hat auch nicht alles gefallen, und Meinungsfreiheit steht in diesem Bereich jedem Katholiken zu. Vielleich war manches zu Eventmäßig, aber die Pilger als schwitzende, brüllende, enthemmte Masse darzustellen, deren Verstand durch Emotion ausgeschaltet wurde, ist schlicht und einfach eine Entstellung. Was hat den der Papst angesprochen in seinen Predigten, wenn nicht den Verstand?
Ein kleinen Detail, das offenbar vielen entgangen ist: Vor der Kommunion wurde in vielen Sprachen verkündigt, dass man hier den Leib Christi empfängt, und daher nur Katholiken, die entsprechend vorbereitet sind die Kommunion empfangen dürfen. Ist das Emotionalisierung?
Redaktion benachrichtigen
#20   virOblationis   09:50:33 | Freitag, 26. August 2005
ad palestrinam
Schlechten Geschmack gibt es überall, unter Traditionalisten wie Modernisten, gewiß.
Das von Ihnen angesprochene Problem entsteht m.E. dadurch, daß sich gemäß einem verfehlten demokratischen Verständnis, jeder berufen fühlt, alles nach seinen subjektiven Maßstäben zu beurteilen. Ich versuche, so etwas – überspitzt – mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Ein Priester sitzt zusammen mit jemandem an einem Tisch(*), und dieser sagt: „Ich habe zwar seit zwanzig Jahren keine Bibel mehr aufgeschlagen und mich auch zuvor kaum damit beschäftigt, doch meine Ansicht in bezug auf diesen Text (sc. irgendeine Perikope) ist ja genauso wertvoll wie die des Priesters, (dessen tägliches Brot gewissermaßen das Wort Gottes ist).“
Abhilfe schafft meiner Meinung nach nur eine Rückkehr zu recht verstandener und praktizierter Hierarchie.
(*) hoffentlich nicht im PGR
Redaktion benachrichtigen
#19   palestrina   09:00:47 | Freitag, 26. August 2005
Er hat recht.
Der Herr Professor hat recht.
Der beste Beweis ist die Art und Weise der Diskussion hier. Die wenigsten lesen den Text genau. Und das hervorragende denkerische Niveau überfordert uns offenbar. Also hauen wir wieder in gewohnter intellektueller Schlichtheit aufeinander ein, wobei sich Tradis und Modernisten nichts, aber auch gar nichts nehmen.
So ist das auch sonst, z. B. auf meinem Gebiet, der Kunst. Das bei den Tradis der gregorianische Choral bevorzugt wird, gilt für wenige. Die meisten wollen schmachtige deutsche Kirchenlieder. Mir wurde schon gedroht, wenn es jetzt dauernd Choralämter gäbe, komme man nicht mehr. Bei den Bildern dasselbe. Den unsäglichen modernistischen Krakeleien steht nicht Giotto oder Schongauer gegenüber, sondern jener rosarot/himmelblaue Kitsch, der mal als Ideengeber der Barby-Kultur in die Geschichte eingehen wird.
Der Traditionalismus orientiert sich in Wahrheit nicht an der zweitausendjährigen Tradition, sondern spiegelt auf höchst subjektivistische (post)moderne Art („wilde Kontingenz“) den Modernismus.
Nur antimodernistisch zu sein, ist aber nicht katholisch, nur modernistisch natürlich auch nicht.
So, das war jetzt nicht nur zum Thema, aber das hat ja auch Tradition… ;-)
Redaktion benachrichtigen
#18   Umkehrbefreit   23:46:57 | Donnerstag, 25. August 2005
Lasst die Kirche im Dorf!
Auf diesem Weltjugendtag waren sehr viele Jugendliche die der überlieferten Messe beiwohnten.
Es gilt: Ob Katholikentage oder Weltjugendtage! Mischt euch darunter und diskutiert mit. Die Progressisten haben damals auch so angefangen und konnten nach Jahren die Stimmung für sich gewinnen.
Der Weltjugendtag ist aber nie und nimmer mit Katholikentagen vergleichbar, da hier nichts kirchenfeindliches dabei war. Der Weltjugendtag brachte echte Katholizität. Alles Schlechtreden finde ich absurd, darum lasst die Kirche im Dorf!
Redaktion benachrichtigen
#17   Evelin   23:01:21 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Miles Christi: Intervention von Pro Sancta Ecclesia
zur Kommunionspendung: Es wurde schon zuvor – mit unsinniger Begründung – durch die Verantwortlichen auf Intervention von Pro Sancta Ecclesia – Initiative katholischer Laien und Priester e.V. in Rom und der Erzdiözese Köln darauf hingewiesen, dass es keine Kommunionbänke, keine Patenen und keine Priester als Kommunionspender geben werde.
Daraus resultiert in der Haupsache Hand- und Stehkommunion mit dem – ohne Verwendung von Patenen besonders – daraus resultierenden Partikelverlust. Sakrilegien sind ebenfalls wahrscheinlich.
Die Teilnehmer am Marienfeld – egal welcher Gesinnung, auch von Pro Juventutem – sind also sodann auf dem Leib Christi ausgibig herumgehatscht. Da Gott gnädig ist, hat er schlammigen Boden geschickt, in welchem die Eigenschaft als Leib Christi rascher verloren geht.
Die V2-Propagandisten werden auch für das sicher eine pastorale Begründung haben…
Der Gatte der Evelin
Redaktion benachrichtigen
#16   Gotthard   21:52:45 | Donnerstag, 25. August 2005
Gemeinschaft der Sünder
die Kirche ist ebenso sehr die Gemeinschaft der Sünder – und deshalb war das mehrfach geäußerte „mea culpa“ dringend notwendig und geboten … und wäre auch weiterhin geboten.
Redaktion benachrichtigen
#15   Pelagius   21:52:39 | Donnerstag, 25. August 2005
Pop-Kultur
Man mag einzelne Punkte der Ausführungen kritisieren, die großen Linien aber wird man schlecht abstreiten können. Der Unterschied zu NS-Veranstaltungen (und ähnlich den Zusammenkünften katholischer Jugendverbände in illo tempore ) liegt u.a. auch darin, daß der Weltjugendtag weithin von der Pop-Kultur beherrscht wird. Und zu dieser gehört nun einmal das Herauslassen von Gefühlen, in denen dann gemeinschaftlich gebadet wird. Daß die Pop-Kultur formal wie materiell, von ihrem Ursprung wie von ihren Zielen her nicht gerade eine ideologiefreie Zone ist, dürfte allgemein bekannt sein.
Es ist nun dringend an der Zeit, die hervortretenden religiösen Energien zu reinigen, an die konkreten Inhalte der Offenbarung zu binden und in geordnete kirchliche Bahnen zu lenken. Aus der Ansprache des Papstes tritt dieses Anliegen wohl deutlicher hervor als aus denen seines Vorgängers.
Redaktion benachrichtigen
#14   MilesChristi   21:43:42 | Donnerstag, 25. August 2005
Kommunionspendung
Kann jemand sagen, wie das mit der Kommunionspendung war ?
Redaktion benachrichtigen
#13   Toby   21:35:58 | Donnerstag, 25. August 2005
„Kommunionspender“
An der dreistündigen Messe nahmen auch 10.000 Priester sowie 800 Bischöfe und Kardinäle teil.
Das sind ordentliche Kommunionspender. Wenn man von der offiziellen Zahl von 1,1 Millionen Gläubigen auf dem Marienfeld ausgeht und alle die Hl. Kommunion empfangen hätten, käme man auf ca. 100 Gläubige pro ordentlichem Kommunionspender. Das wäre durchaus vertretbar und machbar gewesen.
Aber warum wurden dann entgegen den kanonischen Bestimmungen noch 3.000 „außerordentliche Kommunionspender“ ausgesandt, die eigentlich nur für Notfälle (Todesgefahr, kein Priester erreichbar) vorgesehen sind?
Redaktion benachrichtigen
#12   Romulus   21:07:36 | Donnerstag, 25. August 2005
Regenschirme und Sinalco
Als die Kommunion auf dem WJT auf dem Marienfeld ausgeteilt wurde, war auf den knallgelben Regenschirmen der „Kommunionspender“ groß das Sinalco Logo zu sehen. Da verschlägts einem doch die Sprache…
Redaktion benachrichtigen
#11   Sarto   20:43:55 | Donnerstag, 25. August 2005
Sündige Pilgerin???
Die Kirche als sündige Pilgerin zu bezeichnen, zeigt, was für ein Kirchenbild die neokonservativen V2-Katholiken haben.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Die Kirche kann gar nicht sündigen.
Wer sagt, die Kirche sei sündhaft, beleidigt den Leib Christi.
Darum war auch das medienwirksame „Mea culpa“ von JP2 nichts anderes, als eine öffentliche Demütigung der Kirche zur hämischen Genugtuung ihrer Feinde.
Redaktion benachrichtigen
#10   virOblationis   20:36:18 | Donnerstag, 25. August 2005
Geist und Fleisch
An Prof. Fuchs’ Zeilen gefällt mir, daß sie versuchen, das „Event“ WJT in einen größeren Zusammenhang zu stellen. – Das Event, ein Ereignis, das mehr auf Emotionen als auf den Verstand hin ausgerichtet ist.
Tatsächlich geht doch der Zeitgeist immer mehr dahin, Emotionen ungehemmt auszuleben: Darauf zielt die Gruppendynamik, ebenso Adorno (als Vertreter der Frankfurter Schule); das ist der neue Freiheitsbegriff der 68’ger (vgl. sex. Revolution) – während Lenin noch (in stoischer Tradition) gesagt hatte: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit.
Im 20. Jh geht der Zeitgeist weg von der (im 18. Jh sozusagen „verklärten“) Vernunft und taucht gewissermaßen unter: Das Un(ter)bewußte gerät ins Blickfeld und soll den Menschen mehr oder weniger bestimmen.
Demgegenüber hatte die christliche Überlieferung stets die Unterwerfung des Sinnlichen unter den Geist gefordert. So haben wir es am letzten Sonntag in der Epistel (Gal. 5, 16 – 24) gehört: „Brüder! Wandelt im Geiste, dann werdet ihr die Gelüste des Fleisches nicht vollbringen…“ – Gewiß, noch mögen die Massen beim WJT einigermaßen diszipliniert gewesen sein; das waren sie bei den ersten Rockfestivals meiner Beobachtung nach auch. Doch dies läßt auf die Dauer nach. Dann werden die Werke des Fleisches zunehmend sichtbar: „Unzucht, Unreinigkeit etc.“, so die o.g. Epistel.
Die Vernunft gehört zum Glauben, doch nicht die selbstherrliche Vernunft (der Aufklärung), sondern die durch den Glauben erleuchtete Vernunft.
Redaktion benachrichtigen
#9   wolfgang e.   18:59:07 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Stimme aus dem Tradiland & Benedikt
„sine ira et studio“ ist ein gutes Motto, tatsächlich müssen wir einander nicht beleidigen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind (Auch wenn der Professor, wohl ungewollt, mich und viele andere beleidigt mit seinen Aussagen).
Man muss als Katholik WJTs nicht gut finden. Es steht uns frei, daran Gefallen zu finden oder nicht. Ich glaube aber nicht das Sprechchore ansich etwas schlechtes sind. Darf man seine Freude nicht in Sprechchören ausdrücken?
Natürlich sind emotionale Events zu wenig für einen Katholiken. Der Glaube spricht die ganze Person an, dazu gehört Geist, Leib, Seele, Verstand, Wille, aber auch die Emotionen. Wir müssen vor Emotionen keine Angst haben, wenn sie von einem echten Glauben getragen sind. Viele gläubige Jugendliche stehen mit ihrem Glauben alleine da (ging mir oft auch so). Es ist gut, hin und wieder zu sehen, dass man nicht allein ist. Doch dann muss die Vertiefung und die Bekehrung folgen.
Redaktion benachrichtigen
#8   Benedikt   18:36:54 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Tradiland: Zwanghaft
Die Sache mit dem Anbetungszelt, die an sich erfreulich ist (wenn auch besser in einer Kirche stattfinden sollte), sollte man nicht überwerten. Denn nicht nur, dass lediglich für einen Bruchteil der Veranstaltungsteilnehmer im Zelt Platz war, war es in dieser Nacht auch ziemlich kalt, sodaß die – mangels Schlaf – Alternative zum einfachen F rieren auch im Aufsuchen eines Zelts gelegen sein konnte.
Der Wahn, alles schlecht zu reden und immer die bösesten oder niedrigsten Motive zu unterstellen ist einfach zum – entschuldige – kotzen. Was weißt du über die Motive der Jugendlichen dort? Es war teilweise sehr weit zum Zelt, außerdem war es davor schlammig und man musste anstehen. Wärmer als in einem Schlafsack kann es auch nicht gewesen sein, jedenfalls nach meinem Empfinden war es eher kälter dort. Und ungemütlicher.
Die Mitteleuropäer, die es trotz Schlafsack auf dem Feld zu kalt fanden, gehen offenbar ein bißchen zu selten vor die Tür. Ich habs mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und der Rest meiner Gruppe auch. Das nur nebenbei.
Redaktion benachrichtigen
#7   Stimme aus dem Tradiland   18:24:27 | Donnerstag, 25. August 2005
Sine ira et studio
@ Wolfgang E. und Benedikt: So leicht kann man sich’s nicht machen. Die Anbiederung des WJT an die Zeitgeistkultur sind eindeutig und unübersehbar. Das betrifft die äußere Ähnlichkeit von Veranstaltungsort, Musik, spontanen oder weniger spontanen Gefühlausbrüchen, die Kleidung der Teilnehmer, das komische Fahnen-Gewachel (wir aus Dschibuti haben auch eine Delegation entsandt usw.), Sprechchöre, Herumsitzen, – latschen, -liegen oder auch -stehen in wenig ehrfurchtsvoller Haltung.
Dass Prof. Fuchs mit seinem Beitrag eine Analogie zum Nürnberger Reichsparteitag gezogen hat, kann ernstlich nicht behauptet werden (nicht nur wegen der fehlenden Erwähnung): Bekanntlich ließen derartige Veranstaltungen der NSDAP wenig Raum für spontane Gefühlsausbrüche, auf Disziplin, Kleidung etc. wurde ganz anders geachtet.
Wichtig ist auch nicht bloß, was der Papst gedacht oder veranlaßt hat, sondern wie die Veranstaltung von einem unbefangenen Beobachter gesehen werden konnte: Mit Sprechchören udgl.
Die Sache mit dem Anbetungszelt, die an sich erfreulich ist (wenn auch besser in einer Kirche stattfinden sollte), sollte man nicht überwerten. Denn nicht nur, dass lediglich für einen Bruchteil der Veranstaltungsteilnehmer im Zelt Platz war, war es in dieser Nacht auch ziemlich kalt, sodaß die – mangels Schlaf – Alternative zum einfachen Frieren auch im Aufsuchen eines Zelts gelegen sein konnte.
Dass gebeichtet wurde, ist jedenfalls erfreulich.
Redaktion benachrichtigen
#6   wolfgang e.   18:19:21 | Donnerstag, 25. August 2005
nürnberger Reichstag
Die Bedenklichkeit speist sich aus anderen Quellen. Zum Beispiel werden wir Zeugen riefenstahlscher Masseninszenierungen. Das ist nicht nur formal so, sondern auch funktional äquivalent: Es geht um Giga-Appelle ans Emotionale, um bedenkenlose Gefühlsausschüttung, die als Instrument der Reflexionsblockade genutzt wird.
Redaktion benachrichtigen
#5   Toby   18:11:44 | Donnerstag, 25. August 2005
@ Benedikt & wolfgang e
Na na, vom Nürnberger Parteitag ist in dem Artikel nicht die Rede, also bitte nicht Dinge hineininterpretieren, die nicht dastehen, sondern besser reflektieren, was das positive Anliegen des Professors ist.
In der Tat stellt sich die Frage, ob die katholische Kirche es nötig hat, den allgemeinen Trend zur „Eventisierung“ zu kopieren und an die Stelle ihrer egenen Proprien, die da sind Sakralität, Heiligkeit, Wahrheit zu setzen.
Was mir missfällt: Das JPII-Projekt Weltjugendtag scheint seiner Erscheinungsform nach immer mehr zu einem Zeitgeist-Phänomen zu werden, obzwar der Papst das Glaubengut gegen den Zeitgeist zu verteidigen beabsichtigt. Nur stimmen da Inhalt und Form kaum mehr zusammen …
Redaktion benachrichtigen
#4   Benedikt   17:44:55 | Donnerstag, 25. August 2005
Sehr richtig
Den Worten von Teilnehmer wolfgang e kann ich mich ungeteilt anschließen.
Redaktion benachrichtigen
#3   wolfgang e.   17:36:28 | Donnerstag, 25. August 2005
Sehr geehrter Professor
„Man vergleiche die Bilder von Massenbegeisterungen, welchem Anlaß sie sich auch immer verdanken, durch die Zeiten: Sie sind immer Bilder einer körperlich-mimisch ausgedrückten Entleerung, endzeitlicher Hoffnung und Erwartung, von völliger Obsession, in der die Hände flehend gereckt sind, die Augen naß, Körper und Geist adrenalingesättigt und verschwitzt…“
Dieser Text ist schlichtweg eine Beleidigung der Teilnehmer. Tud mir leid, anders kann ich das nich ausdrücken. Haben sie wirklich Dinge wie Nürnberger Reichstag, Woodstock oder Rockkonzerte mit WJT verglichen, oder habe ich mich verlesen?
Ein Kölner Atheist, dem ich begegnet bin, war ganz erstaut, dass derart viele Jugendliche sich trotz der Unannehmlichkeiten so gesittet benahmen. Er sagte: „Eine Woche später gibt es bei uns das Festival „Rock am Ring“, da werden wir sicher anderes erleben.
Noch etwas: Die Botschaft von Benedikt XVI enthielt keine Emotionalisierung, und gegen jeden Ansatz von „Personenkult“ hat er sich sofort gewehrt. Am Marienfeld gab es ein Anbetungszelt, dass 800 Personen fasste. die Ganze Nacht über musste man sich anstellen, um überhaupt hineinzukommen. Überall waren Priester, bei denen ständig gebeichtet wurde. Haben sie soetwas in Woodstok gesehen?
Der Papst ist Stellvertreter Christi, „il dolce Christo in terra“ (Katharina v. Siena). Wenn ich ihn verehre, verehre ich Christus, niemanden sonst. Das „Personenkult zu nennen ist für jeden Katholiken eine Beleidigung.
Redaktion benachrichtigen
#2   Gotthard   16:38:01 | Donnerstag, 25. August 2005
@Hans Mohrmann: Furztrocken
ich bitte doch mal um die Beschreibung eines WJT in deinem Sinne?
Redaktion benachrichtigen
#1   miles immaculatae   16:31:22 | Donnerstag, 25. August 2005
Furztrocken
Ja so sind sie, unsere furztrockenen deutschen Professoren. Nehmet zur Kenntnis, euer Liebden, daß wir eurer trockenen, in staubigen Bücherhallen und tristen Betonburgen hausenden Kirche, die es verlernt hat, den Glauben zu feiern, davongelaufen sind, hin zu denen, die uns Ersatz zu bieten versprachen, den Rattenfänger, den Drogenhändlern, den Zelebranten magischer Rockexzesse, den Revoluzzern. Eine Kirche, die keine Geheimnisse zu bieten hat, keinen Weihrauch, keine Mystik, keine Extase, kein Fest, tauscht man gerne ein gegen das Versprechen diesseitiger Erlösung.
Zu spät fiel uns auf, daß wir Katzendreck, nicht Gold in den Händen hielten. Ich hätte mir einen WJT gewünscht, aber wir hatten ja nur Woodstock.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
WeltjugendtagEin Augenzeugenbericht WeltjugendtagDie Alte Messe und das Marienfeld WeltjugendtagAbitur bestanden WeltjugendtagDer Pilot des Papstes WeltjugendtagUm nichts in der Welt WeltjugendtagSakro-Popkultur WeltjugendtagDeutschland, lach mal! WeltjugendtagDeutsche Organisation? WeltjugendtagGefüllte Kirchenbänke WeltjugendtagHybrid-Event WeltjugendtagWas die Kirche nicht mehr kann, leistet jetzt die ‘Deutsche Bahn’ WeltjugendtagKöln im Taumel WeltjugendtagZweihundert Meter vom Kölner Dom entfernt WeltjugendtagÜberklebt WeltjugendtagDicke Post vom Weltjugendtag
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net