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Freitag, 26. August 2005 10:08
Streit um den Teufel
Im irakischen Parlament kam es vor zwei Wochen zu einer theologischen Diskussion. Der Premierminister sprach schlecht über den Teufel. Doch das war einem Abgeordneten nicht recht.
William Blake († 1827): Satan fügt dem Ijob Geschwüre zu
William Blake († 1827): Satan fügt dem Ijob Geschwüre zu
(kreuz.net, Baghdad) Mit seinen Kommentaren über Luzifer setzte sich der irakische Premierminister am Mittwoch in die theologischen Nesseln.

Das berichtete die südafrikanische Nachrichtenseite ‘News24’.

Ein kurdischer Abgeordneter – Kameran Chairi Said – eilte dem geschmähten Teufel zu Hilfe.

Said gehört zur kleinen kurdischen Jesidi-Gemeinschaft. Diese verehrt den gefallenen Engel.

Erzürnt unterbrach der kurdische Abgeordnete den Premierminister während einer Debatte im Parlament:

„Herr Premierminister und meine Herren Minister, diese Stellungnahme mag ihnen vielleicht seltsam vorkommen, aber wir fühlen uns beleidigt, wenn sie in ihren Wortmeldungen und Erklärungen die Wendung gebrauchen ‘Gott behüte uns vor dem Teufel’.“

„Jedes Mal, wenn dieser Ausdruck verwendet wird, drehen sich meine Kollegen zu mir, als ob ich der Vertreter des Teufels wäre.“

Die Jesidi vertreten eine präislamische Religion. Diese wurde im 12. Jahrhundert von Scheich Udai bin Masafel al-Amaui gegründet.

Doch viele Religionsgeschichtler führen die Wurzeln dieser Sekte auf die zoroastrische Religion des alten Perserreiches zurück.

Scheich Udai wurde in Damaskus geboren, starb aber in der Stadt Lalisch im Nordirak. Dort wurde sein Grab zum wichtigsten Heiligtum der Jesidi.

Die Jesidi glauben nicht an den Himmel oder die Hölle und betrachten Satan nicht als schlecht. Sie verehren ihn sogar, sprechen aber seinen Namen nicht aus.

Von den 275 Mitgliedern des irakischen Parlamentes sind drei Jesidi.

Mitglieder dieser Gruppe leben heute auch in Syrien, in der Türkei, im Kaukasus und sogar in Deutschland oder Großbritannien.

Der Abgeordnete Said erklärte weiter: „Es gibt 600.000 bis 700.000 kurdische Jesidi. Sie fühlen sich beleidigt, wenn solche Ausdrucke verwendet werden. Darum rufen wir alle Amtsträger auf, das zu beachten.“

Der Premierminister antwortete dem kurdischen Parlamentarier, daß er mit seiner Ausdrucksweise niemandem schaden wollte.

Obwohl die Religionen verschieden seien, sei es selbstverständlich notwendig, einander zu respektieren:

„Aber man muß auch die Mehrheit respektieren und diese ist islamisch.“
2 Lesermeinungen:
Samstag, 27. August 2005 22:05
Lilith: Gute Einstellung…
Wie auch immer man das betrachtet (z.B. als konsequente Feindesliebe) es ist eine sehr gute Einstellung.
Samstag, 27. August 2005 21:46
HippoDOCkrates: Sollten Menschen Satan Respekt erweisen?
Hat unser Vater Satan Respekt erwiesen?
Genesis? Hiob? Die Versuchung der Jünger? Die Versuchung meines Herrn Jesus Christus und meines Vaters?
Ich sage: JA!
Wenn unser Vater Satan Respekt erweist, mit welcher Argumentation verwehre ich Satan den Respekt und die Höflichkeit?
Und nur aus dieser Konstellation fordere ich von Satan ein, dass er mich als Christ zu respektieren hat, weil ich das so, nicht Jesus und nicht Gott, mein Vater, so entschieden habe!
Ich werde Satan nie die Füsse waschen, aber wenn er bei mir anklopft, weil er Hunger hat, der nicht mir gilt, werde ich ihm zu essen und zu trinken geben.

Michael Kreuscher
Facharzt für Allgemeinmedizin
Kernbacher Strasse 15
35094 Lahntal-Caldern
Deutschland
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