15:55:44 | Freitag, 26. August 2005
Auf dem Rückweg von Rom in die Schweiz wurde der Abt von Einsiedeln bestohlen. Dem Gottesmann wurden Brevier, Flugticket und Computer geklaut. Dabei hatte der Abt nur helfen wollen.
(kreuz.net, Einsiedeln) Der Kriminalfall ereignete sich bereits im Frühjahr. Der Abt hat darüber schon
vor einiger Zeit in der zweimonatlich erscheinenden Klosterzeitung ‘Kloster Einsiedeln’ berichtet.
Abt
Martin Werlen (43) ist Vorsteher des berühmten und größten Schweizer Benediktinerklosters. Es befindet
sich im Innerschweizer Kanton Schwyz unweit von Zürich.
Das Kloster gilt als einer der schönsten barocken
Gebäudekomplexe Europas.
Abt Werlen wurde unter anderem bekannt, als er nach dem letzten Konklave in
einer Stellungnahme seine
öffentliche Freudlosigkeit über die Wahl des neuen Papstes zum Ausdruck brachte.
Der berichtete Diebstahl ereignete sich während des letzten Ad-Limina-Besuches der Schweizerischen Bischofskonferenz
im vergangenen Februar. Der Abt von Einsiedeln ist Mitglied der Bischofskonferenz.
Nach Ende des Besuches
bestieg der Gottesmann den Zug zum Flughafen und nahm dort in einem Abteil Platz.
Plötzlich klopfte
ein junger Mann hilfesuchend ans Fenster.
Der Unbekannte bat den Abt, zum Eingang des Wagens zu kommen
und ihm bei der Entwertung seiner Fahrkarte behilflich zu sein.
Blitzartig sei ihm der Gedanke gekommen,
daß es sich um ein trügerisches Ablenkungsmanöver handeln könnte.
Doch er habe seine Zweifel an der
gefallenen menschlichen Natur in den Wind geschlagen:
„So darfst du nicht von deinem Nächsten denken!“
Doch als er nach der vermeintlichen guten Tat wieder an seinen Platz zurückkehrte, war seine Reisetasche
weg. Ein Komplize des jungen Mannes hatte sie zwischenzeitlich entwendet.
Die Diebe erbeuteten neben
dem Gebetbuch und dem Flugticket des Abtes auch seinen Computer.
Auf dem gestohlenen Laptop befand sich
das Manuskript eines neuen Buches. Abt Werlen hatte während des Jahres daran gearbeitet.
Er hatte seinen
Romaufenthalt dazu benützt, um weiter an seinem Werk zu feilen.
Die ganze Arbeit war umsonst, denn der
gutgläubige Benediktinerabt dachte nicht daran, eine Sicherungskopie seiner Arbeit herzustellen.
Das
verschollene Buch enthielt persönliche Gedanken des Abtes zur Regel des heiligen Gründervaters Benedikt.
Abt Werlen trägt den Verlust mit Fassung: „Es ist alles halb so schlimm“.
All diese Dinge könnten
ersetzt werden, meint er.
Vielleicht wird er das Buch noch einmal schreiben. Die neue Version könnte
um einige benediktinische Reflexionen zum Thema Vertrauen und Mißtrauen gegenüber Mitmenschen – und
Computern – erweitert werden.
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Agiafortuni 12:46:02 | Samstag, 27. August 2005