Orden
Vertrauensselig
Auf dem Rückweg von Rom in die Schweiz wurde der Abt von Einsiedeln bestohlen. Dem Gottesmann wurden Brevier, Flugticket und Computer geklaut. Dabei hatte der Abt nur helfen wollen.
(kreuz.net, Einsiedeln) Der Kriminalfall ereignete sich bereits im Frühjahr. Der Abt hat darüber schon vor einiger Zeit in der zweimonatlich erscheinenden Klosterzeitung ‘Kloster Einsiedeln’ berichtet.

Abt Martin Werlen (43) ist Vorsteher des berühmten und größten Schweizer Benediktinerklosters. Es befindet sich im Innerschweizer Kanton Schwyz unweit von Zürich.

Das Kloster gilt als einer der schönsten barocken Gebäudekomplexe Europas.

Abt Werlen wurde unter anderem bekannt, als er nach dem letzten Konklave in einer Stellungnahme seine öffentliche Freudlosigkeit über die Wahl des neuen Papstes zum Ausdruck brachte.

Der berichtete Diebstahl ereignete sich während des letzten Ad-Limina-Besuches der Schweizerischen Bischofskonferenz im vergangenen Februar. Der Abt von Einsiedeln ist Mitglied der Bischofskonferenz.

Nach Ende des Besuches bestieg der Gottesmann den Zug zum Flughafen und nahm dort in einem Abteil Platz.

Plötzlich klopfte ein junger Mann hilfesuchend ans Fenster.

Der Unbekannte bat den Abt, zum Eingang des Wagens zu kommen und ihm bei der Entwertung seiner Fahrkarte behilflich zu sein.

Blitzartig sei ihm der Gedanke gekommen, daß es sich um ein trügerisches Ablenkungsmanöver handeln könnte.

Doch er habe seine Zweifel an der gefallenen menschlichen Natur in den Wind geschlagen:

„So darfst du nicht von deinem Nächsten denken!“

Doch als er nach der vermeintlichen guten Tat wieder an seinen Platz zurückkehrte, war seine Reisetasche weg. Ein Komplize des jungen Mannes hatte sie zwischenzeitlich entwendet.

Die Diebe erbeuteten neben dem Gebetbuch und dem Flugticket des Abtes auch seinen Computer.

Auf dem gestohlenen Laptop befand sich das Manuskript eines neuen Buches. Abt Werlen hatte während des Jahres daran gearbeitet.

Er hatte seinen Romaufenthalt dazu benützt, um weiter an seinem Werk zu feilen.

Die ganze Arbeit war umsonst, denn der gutgläubige Benediktinerabt dachte nicht daran, eine Sicherungskopie seiner Arbeit herzustellen.

Das verschollene Buch enthielt persönliche Gedanken des Abtes zur Regel des heiligen Gründervaters Benedikt.

Abt Werlen trägt den Verlust mit Fassung: „Es ist alles halb so schlimm“.

All diese Dinge könnten ersetzt werden, meint er.

Vielleicht wird er das Buch noch einmal schreiben. Die neue Version könnte um einige benediktinische Reflexionen zum Thema Vertrauen und Mißtrauen gegenüber Mitmenschen – und Computern – erweitert werden.
      
1 Lesermeinung
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#1   Agiafortuni   12:46:02 | Samstag, 27. August 2005
Des Abtes von Einsiedeln’s Glauben an das Gute im Menschen
War es ein im Novus Ordo abgefasstes Brevier oder betet er heimlich nach dem alten lateinischen Brevier. Vielleicht sollte er sichs einmal überlegen, ob es eines Abtes würdig ist glaubenstreuen Katholiken den Zugang zum Heiligtum zu verwehren um dafür Sessions mit Buddhisten zu veranstalten. Für die Verwüstung der heiligen Stätte wird er sich bestimmt einmal vor seinem Herrn und Meister verantworten müssen. Offenbar wissen Nichtskatholiken die Würde dieses Ortes besser zu schätzen als Katholiken, denn vor vierzehn Jahren veranstaltete Peter Ustinov dort ein Gedenkkonzert für den verstorbenen Herbert von Karajan und liess dabei Verdi’s Requiem aufführen. Es war beeindruckend.
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