Kirchenmusik
„Was keine Kunst ist, darf nicht zugelassen werden“
Würde dieser Grundsatz von Johannes Paul II. im Text seines Kirchenmusik-Dokumentes durchgehalten, hätte man darin viele Zweideutigkeiten und tendenziöse Irrtümer vermeiden können. Von Dr. Gabriel M. Steinschulte, Köln.
(kreuz.net) In seinem Schreiben zur Kirchenmusik vom Jahr 2003 unterstreicht Johannes Paul II. in aller Deutlichkeit die unverzichtbare Anforderung an die Kirchenmusik, daß sie formale Qualität aufweisen muß.

Wörtlich sagt der verstorbene Papst: „Was keine Kunst ist, darf nicht zugelassen werden.“

Würde dieser Grundsatz in den nachfolgenden Passagen durchgehalten, hätte man viele Zweideutigkeiten und tendenziöse Irrtümer vermeiden können.

Wie Papst Pius X. sich seinerzeit gegen die Auswüchse einer vom Operetten-Stil geprägten Kirchenmusik gewehrt hatte, wendet sich Johannes Paul II. gegen heutige Auswüchse der Banalität im Bereich der Kirchenmusik.

Das hat er in unvergleichlicher Deutlichkeit sogar in seiner Enzyklika über die Eucharistie zum Ausdruck gebracht hat.

Ähnliche drastische Äußerungen zu den Mißständen in der heutigen Kirchenmusik lassen sich aus den letzten Monaten des Pontifikats von Johannes Paul II. belegen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei ein entscheidender Grundgedanke von Johannes Paul II., wenn er – wie bereits an anderer Stelle – sehr dezidiert und unmißverständlich einschärft, daß nicht jede Musik auch kultfähig ist.

Ausführlich zitiert Johannes Paul II. seinen „verehrten Vorgänger“ Paul VI., der in einem Kommentar zu einem Dekret des Konzils von Trient präzisierte, daß sich die Musik, „wenn sie – ob instrumental oder vokal – nicht zu gleicher Zeit das Gespür des Gebetes, der Würde und Schönheit besitzt, den Einzug in die Sphäre des Heiligen und des Religiösen verschließt.

Genau hier jedoch – wo sich der Praktiker ein paar nähere Hinweise erwünscht – endet die richtige und gesunde Lehre.

Um so verwirrender wirken dann an anderer Stelle Äußerungen, die dem Mißstand Tür und Tor öffnen.

Wenn Johannes Paul II. ein qualifiziertes Urteil über eine angemessene Musica Sacra nur auf der Grundlage einer soliden liturgischen Ausbildung für möglich hält, ist dem ebenso zuzustimmen wie andererseits zu bemängeln, daß die kirchenmusikalische Ausbildung für alle Liturgen einmal mehr vergessen wird.

Das ist eine symptomatische Spur dieser habituellen Einäugigkeit beziehungsweise der kontroversen Zusammensetzung der „Wasserträger“, die diesen Text vorbereitet haben.

Auch die päpstliche Forderung einer unmittelbaren Nähe an die jeweiligen liturgischen Texte in korrekter Übereinstimmung zur jeweiligen Zeit im Kirchenjahr mit einer angemessenen gestischen Äußerungsform verdient ebenso uneingeschränkte Zustimmung wie Verwunderung über das, was später im Dokument folgt.

Denn welcher geistliche Volksgesang entspricht schon wirklich dem jeweiligen Proprium des Tages?

An wieviel Tagen im Jahr sollte man das abgedroschene Oster-Alleluia singen?

In welchen Ländern ist Händeklatschen, Friedens-Händedruck oder Swingtanz zur Opferung wirklich eine angemessene liturgische Äußerungsform?

Von außerordentlicher und offenbar bisher noch nicht gewürdigter Bedeutung ist die päpstliche Ablehnung sogenannter elitärer Experimente, womit der Papst sowohl aufführungspraktische Extravaganzen im Bereich der Alten Musik als auch im Bereich der zeitgenössischen Neuen Musik meint.

Gerade diese Weisungen dürften im Hinblick auf epidemisch verbreitete, semiologisch begründete Moden im Bereich der ohnehin auf ein Minimum geschrumpften Praxis des Gregorianischen Chorals von größter Bedeutung sein.

Ein Schilderwald, der in alle Richtungen zeigt

Maria, Martha oder Aschenputtel?

Der Abgrund zwischen Weisung und Wirklichkeit

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„Was keine Kunst ist, darf nicht zugelassen werden“

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15 Lesermeinungen
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#15   palestrina   17:37:33 | Samstag, 27. August 2005
@Benedikt
klar darf ein bisschen Kritik an Mozart sein. Von einer strengen Warte aus ist er von dem Ideal einer am gregorianischen Choral orientierten Kirchenmusik sogar recht entfernt. Mir ist manch anderes für die Liturgie sehr viel lieber. Ich hab ja auch nur begründet, weswegen ich ihn trotzdem in meine Liste eingereiht habe… ;-)
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#14   Benedikt   14:40:40 | Samstag, 27. August 2005
@ Palestrina
Dem ist zuzustimmen. Aber ein bißchen Kritik an Mozart darf auch sein. De gustibus non est disputandum, wie es so schön heitß ;-)
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#13   palestrina   14:30:48 | Samstag, 27. August 2005
keine Absicht
@benedikt,
nein, absichtlich verstehe ich nichts falsch. Schon eher unabsichtlich, kann ja vielleicht passieren.
Mir ist Taize auch lieber als Rockmusik. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß wir aber auch diese eher schwache Musik nicht unbedingt brauchen weil
1. auch Taize-Musik nicht von einem gewissen Einlullungscharakter frei zu sprechen ist. Vielleicht brauchen wir dafür mal einen neuen Gattungsbegriff, Kuscheladoration oder so…
2. wir eben jene Riesenprozession fantastischer Kirchenmusikkomponisten in der Vergangenheit haben, die ich versuchte anzudeuten.
Es ist ein typisches Zeichen modernen Subjektivismus, dass Sie mich deshalb, weil Ihnen Mozart nicht so zusagt, fragen, warum der in der Liste auftaucht.
An das Ave verum hätte ich zuallerletzt gedacht. Mozart hat großartige Ordinariumsvertonungen geschaffen. Da hätte man ruhig eine davon einem erklärten Mozartfreund wie Benedikt XVI anbieten können.
Das wäre dann durchaus besser als Taize und sehr viel besser als das Medizinmanngetrommel bei der sogenannten „Missa Mundi“ von Herrn Gabriel gewesen.
Viele Grüße.
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#12   Benedikt   12:30:21 | Samstag, 27. August 2005
@ palestrina
Du hast meinen Ansatz nicht verstanden, oder wolltest ihn absichtlich falsch verstehen.
Ich liebe die klassische und barocke Musik. Ich schwärme, wenn ich in einer Kirche di Lasso, J. Pezelius, Haßler, Palestrina, Gabrieli usw. zu hören bekomme.
Bevor ich aber Schlagzeuge oder Guitarren (ausgenommen natürlich Pauken ;-)) mit anhören muss, hör ich lieber Taizé-Lieder. Das ist allemal angemessener als so ein rumgerocke.
Wieso nicht Gregorianik, Palestrina, di Lasso, Casali, Bach, Händel (Ökumene!), Mozart, Haydn, Bruckner, Rheinberger, Liszt, Goller, Kromolicki? usw…
Wieso denn Mozart? Ich kann – mit Ausnahme seines Reqiuems – seinen geistlichen Liedern nicht allzu viel abzugewinnen. Ave verum corpus ist zwar auch ganz nett, es gibt aber ein halbes Dutzend Stücke, die besser sind und dort besser passen, wo Ave verum corpus normalerweise gespielt wird.
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#11   palestrina   10:37:58 | Samstag, 27. August 2005
@benedikt
„Lieber Taizé als Schlagzeuge…“
Klar: Lieber Mariuhana als Heroin.
Wenn wir schon auf dem Niveau argumentieren…
Wieso nicht Gregorianik, Palestrina, di Lasso, Casali, Bach, Händel (Ökumene!), Mozart, Haydn, Bruckner, Rheinberger, Liszt, Goller, Kromolicki? usw…
Weil man der Jugend all das von klein auf gezielt vorenthält, um dann sagen zu können, daß Jugendliche keinen Zugang dazu hätten. Die Jungen werden von den kirchlichen Spätachtundsechzigern vollkommen für dumm verkauft und lassen das leider z. T. willig mit sich machen.
Was Pastoralräte, modernistische Pfarrer, Gemeindereferentenund WJT Organisatoren den Leuten heute gerade in (un)künstlerischer Hinsicht vorkauen, wird dermaßen leichtgläubig übernommen, viel unkritischer kann das in seligen traditionellen Zeiten auch nicht gewesen sein…
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#10   Agiafortuni   00:37:20 | Samstag, 27. August 2005
zur Kirchenmusik
Der heilige Pius X wollte nicht zulassen, dass eine schlechte Musik die Würde des Gottesdienstes antaste. Paul VI und Johannes Paul II hingegen haben darüber fromme Schriften verfasst, doch Viele ihrer Gottesdienste waren von einer nicht zu überbietenden Geschmackslosigkeit. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Johannes Paul II am Eucharistischen Kongress in Bologna auf dem Altar zu tanzen begann. Hoffentlich hält die grosse Liebe zu Mozart Benedikt XVI davon ab, derartige Geschmackslosigkeiten zu begehen.
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#9   Benedikt   21:25:30 | Freitag, 26. August 2005
@ Toby
Lieber Taizé als Schlagzeuge…
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#8   Evelin   21:19:22 | Freitag, 26. August 2005
Theorie und Praxis
@ zu den unten stehenden: In der Theorie A (katholisch) zu postulieren, in der Praxis aber B zuzulassen, ist typisch dialektisch à la Hegel. Funktionierte schon bei V2 so, erst recht so bei der V2-Kirche vom Hl. Vater abwärts und das bis heute…
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#7   Marcel   19:46:25 | Freitag, 26. August 2005
Vielversprechender
„Das üble Vatikan-Gerede“
sollte natürlich heißen: „Das übliche Vatikan Gerede“
Ihre erste Fassung fand ich vielversprechender…
:-)
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#6   Aurelius   19:39:49 | Freitag, 26. August 2005
Toby
und man hat nichts anderes aufzubieten als die übliche Mischung aus Sacro-Pop und Taizé-Kitsch! O sancta musica, wie tief bist Du gesunken …
Tja, Recht hast Du. Ich denke nicht, daß Papst Benedikt irgendeinen Einfluß auf die musikalische Gestaltung des WJT hatte, war doch schon alles unter JP2 geplant und in Auftrag gegeben. Und man will dann doch nicht alles vom Tisch fegen. Also macht man gute Miene zum bösen Spiel. Musik hin, Musik her, Papst Benedikts Predigt hat auch diese von Dir treflich beschriebene Mischung ausgebügelt.
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#5   Toby   19:21:48 | Freitag, 26. August 2005
Und da kommt Papst Benedikt nach Deutschland …
… der als Kardinal Ratzinger auch sehr viel Erhellendes über Kirchenmusik geschrieben hat, und man hat nichts anderes aufzubieten als die übliche Mischung aus Sacro-Pop und Taizé-Kitsch! O sancta musica, wie tief bist Du gesunken …
Was denkt Seine Heiligkeit eigentlich darüber?
Tja, gute Gedanken und Haltungen hin und her, was nützt es, wenn es mit der Umsetzung in die Praxis nicht funktioniert?
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#4   Benedikt   19:11:53 | Freitag, 26. August 2005
DzDz
„Das üble Vatikan-Gerede“
sollte natürlich heißen: „Das übliche Vatikan Gerede“
@palestrina:
Nervt mich auch immer, wenns im Jahreskreis vorkommt. Ist aber zum Glück nicht sehr oft der Fall bei uns (2-3 Mal).
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#3   palestrina   19:01:37 | Freitag, 26. August 2005
Oster-Alleluja
das, welches man unter GL 530, 7 findet.
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#2   Benedikt   18:48:21 | Freitag, 26. August 2005
Das üble Vatikan-Gerede
Auch hier – wie schon bei Redemptionis Sacramentum – wurden Dinge verabschiedet, die anschließend selbst im Vatikan niemanden mehr interessierten.
An wieviel Tagen im Jahr sollte man ds abgedroschene Oster-Alleluia singen?
Welches abgedroschene Oster-Halleluja?
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#1   Romulus   18:34:16 | Freitag, 26. August 2005
Musik auf WJTs
Hätte JP II das wirklich ernst gemeint, hätte er bei seinem liebsten Kind, den WJTs, gleich damit anfangen können.
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