Röschenz
Ein Tankwart als theologischer Experte
Im Pfarradministratoren von Röschenz und in seinem Pfarreirat haben die Medien ein neues Spektakel entdeckt. Ein Schweizer Kommunikationsberater analysiert die klerikale Seifenoper und die Selbstdarstellung der Hauptpersonen.
(kreuz.net, Basel) Im Fall des rabiaten Pfarradministrators von Röschenz betreiben die Medien „Infotainment“ und verzichten dabei dankend auf die Wahrheit.

Das erklärte der aus Basel stammende Kommunikationsberater Manfred Messmer (56) bereits Ende Juli im Gespräch mit der Schweizerischen katholischen Nachrichtenagentur ‘kipa’.

„Infotainment“ ist ein englisches Kunstwort, zusammengesetzt aus information und entertainment. Es bezeichnet die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und Scheinwissen.

Kommunikationsberater Messmer ist schon in seiner Jugend aus der evangelisch-reformierten Kirche ausgetreten. Er führt in der Nordschweizer Stadt Basel ein privates Unternehmen.

Der Fall Röschenz entzündete sich an Leserbriefen und Donnerpredigten des Röschenzer Pfarradministrators Franz Sabo (51) gegen den Bischof von Basel, der sein kirchlicher Vorgesetzter ist.

Nach ergebnislosen Gesprächen mit dem lautstarken Priester entzog der Bischof diesem ab dem kommenden Herbst die Berufserlaubnis in der Diözese Basel.

Die Pfarrei ignorierte diesen bischöflichen Schritt hochoffiziell und erklärte, den Priester weiterhin bezahlen zu wollen.

Nach der Einschätzung Messmers macht Sabo „eine Zusammenfassung gängiger Vorurteile gegen die katholische Kirche zum zentralen Inhalt seiner Botschaft“.

Dazu analysiert der Medienexperte einen konkreten Fall.

Die ‘Basler Zeitung’ berichtete im Frühsommer von angeblichen Morddrohungen gegen Franz Sabo und Bernhard Cueni, einem Mitglied des Kirchgemeinderates.

Tags darauf verkündete Cueni in einer anderen Zeitung, daß die Nachricht der ‘Basler Zeitung’ frei erfunden gewesen sei.

Messmer weist daraufhin, daß Medienereignisse wie der Fall Röschenz mit der Zeit eine Eigendynamik entwickeln würden. Die Journalisten müßten den Skandal mit immer neuen Elementen anreichern – sonst drohe er zu versanden.

Diesbezüglich habe sich der Kirchgemeindepräsident von Röschenz – Holger Wahl – aufgrund seiner Redeseligkeit als eine wahre Fundgrube für Journalisten erwiesen:

„Er scheut sich auch nicht, Betrachtungen unter der Gürtellinie zum Besten zu geben.“

Ein ähnlich dankbares Objekt sei der erwähnte Kirchgemeinderat Cueni.

In einem Interview mit dem ‘Schweizer Radio’ habe Cueni sogar zu grundsätzlichen Fragen des Glaubens Auskunft gegeben und sei dabei sogar dem Diözesanbischof selbstsicher und stammtischmäßig an den Karren fahre. Dennoch:

„Cueni ist und bleibt Tankstellenwart im Laufenthal und hat nicht den Hauch des Wissens eines Bischofs.“

Der Auftritt von Bernhard Cueni im ‘Schweizer Radio’ sei nichts anderes als ein Spektakel. Genau dafür sei der Begriff „Infotainment“ geprägt worden:

„Oder glaubt Herr Cueni ernsthaft, daß ihn nach dem Abgang von Herrn Sabo irgendeine Redaktion je wieder zu Fragen der katholischen Kirche kontaktieren werde? Für die Medien ist nicht Aufklärung interessant, sondern das Spektakel. Und das liefert das Trio Wahl, Cueni und Sabo frei Haus.“

Als Kommunikationsfachmann sei er der Meinung, daß es in der gegebenen Situation sinnlos sei, sich mit dem Gegner auseinanderzusetzen. In Röschenz sei die Situation derart eskaliert, daß die Hauptdarsteller niemals auf die Position von Bischof Koch einschwenken könnten.

Die Drohung der Pfarrei, zu den Christkatholiken zu wechseln, sei nur ein Nebenaspekt der Röschenzer Seifenoper: „Da werden neue Aspekte zur Emotionalisierung der Geschichte eingebracht.“

Auch daß die Röschenzer auf ihre Kirchgemeindevertreter hörten, sei bei einem derart emotionalen gruppendynamischen Prozeß normal.

Wie erklärt sich das breite Medienecho?

Mit der Medienignoranz der meisten Menschen – meint der Kommunikationsberater. Der durchschnittliche Medienkonsument könne die Absichten, die hinter einer solchen Geschichte stecken, nicht durchschauen.

Außer Erdbeben, Unwetterkatastrophen und Flugzeugabstürzen würden sämtliche Geschichten, die man täglich in der Zeitung liest, von Public-Relations-Leuten gemacht:

„Es gibt keine Nachricht, hinter der nicht eine klare Intention steckt.“

So schockierend dies klinge:

„Nichts ist authentisch. Auch die Vertreter der Kirchgemeinde Röschenz folgen einer ganz bestimmten Absicht, wenn sie gegenüber Medienvertreter wieder etwas verlauten lassen, wobei diese Intention von einem Hang zur Selbstdarstellung beherrscht wird.“

Die Röschenzer genössen ihren Auftritt in der Öffentlichkeit:

„Das Beste für einen Journalisten ist die Eitelkeit der Menschen. Es gibt nichts Besseres für einen Journalisten als eine auskunftsfreudige Person.“

Wie es weitergehe?

Franz Sabo werde die Gemeinde verlassen, glaubt Messmer: „Zurück bleibt eine verkrachte Kirchgemeinde. Die Medienkarawane zieht weiter und wird sich einem anderen Thema zuwenden.“
      
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