Bildung
Eine Frage der Verpackung
Was ist „ökumenischer Religionsunterricht“? In einer Schweizer Gemeinde lautet die Antwort: Wenn eine ausnahmslos katholische Klasse von einer Protestantin unterrichtet wird.
(kreuz.net, Root) In der Volksschule der Innerschweizer Gemeinde Root begann der Religionsunterricht letzte Woche in einer neuen Form: Die Erst- und Zweitklässler werden ökumenisch unterrichtet. Das berichtete die ‘Neue Luzerner Zeitung’ vor einer Woche.

Root befindet sich 10 Kilometer nordöstlich von Luzern.

Die Stadt Luzern ist die wichtigste Stadt der Innerschweiz. Die Innerschweiz gehört zu den katholischsten Gebieten der Eidgenossenschaft.

Die Gemeinde Root startet ihr Ökumene-Projekt mit einer eigenwilligen Konstellation: Eine Klasse, in der ausnahmslos katholische Kinder sitzen, wird von einer reformierten Religionslehrerin unterrichtet.

„Das ist etwas ungewöhnlich. Aber die Klasseneinteilung wurde lange vorher vorgenommen“, rechtfertigt eine katholische Kollegin: Bisher habe man deswegen von den Eltern keine Beschwerden erhalten.

„Vor ein paar Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen, heute ist es Realität“, erklärte der reformierte Unterrichtsverantwortliche der Region. Er ist zusammen mit zwei katholischen Lehrern für den ökumenischen Religionsunterricht zuständig.

Das Projekt endet im Sommer 2007. Danach soll die definitive Einführung beschlossen werden.

Ab dem nächsten Schuljahr planen auch die drei umliegenden Gemeinden ihren Religionsunterricht nach dem Vorbild von Root zu gestalten.

„Vorteile gibts viele“, erklärt einer der beiden katholischen Verantwortlichen. Die Kinder würden auf natürliche Art beide Konfessionen besser kennenlernen.

Zudem habe der gemeinsame Unterricht auch noch einen praktischen Vorteil, meint der protestantische Verantwortliche:

In den drei 1. Klassen an der Schule von Root gebe es nur noch zwei reformierte Kinder.

Es habe wenig Sinn, extra für die wenigen reformierten Kinder einen Religionslehrer zu engagieren. Statt die Religionsstunden für die beiden Protestanten ausfallen zu lassen, sei der katholische Unterricht darum ökumenisiert worden.

Der ökumenische Unterricht befaßt sich mit Themen wie Kräfteschulung, Erntedank, Fastenopfer, Karwoche oder Christi Himmelfahrt.

Die einzige Ausnahme ist das Kreuzzeichen. Bereits in der ersten Klasse erfahren die Schüler, daß es sich dabei um eine wichtige symbolische Handlung in der katholischen Tradition handelt.

Der katholische Lernstoff, den die Protestanten nicht teilen, wurde auf die dritte und vierte Klasse verschoben. In der dritten Klasse werden die Schüler auf die Erstkommunion vorbereitet.

„Klar wäre es wünschenswert, wenn wir auch auf dieser Unterrichtsstufe gemeinsam unterrichten könnten. Doch dies ist zurzeit noch Wunschdenken und müßte mit höheren Instanzen diskutiert werden“, bedauert der verantwortliche Protestant.

In religiös gemischten Gebieten der Schweiz sind solche Projekte schon lange üblich. Sie sind auch deswegen populär, weil sie mit großen finanziellen Einsparungen verbunden sind.

Durch den ökumenischen Unterricht müssen nicht mehr zwei parallele Unterrichtsstrukturen erhalten werden.

Inhaltlich ist der Religionsunterricht schon seit Jahrzehnten erodiert, erklärt ein Innerschweizer Priester in Pension auf Anfrage:

„Heute ist es die Regel, daß die Kinder nach sechs Jahren Primarschule nicht einmal elementare Grundkenntnisse der eigenen Konfession besitzen.“

Insofern sei es eher belanglos, ob die Schüler im katholischen oder im ökumenischen Religionsunterricht nichts lernen würden.
      
11 Lesermeinungen
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#11   Stimme aus dem Tradiland   09:23:57 | Donnerstag, 1. September 2005
@ Römisch-katholisch
Völlig richtig! Jeder Katholik ist selbst schuld und dafür verantwortlich, wenn er seine Kinder noch in den staatlichen Religionsunterricht schickt! Selbst unterrichten oder bei einzelnen gläubigen Priestern (hauptsächlich wohl solchen der Tradition) unterrichten lassen und vom staatlichen Religionsunterricht abmelden, das ist die Devise!
Mittlerweile werden ja sogar halbkonservative Charismatiker aus den Schulen gemobbt, wenn sie nur annährend katholisch (sowieso mit NOM und V2!) unterrichten bzw. wollen!
Was heute sich katholischer Religionsunterricht nennt, ist nur ein synkretistisches Herumgelabbere im Sinne der angestrebten Welteinheitsreligion. Schon vor 25 Jahren, als ich selbst „kath.“ Religionsunterricht „genoß“, war das hauptsächlich fremde Religionen, Sozialaktion und sonst Entspannen vom übrigen Unterricht! Höchst bedauerlich, dass sich auch Papst JoPaII. in den Dienst derselben Welteinheitsreligion gestellt hat!
Und da gibt es immer noch Halbkonservative, die das leugnen oder nicht wahr haben wollen: Absurd, völlig verantwortungslos und antikatholisch in Wirklichkeit!
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#10   Römisch-Katholisch   22:51:52 | Mittwoch, 31. August 2005
@Gotthard
Meiner Meinung nach sollte in der ersten Klasse neben einer Gottesbeziehung schon eine Beziehung zur Kirche hergestellt werden. Ich weiss nicht, inwiefern sie über die Verhältnisse in der Schweiz Bescheid wissen. Beim ökumenischen Unterricht wird peinlich genau darauf geachtet, dass nichts Konfessionelles durchdringt. Wie soll ich den Kindern eine lebendige Beziehung zum Glauben ermöglichen, wenn ich ja doch nur die halbe Wahrheit verkünden darf. Es gibt wesentliche Punkte, die nun mal verschieden sind, wie das Verständnis von Kirche, die sieben Sakramente, das Eucharistieverständnis, das Kirchenjahr mit den einzelnen Feiertagen etc. Wenn ich einen lebendigen und tiefgründigen Unterricht machen will, der den Kindern was bringt, dann lasse ich mir nicht von irgendwelchen Lehrplänen vorschreiben, was ich mit den Kindern durchnehmen soll. Ich will den Kindern den Glauben nicht nur verkünden, ich will ihn auch mit ihnen praktizieren und dazu gehört auch mal ein Besuch in der Kirche und ein Gebet vor dem Allerheiligsten, ein Gebet im Unterricht.
Dass evangelische Schulkinder den Schulgottesdienst besuchen, finde ich in sich gut. Wie es dann mit der Kommunion gehalten wird ist dann wieder eine andere Frage…
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#9   Gotthard   22:17:34 | Mittwoch, 31. August 2005
@Römisch-Katholisch
1. Welche grundsätzlichen Inhalte werden im Reli-Unterricht der 1. Klasse unterrichtet, die zwischen Katholiken und Reformierten kontrovers sind?
2. Ich kenne eine Schule in Deutschland, dort nehmen die evangelischen Schüler an jedem Schulgottesdienst teil –------ fürchtbar?
3 In Deutschland ist in weiten Teilen der Erstkommunionunterricht aus der Schule in die gemeindliche Katechese gelegt worden… fast 100% nehmen teil.
Wo liegt also der tiefe Grund für die Aufregung?
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#8   Römisch-Katholisch   22:00:11 | Mittwoch, 31. August 2005
Schulischer Religionsunterricht
Der schulische Religionsunterricht ist zu 90% ganz einfach eine Katastrophe. Die Kinder lernen nichts mehr über den katholischen Glauben. Da spielt es keine Rolle mehr, ob der Unterricht jetzt ökumenisch ist oder nicht. Die Kinder haben eh keine Ahnung mehr. Das sieht man auch an den Erstkommunionfeiern. Die Kinder wissen nicht wie blöd sie tun wollen.
Die Situation in Root ist systematisch für viele Gemeinden in der Deutschschweiz. Im Prinzip sollte man für jene Kinder, die wirklich wollen, ausserhalb der Schule, z. B. in der Kirche oder im Pfarrhaus eine extra Katechese anbieten. Dort könnte eine fundierte Glaubensübermittlung stattfinden, eine seriöse Vorbereitung auf die Erstbeichte und die Erstkommunion. Man hat halt dann nicht mehr 80 Erstkommunianten, sondern nur noch 15. Aber nicht die Quantität ist entscheidend, sondern die Qualität. Früher oder später gibt es keinen anderen Weg mehr.
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#7   Agiafortuni   21:32:27 | Mittwoch, 31. August 2005
zum oekumenischen Schwachsinn
Will man damit gute Katholiken schaffen oder ihnen beibringen, wie man seine katholischen Wurzeln beiseite legt
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#6   Mimi   20:10:29 | Mittwoch, 31. August 2005
Ich bin zutiefst erschüttert…
… wenn ich sowas lese…
Richtig wäre gewesen, es hätte dort dann halt den katholischen Religionsunterricht gegeben, und den zwei evangelischen Kindern hätte es eben freigestanden, ob sie da mitmachen oder eine Freistunde haben. Das Problem haben Kinder des Islam ja auch.
Aber dass man dann auf Kosten der Vermittlung des reinen katholischen Glaubens den Kindern so ein falsches Bild vermittelt, das ist wirklich grauenvoll. Es ist nun mal nicht egal, ob man katholisch oder evangelisch ist… Hilfe, wo soll denn das alles noch enden??? :-(
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#5   Rosa von Lima   16:45:04 | Mittwoch, 31. August 2005
Katholische Abstimmungen??
Die Innerschweiz gehört zu den katholischsten Gebieten der Eidgenossenschaft
Was aber die jeweiligen die Religion tangierenden Abstimmungen anbelangt, kann man – besonders im Kt. Luzern – überhaupt nicht von einem katholischen Gebiet sprechen…
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#4   apex   16:11:04 | Mittwoch, 31. August 2005
Religionsunterricht…
Es spielt keine Rolle wer im deutschen Sprachraum den Religionsunterricht erteil, da die Inhalte mit dem Glauben an Gott und der Zugehörigkeit zur Kirche Jesu Christi nichts oder wenig zu tun haben.
Das einzige, was die Kinder dabei gut lernen ist: Pizzabacken, Singen, in die Hände klatschen und wie man umweltgerecht Müll beseitigt.
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#3   Inderwld   14:50:55 | Mittwoch, 31. August 2005
Gleichmacherei
Dies sind wieder einmal die Tendenzen eine Einheitskonfession zu schaffen. Den Kindern wird von klein auf gesagt wir glauben doch alle das Gleiche, nur ein paar verstaubte Riten und Sentimentalitäten unterscheiden uns doch. Wenn diese Kinder dann groß sind, kann keiner mehr die bedeutenden Unterschiede erklären und niemand mehr sie verstehen. Besser keinen schulischen Religionsunterricht wie so einen.
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#2   Sebastijonas   12:21:58 | Mittwoch, 31. August 2005
Wirklicher ökumenischer Unterricht
Bei uns am Gymnasium hatten wir noch katholischen Unterricht. Da kein islamischer Religionsunterricht angeboten wurde, hatte sich ein muslimischer Mitschüler dazu entschlossen, den katholischen Religionsunterricht zu besuchen. Das war tatsächlich interessant, weil nicht versucht wurde, sich nur auf die mehr oder weniger belanglosen Gemeinsamkeiten zurückzuziehen, sondern weil der Mitschüler seine andere Position einnehmen konnte und dadurch nicht ein Einheitsbrei sondern konstrastierende Positionen entstanden, und tatsächlich Toleranz nicht als Übertünchen der Gegensätze sondern im Kennenlernen und Aushalten der Gegensätze geübt wurde.
Wenn schon ökumenischer Religionsunterricht, dann würde ich ihn mir so wünschen.
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#1   Benedikt   11:12:46 | Mittwoch, 31. August 2005
Ökumenischer Religionsunterricht
Ja wenigstens ist es kein Etikettenschwindel. Ökumenischen Religionsunterricht gibts an den meisten Schulen, er heißt dort nur anders: Abwechselnd wird er als „katholischer Religionsunterricht“ oder „evangelischer Religionsunterricht“ bezeichnet. Allerdings gibt es sogar Schulen, da wäre selbst die Bezeichnung „Ökumenischer Religionsunterricht“ ein Etikettenschwindel. Die richtige Bezeichnung wäre bei diesen Schulen „Ethik“.
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