Kirchenmusik
Maria, Martha oder Aschenputtel?
Die geistliche Musik ist das Aschenputtel in der nachkonziliaren Entwicklung. Doch solange sich niemand ihrer annimmt, dürfte die dicke Luft in der Kirche nicht verrauchen. Von Dr. Gabriel M. Steinschulte, Köln.
(kreuz.net) Überhaupt läßt sich als postkonziliare Konstante aller sich liturgisch zu Wort meldenden Gruppierungen von links bis rechts ein gewisser Hang zur systematischen Nicht-Beachtung von musikalischer Fachkompetenz beobachten.

Die Musica sacra wird eben gemeinhin in Verkennung ihres Wesens als integrierender Bestandteil der Liturgie lediglich auf der Ebene der Schmuckstücke und Dienstleistungen eingeordnet.

So stolpert man auch über eine möglicherweise mißverständliche Formulierung des früheren Kardinals Ratzinger während des Symposiums ‘Autour de la question liturgique’ – Über die liturgische Frage – im Juli 2001 im französischen Benediktinerkloster Fontgombault, zu dem übrigens kein fachlich qualifizierter Vertreter der Musica Sacra eingeladen war.

In seiner Predigt über die Gestalten von Maria Magdalena und Martha sagte Kardinal Ratzinger wörtlich:

„Gewiß müssen wir in der Liturgie auch den Dienst der heiligen Martha verrichten.

Wir müssen dem Herrn einen heiligen Ort anbieten, die Zeremonien und den Gesang vorbereiten, Brot und Wein, die Gaben dieser Welt darbringen. Das ist sehr notwendig, und es ist auch notwendig, es gut zu tun.

Doch wenn es in der Liturgie nicht auch die Dimension von Maria gibt – die kontemplative Dimension – einfach zu Füssen des Herrn zu sitzen, dann fehlt das Wesentliche.

Wenn die Liturgie aber in diesem Sinne ‘marianisch’ ist, das heißt, wenn sie die Haltung der Maria, die zu Füßen des Herrn sitzt, nachahmt, um das Wort zu hören, die Gabe seiner selbst zu empfangen, wenn die Liturgie wirklich kontemplativ ist, dann ist sie jene Geste, von der die Reinigung der vergifteten Luft dieser Welt ausgeht.

Ich glaube, daß die Reinigung der vergifteten Welt von heute nur aus einer wirklich ‘marianischen’ Liturgie kommen kann.“


Natürlich muß man den liturgischen Gesang und die liturgische Musik zunächst mit allem Eifer vorbereiten, das heißt einüben.

Insofern kann man diese Vorbereitung sicher als einen Martha-Dienst bezeichnen.

Es entspricht aber dem Wesen der Musik, daß sie nur im Augenblick des lebendigen Erklingens existiert – ganz im Gegensatz zum gewaschenen Altartuch, zum gebackenen Brot, zum geputzten Leuchter.

Wenn wir von der Musica Sacra als integralem Bestandteil des liturgischen Vollzugs, also vom Ereignis der Liturgie im Heiligen Geist sprechen, handelt es sich genau um jene Haltung der Maria Magdalena, wie sie unser heutiger Papst eindrucksvoll beschreibt.

Mehr noch.

Wenn eine Reinigung der von dieser Welt von heute vergifteten Luft nur durch eine kontemplative Liturgie im Sinne der Maria Magdalena kommen kann, müßte der vom Zweiten Vatikanum so gewürdigte Thesaurus Musicae Sacrae und insbesondere der Gregorianische Choral als vornehmster Ausdruck und Mittel dieser Kontemplation zwingend wiederentdeckt werden.

Erst wenn die Musica Sacra wieder von der Hierarchie als Apostolat, also als Mittel der Missionierung aus der Mitte des Kultes und bis zur Mitte des Gemüts erkannt wird, kann die Krise der Kirche überwunden werden.

Reformation und Gegenreformation haben dies in eindrucksvoller Weise schon einmal vor Augen geführt.

Ein Schilderwald, der in alle Richtungen zeigt

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