Kirchenmusik
Ein Schilderwald, der in alle Richtungen zeigt
Im Jahr 2003 veröffentlichte der Vatikan ein päpstliches Dokument über die Kirchenmusik. Insgesamt hat es eine sehr geringe Echowirkung ausgelöst. Von Dr. Gabriel M. Steinschulte, Köln.
(kreuz.net) Wenn man zusammenfaßt, wird verständlich, warum dieses Kirchenmusik-Dokument von Johannes Paul II. eine so geringe Echowirkung ausgelöst hat.

Für die Modernisten ist es zu traditionsorientiert und für die Anhänger der Tradition zu wurmstichig und mißverständlich.

Für die Fachwelt zeigt es sich rein sachlich-handwerklich zu widersprüchlich, bisweilen sogar inkompetent und somit unbrauchbar.

Faßt man alle Imperative zusammen, wird sehr schnell deutlich, daß wir vor einem Schilderwald stehen, der in verschiedene Richtungen zeigt.

Ganz offensichtlich sollte versucht werden, allen derzeitigen Richtungen, Strömungen und Praxiszuständen gerecht zu werden. Es entstand darum ein kaum gelungenes politisches Kompromißpapier.

Vom rein kanonistisch-juristischen Standpunkt aus überwiegt die Bestätigung des kirchenmusikalischen Gesetzbuches von Pius X. und der darauf aufbauenden Bestimmungen des Zweiten Vatikanums. Das steht im krassen Gegensatz zur – im internationalen Maßstab – meist schauerlichen kirchenmusikalischen Realität.

Gleichzeitig sind alle Hintertüren für die zeitgenössischen Irrtümer und Abwegigkeiten eingebaut und offen. Kurzum: multa, non multum. Eine verpaßte Gelegenheit.

Ein äußerer Anlaß für ein richtungsweisendes päpstliches Wort zur liturgischen Musica Sacra könnte sich aber schon im November diesen Jahres bieten. Dann wird die ‘Consociatio Internationalis Musicae Sacrae’ – die einzige Fachorganisation des Heiligen Stuhls – ihre Generalversammlung vom 10. bis 13. November 2005 diesmal in Rom abhalten.

Man darf gespannt sein.

Wenn man die Notwendigkeit zur Kurskorrektur in der heutigen liturgischen Praxis erkannt hat, sollte man nicht um eines faulen Friedens willen in der als falsch erkannten Richtung weiterfahren.

Eine Autobahn kann man mit einem großem Gespann nicht ohne Malheur durch den Graben oder über den Grünstreifen verlassen. Doch die nächste legale Ausfahrt sollte man nicht verpassen.

Noch lassen sich manche liturgisch-musikalische Brauchtumsruinen rekonstruieren.

In mancher Asche steckt noch Glut. Noch gibt es auf dem postkonziliaren Kahlschlag neue Schößlinge und Triebe.

Die Bitten der Pfingstsequenz ‘Veni Sancte Spiritus’ waren nie aktueller als heute:

Lava quod est sordidum – Wasche, was beflecket ist;
Riga quod est aridum – Heile, was verwundet ist;
Sana quod est saucium – Tränke, was da dürre steht;

Flecte quod est rigidum – Beuge, was verhärtet ist;
Fove quod est frigidum – Wärme, was erkaltet ist;
Rege quod est devium – Lenke, was da irre geht.

Vergessen wir auch nicht, daß der Heilige Geist uns in ganz besonderer Weise als „Consolator Optime“ versprochen worden ist – mag uns erwarten, was wolle.

Ein Schilderwald, der in alle Richtungen zeigt

Maria, Martha oder Aschenputtel?

Der Abgrund zwischen Weisung und Wirklichkeit

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„Was keine Kunst ist, darf nicht zugelassen werden“

Man könnte verwirrt sein
      
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#1   Konrad   19:28:35 | Freitag, 2. September 2005
Schilderwald
Eine Autobahn kann man mit einem großem Gespann nicht ohne Malheur durch den Graben oder über den Grünstreifen verlassen. Doch die nächste legale Ausfahrt sollte man nicht verpassen.
Wenn dieser Satz Sinn haben soll, dann nicht nur auf die Kirchenmusik bezogen, sondern für die Lage der Kirche insgesamt. Die „Autobahn“ ist Vatikanum II mitsamt seiner NOM-Liturgie. Man darf von einem klugen Ppast nicht erwarten, dass er diese Autobahn „über den Grünstreifen“ verlässt. Er kann auch nicht einfach die „Notbremse“ ziehen, denn dann gibt es eine Karambolage. So ist zuerst Geduld angesagt, denn es wird eine „Ausfahrt“ eines Tages geben, wo der gute Steuermann „elegant“ die Autobahn verlassen wird. Das Ziel einer Reise – ein Gipfel, ein See, ein Ufer – wird stets nur bei Verlassen einer Autobahn erreicht! Das Ziel des Weges der Kirche aber ist Christus.
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