Bildung
Ehrgeizige Projekte
Der Patriarch von Venedig hat große Pläne. In der Stadt des Evangelisten Markus soll die katholische Erziehung zu einer neuen Blüte kommen. Das geht nicht ohne Schwierigkeiten.
(kreuz.net, Venedig) Das Projekt nennt sich ‘Studium Generale Marcianum’. Es geht dabei um Erziehung und Kultur. Motor dieser Initiative ist der Patriarch von Venedig, Angelo Kardinal Scola (63).

Kardinal Scola war zuerst Professor am Päpstlichen Familieninstitut in Rom. Anschließend wurde er Diözesanbischof, dann Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität. Im Jahre 2002 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Patriarchen von Venedig.

Der Kardinal steht der von Don Luigi Giussani gegründeten Bewegung ‘Gemeinschaft und Befreiung’ nahe und ist in seinem Denken stark vom 1988 verstorbenen Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar beeinflußt.

Das ‘Studium Generale Marcianum’ begann bereits im September 2003. Seine offizielle Eröffnung fand im April 2004 statt. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano – der zweite Mann im Vatikan – ließ es sich nicht nehmen, bei den Feierlichkeiten persönlich anwesend zu sein.

Das Projekt will eine ‘integrierte christliche Erziehung’ anbieten und richtet sich an Gläubige wie Ungläubige. Es deckt die Ebene der Elementarschule, des Gymnasiums und der Universität ab.

Das Gymnasium ist nach Johannes Paul I. benannt. Der Papst, der nur wenige Wochen regierte, war vor seiner Wahl Patriarch in Venedig.

Auf der Universitätsstufe unterrichten das ‘Theologische Studium des Patriarchalseminars’ und das ‘Institut für Kirchenrecht Hl. Pius X.’. Der hl. Pius X. war vor seiner Wahl zum Papst ebenfalls Patriarch in Venedig.

Postuniversitäre Studien werden von einer Institution angeboten, die sich ‘Studium Cattolico Veneziano’ nennt.

Das Neue an diesem Projekt besteht darin, daß Kardinal Scola von Anfang an darauf bedacht war, Beziehungen zur örtlichen staatlichen Universität aufzubauen.

Das ist in einem Land, wo es in der Erziehung keine direkte Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche gibt, eine kleine Sensation.

Die Antwort der Universität von Venedig war sehr positiv.

Im Jahre 2002 wurde ein Abkommen zwischen der Universität und den akademischen Zentren des Patriarchates für den Bereich der akademischen Didaktik abgeschlossen.

Ebenso ist das ‘Studium Generale Marcianum’ im Begriff, in den Verband der venezianischen Universitäten einzutreten, obwohl die vom ‘Marcianum’ verliehenen Titel vom italienischen Staat noch nicht anerkannt sind.

Im November 2003 organisierte das Patriarchat und ein Institut der örtlichen Universität einen gemeinsamen Studientag.

Im März 2004 veranstaltete der ‘Rotary Club’ von Venedig, die Universität und das ‘Institut für Architektur’ ein Treffen

Der Rotary-Club ist eine weltweite, religiös neutrale Organisation von Geschäftsleuten und führenden Berufskräften. Es existiert zwar keine direkt institutionelle, wohl aber eine aufgrund gemeinsamer Anliegen gegebene Zusammenarbeit zwischen dem Rotary-Club und der Freimaurerei.

Das Treffen stand unter dem Titel: „Das Studium Generale Marcianum: eine pädagogisch akademische Initiative zwischen Tradition und Innovation“.

Bei diesem Anlaß bekam Kardinal Scola Gelegenheit, vor dem Rektor der Universität und zahlreichen Professoren, sein Konzept der christlichen Erziehung darzustellen.

Der Rektor der Universität von Venedig ist zugleich auch der Präsident des Rotary Clubs.

Nach zwei Jahren gibt es somit bereits viele Beziehungen zwischen dem ‘Marcianum’ und der Universität.

Im Augenblick ist das Patriarchat dabei, zu einem qualitativen Sprung anzusetzen und einen gemeinsamen Studiengang zwischen dem ‘Institut für Kirchenrecht Hl. Pius X“ und der Universität einrichten.

Vorgesehen ist ein universitärer Master-Kurs in „Betriebsführung und Betriebsethik“.

Der Kurs soll 18 Monate dauern und jeweils 15 Studenten aufnehmen. Sein Ziel ist, die kirchliche Soziallehre als Bezugssystem für die Unternehmensethik zu unterrichten.

Beginnen wollte man eigentlich schon diesen Herbst. Doch dann gab es Probleme.

Der Lehrgang wurde im Mai vom akademischen Senat aus verschiedenen Gründen abgelehnt:

Das Studium Marcianum hole sich vom Projekt den Löwenanteil und lasse der Universität zu wenig, erklärte der akademische Senat.

Den Senatoren gefiel auch die Klausel nicht, wonach die Nominierung der Dozenten von der Zustimmung des Patriarchates abhängen würde.

Außerdem stieß dem Senat die ‘Konfessionalität’ des Projektes bitter auf.

Dem Rektor – und engen Freund von Kardinal Scola – blieb nichts anders übrig, als das Projekt zu verschieben. Er versprach, dem Urteil des Senates Rechnung zu tragen und sich gleichzeitig auch bei jenen Fakultäten umzuhören, die am Projekt Interesse haben könnten.

Damit war der nächste Schlag vorprogrammiert.

Im Juli stimmte die Wirtschaftsfakultät – ein potentieller Interessent für den Master-Kurs – über den Studiengang ab und entschied, das Projekt erst im Oktober zu beurteilen, weil verschiedene Punkte im Augenblick noch mangelhaft seien.

Damit dürfte der Herbsttermin endgültig geplatzt sein.
      
1 Lesermeinung
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#1   Evelin   12:42:09 | Sonntag, 4. September 2005
Die Freimaurer lassen sich halt nicht so verbiegen wie die V2-Kirche
Das muß auch der hwst. Patriarch von Venedig, Angelo Kardinal Scola, noch zur Kenntnis nehmen. Und wozu braucht das Patriachat von Venedig die Anerkennung der staatlichen Freimaureruniversität? Überflüssiger Kotau!
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