Anglikaner
Warum Männer die Kirche führen sollten
Die ehemalige anglikanische Diakonin Caroline Sandon hat sich am 13. Juli in einem Kommentar in der britischen Tageszeitung ‘Times’ gegen weibliche anglikanische Bischöfe ausgesprochen. Von Caroline Sandon.
(kreuz.net/Times, London) Anfang Juli hat die anglikanische ‘Generalsynode’ entschieden, die rechtlichen Hindernisse wegzuräumen, um Frauen den Zugang zum Bischofsamt zu ermöglichen. Jetzt sind die weiblichen Ränge der Kirche mit Zufriedenheit erfüllt.

Als ehemalige Diakonin an der anglikanischen Kirche St. Andrew in Cambridge, bin ich der Auffassung, daß die Ordination von weiblichen Bischöfen Werte zerstören wird, welche die Institution, zu der ich gehöre, über 2.000 Jahre aufgebaut hat.

Diese Werte bestehen darin, daß die Kirche eine Familie ist. Sie ist eine Hierarchie, an deren Spitze Frauen nicht stehen sollten.

Ich bin mein Leben lang gläubig gewesen.

Eine meiner frühesten religiösen Erinnerungen ist mein Großvater, der neben meinem Bette saß und mir vor dem Zubettgehen aus der Bibel vorlas.

Das war eine Aufgabe, die er nicht auf die leichte Schulter nahm.

Er pflegte die Seiten der Heiligen Schrift auszuglätten, so daß sie ganz flach waren. Er sprach langsam und klar und tauchte ganz in die Worte und Geschichten ein, die für ihn so lebendig waren.

Ich erinnere mich, daß ich mir damals wünschte, alles zu besitzen, was er besaß.

Anders als meine Schulkollegen nahm ich meine Konfirmation im Alter von 13 Jahren sehr ernst.

Es war mir klar, daß Christsein in mehr bestand, als zur Kirche zu gehen. Damals nahm ich mir vor, in Übereinstimmung mit den Lehren der Bibel zu leben.

Aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Ordination anzustreben.

Als ich die Schule beendet hatte, entschloß ich mich, Lehrerin zu werden.

Wie meine Freundinnen verlangte ich nach weiblichen Führungskräften am Arbeitsplatz und begrüßte sie. Ich zog nach Cambridge, wo ich die Ausbildung zur Sekundarlehrerin absolvierte.

Ich hatte vor aufzusteigen.

Der Ruf zur Kirche überkam mich nicht plötzlich. Doch als der Bibelkreis, den ich während der Mittagspause führte, von der Lehrergewerkschaft geschlossen wurde, stellte ich fest, daß mir die Bibel lieber war als Algebra.

Nach vier Jahren des Nachdenkens und Diskutierens mit Freunden, meldete ich mich an der Wycliffe Hall in Oxford für eine theologische Ausbild.

Ich war damals 27 und überrascht, als man mich akzeptierte.

Als ich den Dreijahreskurs im Jahre 1990 begann, gab es für Frauen nur die Möglichkeit, zu Diakoninnen ordiniert zu werden.

Zwei Jahre später – im November 1992 – änderte sich das:

Die ‘Generalsynode’ erlaubte die Ordination von Frauen zu anglikanischen Priesterinnen.

Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag.

Eine gute Freundin sagte zu mir: „Carrie, ich werde in zwanzig Jahren ein Bischof sein.“

Sie und die Mehrheit der Frauen in meinem Jahrgang sahen die Ordination von Frauenpriestern nur als Schritt zu etwas noch Größerem.

Für mich war die Entscheidung sehr einfach.

Ich war damals gegen die Ordination von Frauenpriestern, so wie ich jetzt gegen die Bestellung von weiblichen Bischöfen bin.

Das mag altmodisch klingen. Es ist aber meine theologische Überzeugung, daß die Ordination von Frauenpriestern falsch ist.

Es gibt verschiedene biblische Texte, die meinen Glauben in dieser Frage bestimmen.

Der wichtigste ist die Lehre des heiligen Paulus im ersten Timotheusbrief, wo er den Frauen in der Kirche verbietet zu unterrichten oder Autorität über Männer auszuüben.

Meine Kritiker erklären, daß die Worte des heiligen Paulus und viele andere biblische Texte im Sinne unserer Kultur neu interpretiert werden müßten. Die Frauen seiner Tage seien zum Beispiel nicht so ausgebildet gewesen wie das heute der Fall sei.

Aber ich bin über ihre Argumente nicht überzeugter als sie von den meinen.

Die Lehren des heiligen Paulus beruhen nicht auf der Kultur seiner Zeit, sondern auf den Grundprinzipien der menschlichen Beziehungen, die in der Schöpfung festgelegt sind.

Adam wurde zuerst geformt, dann Eva.

Die Grundbausteine der Schöpfung sind Mutter, Vater und Kind. Das sollte sich in der Familie der Kirche widerspiegeln.

Die Vaterfigur ist ein Symbol für Leitung, die Mutterfigur für Ernährung.

Die Kirche kennt eine Vielzahl verschiedener Aufgaben, welche die Frauen innerhalb ihres Gebietes ausüben können – als Diakone, pastorale Arbeiter, Jugend- und Kinderarbeiter.

Aber wenn Frauen für die Rolle des Mannes ordiniert werden, verweigern wir den Kindern Gottes die zwei Rollen, welche die zwei Geschlechter im menschlichen Entwicklungsprozeß spielen.

Viele werden meine Ansichten als ein Playdoyer für die Ungleichheit betrachten. Aber ich wehre mich vehement gegen diese Interpretation.

Die Gesellschaft scheint heute entschlossen zu sein, die Gleichheit zu definieren, indem Differenzen ausgemerzt werden.

Doch die Herausforderung für die Kirche besteht darin, ein Modell zu erarbeiten, welches zugleich Gleichheit und Verschiedenheit enthält.

Es ist ohne weiteres möglich, gleich zu sein und zugleich verschiedene Funktionen auszuüben.

Man sagt zum Beispiel vom Manne nicht, daß er seiner Frau gegenüber nicht gleichwertig wäre, weil er sein Kind nicht selber austragen kann.

Ich habe elf Jahre lang neben Männern gearbeitet. Ich betrachte mich ihnen nicht als unterlegen oder als ihnen gegenüber minderwertig. Wir dienen beide in unterschiedlichen Weisen dem einen Gott.

Ich wende meine Überzeugungen auch nicht auf den privaten Sektor an, sondern unterstütze weibliche Führungskräfte außerhalb von Kirche und Familie.

Es ist unvermeidlich, daß wir irgendwann in der Zukunft einen weiblichen Erzbischof von Canterbury besitzen werden.

Es stimmt mich traurig, daß Frauen den Dienst in der Kirche als eine Karriere mit einer unsichtbaren Barriere sehen, welche sie am Aufstieg hindert. Ich sehe das anders.

Es ist für mich erfüllend, etwas anbieten zu können, was mein Mann nicht besitzt – so wie ihm Dinge zukommen, die mir nicht gegeben sind. Ich fürchte, daß das Verlangen meiner Artgenossinnen nach Aufstieg mehr mit weltlichem Status und Prestige zu tun hat als mit dem Dienst an Gott.

Die Ordination des ersten weiblichen Bischofs wird für mich ein trauriger Tag werden.

Dadurch bewegt sich die Kirche erneut von dem weg, was ich als eine klare Lehre der Bibel verstehe.

Dieser Schritt wird den Reichtum der männlichen und weiblichen Verschiedenheit in der Kirche untergraben und unsere Individualität beschränken.

Es wird in der Kirche immer ein Spektrum von verschiedenen Meinungen geben, je nachdem auf wen man sich beruft.

Die Stärke und Schwäche der ‘Kirche von England’ besteht darin, daß sie versucht, es jeder Ansicht recht zu machen.

Weil sie ihre Gläubigen ermutigt, auf ihren Überzeugungen zu beharren, garantiert sie, daß in ihr auch in Zukunft immer Spaltung herrschen wird.
      
14 Lesermeinungen
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#14   Christin   18:17:51 | Mittwoch, 7. Dezember 2005
Warum „Männer“ auch die Kirche führen sollten:
Weil die ganze WeltKirche einfach für nur einem Mann zu groß ist
Damit sie sich ihrer Verantwortung in der Welt immer bewußt sind,und dass sie ihre Wurzeln nicht vergessen,und dass sie den Kopf frei halten vor diskreminierender, ungesunder Unterwürfigkeit,falscher Demut und nicht vergessen,dass sie nicht allein sind auf der Welt und auch Rücksicht nehmen lernen und komunikationsfähig bleiben und sich nicht isolieren in Kopflastigkeit und „weltflucht“ dass sie sich ihrer Würde als Mann mit mit Verpflichtung zur Leibfreundlichkeit nicht vergessen.
Und die Erd-Weltverbundenheit aus der sie ihre geistigen Quellen geschöpft haben dass sie diese Erde nicht aus den Augen und den Sinn verlieren.
Schön wärs eine auch eine Tochter (Freundin)zu haben die nicht leibfeindlich wäre, denn auch „männlich“ ist nur menschlich.
Ich hab sie einfach gern,besonders das männliche Geschlecht,weil sie einfach so hilflos ausgeliefert sind in der Welt und so leicht ausgenützt werden und dann nur noch Skavendienst machen müssten ,weil sie niemand haben der ihnen beisteht wenn sie mal nicht so stark sind!Darum ist vielleicht die Kirche da als Schutz für alle die fürs leibliche Wohl sorgen wollen oder sorgen lernen sollen
Das kann aber natürlich auch dem weiblichen Geschecht passieren,aber da sind doch hoffentlich die Männer die für sie gerade stehen und für sie denken und sorgen oder nicht?Aber Emanzen wollen selber denken und brauchen „Mann“ nicht mehr :(
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#13   virOblationis   22:12:39 | Samstag, 10. September 2005
Die gute Seite
Die anglikanischen Weihen von Frauen haben doch auch etwas Positives:
Um so eher wird der Ökumenismus-Spuk der Vergangenheit angehören.
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#12   Benedikt   22:09:46 | Samstag, 10. September 2005
@ Gotthard
Was du vorbringst ist irrelevant. Dass kein heutiger Bischof körperlich zu 100% mit den Aposteln übereinstimmt ergibt sich schon aus der Biologie. Du darfst ganz beruhigt sein: Man darf auch Bischof werden, wenn einem der Blinddarmfortsatz oder die Mandeln fehlen.
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#11   Gotthard   19:48:43 | Samstag, 10. September 2005
hi benedikt
Es kann gemäß der Stiftung und gemäß der Tatsache, dass Jesus in Mann war und der Priester in seiner Person handelt nur von Männern ausgeübt werden.
Stimmt, Jesus hat beschnittene jüdische Männer zu Aposteln erwählt, weil er selbst ein beschnittener jüdischer Mann war.
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#10   Benedikt   18:13:52 | Samstag, 10. September 2005
@ Frl. Ilse
Leider verstehen Sie wenig bis nichts vom Priesteramt. Das Priesteramt ist keine Einrichtung um „menschliche Intelligenz, Energie, Tatkraft und Seelsorgefähigkeit“ einzubringen. Das kann jeder Laie, jeder Professor, jede Nonne, jeder Messdiener, jeder Angestellte im Pfarrdienst, jede Krankenschwester im katholischen Krankenhaus usw. usf… Das Priesteramt aber ist eine von Gott, dem Herrn eingesetzte Institution. Es kann gemäß der Stiftung und gemäß der Tatsache, dass Jesus in Mann war und der Priester in seiner Person handelt nur von Männern ausgeübt werden. Das ist ein ähnliches Faktum, wie die Tatsache, dass ein Mann keine Kinder bekommen kann. Klingt wie ein schlechter Vergleich, ist aber zutreffend.
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#9   MilesChristi   11:47:29 | Samstag, 10. September 2005
@ Fräulein Ilse
Beschäftige dich zuerst mit der Sakramentenlehre über die Weihe, und du wirst vielleicht verstehen, warum eine Frau niemals ordiniert werden kann.
Aber zunächst mußt du bereit sein zu akzeptieren, daß die Kirche KEINE menschliche Institution ist.
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#8   Frl.Ilse   11:35:01 | Samstag, 10. September 2005
@Mittelalter…
Ich möchte die (vermutlich zumeist männlichen) Chatter daran erinnern, dass das Mittelalter vorbei ist. Da mögen einige bedauern, aber wir leben nicht mehr zu Thomas’ Zeiten. Wir lehnen ja auch nicht moderne Medizin, Wissenschaft, Infrastruktur oder die politische Ordnung ab, weil sie nicht mehr der mittelalterlichen entpricht. Genauso wenig leben wir noch im orientalischen Teil des Römischen Weltreichs. Daher sollten sich einige auch von ihren Vorstellungen über Frauen verabschieden. Vor Gott sind alle gleich – und die katholische Kirche leistet es sich, auf die Hälfte der ihr zur Verfügung stehenden menschlichen Intelligenz, Energie, Tatkraft und Seelsorgefährigkeit, indem sie keine Frauen ordiniert.
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#7   Evelin   15:59:16 | Freitag, 9. September 2005
Modern braucht sie nicht zu sein…
@ Marlene: Aber welche wirklich intelligente, moderne Frau lässt sich sowas noch bieten?
Modern braucht sie überhaupt nicht zu sein. Traditionell ist besser und gesünder (sie nimmt keine Giftpillen und anderes Klumpert ein). Einfach Frauen, die an das Leben nach dem Tod denken und nicht nur auf den Beifall der Welt lauschen.
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#6   Marlene †   15:11:39 | Freitag, 9. September 2005
!!!
Meine Fresse! Ihr habt ein Frauenbild. Das ist echt nicht mehr normal.
Aber welche wirklich intelligente, moderne Frau lässt sich sowas noch bieten? Die Anzahl der Kirchenaustritte spricht für sich.
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#5   Sozialkatholisch   09:58:13 | Freitag, 9. September 2005
Menschen
Hochmut, Egoismus und Stolz gibt es wie man sieht auch bei Frauen. Der ständige Geschlechterkampf führt zu nichts Gutem. Eine Frau, die Kinder groß zieht und sich um den Haushalt kümmert sollte nicht nur von den Männern geehrt werden, sondern auch vom Staat
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#4   Romulus   20:34:10 | Donnerstag, 8. September 2005
Feminismus
Wenn ich mir das Bild ansehe, wie die da rumstehen, reicht es mir schon wieder. Was wollen solche Frauen eigentlich?
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#3   Stimme aus dem Tradiland   17:59:22 | Donnerstag, 8. September 2005
Buchhinweis zum Thema
Die Problematik um das Frauenpriestertum vor dem Hintergrund der Schöpfungs- und Erlösungsordnung / Manfred Hauke. – 4., überarb. Aufl… – Paderborn : Verl. Bonifatius-Druck, 1995. – 518 S.; (dt.)
Reihe: (Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien ; Bd. 46)
ISBN 3-87088-905-5
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#2   Benedikt   16:23:16 | Donnerstag, 8. September 2005
Karriere
Seit einigen feministischen Theologinnen klar geworden ist, dass Ordination vor allem Subordination bedeutet, sind sie aus eigenen Schritten von dieser Forderung abgeschritten: Denn Subordination ist genau das, was der Feminismus eben gerade nicht will.
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#1   Marlene †   15:08:48 | Donnerstag, 8. September 2005
Ja nee! Ist vollkommen klar!!!
Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.
(Thomas von Aquin, Kirchenlehrer, 1225-1275)
Also was zur Hölle faseln die Frauen da von Karriere! Das grenzt ja schon fast an Gotteslästerung!
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