Eine Kunstglaserei begann Ende August die Chorfenster der Bochumer Marienkirche auszubauen. Nach einem Beschluß der Stadtregierung hätte die Kirche bis April nächsten Jahres nicht verändert werden dürfen.
(kreuz.net, Bochum) Anfang April beschlossen die Stadtpolitiker von Bochum, die katholische St. Marienkirche
an der Humboltstraße in Bochum zu bewahren. Bochum befindet sich 20 km westlich von Dortmund im Bundesland
Nordrhein-Westfalen.
Die intakte neugotische Kirche sollte nach dem Beschluß der Stadt während zwölf
Monaten nicht verändert werden. In dieser Zeit wollte man ein tragfähiges Nutzungskonzept des Sakralbaues
entwickeln.
Vertreter des Bistums, allen voran Propst und Stadtdechant Hermann-Josef Bittern, fordern
schon länger den sofortigen Abriß der Marienkirche. Das Grundstück soll für den Bau eines Altenheimes
verwendet werden.
Der Stadtdechant hatte bei der Sitzung Anfang April sogar gedroht, unverzüglich die
Fenster ausbauen zu lassen, wenn die Abrißgenehmigung nicht erteilt werde.
Nun hat der Propst diese
Drohung – wider den beschlossenen 12monatigen Bestandsschutz – wahrgemacht.
Eine Kunstglaserei aus Lippstadt
hat bereits mit der Demontage der Chorfenster begonnen. Lippstadt befindet sich rund 80 Kilometer östlich
von Bochum. Gegenwärtig löst die Glaserei die insgesamt 81 Teile der drei Chorfenster aus den Fassungen.
Der Firmenchef der Glaserei erklärte: „Diese Chorfenster wurden von der Düsseldorfer Firma Derix in
den 50er Jahren gefertigt.“ Die mundgeblasenen Teile seien zwar schlicht gestaltet, gelten aber gleichwohl
als wertvoll.
Die Fenster werden in Kisten verpackt und im benachbarten Seniorenheim Marienstift gelagert.
Bei einem eventuellen Neubau auf dem Kirchengrundstück sollen sie wiederverwendet werden.
Nachdem die
Schutzverglasung entfernt ist, können Wind und Wetter eindringen, bemerkte ein Vertreter des Fördervereins
‘Pro Marienkirche’. Es werde das geschehen, was Propst Bittern bereits bei der Sitzung im April angedroht
hatte: „Das Gebäude kann endlich vergammeln.“
Zwischenzeitlich hatte die Stadt der Kirchengemeinde sogar
ein nahebeiliegendes Grundstück zur Errichtung eines neuen Altenheimes angeboten. Dieses wurde abgelehnt.
Der Vertreter des Fördervereins zitiert diesbezüglich einen Geistlichen: „Hier in Bochum ist der Teufel
losgelassen.“
In einem Brandbrief appelliert der Vorstand des Fördervereins ‘Pro Marienkirche’ an die
Oberbürgermeisterin der Stadt, Ottilie Scholz, den Abriß der Marienkirche zu verhindern.
„Bitte fühlen
Sie sich erneut aufgerufen, ein nicht wieder gut zu machendes kulturelles Fiasko zu verhindern,“ heißt
es in dem Schreiben. „Der ‘Fall’ dieses Baudenkmals würde nicht nur dauerhaft Wunden in den Stadtorganismus
reißen, sondern auch die Bürger in ungeahntem Ausmaß emotional berühren.“
Nachdem die wertvollen
Chorfenster aus der Kirche demontiert wurden, habe der Förderverein den Eindruck gewonnen, daß die Propstei
als Eigentümer der Marienkirche die Abrißgenehmigung bereits in der Tasche habe.
Dem Brief an die Oberbürgermeisterin
fügte der Förderverein die Einschätzung eines Experten bei. Er will ungenannt bleiben, da er bei einer
auswärtigen Fachbehörde arbeitet.
Der Fachkundige erklärt, daß die Stadt die Marienkirche durchaus
in die Denkmalliste aufnehmen könne, weil sie letztlich der Entscheidungsträger sei. Das Westfälische
Amt für Denkmalspflege habe nur beratende Funktion. Im übrigen habe das Amt nicht den Abriß der Kirche
gefordert, sondern nur gesagt, daß es die Kirche nicht für ein Denkmal halte.
Die Entscheidung über
den Abbruch sei daher ausschließlich Sache der Stadt. Die Oberbürgermeisterin sei die einzige, „die
das Wahrzeichen von Bochum retten kann, wenn sie will“.
Der Förderverein erinnert gleichzeitig, daß
neben den Chorfenstern auch die wertvollen Wandmosaiken in der Marienkirche einfach abgeschlagen wurden:
„Sie sind dabei zum größten Teil zerbrochen.“
Nachdem die Stadt festgeschrieben hatte, den „Ist-Zustand“
der Marienkirche zwölf Monate lang zu erhalten, folgert der Förderverein angesichts der Demontage von
Fenstern und Mosaiken: „Propst Bittern hat wohl Narrenfreiheit in jeder Hinsicht!“
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4 Lesermeinungen
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an MilesChristi So habe ich das nicht gesehen! Die medizinische Notwendigkeit, die eventuell bestehen
könnte, habe ich nicht einkalkuliert. Mich befremdete nur dieser Anblick, der irgendwie ins liturgische
Bild paßt. Aber ich möchte micht nicht davor verschließen, einen Fehler einzugestehen und den Verweis
auf dieses Bild zurückzunehmen. pe
#3 MilesChristi 01:12:03 | Dienstag, 6. September 2005
Pate NA ja, Herr Doktor, ich habe mit dem Bild wenige Probleme… es gibt halt Leute, die Probleme mit
zu starken Sonnen habe (ich zB), und sie brauchen dann halt eine Sonnebrille. Ich würde DAS nicht so
eng sehen…
…tja, da sieht man wieder… …wie der Herr, so’s Gescherr! Im Thread „Indianerüberfall“ hatte ich
bereits von meinem Kampf zur Erhaltung unserer Barockkirche geschrieben. Vielleicht poste ich hier mal
eine Mail eines Kirchenratmitgl. bzgl. einer von mir entworfenen Werbebroschüre: (neben viel Unwissen
und schlechten Gutachten, stützten sich diese Herren vor allem auf ihre Meinung!) „Die Gutachten sagen,
daß es für 150 Jahre eine in weiß und rot gehaltene Raumgestaltung gab. Danach gab es für 50 Jahre
die Raumgestaltung, die derzeit freigelegt wird – manche halten sie für sehr schön, andere für überladen.
Unzweifelhaft ist, dass man um 1750 die Kraft und den Mut hatte eine Kirche zu gestalten, um 1900 hatte
man diese Form zu einer viel farbkräftigeren geändert, und wiederum 50 Jahre später wurde diese Farbenpracht
beendet – eine graue Schlichtheit und Bescheidenheit zog ein. Und wiederum 50 Jahre später fehlt uns
jegliche Gestaltungskraft, dem Museumswesen angemessen darf kein Pinselstrich geändert werden – zu welcher
Vorlage? Mit welcher Begründung? Eine Kirche ist ein Gotteshaus und kein Museum!! Die Raumgestaltung
dient der Unterstützung der Gottesbegegnung und- verherrlichung, sie darf aber niemals vergangenheits-
orientiert sein. Wenn wir unser heutiges Unvermögen wahrnehmen müssen wir in einer Broschüre eine andere
Tonlage treffen – wir müssen die Raumgestaltung der 50er Jahre nicht mögen – die Kraft derer, die sich
trauten zu Gestalten, müssen wir jedoch wertschätzen.“ Ende.