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Dienstag, 6. September 2005 15:34
Lange Suche
60 Jahre hat sich ein britischer Soldat, der im Zweiten Weltkrieg diente, darum bemüht, den Angehörigen eines gefallenen Kameraden einen Rosenkranz zurückzugeben.
(kreuz.net, London) Alles begann in Frankreich. Der britische Infanterist Tom Jackson kämpfte dort mit dem achten Britischen Bataillon.

Eines Tages überreichte ihm ein Kamerad – Infanterist Stanley Cloughton – seinen persönlichen Rosenkranz. Cloughton bat Jackson, die Gebetsschnur für ihn aufzubewahren.

Die Szene ereignete sich in der französischen Stadt Arras. Das berichtete die britische Tageszeitung ‘The Telegraph’ Anfang August.

Arras liegt in Nordfrankreich.

Soldat Cloughton gab seinen Rosenkranz ab, weil er die dunkle Vorahnung besaß, daß sein Kamerad den Krieg eher überleben würde als er.

Cloughton sollte recht behalten.

Jackson sah den Soldaten, der ihm den Rosenkranz überreicht hatte, das letzte Mal bei der Evakuierung von Dünkirchen im Jahre 1940.

Dünkirchen ist eine französische Hafenstadt an der belgischen Grenze.

Kurz darauf wurde Jackson schwer verwundet. Damit war der Krieg für ihn vorbei. Er kehrte samt des anvertrauten Rosenkranzes definitiv nach Hause zurück. In Darlington heiratete er seine Frau Vera.

Die nordenglische Stadt Darlington liegt in der Grafschaft Durham rund 60 Kilometer nördlich von York. Bis zur schottischen Grenze sind es etwa 100 Kilometer.

Sein Versprechen, den Rosenkranz zurückzugeben, hat Jackson ein Leben lang nicht vergessen.

Er bemühte sich immer wieder und ohne Erfolg, Cloughton oder seine Verwandten zu finden.

Seine Suche kam zu einem Ende, als er im Jahre 2000 im Alter von 83 Jahren starb.

Die Witwe von Jackson erinnert sich: „Wir besaßen ein Photo des Regimentes meines Mannes. Er zeigte mir Soldat Cloughton und sagte zu mir: ‘Das ist der Kerl, der mir den Rosenkranz gab’.“

Ihr Mann habe Cloughton immer finden und ihm den Rosenkranz zurückgeben wollen, aber er habe kaum Anhaltspunkte über die Person von Cloughton besessen:

„Mein Mann wußte nicht einmal, woher Cloughton stammte.“

Später hätten sie erfahren, daß Cloughton am 22. März 1943 während Kampfhandlungen in Tunesien im Alter von 24 Jahren ums Leben kam.

Er liegt auf dem Kriegsfriedhof von Medsches-el-Bab begraben.

Schließlich starb auch Jackson. Seine Familie setzte die Suche fort. Es wurden sogar landesweite Aufrufe organisiert. Man benachrichtigte Zeitungen und Magazine.

Es half nichts.

Schließlich sah eine Frau Dodd aus Darlington – eine entfernte Verwandte von Soldat Cloughton – eine kleine Nachricht in ihrer Lokalzeitung.

Sie kontaktierte die Witwe von Jackson.

Die alte Frau war fassungslos: „Ich konnte es nicht glauben, daß der Bruder von Frau Dodd mit der Tochter meines direkten Nachbarn verheiratet war. Wir haben so lange gesucht. Dabei lag die Antwort vor der Haustüre.“

Anfang August trafen sich zwei Nachkommen von Cloughton mit der 83jährigen Witwe von Jackson und erhielten von ihr den Rosenkranz nach 65 Jahren zurück.
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