Ketzerecke
ketzerecke: Perverse Welt
Nur an zwei Beispielen will ich zeigen, wie verkehrt die Empfindung in unserer Zeit geworden ist und wie die Zeit kein Bewußtsein über diese Verkehrtheit hat. Von Friedrich Nietzsche.
(kreuz.net) Ehemals sah man mit ehrlicher Vornehmheit auf die Menschen herab, die mit Geld Handel treiben, wenn man sie auch nötig hatte.

Man gestand sich ein, daß jede Gesellschaft ihre Eingeweide haben müsse.

Jetzt sind sie die herrschende Macht in der Seele der modernen Menschheit – der begehrlichste Teil derselben.

Ehemals warnte man vor nichts mehr als davor, den Tag, den Augenblick, zu ernst zu nehmen, und empfahl das ‘nil admirari’ – das Nichts bewundern – und die Sorge für die ewigen Anliegenheiten.

Jetzt ist nur eine Art von Ernst in der modernen Seele übriggeblieben:

Er gilt den Nachrichten, welche die Zeitung oder der Telegraph bringt.

Den Augenblick benutzen und – um von ihm Nutzen zu haben – ihn so schnell wie möglich beurteilen! Man könnte glauben, es sei den gegenwärtigen Menschen auch nur eine Tugend übriggeblieben: die der Geistesgegenwart.

Leider ist es in Wahrheit vielmehr die Allgegenwart einer schmutzigen unersättlichen Begehrlichkeit und einer überallhin spähenden Neugierde bei jedermann.

Ob der Geist jetzt überhaupt gegenwärtig sei? Wir wollen die Untersuchung darüber den künftigen Richtern zuschieben, welche die modernen Menschen einmal durch ihr Sieb filtern werden.

Aber gemein ist dieses Zeitalter.

Das kann man schon jetzt sehen, weil es das ehrt, was frühere vornehme Zeitalter verachteten.

Aus Friedrich Nietzsche († 1900): Unzeitgemäße Betrachtungen. Viertes Stück: Richard Wagner in Bayreuth. Kapitel 6.
      
7 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#7   Lilith   22:54:09 | Mittwoch, 7. September 2005
Könnte man ja hier fast entwickeln…
Redaktion benachrichtigen
#6   Stimme aus dem Tradiland   14:28:21 | Mittwoch, 7. September 2005
Verfolgungswahn?
@ Wo ist in dem zitierten Text etwas von Homosexualität die Rede?
Redaktion benachrichtigen
#5   Lilith   12:57:42 | Mittwoch, 7. September 2005
Tja…
Aber scheinbar ist denen doch jedes Mittel recht.
So kann man dann auch einen Kirchenhasser zitieren, solange der etwas gegen Homosexualität sagt oder zu sagen scheint.
Wenn es keine anderen Mittel mehr gibt, bleibt eben nur noch dieses übrig.
Ich bin nicht für Nietzsche oder für Freud und zwar nicht primär aus dem Grund, dass sie etwas gegen meine Identität sagen, sondern dass sie etwas gegen meine Religion sagen.
Redaktion benachrichtigen
#4   Chris   09:28:02 | Mittwoch, 7. September 2005
Herrenmensch
Leider wird nur allzugern vergessen, dass die Philosophie Nietzsche’s von den Herrenmenschen und den Untermenschen von den Nationalsozialisten aufgegriffen wurde. Man könnt sogar noch weiter gehen und sagen, dass die Rassenideologie der NSDAP auf Nietzsches denken aufbaut.
Und sollte man nicht einen Menschen der im Irrenhaus geendet noch erwähnen. In meinen Augen und in den Augen aller Christen sollte er ein Nichts sein. und das verdient er auch, Stattdessen ein ständiges Gedenken an ihm selbst hier. Leider sind sich einige Personen nicht bewußt, welches Übel gerade die moderne Philosophie für den christlichen Glauben ist und war. Ich gebe den Feinden der Wahrheit keine Ehre, sowenig sie mir Ehre Anerkennung oder Gehör schenken. In diesem Sinne sollte man solche Feinde besser tot lassen.
Redaktion benachrichtigen
#3   mrnka   22:29:46 | Dienstag, 6. September 2005
Nietzsche
Nietzsche hat gegen das Christentum polemisiert, klar, wissen wir, aber er ist dennoch der Philosoph des 21. Jahrhunderts. Im Zarathustra skizziert er den „Letzten Menschen“ – exakt das, was heute die Mehrheit ausmacht. Das ist selbstredend „wertfrei“ aufzufassen.
Redaktion benachrichtigen
#2   Chris   20:48:27 | Dienstag, 6. September 2005
Nietsche, wie bitte?
„Gott ist tot!“ Hat das der Philosoph Nietzsche oder Karl Marx gesagr?
„Ihr Dhristen müsstet doch viel erlöster aussehen!“
Von wem ist das?
Meine Herren und Damen, macht euch nicht stinkend vor mir oder ich lass den Nietzsche mal richtig los, dann seht ihr aber ganz alt aus!
Redaktion benachrichtigen
#1   Pelagius   19:15:32 | Dienstag, 6. September 2005
kreuz.net sei Dank!
Wir sollten die Stimme dessen, der die Neuzeit (und auch schon die Moderne) konsequent zuendegedacht hat, hier noch möglichst oft vernehmen dürfen.
Man greife doch bloß den einen Satz heraus:
„Jetzt ist nur eine Art von Ernst in der modernen Seele übriggeblieben: Er gilt den Nachrichten, welche die Zeitung oder der Telegraph bringt.“
Wie wahr – auch im Blick auf kirchliche Kreise, die ihren Durst nicht mehr aus den uralten und immerjungen Quellen der Weisheit, sondern aus den Produkten des Augenblicks zu stillen suchen!
Auch eine noch so gut katholische Internetseite läuft Gefahr, diese Mentalität zu bedienen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Ketzereckeketzerecke: Vom Gesindel
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net