Euthanasie
Der 23jährige starb offiziell an Herzversagen
Ein kolumbianischer Tötungsarzt sprach kürzlich über seine Zusammenarbeit mit Selbstmördern. Dabei verwendet er die übliche Taktik: Die Krankentötung wird dem Publikum mit Emotionen und Extrembeispielen schmackhaft gemacht.
(kreuz.net, Sante Fe de Bogota) Die Nachrichtenagentur ‘Associated Press’ sprach kürzlich mit dem kolumbianischen Arzt Dr. Gustavo Alfonso Quintana.

Kolumbien liegt im Nordwesten von Südamerika und grenzt im Südosten an Brasilien.

Der interviewte Mediziner assistierte bereits 15 Menschen beim Selbstmord.

Das publizierte Gespräch diente dazu, die tödliche Tätigkeit des entgleisten Arztes in ein möglichst gutes Licht zu stellen.

Dr. Quintana beschreibt in emotionalen Tönen, einen seiner bewegendsten Fälle: ein 23jähriger Student im Endstadium einer Krebserkrankung.

Der junge Mann habe Metastasen in der Leistengegend, in der Lunge sowie Tumore im Kopf aufgewiesen, erzählt Dr. Quintana:

„Seine Hoden waren deformiert. Ein großes Geschwulst hatte sich auf seinem Kopf gebildet, und die Haut rund um seine Augen war schwarz gefärbt und geschwollen.“

Der Todkranke habe ihn als Arzt angefleht, er möge ihm doch beim Sterben helfen: „Ich will nicht warten, bis ich zu einem Monster geworden bin“ – habe der 23jährige erklärt.

Dr. Quintana habe anschließend mehrere Tage damit verbracht, mit dem Patienten und seiner Familie zu reden. Schließlich sei ein Todestermin festgelegt worden.

Am vereinbarten Todestag versammelte sich die Verwandtschaft um das Todesbett.

Angehörige hätten dem Krebspatienten die Hand gehalten, während ihm der Todesarzt eine tödliche Injektion in den Unterarm verpaßt habe.

Auf dem Totenschein habe Dr. Quintana als Todesursache „Herzversagen“ angegeben.

Der assistierte Mord/Selbstmord ereignete sich vor rund einem Jahr.

Einmal verweigerte Dr. Quintana nach eigenen Angaben die Beihilfe zum Selbstmord: Jemand habe ihn gebeten, ihn umzubringen, weil er langsam erblinde.

Bevor er jemanden töte, stelle er sich selber die Frage: „Wenn ich in seiner Position wäre, würde ich sterben wollen?“

Wenn er diese Frage bejahen könne, dann führe er die tödliche Prozedur durch, erklärt der Todesarzt.

Kolumbien ist das einzige südamerikanische Land, in dem der assistierte Selbstmord vor dem Gesetz kein Verbrechen ist.

Der Mord auf Verlangen wurde bereits im Jahr 1997 eingeführt.

Damals kam der Verfassungsgerichtshof mit 6:3 Stimmen zum Schluß, daß ein Mensch das Ende seines Lebens selber bestimmen könne.

Der Richter, der vor acht Jahren die Urteilsbegründung verfaßte, ist mittlerweile Senator im kolumbianischen Parlament.

Er will nun einen Gesetzesentwurf einreichen, der die kolumbianische Ermordung auf Verlangen in geregeltere Bahnen führt:

„Es ist wichtig, daß wir klare Vorgaben einführen.“

Der assistierte Selbstmord solle nach Tötungsrichtlinien durchgeführt werden, wie sie in Belgien oder in den Niederlanden existieren.

Dort müssen Ärzte ein zweites Gutachten einholen. Die Patienten werden vor ihrer Vergiftung physisch und psychisch untersucht. Außerdem werden die Selbstmorde staatlich kontrolliert.

In Kolumbien gibt es derzeit in Sachen Hilflosentötung keinerlei Einschränkungen.

Der assistierte Selbstmord muß auch nicht gemeldet werden.

Darum gibt es weder Statistiken noch repräsentative Schätzungen über die Zahl der Menschenleben, die das Tötungsgesetz von 1997 bisher gekostet hat.
      
Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
Weiterlesen:
EuthanasieWo ist Großpapa? – Der ist gerade beim Verhungern EuthanasieMörderin oder Avantgardistin? EuthanasieDörrleiche EuthanasieAlt, krank oder schwach? – Ab in die Entsorgung EuthanasieNeue Euthanasieprogramme für Deutschland EuthanasieDie britischen Ärzte wollen Lebensmüde vergiften EuthanasieZweischneidig EuthanasiePferdefuß EuthanasieHolländerin via Internet zu Tode kuriert EuthanasieBehinderte in den Kübel EuthanasieLebensunwert: Behinderte Kinder in den Abfallkübel EuthanasieIm Krankenhaus von Groningen werden Kleinkinder hingerichtet EuthanasieZivilisation von Blindwütigen
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net