Legionäre Christi
Abgesagte Auftritte
Es ist aufschlußreich, daß der Gründer der Legion Christi seine spektakulären Auftritte während der jährlichen Familientage von ‘Regnum Christi’ in den USA in den letzten Jahren gestrichen hat. Von Michael Rose, Web-Herausgeber der ‘New Oxford Revue’.
(kreuz.net) Im Jahre 2003 wurde angekündigt, daß Pater Marcial Maciel, der Gründer der Legion Christi, in Chicago vor Tausenden von Anhängern sprechen sollte.

Doch er erschien nicht. Die Organisatoren zeigten stattdessen eine Videoansprache des Gründers.

Ein Reporter der Tageszeitung ‘Chicago Tribune’ vermutete, daß Pater Maciel sich nicht blicken ließ, weil er fürchtete, daß amerikanische Selbsthilfegruppen von Mißbrauchsopfern seine Anwesenheit für Demonstrationen benutzen würden.

Die ‘Tribune’ stellte außerdem fest, daß Pater Maciel als Diözesanpriester einer US-Diözese aufgrund von neun glaubwürdigen Beschuldigungen sexueller Mißbräuche schon längst seiner priesterlichen Funktionen enthoben worden wäre.

Als ich in der folgenden Woche mit Pater Jay Dunlap – dem Pressesprecher der Legionäre in den USA – über ein anderes Thema sprach, fragte ich ihn, ob der Bericht der „Chicago Tribune“ einen wahren Kern besitze.

„Nein“, antwortete Dunlap und wischte den ganzen Artikel als unreifes Werk eines Sommerpraktikanten der Stanford Universität vom Tisch. Der Pressesprecher wollte mich offensichtlich glauben machen, daß der Journalist der ‘Tribune’ betrunken war.

Warum erschien Pater Maciel nicht wie angekündigt in Chicago? – fragte ich weiter.

„Das ist eine lange Geschichte“, erklärte mir Pater Dunlap.

Die offizielle Version der Legion lautet wie folgt:

Pater Maciel befand sich auf einem wichtigen Pastoralbesuch in Südamerika und wollte von dort nach Chicago fliegen.

Doch dann wurde der Gründer überraschend von einer dringenden Anfrage eines ungenannten Kurienkardinals aufgehalten und wegen dieser Sache nach Rom zurückbeordert:

„Wenn ein vatikanischer Kardinal bittet“ – so Pater Dunlap – „dann kann Pater Maciel das nicht ignorieren.“

Diese Erklärung ist jedoch nur für jemanden glaubwürdig, der über die Gepflogenheiten der Römischen Kurie wenig oder gar nichts weiß.

Obere von religiösen Gemeinschaften sind vatikanischen Kardinälen keine Rechenschaft schuldig und empfangen von diesen auch keine täglichen Befehle.

„In welcher dringenden Angelegenheit wurde Pater Maciel nach Rom beordert?“ fragte ich daraufhin Pater Dunlap.

Keine Ahnung, antwortete der Pressesprecher der Legion.

Erwartet die Legion wirklich, daß die Öffentlichkeit glaubt, daß Pater Maciels „dringende römische Angelegenheit“ keinen weiteren Tag hätte warten konnten – solange, bis er zu einer der größten Treffen seiner Laienbewegungen gesprochen hatte?

Es sei denn, die „römischen Angelegenheiten“ stehen mit der Aussage der Journalisten Berry und Renner im Zusammenhang, wonach Pater Maciel in Rom üppige Abendessen für prominente vatikanische Kardinäle gab.

Eine bessere Erklärung wäre dann gewesen, daß Pater Maciel jedem einzelnen Kurienkardinal hinterherlaufen muß, um sicherzustellen, daß die Kirchenfürsten ihn vor kursierenden Anklagen sexueller Unzucht in Schutz nehmen.

Niemand möge so naiv sein, auszuschließen, daß sich Kardinäle zu solchen Diensten hingeben. Man erinnere sich nur an den Erzbischof von Boston, Bernard Francis Kardinal Law, der deswegen in den Vatikan transferiert werden mußte.

Es gab noch einen anderen angekündigten Auftritt von Pater Maciel, jenen bei der Familienkonferenz in Baltimore im Jahre 2002. Auch diesen sagte der Pater ab. Warum?

Pater Dunlap war mit einer Antwort schnell zur Hand: „Sie erinnern sich. Das war die Woche vor dem Papstbesuch in Mexico City.“

„Ja,“ – antwortete ich ihm – „ich erinnere mich.“

„Pater Maciel wurde nach Mexico City gerufen, um der Stadt zu helfen, sich für die Ankunft des Papstes vorzubereiten.“

Diese Erklärung war noch abstruser als die erste.

Sollte ich jetzt glauben, daß Pater Maciel nach Mexiko gerufen wurde, um dort eine ganze Woche vor der Ankunft des Papstes Girlanden aufzuhängen? Und wer rief ihn nach Mexiko City?
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Warum orthodoxe Katholiken über die Legionäre Christi verärgert sind 2. Die Ankläger der Legion Christi
3. Abgesagte Auftritte
4. ‘Christus ist mein Leben’ 5. Heiligenlegenden 6. Kritiken aus der katholischen Ecke
      
3 Lesermeinungen
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#3   Kreuzfidel   23:24:49 | Samstag, 10. September 2005
Wo sind sie geblieben?
Die guten Kommentare zu dieser überaus hetzerischen Kampagne ? Ist dem Kreuz die Kritik zum Ärgernis geworden?Ist Kreuz net von den Freimaurern gekauft oder wurde einer der Redakteure vielleicht von den Legionären nicht aufgenommen und „rächt“ sich jetzt mit diesen bla bla ?
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#2   Sulpicius   22:42:50 | Freitag, 9. September 2005
Und…
…Tschüß!
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#1   Rocky   12:53:46 | Freitag, 9. September 2005
Und weiter geht’s…
mit der innerkirchlichen Selbstzerfelischung. Und mit dem Lieblingsthema der Ultrakonservativen: Sex. (Diese Themen erscheinen wohl nur, damit die angesprochene Klientel an der Leine bleibt. das regt sie noch auf – was der Papst macht, ist sowieso nicht aufregend…).
Ich kenne eine Menge kath. nachrichtenagenturen auch ausserhalb der dt. Sprachraumes… darum hat mich kat.net als „kath. nachrichten“ enttäuscht.
Ich sage schon mal endgültig: Tschüss. Den Rocky könnt ihr inskünftig vergessen! Gott befohlen!
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