17:07:59 | Sonntag, 11. September 2005
Wir stecken in Problemen, deren Ausmaß und Folgen sich die wenigsten bewußt sind. Zuhauf sind die Völker in die 68er-Falle getappt und winden sich nun in strangulierenden Schlingen. Eine Buchbesprechung von Christa Meves.
(kreuz.net/C.M.) Der Zürcher Historiker Daniel Regli hat
eine beachtenswerte Neuerscheinung herausgebracht.
Er nimmt die Gefahren ins Visier, die von den immer noch dominant mächtigen Wirkungen der Kulturrevolution
vor vierzig Jahren ausgehen : Von der „68er-Falle“, wie er sein Opus betitelt.
Regli verfolgt damit das
Ziel, den Europäern noch rechtzeitig die Augen zu öffnen und ihnen „Fluchtwege aus dem Desaster der
Neuen Linken“ – wie der Untertitel heißt – zu entwerfen.
Dieses Werk macht Schluß mit einem Versäumnis:
Mit der Notwendigkeit, die Ursachen, die Entwicklung und die verheerenden Auswirkungen der Neuen Linken
fachkompetent so zu analysieren, daß der geistigen Durchseuchung mit Klarsicht in die negativen Folgen
und mit Entschiedenheit in der Abwehr des schleichenden Giftes begegnet werden kann.
Denn – so Regli –
„eine Politik, der es primär um den funktionierenden Finanzfluß geht“, hat keine Chance, der Gefahr
frontal, und das heißt durch einen Geistkampf mit einem realistischen, gedeihlichen Grundkonzept die
Stirn zu bieten.
Es ist deshalb ein großes Verdienst des Autors, sich die Mühe gemacht zu haben, dem
oberflächlichen Abdriften in unbekömmliche linke Positionen hinein entgegenzuwirken, indem er sich an
die Aufarbeitung derjenigen geistigen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts gemacht hat, die den Irrweg
programmiert haben.
Nur so ist die Wirrnis dieser Utopie zu begreifen, die sich zu großen Teilen immer
noch unerkannt – weil einhellig durch die Medien verbreitet – massenhaft in Europäerköpfen eingenistet
hat.
Aufklärend konstatiert der Autor deshalb:
„Die 68er-Falle ist längst zugeschnappt. Seit Jahren
werden die Früchte des vermeintlichen Fortschritts immer bitterer. Kollaboration bei jenen, die im Windschatten
der Umwälzungen lediglich gutes Geld machen wollten, Feigheit und Egoismus hinderten viele politisch
Verantwortliche daran, gegen die ‘Werte’ der Neuen Linken zu agitieren. Für die Moral der Gesellschaft
wollten sie keine Verantwortung übernehmen.“
Schonungslos weist Regli nach, daß eine Gesellschaft,
in der Kauf- Rauschgift- und Sexualsucht boomen, in der die Familie – als Programm! – immer mehr zur Auflösung
gebracht worden ist, immer weniger lebensfähig wird.
„Wir leben keineswegs in einer Hochglanzgesellschaft“,
schreibt er, „vielmehr stecken wir in Problemen, deren Ausmaß und Folgen sich die wenigsten bewußt sind.
Zuhauf sind die Völker in die 68er-Falle getappt und winden sich nun in strangulierenden Schlingen.“
Im ersten Teil des Buches geht der promovierte Historiker der Frage nach, wie die Revolution gelingen
konnte.
Roß und Reiter werden benannt, sowohl die Vorreiter von Plato, Rousseau und Marx vor allen anderen
sowie von Freud und Reich, sowie Kinsey, Huxley und Leary in den USA bis zu den direkten Protagonisten:
Sartre, Simone de Beauvoir und unter den weitere Philosophie anliefernden Professoren der Frankfurter
Schule vor allem die Schriften von Herbert Marcuse.
Ausführlich wird die Ideologie der Neuen Linken
dargelegt mit ihrem Traum von einer Rückkehr ins Paradies von Gerechtigkeit und Frieden durch Angleichung
aller an alle.
Als wesentlich werden die Leitfiguren der Drogen- sowie der sexuellen Revolution in ihrer
grenzenlosen Maßlosigkeit beschrieben.
„Fast alles ist den Sex-Fundis gelungen,“ stellt Regli als Bilanz
einer ausführlichen Darstellung der „Befreiung zur Sexualität“ fest.
Und dann versucht er den vom militanten
Feminismus verblendeten Frauen ein Licht aufzustecken:
„In kurzer Zeit schwappte die Welle des befreiten
Bauches über die ganze westliche Zivilisation. Zurück ins Paradies – diesmal in femininer Spielart.
Eine Frauengesellschaft ohne deformierte Männer. Bald wird das Klonen selbst den männlichen Samen überflüssig
machen.“
Regli läßt es nicht aus, auch den Wahnsinn der Selbstvernichtung mit Millionen und Abermillionen
hingeschlachteter Menschen zu beschreiben, die unter der Fahne vom Arbeiterparadies der Zukunft à la
Marx von Diktatoren brutal ermordet wurden von Stalin bis Mao, diesem von der Studentenbewegung als Vorbild
auf den Geist-Thron gehobenen Verbrecher.
Von größter Wichtigkeit ist es aber, daß der Autor die nur
scheindemokratische Entwicklungsform in den westlichen Industrienationen ausführlich unter die Lupe nimmt.
Er weiß, der „Marsch durch die Institutionen“ bedeutete nicht nur eine Vereinnahmung der Geisteswissenschaften
auf den Universitäten, sondern vor allem die der elektronischen Medien.
Es ist deshalb auch mitten in
unseren Demokratien schon ähnlich wie in einer Diktatur, die beim Fortgang dieser Entwicklungen heraufbeschworen
wurden:
„Personen, die gegen den Zeitgeist aufstehen, stoßen auf aggressiven Widerstand. Sie ziehen
Haß und Feindschaft auf sich, wenn sie ohne Rücksicht auf Verluste konstruktive Werte umsetzen: in ihren
Familien,…bei Justiz und Kultur“ vor allem aber in den Medien.
Deshalb eben handelt es sich um eine
Falle, der man nicht mit „einfachen Touren“ entrinnen kann.
Resümee:
„Falsche Informationen haben uns
in die 68er-Falle gelockt. Seither zerstört Neomarx Individuen, Familien, Wirtschaft und Finanzen. Linksliberale
Mehrheiten erließen Gesetze, die das Desaster zementierten und uns den Ausbruch aus der Falle verunmöglichen
sollen.“
Nicht allein wegen der Präzision und Umfänglichkeit von Daten und Recherchen sollte dieses
Buch zur Pflichtlektüre aller nachdenklichen und verantwortungsbewußten Menschen der jungen Generation
werden. Sie müssen sich wehren, weil sie sonst an eine unaufhaltbare negativen Entwicklung ausgeliefert
werden. Denn vom Point of no Return sind wir in Europa nicht mehr all zu weit entfernt.
So sehr hier
das viele persönliche Unglück, das Sterben der Wirtschaft auch an den Mißbräuchen des Sozialstaates
und der Genozid auf den Punkt gebracht werden, so wenig läßt sich Regli als Kulturpessimist einordnen.
Er setzt auf einen Bestand an durchsetzungsfähiger seelischer Gesundheit und nüchterner Vernunft der
Bevölkerung, speziell seiner Schweizer Landsleute. Deshalb macht er im letzten Teil seines Buches plausible
Vorschläge für eine Reformbewegung mit einer totalen Umstrukturierung der Fehlbahnungen.
Hier bringt
er natürlich den Wert einer intakten Familie ins Spiel sowie die Absage an einen hochmütigen Atheismus
zugunsten der Bereitschaft, sich auch als moderner Mensch der Schöpfungsordnung einzufügen.
Daß die
Zukunft Europas, wenn es sie geben soll, auf dem Boden eines gelebten Christentums im Alltag fußen muß,
scheint durch jede Zeile dieses beachtenswerten Werkes hindurch.
Christa Meves (*4. März 1925) ist eine
sehr bekannte deutsche Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Schriftstellerin. Sie studierte Geographie,
Germanistik, Philosophie und Psychologie. Frau Meves hat mehr als 100 Bücher verfaßt. Sie sind in 13
Sprachen erschienen.
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