Euthanasie
Eingeschläfert
Eine Ärztin aus dem Katastrophengebiet von New Orleans hat gestanden, Sterbende vor Ort durch Morphium ins Jenseits befördert zu haben. Sie betrachte ihre Tat nicht als Mord, sondern als Mitleid.
(kreuz.net, New Orleans) Mehrere Mediziner im Katastrophengebiet von New Orleans töteten nach dem Hurrican die Leidenden und Sterbenden in den provisorischen Krankenhäusern. Dies berichtete die britische Wochenzeitung ‘Mail on Sunday’ in ihrer jüngsten Ausgabe.

New Orleans ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Louisiana im Süden des Landes. Die Stadt wurde vor zwei Wochen vom Hurrican ‘Katrina’ heimgesucht.

Mehrere Ärzte trafen die folgenschwere Entscheidung, sterbende Patienten mit einer Überdosis Morphium einzuschläfern.

Eine Ärztin aus New Orleans beschwichtigte im Gespräch mit ‘Mail on Sunday’, daß sie am Abend zu Gott um Verzeihung gefleht habe. Sie habe jegliche Grenze der medizinischen Ethik mißachtet und jene Menschen getötet, für deren Leben sie zuvor gekämpft habe.

Die britische Zeitung veröffentlichte keine Namen der Todesärzte. Im Bundesstaat Louisiana ist die Hilflosentötung unter Strafe verboten.

Die interviewte Ärztin erklärte, darüber im Unklaren zu sein, ob sie das Richtige getan habe. Doch ihr sei keine Zeit geblieben. Sie habe angesichts der schrecklichen Umstände spontan entschieden und getan, was sie für richtig gehalten habe.

„Ich spritzte den sterbenden Patienten Morphium. Wenn die erste Dosis nicht ausreichte, injizierte ich eine zweite. In der Nacht betete ich zu Gott, daß er mir gnädig sei.“

Die ungenannte Ärztin rechtfertigte ihre Injektionen mit Mitleid: „Die Patienten wären sowieso innerhalb von Stunden oder Tagen gestorben. Wir ermöglichten ihnen ein Sterben in Würde.“

Es sei ein Menschenrecht, „in Würde“ zu sterben, erklärte die Hilflosenmörderin.

Außenstehende könnten die Dramatik der Situation nicht verstehen: „Ich mußte Entscheidungen auf Leben und Tod im Bruchteil von Sekunden treffen.“ Das sei unerträglich gewesen.

Die Schilderungen der Ärztin wurden von einem Beamten bestätigt: „Jene, die nicht durchkommen würden, bekamen sehr viel Morphium und wurden zum Sterben an einen dunklen Ort gebracht.“
      
4 Lesermeinungen
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#4   athanasius1957   11:16:22 | Mittwoch, 21. September 2005
du sollst nicht töten
Spämann meinte einmal in seinem Büchlein „Töten oder sterben lassen“: Wer ein Tabu bricht, hat zumindest argumentativen Vorsprung.
Ich selbst bin Arzt und beschäftige mich seit langem mit Ethik in der Medizin.
Gerade die Verabreichung von Morphinen bzw. Morphiumderivaten bei Patienten im Endstadium ist im deutschsprachigen Raum durch die gnadenlose bzw. unseelige Zeit vor sechzig Jahren, Gott sei Dank, eher zurückhaltend bis restriktiv. Auch ist die Verschreibung in unserem Sprachraum extrem bürokratisch eingeengt sodaß viele Kollegen sich bei der Verschreibung scheuen.
Der angelsächsische aber auch skandinavische Raum kennt hier relativ geringe geistige Skrupel. Viele Kollegen und Kolleginnen haben auch Argumentationsprobleme, wenn sie diese Präparate verschreiben, weil sie nicht bei eventuellen Todesfällen wegen Kummulation der Nebenwirkungen in die Nähe der „Euthanasie“ gedrängt werden wollen. Jedoch schon Mitte 50 mahnt S.H. Papst Pius XII bei einem katholischen Ärztekongreß in Rom die Analgesie ein und stellt fest, daß es auf die primäre Intention -Schmerzfreiheit oder Tötung- ankommt. Es mache eben einen Unterschied, ob der Patient eine letale oder analgetisch wirksame Dosis erhalte. Wenn es jedoch durch die Kummulation der Dosis bei mehrfacher Gabe auch zur Kummulation der Nebenwirkungen wie eben der Atemlähmung käme, wäre dies keine Euthanasie.
Nur weil die Energieversorgung ausfällt, kann der Mensch den Menschen nicht entsorgen.
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#3   hcr   09:29:06 | Donnerstag, 15. September 2005
@_______
Wenn die Dämme erst einmal gebrochen sind, dann mögen Ärzte auch glauben, sie hätten das Recht, Leben zu nehmen.
In diesen beschriebenen Fällen scheint es doch eher darum zu gehen, dass Ärzte in einer Notsituation handeln mussten, da lebenserhaltende Medizintechnik aufgrund von Energieausfall nicht mehr zur Verfügung stand und in dieser Notsituation „aus der Hand“ dosieren mussten, was sich überaus schwierig gestaltet.
Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn den Ärzten das Morphium ausgegangen wäre und CNN die Schreie der Leidenden live in alle Welt übertragen hätte.
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#2   virOblationis   08:35:45 | Donnerstag, 15. September 2005
Sintflut
Wenn die Dämme erst einmal gebrochen sind, dann mögen Ärzte auch glauben, sie hätten das Recht, Leben zu nehmen.
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#1   Yersinia   20:55:26 | Mittwoch, 14. September 2005
„Außenstehende könnten die Dramatik der Situation nicht verstehen“
„„Ich mußte Entscheidungen auf Leben und Tod im Bruchteil von Sekunden treffen.“ Das sei unerträglich gewesen.“ – wenn man selber nicht in solch einer Situation ist, ist es leicht, zu verurteilen.
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