11:29:17 | Dienstag, 13. September 2005
Der Kampf um die Marienkirche in Bochum ist voll entbrannt. Der Widerstand der Bevölkerung gegen den vom katholischen Klerus gewollten Abbruch des Gotteshauses wächst zusehens.
(kreuz.net, Bochum) Am letzten Samstag hat der ‘Förderverein Pro Marienkirche Bochum-Mitte’ zum ersten
Mal in der Fußgängerzone nahe der bedrohten Marienkirche einen Informationsstand mit einer Unterschriftenaktion
durchgeführt.
Das Ziel: Die Aufnahme der Marienkirche in die Liste der Denkmäler der Stadt Bochum.
Aktueller Anlaß für die Aktion war die umstrittene
Entfernung der Schutzverglasung der Chorfenster
der Kirche, um das Gebäude dem Verfall preiszugeben.
Die Zerstörung des Kirchengebäudes ist die erklärte
Absicht des verantwortlichen Propstes Hermann-Joseph Bittern, der in der von ihm bedrohten Marienkirche
getauft wurde.
Der Informationsstand wurde mit sehr großem Zuspruch angenommen. Innerhalb von nur sechs
Stunden wurde von den Bochumern ungefähr 600 Unterschriften gesammelt.
Auch viele Muslime zeigten sich
interessiert und unterschrieben bereitwillig. Diese Kirche gehöre zu Bochum, erklärte einer von ihnen.
Eine vergleichbare mutwillige Zerstörung einer Moschee durch Vertreter des muslimischen Klerus wäre
absolut undenkbar.
Andere Bürger zeigten sich erschüttert und wollten es zunächst nicht für wahr
halten, daß die Marienkirche vom eigenen Klerus bedroht wird.
Passanten gingen spontan um die Ecke zur
Kirche, um sich das Gebäude im Original anzuschauen.
In der Presse sei ja schon einiges gestanden, aber
die Hintergründe – über welche der Förderverein mit einer Stellwand informierte – seien bislang nicht
durchsichtig gewesen.
Es gab viele sehr positive Reaktionen und Anregungen und immer wieder die Ermutigung
an die Initiatoren: „Gut, daß Ihr dafür auf die Straße geht!“
Spontan meldeten sich beim Verein neue
Mitglieder, die sich mit Kraft und Entschlossenheit für die Rettung dieses bedeutenden Sakralbaus einsetzen
werden.
Prominentester Unterzeichner der Unterschriftenliste zur Eintragung der Marienkirche in die Denkmalliste,
war übrigens der CDU-Politiker Dr. Norbert Lammert.
Der Leiter des Stadtarchives Bochum gab seine Unterschrift
und zeigte sich über das Verhalten der Stadtkirche und des Bistums Essen ebenfalls entsetzt.
Die Stadt
Bochum habe bereits vor drei Jahren angefragt, das Stadtarchiv in die Marienkirche integrieren zu dürfen,
um das Bauwerk gut genutzt und ohne große räumliche Veränderungen zu erhalten.
Die Anfrage wurde von
kirchlichen Stellen abgelehnt.
„Es ist eindeutig, daß hier nur aus wirklicher Boshaftigkeit am Abriß
festgehalten wird“, erklärt der ‘Förderverein Pro Marienkirche’.
Erschütternd auch die Haltung des
Diözesanbischofs, Mons. Felix Genn, der sich in keinster Weise um jene Gläubigen kümmert, die versuchen,
das zu retten, was zu retten ist.
„Ansonsten sind Laien erwünscht – aber nicht, wenn man etwas retten
will“, so der Förderverein.
Auch der Apostolische Nuntius in Berlin, Erzbischof Erwin Ender, speiste
die Initiatoren mit einer ausweichenden und nichtssagenden Antwort ab.
Der ‘Förderverein Pro Marienkirche’
hat die Oberbürgermeisterin von Bochum, Dr. Ottilie Scholz, und alle Fraktionen aufgefordert, sofort
eine Schutzverglasung auf Kosten der Diözese Essen einbauen zu lassen. Durch deren Ausbau sei ein Rechtsverstoß
begangen worden.
Gegenwärtig besteht nämlich ein Moratorium, das den Ist-Zustand der Kirche von April
2005 dekretiert.
Doch die lokale Katholische Kirche setzt sich darüber mit einer schleichenden Zerstörung
des Gotteshauses hinweg.
Selbst die wertvollen Mosaiken im Turmnischenbereich der Kirche wurden von den
Wänden geschlagen und sind so fast vollkommen zerstört worden.
Alternativen zum Abbruch gibt es mehr
als genug.
Erst vergangene Woche präsentierte ein Bochumer Architekt einen sehr guten Umnutzungsvorschlag,
der auch finanziell tragfähig ist.
Was wenige wissen: Für die Umnutzung von Sakralbauten stehen EU-Mittel
in Höhe bis zu 80% der Kosten zur Verfügung.
Doch die Stadtkirche – vertreten durch Propst Hermann-Josef
Bittern – hat offensichtlich andere Pläne.
Der Propst ist erst von einer Kurmaßnahme wegen eines kleinen
Herzinfarktes nach Bochum zurückgekehrt. Als erste Amtshandlung hat er sich an den Fensterausbau gemacht.
Rückendeckung bekommt Propst Bittern vom Bischof von Essen. Beide fügen nach Ansicht des ‘Fördervereins’
dem Ansehen der katholischen Kirche einen unermeßlichen Schaden zu.
Der ‘Förderverein’ vermutet, daß
die Diözese an der Marienkirche ein Exempel statuieren will, um einen Präzedenzfall Marienkirche als
Vorbild für die Rettungen anderer bedrohter Kirchengebäude zu verhindern.
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