Kultur
Katholische Kunst?
Die einzige Pfarrei in Österreich, die der Gemeinschaft ‘Emmanuel’ anvertraut ist, versucht ihre Gläubigen durch moderne Darstellungen in die alte barocke Pfarrkirche zu locken. Der Pfarrer bezeichnet sich selber als Künstler. Bilder.
(kreuz.net, Graz) Das katholische Internet-Tagebuch ‘Cathcon’ veröffentlichte kürzlich unter dem Titel „Anbetung eines Totenkopfes“ Photos, die in der Kirche der Grazer Stadtpfarrei St. Andrä aufgenommen wurden.

Graz ist die Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark im Süden von Österreich. Der Bischof von Graz-Seckau ist Mons. Egon Kapellari (69).

Die Pfarrei rühmt sich, ein Zentrum moderner Kunst zu sein. Andere sprechen von Mißständen.

Der verantwortliche Priester, Hermann Glettler, bezeichnet sich selber als Künstler. In seiner Kirche dürfen regelmäßig Künstlerkollegen ihre Werke ausstellen. Der Priester, der zur Gemeinschaft ‘Emmanuel’ gehört, ist seit 1999 in St. Andrä tätig.

Die Gemeinschaft ‘Emmanuel’ entstand 1976 aus einer Gebetsgruppe der Charismatischen Erneuerung, die 1972 von Pierre Goursat und Martine Laffitte-Catta in Paris gegründet wurde.

Die Mitglieder der Gemeinschaft wollen in einem Geist der Anbetung, der Barmherzigkeit und der Evangelisierung leben.

Nach Angaben der Gemeinschaft ist St. Andrä die einzige österreichische Pfarrei, die ‘Emmanuel’ anvertraut ist.

Die Pfarrkirche befindet sich mitten im Grazer Stadtbezirk Gries.

Das Pfarreigebiet gilt als schwierig. Es deckt das Grazer Rotlichtmilieu ab. Der Ausländeranteil in der Bevölkerung ist verhältnismäßig hoch. Eine starke muslimische Bevölkerungsgruppe prägt das Straßenbild. In den Grundschulen im Pfarrgebiet gehören mehr als die Hälfte der Schüler dem Islam an.

Das obenstehende Bild zeigt die diesjährige Karfreitagsliturgie. Von einer Leinwand, die vor dem Hochaltar aufgespannt ist, blickt ein Totenkopf Richtung Kirchenschiff. Die Gläubigen erhielten 3D Brillen, um weitere Projektionen auf der Leinwand zu betrachten.

Unter anderem wurden im Laufe der Karfreitagsliturgie ein Mann und eine Frau – beide nackt und Rücken an Rücken stehend – auf die Hochaltar-Leinwand projiziert. Sie hielten ihre Arme waagrecht, um an die Körperhaltung der Kreuzigung zu erinnern.

Während der vergangenen Fastenzeit ließ der Pfarrer am Hochaltar ein sogenanntes ‘Fastentuch’ anbringen (siehe Bild).

Dazu der Pfarrer: „Das mit zwei dünnen, beinahe unsichtbaren Stahlseilen von der Decke des Altarraumes abgehängte Fastentuch ist knapp 4 x 5 Meter groß und besteht aus 25 Holzrahmen, die mit originalen militärischen Tarnstoffen bespannt sind. 14 verschiedene Nationen sind mit ihren typischen Camouflagemustern vertreten. Alle zusammen ergeben ein harmonisches Bild, das in ästhetischer Übereinstimmung mit dem barocken Hochaltar der Kirche alle Funktionen eines Fastentuches erfüllt.“

Die Werktagsmessen zelebriert der Priester in einer kleinen Nebenkapelle.

Den Altar der Kapelle bezeichnet ‘Cathcon’ als den „entsetzlichsten der Welt“:

„Jeder, der einen schlimmeren Altar findet, der noch ungeeigneter ist, um das heilige Meßopfer darzubringen, ist herzlich eingeladen, mir ein Bild zu senden.“

Liturgische Barockgewänder sind an der Wand der Werktagskapelle hinter Glas ausgestellt.

„Das denkt sich der Pfarrer offensichtlich über die Symbole seines Priestertums“, kommentiert ‘cathcon’: „Sie werden zur Schau gestellt, aber nicht länger verwendet.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   Athanasius   20:42:03 | Mittwoch, 14. September 2005
@a-man
Ich spreche der Pfarre auch nicht alles ab.
Übrigens finde ich es viel gefährlich wenn die Häresien des Modernismus, und des liturgischen Chaotismus, sowie des Charismatismus, vermischt werden mit authentisch katholischer Praxis. Obwohl die Sakramentsspendung von Priestern die dieser Gesinnung sind auch höchst zweifelhaft ist und der Einfluss des Emotionalismus nicht fern sein kann.
Glaubt ein Priester der auf ‘nem Metalltisch zelebriert wohl an die Reale Präsenz? Ist seine Zelebration, dabei im Auge genommen die protestantischen Wurzeln des Charismatismus sowie des Neuen Messbuches (Novus Ordo Missae), wohl eine gültig katholische?
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#8   a-man   20:35:40 | Mittwoch, 14. September 2005
man sollte St. Andrä selbst einmal besuchen
Ich persönlich bin auch nicht so begeistert von den „Ausstllungen“ in der Kirche, aber in St. Andrä gibt es auch viel Gutes. Z.B. gibt es in der Kapelle mit dem tatsächlich grauenhaften Altar täglich 10 Stunden Anbetung vor dem Allerheiligsten. Regelmäßige Beichtzeiten sucht man in den meisten Pfarren auch vergeblich, St. Andrä hats.
Ich finde es einfach der Pfarre und dem Pfarrer gegenüber ungerecht, ihn und das Pfarrleben so darzustellen.
mfg, a-man
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#7   Athanasius   18:00:57 | Mittwoch, 14. September 2005

Typisch: es leben die emotionalistischen Charismatiker.
Die ‘Emmanuel’-Gemeinschaft ist eine charismatische Gemeinschaft versammelter ‘Zungensprecher’ die die vom hl. Paulus verurteilte Glossalie betreiben, ein Relikt emotionalen Heidentums (Delphi, aber auch Voodoo-Rituale).
Das Sprechen in Zungen, in linguis, ist das Verstehen und Reden von Fremdsprachen zur Prophetie, vor allem aber zur Verkündigung des Glaubens in aller Welt. Der hl. Pater Pio besitzte die Gabe im Beichtstuhl auch. Er verstand da Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Niederländisch, sogar Polnisch. (Obwohl er Karol Wojtyla ziemlich hart und attackierend zusprach als der junge polnische Kaplan und Schauspieler zu ihm kam. Die meisten polnischen Kleriker durften ja seitens der Kommunisten gar nicht über den eisernen Vorhang reisen…)
Aber das „Neue Pfingsten“ der Konzilskirche sieht so aus. Metalltisch als Mahltisch, der Schädel vor dem Kreuz statt drunten, und die römischen Kaseln Padre Pios hinter Glas gedrückt und als altmodisch aufgehangen.
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#6   Leopold   17:16:47 | Mittwoch, 14. September 2005
Danke für den guten Bericht.
Ich denke, dass diese Kunst sehr viel zur Vermittlung der Ehrfurcht beiträgt.
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#5   Benedikt   15:29:33 | Mittwoch, 14. September 2005
Meine Güte…
…ich begreife nicht, was mit solchen Theatervorführungen bezweckt werden soll. Warum zelebriert der Priester nicht einfach eine Messe, wie das die meisten anderen auch tun? Ohne Leinwände, Projektoren, seltsame Kunstprojekte. Das kann doch nicht so schwer sein.
@ Sulpicius: Denkmalschutz greift hier nicht, weil es sich nicht um etwas dauerhaft befestigtes handelt. Lediglich bei dem „Altar“ in der Seitenkapelle könnte etwas faul sein, wenn dafür ein anderer künstlerisch wertvoller entfernt wurde.
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#4   Sulpicius   15:23:47 | Mittwoch, 14. September 2005
Meines Erachtens…
wird die Barockkirche kulturgeschändet! Wo ist der Denkmalschutz?
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#3   Evelin   15:20:56 | Mittwoch, 14. September 2005
Wer irgendwelche Filme ansehen möchte,
der soll ins Kino etc. gehen.
Liturgie ist Liturgie und Kino ist Kino.
Die Vorführungen in der besagten Kirche in Saarbrücken sind ekelhaft.
Die Bilder des Herrn Pfarrer Glettler geschmacklos. Mag er begabt sein, ein ästhetisches Empfinden geschweige denn liturgisches Empfinden hat er nicht.
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#2   mrnka   15:05:01 | Mittwoch, 14. September 2005
Kunst
Das sind Dinge, die man mit einem klinischen Interesse sehen sollte. Der Priester dieser Kirche ist offenbar krank. Es erinnert alles an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.
Das sind unübersehbare Dekadenzerscheinungen einer untergehenden Kultur und Zivilisation.
Aber man muß sich diesen krankhaften Auswüchsen nicht ausliefern: Es gibt noch die Kapellen der Tradtion.
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#1   splattergay †   14:02:20 | Mittwoch, 14. September 2005
Horrorfilme in der Kirche
In einer Kirche in Saarbrücken wurde auch schon mehrmals erotische u. Horrorfilme gezeigt. Der Pastor ist selbst ein Splatterfan. Wegen einem Film (Geisterstadt der Zombies) hatte er zwar Schwierigkeiten, weil er wegen § 131 StgB verboten ist (Gewaltverherrlichung) aber durch die Abtarnung des Titels in der Presse hat er ihn doch gezeigt. Wegen dem zeigen von 2 Schwulenfilmen gab es aber keine Proteste. Sehr gute Sache, finde ich.
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