17:53:00 | Samstag, 17. September 2005
Vor fast 50 Jahren nahm ein junger italienischer Taxifahrer in Assisi seine Arbeit auf. Bei seiner allerersten Fahrt transportierte er einen schwergewichtigen Gast. Erst jetzt wurden die Umstände dieser Taxireise bekannt.
(kreuz.net) Der Romkorrespondent der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, John Allen, hielt
sich Anfang September anläßlich eines
ökumenischen Kongresses in Assisi auf.
Assisi ist eine Stadt
im mittelitalienischen Umbrien in der Nähe der Regionalhauptstadt Perugia.
Um an den Tagungsort zu gelangen,
benützt Allen ein Taxi. Das gab ihm Gelegenheit, sich mit dem Fahrer – einem älteren Herrn – auszutauschen.
Der Taxifahrer stellte sich als ein entfernter Verwandter des italienischen Historikers Arnaldo Fortini
vor. Arnaldo Fortini ist mit einem Werk über das Leben des Heiligen Franz von Assisi und dessen Geburtsstadt
bekanntgeworden.
Der Taxifahrer – er heißt Bruno Fortini – arbeitet bereits im 47. Jahr in seinem Beruf.
Dem Journalisten des ‘National Catholic Reporter’ berichtete er über seinen allerersten Arbeitstag im
Jahr 1958. Sein erster Kunde sei ein ziemlich schwergewichtiger Bischof gewesen. Der Prälat war wegen
eines pastoralen Kongresses in einem örtlichen Gefängnis nach Assisi gereist.
Taxifahrer Fortini nahm
den beleibten Bischof am Bahnhof in Empfang und sollte ihn zum Gefängnis bringen. Doch er hatte Mühe,
den Weg zu finden. Denn dieser zählte nicht zu den üblichen Touristenwegen, die ihm zuvor erklärt worden
waren.
Der schwergewichtige Bischof schien die Schwierigkeiten seines Taxifahrers zu bemerken: „Mein
Sohn, seit wann fahren Sie Taxi?“, fragte er seinen Chauffeur ein wenig scherzhaft.
„Exzellenz, das ist
mein erster Tag und Sie sind mein erster Kunde“, antwortete Fortini:
„Ich stamme aus einer armen Familie.
Ich saß zum ersten Mal am Steuer eines Fahrzeuges, als ich die Ausbildung für diesen Beruf begann. Außerdem
habe ich meine Fahrstunden in einem wesentlich kleineren Wagen absolviert. Bitte, vergeben Sie mir.“
Der Bischof lächelte. Er sagte: „Seien Sie unbesorgt. Der Kongreß wird nicht ohne mich beginnen.“
Fortini
setzte seine Fahrt durch die schmalen Gassen von Assisi fort. Schließlich mußte er kapitulieren. Sein
Wagen war zu breit, um bis zum Gefängnis zu gelangen.
Darum war der Taxifahrer gezwungen, den Wagen
anzuhalten und den beleibten Bischof bei den letzten hundert Metern zu Fuß bergauf zur Strafanstalt zu
begleiten.
Der übergewichtige Prälat erreichte sein Ziel keuchend und schwitzend. Doch zum Glück verging
ihm dabei die gute Laune nicht. Er bezahlte den Fahrpreis und wollte das Gebäude betreten. Dann drehte
er sich noch einmal um:
„Nachdem Sie diese Arbeit gerade erst begonnen haben, denke ich, daß Sie einen
besonderen Segen brauchen.“ Er legte seine Hände auf den Kopf des Taxifahrers.
„Sie fühlten sich an
wie eine Schinkenhachse“, erinnerte sich Fortini nach 47 Jahren: „Wurstfinger.“
Der Bischof entnahm seiner
Tasche als Abschiedsgeschenk ein kleines Metallkreuz. Fortini besitzt es immer noch. Es liegt auf dem
Armaturenbrett seines Wagens.
Das geschah im Mai des Jahres 1958. Im Oktober desselben Jahres wurde der
dicke Bischof als Johannes XXIII. zum Papst gewählt. Fortini hatte nicht bemerkt, daß sein Fahrgast
nicht nur ein Bischof, sondern sogar ein Kardinal – der Patriarch von Venedig – gewesen war.
Fortini
ist überzeugt, daß der Segen des Seligen seine Arbeit als Taxifahrer in all diesen Jahren begleitet
hat. In den 47 Jahren seiner Arbeit habe er nie einen Unfall gehabt:
„Sie können mir nicht erzählen,
daß das ein purer Zufall sei.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#28
Stimme aus Wien 20:38:49 | Montag, 19. September 2005
#25
Stimme aus Wien 17:26:17 | Montag, 19. September 2005
#22
Stimme aus Wien 15:54:38 | Montag, 19. September 2005
#20
Stimme aus Wien 15:22:24 | Montag, 19. September 2005
#19
Chris 22:05:25 | Sonntag, 18. September 2005
#18
Marcel 17:47:09 | Sonntag, 18. September 2005
#17
Catholicus 16:09:40 | Sonntag, 18. September 2005
#16
Marcel 15:16:41 | Sonntag, 18. September 2005
#15
Yersinia 13:53:13 | Sonntag, 18. September 2005
#14
Catholicus 13:36:27 | Sonntag, 18. September 2005
#13
Evelin 12:12:11 | Sonntag, 18. September 2005
#12
Athanasius 01:38:31 | Sonntag, 18. September 2005
#11
Catholicus 23:09:36 | Samstag, 17. September 2005
#10
Beatrix 22:30:35 | Samstag, 17. September 2005
#9
Chris 22:24:51 | Samstag, 17. September 2005
#8
Evelin 21:50:21 | Samstag, 17. September 2005
#7
Gotthard 20:39:20 | Samstag, 17. September 2005
#6
Irenäus 20:31:32 | Samstag, 17. September 2005
#5
Gotthard 20:23:46 | Samstag, 17. September 2005
#3
Didimus 19:28:39 | Samstag, 17. September 2005
#2
Beatrix 19:27:28 | Samstag, 17. September 2005
#1
Benedikt 19:16:16 | Samstag, 17. September 2005