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Montag, 19. September 2005 12:23
„Wie falsch das ist!“
In der Sonntagspredigt vom 14. August hielt Mons. Thomas J. Gumbleton (75) – Weihbischof der Erzdiözese Detroit – in seiner Pfarrei ein leidenschaftliches Plädoyer für das Frauenpriestertum und die Anerkennung des Homo-Lebensstils. Ein Auszug.
Weihbischof Mons. Thomas Gumbleton
Weihbischof Mons. Thomas Gumbleton
(kreuz.net) Gegenwärtig erleben wir in der Kirche eine furchtbare Krise. Sie wissen vielleicht, daß unsere Pfarrei in Gefahr ist, Ende Jahr zugesperrt zu werden.

Ich glaube zwar nicht, daß das geschehen wird – darum keine Sorge! – aber es könnte so sein.

Mit Sicherheit werden viele Pfarreien geschlossen werden.

Warum?

Nicht, weil das Geld fehlt. Ein Grund besteht darin, daß es nicht genügend geweihte Priester gibt. Das ist die Ursache, warum wir uns keine kleinen Pfarreien mehr leisten können.

Doch es gibt in der Kirche Menschen – Frauen, die sagen: „Ich habe eine Berufung! Ich bin von Gott berufen!“ Sie besitzen das Talent, die Ausbildung und die Fähigkeit zu wirken.

Doch wir leben in einer Kirche – oder in einem Teil der Kirche – die es ablehnt, offen zu sein und auf die Frauen in unserer Mitte zu hören.

Wie falsch das ist! Wir bauen das, was eigentlich geändert werden könnte, auch noch ins Kirchenrecht ein. Ein Grund, warum man nicht auf die Frauen hört, ist, weil keine Frau in der Kirche ein Amt ausübt.

Die einzige Ursache, warum keine Frau in der Kirche ein Amt ausüben oder warum keine Frau Kardinal werden kann, zum Beispiel um mitzuhelfen, den Papst zu wählen, ist, weil wir Gesetze aufgestellt haben – in der Kirche haben Männer die Gesetze gemacht – die das verunmöglichen.

Das Gesetz – das Kanonische Recht der Kirche – sagt: „Nur eine geweihte Person kann ein Amt übernehmen.“ Dann verkünden wir, daß nur Männer geweiht werden können. Folglich dürfen nur Männer Ämter wahrnehmen.

Wie falsch das ist!

Wir wollen als Kirche nicht zuhören. Besonders die Kirchenleitung – aber vielleicht auch einige von uns – sind nicht dafür, daß eine Frau unsere Pfarrei führt.

Doch wenn wir mehr wie Jesus sein könnten, würden wir zuhören. Wir wären bereit, uns ändern zu lassen, einige unserer Vorurteile niederzureißen, einige unserer parteiischen Ansichten zu ändern, die uns während vieler Jahre eingeflößt wurden und die aus der Kultur stammen, deren Teil wir sind.

Wenn wir mehr wie Jesus wären, könnten wir mit unserer eigenen menschlichen Natur in Kontakt treten – so wie Jesus, der die kanaanäische Frau zuerst wegschickte, doch dann bereit war zuzuhören. Dann könnten wir bekehrt werden.

Es gibt weitere Bereiche, wo wir aufeinander hören müssen, um eine offenere, umfassendere und aufnahmebereitere Gemeinschaft von Jüngern zu werden – jeder einzelne von uns, aber auch alle von uns als Gemeinschaft.

Ein Grund, warum unsere Kirche die Stadt Detroit verläßt – unsere Erzdiözese schließt städtische Pfarreien und Schulen – besteht darin, daß unsere Kirche nicht wirklich für die Schwarzen offen war.

Wir besitzen unsere eigene Verbundenheit mit der westlich-europäischen Kultur, die sich in der Liturgie widerspiegelt.

Das ist der Grund, warum man dem Grand River entlang, von der Innenstadt bis zur Eight-Mile-Straße zig Orte findet, wo eine katholische Kirche geschlossen wurde, weil wir die Negerbevölkerung nicht in unsere Mitte aufgenommen haben.

Dafür werden dem Grand River entlang große baptistische Kirchen eröffnet.

Das könnte anders sein, wenn wir als Kirche schon lange, aber auch jetzt noch, unsere Vorurteile aufgeben hätten und nicht weiterhin denken, daß der europäische Weg, der westliche Weg, der einzige ist – jener Weg, den wir im religiösen und kulturellen Ausdruck unseres Glaubens beschritten haben.

Es ist nicht zu spät, die Dinge anders zu machen. Darum müssen wir uns immer noch ändern und sicherstellen, daß wir wenigstens hier in der Pfarrei St. Leo weiterfahren, unseren Gottesdienst in den Formen der Kultur des Umfeldes, in der wir leben, auszudrücken.

Wir müssen alle dafür offen sein und beitragen, daß dies geschieht.

Ein anderes sichtbares Beispiel, wo es von uns als Einzelpersonen aber auch als Kirche häufig keine Offenheit gibt, sind die Homosexuellen in unserer Mitte.

Sogar in unseren Familien werden wir erzogen, die Homosexuellen abzulehnen. Wir müssen ihnen zuhören, ihre Erfahrung verstehen und wieder bereit sein, uns zu ändern und bekehrt zu werden.

Ich bin mir sicher, daß jeder von uns, wenn er sich Zeit nimmt nachzudenken, wie er anderen besser zuhören, die Dinge anders machen, anders denken oder anders auf die Dinge blicken könnte – ich bin mir sicher, daß jeder von uns dann Wege fände, sich zu ändern.

Ich hoffe, daß wir das heute tun, da wir gerade über diese Bibelstellen nachdenken und über Jesus, der einer von uns war – wie wir in jeder Beziehung. Ich hoffe, daß wir mehr wie er in seiner Menschheit sein können, so daß wir langsam mehr von den Eigenschaften seines göttlichen Seins annehmen.

Wenn wir nachdenken und darüber beten, wird das mit Sicherheit geschehen. Dann können sich auch Wunder ereignen.

Im heutigen Evangelium wurde die Tochter der Kanaanäerin geheilt.

So viele andere Dinge könnten geheilt werden. Wunderbare Änderungen könnten geschehen, die wie Wunder wären, wenn sich jeder von uns eifriger und mit größere Entschlossenheit bemühen würde, auf den Mitmenschen Jesus zu schauen, um ihn nachzuahmen. Das würde uns erlauben, in Weisheit, Alter und Gnade zu wachsen, so wie er es getan hat.

Große Wunder werden sich ereignen, wenn wir das geschehen lassen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Mons. Thomas J. Gumbleton ist Weihbischof der Erzdiözese Detroit und Pfarrer in der Pfarrei St. Leo in Detroit. Detroit befindet sich im US-Bundesstaat Michigan im Nordosten der USA.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 21 Lesermeinungen:
Mittwoch, 21. September 2005 11:11
Benedikt: @ Frl. Ilse
Es ist mir neu, dass der Beruf, z. B. eines Arztes, der Selbstverwirklichung dient

Mir ist das dagegen gar nicht neu. Die Schlachten um Chefarztposten sprechen für sich.

Dezernatsleiterinnen und Fachreferentinnen sind gut und schön, aber trotzdem nicht die Entscheidungs- und Machtebene

Offenbar wissen Sie nicht, was Dezernate sind. Das ist die oberste Verwaltungsebene eines Bistums nach dem Generalvikar, in der Politk vergleichbar einem Staatssekretär od. gar Minister.

Sie koppeln dauernd das Priestertum von seiner sakramentalen Bedeutung ab und reduzieren es auf einen Entscheidungsträger. Das ist aber nicht zielführend da verkürzt dargestellt. Ein Priester hat per se keine Macht. Ein Pfarrer hat welche, weil er auch ein Amt innehat. Diese Macht hat er nur in der Pfarrei. Wenn die benachbarte Pfarrei von einer Gemeindeleiterin geführt wird und der Pfarrer dort bloß aushilft, so kann er dort NICHTS bestimmen! Und wenn er hundertmal Priester ist! In solchen Gemeinden ist der Pfarrer bloß Sakramentenspender. Macht ist was anderes. Wer Macht haben will ist beim Priestertum an der falschen Adresse.
Dienstag, 20. September 2005 22:06
Niedermünster: Bischof ist grossartig
Ich finde die Aussagen des Bischofs grossartig. Wir bemerken dadurch wieder einmal, dass in der Kirche so alles ziemlich kaputt ist. Es ist Zeit seine Illusionen zu begraben, auch Benedikt XVI. wird uns enttäuschen, er kann die Zeit nicht 40 Jahre zurückdrehen, auch wenn er das wollte.
Noch ein positives Wort: Der Weihbischof scheint wenigstens ein netter verständnisvoller Mensch zu sein und kein so Kühlschrank wie Gerhard Ludwig Müllervon Regensburg. Übrigens: In der Diözese Detroit gibt es die Indultmesse! Man bringt in Detroit also wenigstens den Respekt den man Schwulen zollt auch den Tradis entgegen. In Deutschland ist die Würde eines Tradis noch unter der Würde eines Homosexuellen angesiedelt.
Dienstag, 20. September 2005 18:26
Frl.Ilse: @Benedikt
Es ist mir neu, dass der Beruf, z. B. eines Arztes, der Selbstverwirklichung dient. Es ist genauso eine Berufung wie der Priesterberuf auch, sonst würde man vieles, was mit diesem und anderen Berufen verbunden ist, nicht auf sich nehmen. Aber es wäre interessant, den Begriff Selbstverwirklichung zu hinterfragen. Er klingt leicht negativ im Gebrauch, aber das ist er ja gar nicht. Selbstverwirlichung heißt ja, das zu tun, was in einem angelegt ist, was einem entspricht. Das ist für den einen der Priesterberuf, für den anderen der des Arztes oder des Fliesenlegers. Wenn diese sich in ihren Berufen verwirklichen, dann tun sie ihre Arbeit mir Überzeugung, Interesse, Sorgfalt und fühlen sich dabei wohl und nicht unterdrückt oder gelangweilt.
Ich kann die Argumentation gegen das Frauenpriestertum beim besten Willen nicht nachvollziehen, sondern fühle mich als Frau für dumm verkauft und als minderwertig behandelt. Das dürfte vielen Frauen so gehen.
Dezernatsleiterinnen und Fachreferentinnen sind gut und schön, aber trotzdem nicht die Entscheidungs- und Machtebene. Und sie haben, im Unterschied zu allen anderen Institutionen in diesem Land, auch nicht Möglichkeit, diese Ebene jemals zun erreichen – nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern rein aufgrund es Geschlechts. Das nennt man andernorts Diskriminierung.
Dienstag, 20. September 2005 16:22
Benedikt: @ Frl. Ilse
Wenn Sie mit mir diskutieren wollen, dann erwarte ich, dass die meine Beiträge auch lesen. Ich schrieb klar und deutlich, dass es Frauen gibt, die als Gemeindeleiterinnen fungieren. Das ist etwas anderes, als bloß mit Kindern Liedchen einzuüben. Wer sich hierfür zu fein ist, ist übrigens als Gemeindeleiterin nicht geeignet.

Zudem gibt es Frauen, die in den diözesanen Leitungsgremien sitzen. Die Religionssoziologin Enrica Rosanna ist Untersekretärin der Ordenskongregation

Im Bistum Mainz gibt es ganz selbstverständlich eine Frau als Dezernatsleiterin im Bischöflichen Ordinariat. Klicken Sie sich durch die Organigramme der Diözesen, da werden sie noch mehr Frauen finden.

Sie haben ein völlig profanes Bild dessen, was den Priesterberuf ausmacht. Zudem ist ihr Argument „unhistorisch“ Unsinn, in der Bibel steht nichts von Frauen im Abendmahlssaal dagegen aber, dass der Hl. Geist auf die Jünger kam. Das Priesteramt und seine Weitergabe hat sich seit Anfang immer auf Männer beschränkt.
Es wird auch nirgends behauptet, dass der Priester ein besserer Christ sei usw.

Zudem verweise ich darauf, dass der Priesterberuf nicht wie der Ärzteberuf oä zur Selbstverwirklichung, sondern zu Subordination da ist. Katholische Feministinnen sind daher schon von ihrer Forderung nach der Frauenordination abgerückt. Wer sich bloß selber verwirklichen will, der ist im Priesteramt falsch.
Dienstag, 20. September 2005 15:53
Frl.Ilse: @Benedikt
Ja, Pastoralreferentinnen gibt es, die mit den Kinderchen zur Gitarre Erntedank-Lieder üben dürfen.
Aber Frauen, die an Positionen sitzen, wo Entscheidungen getroffen werden, die Macht ausüben können – davor hat der Männerbund katholische Kirche noch immer Angst.
Was unterscheidet einen Priester von einem normalen Christen? Er hat Theologie studiert – das können andere, sogar Frauen. Er hat sich für einen Beruf entschieden, der ihm gewisse Vorgaben für seine Lebensführung macht – auch das können Frauen, auch das bieten andere Berufe. Er hat ein besonderes Versprechen, ein Gelübde abgelegt, das ihn verpflichet. Genauso wie Ärzte oder Polizisten. Warum sollte ein Priester eine Art höherer oder besserer Christ sein? Wir sind alle gleich vor Christus, und deshalb sind Frauen genauso fähig und begabt Priester zu werden. Auch sie können das Evangelium im vollem Umfang verkünden. Nur werden sie mit Argumenten, die vorne und hinten schief und unhistorisch sind, von dem Priesterberuf ferngehalten. In diesem Punkt ist die protestantische Haltung völlig richtig. Ich hoffe, die katholische Kirche braucht nicht wieder ein halbes Jarhtausend, um dahin zu kommen
Dienstag, 20. September 2005 15:19
Benedikt: @ Gotthard: irrelevant
Möglicherweise hatte er auch buschige Augenbrauen, aber das ist nun wirklich kein relevantes Kriterium für den Priesterberuf. Schon der Apostel Paulus war bekanntlich Römer!

Wie Sie rein körperliche Merkmale mit Geschlechtern gleichsetzen können, ist mir rätselhaft. Sind Sie ein Anhänger dieser Gender-Theorie, welche sogar von den meisten Feministinnen abgelehnt wird?
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