17:04:53 | Sonntag, 6. November 2005
Die ersten Gegner der Liturgiereform der späten Sechziger Jahre waren und sind die Künstler. Warum das so ist, erklärt ein bekannter deutscher Philosoph. Von Professor Robert Spaemann, München.
(kreuz.net/
Sinfonia Sacra) Was uns auf eine begrifflich unaussprechliche Weise von innen anzieht, nennen
wir das Schöne.
Die heilige Messe oder „göttliche Liturgie“, wie die Ostkirche sagt, ist – gerade weil
sie Anbetung und Opfer, also ganz dem Vater zugewandt ist – der Ort einer himmlischen Schönheit.
In
Europa war sie über tausend Jahre lang die Mitte aller Künste. Weil sie gewissermaßen der Prototyp
des Kunstwerks ist, darf es in ihr nichts Beliebiges geben.
Jedes Detail ist wichtig.
Deshalb hat die
Messe immer wieder große Dichter und Musiker inspiriert. Deshalb sind es gerade Künstler, welche die
Liturgiereform der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil weitgehend für mißglückt
halten – schon deshalb, weil mit ihr die Beliebigkeit und damit die Banalität in die Liturgie eingezogen
ist.
Unsere Spontaneität ist nicht – wie die der ersten Christengenerationen – so von einem „Leben im
Geist“ durchformt, daß Priester oder Liturgieausschüsse spontan formulieren können, wozu jeder andere
Christ „Amen“ sagen kann.
Beliebigkeit ist das Gegenteil von der jedem Kunstwerk innewohnenden Gesetzmäßigkeit.
Erst als Konsequenz jener Gesetzmäßigkeit wird die geheime Anziehungskraft des Schönen erspürt. Wenn
man beginnt, die Liturgie unter dem Gesichtspunkt des Abwechselnden, des Neuen und Interessanten zu „gestalten“,
dann wird sie unvermeidlich langweilig werden.
Eine solche Erwartungshaltung kann am Ende doch nur enttäuscht
werden. So interessant kann es in der Messe auch auf Dauer gar nicht sein.
In einer Welt sich jagender
Informationen und permanenter Berieselung durch Worte wird dagegen eine Feier der Anbetung, des Opfers
und des Mahles in immer gleicher sakraler Form von Jahr zu Jahr faszinierender.
Es wird heute oft geklagt
über den Verlust des Zusammenhangs von Glaube, Kirche und Kultur.
Dieser Zusammenhang wird nicht durch
Tagungen und Veranstaltungen wiederhergestellt, sondern dadurch, daß dasjenige in seiner Strahlkraft
wiederhergestellt wird, was die Mitte jeder christlichen Kultur bildet: der christliche Kult.
Auszug
aus einem Essay –„Was heißt Fortschritt?“ –, den Robert Spaemann in Heft 2 der Schriftenreihe der Christkönigsjugend
veröffentlicht hat.
Der in Berlin geborene Robert Spaemann (78) war bis zu seiner Emeritierung im Jahre
1992 ordentlicher Professor für Philosophie an den Universitäten von Stuttgart, Heidelberg und München.
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Bernado 11:50:08 | Montag, 7. November 2005
#13
Rudolphus 11:42:33 | Montag, 7. November 2005
#12
Evelin 11:39:01 | Montag, 7. November 2005
#11
Bernado 23:40:27 | Sonntag, 6. November 2005
#10
Der Tradition verbunden 23:39:48 | Sonntag, 6. November 2005
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Isidorus Hispalensis 23:39:33 | Sonntag, 6. November 2005
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Benedikt 23:05:52 | Sonntag, 6. November 2005
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