„Die Heilige Messe ist der Prototyp des Kunstwerkes“
Die ersten Gegner der Liturgiereform der späten Sechziger Jahre waren und sind die Künstler. Warum das so ist, erklärt ein bekannter deutscher Philosoph. Von Professor Robert Spaemann, München.

Die heilige Messe oder „göttliche Liturgie“, wie die Ostkirche sagt, ist – gerade weil sie Anbetung und Opfer, also ganz dem Vater zugewandt ist – der Ort einer himmlischen Schönheit.
In Europa war sie über tausend Jahre lang die Mitte aller Künste. Weil sie gewissermaßen der Prototyp des Kunstwerks ist, darf es in ihr nichts Beliebiges geben.
Jedes Detail ist wichtig.
Deshalb hat die Messe immer wieder große Dichter und Musiker inspiriert. Deshalb sind es gerade Künstler, welche die Liturgiereform der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil weitgehend für mißglückt halten – schon deshalb, weil mit ihr die Beliebigkeit und damit die Banalität in die Liturgie eingezogen ist.
Unsere Spontaneität ist nicht – wie die der ersten Christengenerationen – so von einem „Leben im Geist“ durchformt, daß Priester oder Liturgieausschüsse spontan formulieren können, wozu jeder andere Christ „Amen“ sagen kann.
Beliebigkeit ist das Gegenteil von der jedem Kunstwerk innewohnenden Gesetzmäßigkeit.
Erst als Konsequenz jener Gesetzmäßigkeit wird die geheime Anziehungskraft des Schönen erspürt. Wenn man beginnt, die Liturgie unter dem Gesichtspunkt des Abwechselnden, des Neuen und Interessanten zu „gestalten“, dann wird sie unvermeidlich langweilig werden.
Eine solche Erwartungshaltung kann am Ende doch nur enttäuscht werden. So interessant kann es in der Messe auch auf Dauer gar nicht sein.
In einer Welt sich jagender Informationen und permanenter Berieselung durch Worte wird dagegen eine Feier der Anbetung, des Opfers und des Mahles in immer gleicher sakraler Form von Jahr zu Jahr faszinierender.
Es wird heute oft geklagt über den Verlust des Zusammenhangs von Glaube, Kirche und Kultur.
Dieser Zusammenhang wird nicht durch Tagungen und Veranstaltungen wiederhergestellt, sondern dadurch, daß dasjenige in seiner Strahlkraft wiederhergestellt wird, was die Mitte jeder christlichen Kultur bildet: der christliche Kult.
Auszug aus einem Essay –„Was heißt Fortschritt?“ –, den Robert Spaemann in Heft 2 der Schriftenreihe der Christkönigsjugend veröffentlicht hat.
Der in Berlin geborene Robert Spaemann (78) war bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1992 ordentlicher Professor für Philosophie an den Universitäten von Stuttgart, Heidelberg und München.
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Montag, 7. November 2005 11:50
Bernado: @Rudolphus: Alexander VI. und Paul VI.
Nun – zumindest Alexander VI ist als einer der ganz großen Förderer der Künste in die Geschichte eingegangen
.
Montag, 7. November 2005 11:42
Rudolphus: Alexander VI. und Paul VI.
Zu diesen Päpsten würde ich Paul VI. rechnen.
Eine Geißel Gottes! Der Kultur- und Kirchenzerstörer.
Gott sei seiner Seele gnädig!
Eine Geißel Gottes! Der Kultur- und Kirchenzerstörer.
Gott sei seiner Seele gnädig!
Montag, 7. November 2005 11:39
Evelin: Bischofssynode von 1967
Bei dieser wurde von Bischof Archibale Bugnini die neue Messe vorgestellt. Die große Mehrheit der Bischöfe
war entsetzt. Einige äußerten grundsätzliche Ablehnung, andere verbanden eine vorsichtig zustimmende
Äusserung mit massiven Vorbehalten im Detail. Obwohl insgesamt 2/3 der anwesenden Bischöfe (einige von
Ihnen waren unter Johannes XXIII. und Paul VI. Bischöfe geworden) gegen den NOM in der vorgestellten
Form waren, wurde zwei Jahre später der NOM 1:1 in der Form von 1967 approbiert.
Dass nur ein Bischof gegen den NOM gewesen wäre, ist also unrichtig. Richtig ist es hingegen, dass der NOM gegen die Mehrheit der Bischöfe oktroyiert wurde. Verantwortlich dafür: Papst Paul der Schlechte, gemeinhin der VI. genannt.
Der Gatte der Evelin
Dass nur ein Bischof gegen den NOM gewesen wäre, ist also unrichtig. Richtig ist es hingegen, dass der NOM gegen die Mehrheit der Bischöfe oktroyiert wurde. Verantwortlich dafür: Papst Paul der Schlechte, gemeinhin der VI. genannt.
Der Gatte der Evelin
Sonntag, 6. November 2005 23:40
Bernado: @Gotthard: Zustimmung.
Sie schrieben:“EIN Bischof (Marcel) war verliebt in diese tradierte Liturgie und lehnte die Erneuerung
ab.“
Da möchte ich aber doch noch wenigstens einen anderen Bedenkenträger zitieren:„Denn nun mußte der Eindruck entstehen, Liturgie werde ‘gemacht’, sie sei nichts vorgegebenes, sondern etwas in unserer Entscheidung liegendes… Aber wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr,was ihre eigentliche Gabe sein sollte: Die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“
(Joseph Ratzinger, Aus meinem Leben)
Von den Kardinälen Scheffczyk und Stickler – um nur die deutschsprachigen anzuführen – gibt es noch kritischere Anmerkungen. Tatsächlich gibt es viele Beobachter, die in der Form, in der die Erneuerung praktisch umgesetzt wurde, die Hauptursache dafür sehen, daß heute über drei Viertel der nominell kath. Kirchgänger keinen Unterschied mehr zwischen dem katholischen und einem protestantischen Verständnis der Messe sehen und die Realpräsenz nicht mehr kennen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der reg. Kirchgänger auf unter 15% verringert.
Da möchte ich aber doch noch wenigstens einen anderen Bedenkenträger zitieren:„Denn nun mußte der Eindruck entstehen, Liturgie werde ‘gemacht’, sie sei nichts vorgegebenes, sondern etwas in unserer Entscheidung liegendes… Aber wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr,was ihre eigentliche Gabe sein sollte: Die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“
(Joseph Ratzinger, Aus meinem Leben)
Von den Kardinälen Scheffczyk und Stickler – um nur die deutschsprachigen anzuführen – gibt es noch kritischere Anmerkungen. Tatsächlich gibt es viele Beobachter, die in der Form, in der die Erneuerung praktisch umgesetzt wurde, die Hauptursache dafür sehen, daß heute über drei Viertel der nominell kath. Kirchgänger keinen Unterschied mehr zwischen dem katholischen und einem protestantischen Verständnis der Messe sehen und die Realpräsenz nicht mehr kennen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der reg. Kirchgänger auf unter 15% verringert.
Sonntag, 6. November 2005 23:39
Der Tradition verbunden: @Gotthard
Gotthard, wenn Du zu einer fairen Beurteilung der „alten“ und der neuen Messe kommen willst, empfehle
ich Dir, die liturgischen Texte (Orationen, Offertoriumstexte, Hochgebet, Karfreitagsfürbitten) von „alter“
und neuer Messe zu lesen und miteinander zu vergleichen insbes. hinsichtlich ihres theologischen Gehaltes
und ihrer Aussagekraft.
Im übrigen war es bei weitem nicht nur „ein“ Bischof, der gegen die Liturgiereform war. Im empfehle Dir z.B. die Lektüre der ‘Kurzen kritischen Untersuchung es neuen „Ordo missae“ ‘ von Kardinal Alfredo Ottaviani und Antonio Bacci von 1969. Zu erwähnen ist auch Bischof de Castro-Mayer, der in seiner Diözese (Campos, Braselien) noch Jahre nach der Reform die „alte“ Messe beibehielt. Die Meinungen unter den Bischöfen waren damals sehr gespalten und es war nicht nur eine „kleine Minderheit“, die gegen die Liturgiereform war bzw. ihr skeptisch gegenüberstand.
Ein weiteres Faktum, das zu denken geben sollte, ist, daß der Haupt-Archtitekt der Liturgiereform, Annibale Bugnini,wegen Zugehörigkeit zur Freimaurerei später nach Teheran vesetzt wurde.
Im übrigen war es bei weitem nicht nur „ein“ Bischof, der gegen die Liturgiereform war. Im empfehle Dir z.B. die Lektüre der ‘Kurzen kritischen Untersuchung es neuen „Ordo missae“ ‘ von Kardinal Alfredo Ottaviani und Antonio Bacci von 1969. Zu erwähnen ist auch Bischof de Castro-Mayer, der in seiner Diözese (Campos, Braselien) noch Jahre nach der Reform die „alte“ Messe beibehielt. Die Meinungen unter den Bischöfen waren damals sehr gespalten und es war nicht nur eine „kleine Minderheit“, die gegen die Liturgiereform war bzw. ihr skeptisch gegenüberstand.
Ein weiteres Faktum, das zu denken geben sollte, ist, daß der Haupt-Archtitekt der Liturgiereform, Annibale Bugnini,wegen Zugehörigkeit zur Freimaurerei später nach Teheran vesetzt wurde.
Sonntag, 6. November 2005 23:39
Isidorus Hispalensis: Messe als Kunstwerk
Ich persönlich finde den Aspekt der Liturgie als Kunstwerk auch sehr wichtig, da beide Bereiche untrennbar miteinander verbunden sind. Zur Verehrung und Anbetung Gottes ist das Beste gerade gut genug. Und hier liegt sicherlich ein wichtiger Aspekt einer „Reform der Reform“. Einerseits gehört hierzu die Pflege der großen kirchlichen Kunst der Vergangenheit, der wahrhaften musica sacra, aber auch der Kunst des Kirchenbaus, der Paramente – warum nicht wieder die schönen römischen oder neogotischen Kaseln, Dalmatiken etc. – u.s.w., andererseits die Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Heiligen, die sich jedoch am Geist der kirchlichen Tradition orientieren und nicht an der Banalität des Augenblicks, wie dies leider z. B. in der Kirchenmusik durch die unsinnige Heranziehung von Popmusik viel zu oft versucht wird. Vieles hat sich eingeschlichen, was mit der Liturgiekonstitution nichts zu tun hat bzw. dieser sogar entgegensteht.
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