Alte Messe
Freigabe der Alten Messe?
Professor Eamonn Duffy ist ein bekannter britischer Kirchenhistoriker. Dennoch wundert man sich manchmal, wie gewisse Schlagzeilen zustandekommen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Daß Benedikt XVI. daran denkt, jedem Priester der Römischen Kirche die Zelebration der Alten Messe freizustellen, ist schon lange ein Gerücht.

Doch Gerüchte gibt es viele, und nichts ist einfacher, als Gerüchte in die Welt zu setzen.

Wenn man eine genügende Anzahl von Gerüchten produziert, ist es nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit sogar so, daß einige von ihnen womöglich sogar wahr werden – auch wenn das bei Gerüchten eher nebensächlich ist.

Denn das Gerücht ist wichtiger als die Wahrheit.

So hört man in Rom schon seit längerem, daß der Papst daran denkt, die Tiara wieder einzuführen, die Schweizer Garde zu internationalisieren, die Fassade des Petersdomes für einen guten Zweck einpacken zu lassen, in der Stadt Rom Filialen der Vatikanpost zu eröffnen, sieben deutsche Diözesen zusammenzulegen und sich während des Jahres vermehrt in Castelgandolfo aufzuhalten.

Das sind Gerüchte, die jemand oder niemand irgendwo oder nirgendwo gerochen hat. Man weiß halt nichts Genaues.

Gerüchte eben.

Nach Angaben der Tageszeitung ‘Irish Independent’ hat der britische Kirchenhistoriker Eamonn Duffy vor der ‘Nationalkonferenz irischer Priester’ erklärt, daß die allgemeine Wiederzulassung der Alten Messe kurz bevorsteht.

Duffy ist Professor für Geschichte des Christentums an der Universität von Cambridge. Er lehrt dort als Spezialist für das 15. bis 17. Jahrhundert am Magdalene College.

Cambridge ist Verwaltungssitz der Grafschaft Cambridgeshire im Osten von England. Die Universität Cambridge genießt weltweites Ansehen.

Professor Eamonn Duffys Gerücht hat die Tageszeitung ‘Irish Independent’ im ersten Satz eines Artikels so wiedergegeben:

„Papst Benedikt XVI. wird schon bald damit beginnen, dem neuen Pontifikat seine Handschrift aufzuprägen, indem er das fast totale Verbot der Alten Messe aufheben wird.“

Anlaß dazu sei die kommende Bischofssynode über die Eucharistie. Sie findet im Oktober in Rom statt.

Im Originalton hat Professor Duffy zwar gesagt, daß es „höchstwahrscheinlich“ sei, daß der Papst die gegenwärtigen Einschränkungen gegen die Alte Messe aufheben werde.

Was deutet darauf hin, daß diese Maßnahme „höchstwahrscheinlich“ ist? Duffy sagt es nicht. Das macht aber nichts.

Denn das Gerücht besitzt Privilegien, die der langweiligen Wirklichkeit nicht zustehen. Es muß sich nicht mit den engen Grenzen des Beweisbaren herumschlagen.

Bei einem Gerücht ist es so, daß es wie ein unbekannter Duft in der Luft liegt und man nicht weiß woher es kommt und wann es sich wieder auflöst.

Trotzdem ist das Gerücht viel interessanter als eine hieb- und stichfest bewiesene Nachricht.

Der hundskommunen Nachricht fehlt die Aura des Geheimnisvollen.

Dagegen sind Gerüchte entwicklungsfähig und produktiv. Sie beflügeln die Vorstellungskraft.

Zwar stammen die meisten Gerüchte aus der Luft. Doch gelingt es vielen von ihnen, sich zu materialisieren.

Im Fall des Gerüchtes von Eamonn Duffy machte der ‘Irish Independent’ dazu den Anfang. Diese Meldung wurde von der italienischen Agentur ‘Adnkronos’ übernommen.

Dann kam ‘Radio Vatikan’. Dort empfing das irische Gerücht quasi den päpstlichen Segen und einen römischen Duft.

Streng genommen war es dadurch gar kein Gerücht mehr, sondern eine waschechte Nachricht.

Roma locuta – Rom hat gesprochen. Spätestens jetzt war es Zeit für ‘kath.net’, auf den gelben Wagen zu springen und das Faktum in der deutschsprachigen katholischen Welt zu verbreiten.

Wird sich bei der kommenden Bischofssynode jemand an Eamonn Duffys Gerücht erinnern? Natürlich nicht. Aber das ist auch nicht nötig. Denn ein Gerücht braucht keine Wirklichkeit. Es wird von ihr nur eingeengt.

Darum dürfen wir die Sache mit der Alten Messe getrost auf sich beruhen lassen und darüber nachdenken, welche die sieben deutschen Diözesen sind, die nach dem Willen des vatikanischen Staatssekretariates „höchstwahrscheinlich“ von der kirchlichen Landkarte verschwinden werden.

Unklar sei angeblich noch, was mit den Bischöfen geschehen soll, die dadurch ihr Amt verlieren. Es scheint, daß einige auf freiwerdende deutsche Diözesen nominiert werden sollen.

Andere dürften in den vorzeitigen Ruhestand treten.

Schon länger ist klar, daß die einbrechenden Katholikenzahlen die Aufrechterhaltung des deutschen Verwaltungsapparates, der noch aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanum stammt, nicht länger rechtfertigen.
      
14 Lesermeinungen
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#14   Marcel   13:15:36 | Sonntag, 25. September 2005
Alte Messe in der neuen Kirche zu Oberriet
Was an diesem „Gerücht“ dran ist, werden wir in Kürze wissen, wie die ersten Vöglein vom Zaun pfeifen.
Kein Gerücht ist, daß eine schön – und für FSSPX-Verhältnisse – große Kirche in Oberriet gebaut wird, wo man dann auch die hl. Messe aller Zeiten mitfeiern kann – nicht nach dem angesägten 1965-Ritus, sondern dem gänzlich überlieferten.
Erste Bilder gibt es seit kurzem auf der Internet-Seite der Bruderschaft: Kirchbau in Oberriet (URL) www.fsspx.info/special/?id=img11275786…
Das Kirchlein wird höher und größer als unsere… :-)
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#13   Benedikt   11:33:24 | Donnerstag, 22. September 2005
@ Andreas aus Berlin
Hier:
www.nocturnale.de/…iturgie/missale.html
Sind Sie gut in Latein? :D
Es gibt allerdings zumindest fü den Ordo Missae auch deutsche Übersetzungen im Web, ich hab die Links jetzt nur grad nicht parat.
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#12   Andreas Erz-Bistum Berlin   10:48:50 | Donnerstag, 22. September 2005
alte messe
wo kann man die Texte der Alten Messe nachlesen?
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#11   roemkath   18:31:53 | Mittwoch, 21. September 2005
@Benedikt
Karlsruhe war da mal im Gespräch. Ich weiß aber nicht, inwieweit diese Pläne schon ausgereift waren, sie stammen aus den 80er Jahren. Wahrscheinlich scheitert eine solche Umstrukturierung momentan an den Finanzen.
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#10   Benedikt   10:41:39 | Mittwoch, 21. September 2005
@ roemkath: Erzbistum Freiburg teilen
So? Na und wohin käme dann der zweite Bischofssitz? Im nördlichen Teil des Erzbistums kommt da ja nicht viel in Frage. Man könnte es Speyer zuschlagen oder das Bistum Worms wiederbegründen (geht allerdings auf Kosten von Mainz)
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#9   Initiative "Nie wieder!"   09:30:29 | Mittwoch, 21. September 2005
Keine Freigabe nötig!
Papst Benedikt wird sicher nicht die überlieferte Liturgie freigeben, da die überlieferte Liturgie nie verboten war,sie war immer erlaubt! Nur…die meisten deutschen Bischöfe sind gegen dieses Ritus und arbeiten massivst dagegen.
Papst Benedikt muß die deutschen Bischöfe anweisen, auf seine Anweisungen zu hören und darauf achten,daß diese auch befolgt werden…ob ihm das gelingt?
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#8   Pelagius   06:03:29 | Mittwoch, 21. September 2005
Weltbild
Papst Benedikt wird natürlich zwei Fliegen mit einem Streich schlagen, indem er ausgerechnet die deutschen Diözesen, die sich einer Freigabe der überlieferten Liturgie am entschiedensten entgegenstellen würden, verschwinden läßt, nicht wahr? Es drehen sich ja doch alle Auseinandersetzungen letztlich nur um den Widerstreit Tradition-Modernismus.
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#7   Gotthard   19:41:19 | Dienstag, 20. September 2005
Schlesien
die schlesische Landsmannschaft würde es merken … sonst allerdings niemand. Dieses Bistum existiert als Rest des Erzbistums Breslau auf deutschem Boden.
Doch selbst in Polen existiert das Erzbistum Breslau nicht mehr in seiner früheren Umschreibung.
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#6   Toby   19:33:14 | Dienstag, 20. September 2005
Wenn das Bistum Görlitz verschwände …
… würde das ohnehin niemand merken …
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#5   Beatrix   18:44:26 | Dienstag, 20. September 2005
Gleiche Pläne gab es im Bistum Münster schon vor 50 Jahren!
Ich bin nach wie vor bereit, jede Wette einzugehen, daß sich mindestens in den nächsten 50 Jahren nichts tun wird. Wahrscheinlich sogar darüber hinaus nichts!
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#4   roemkath   18:40:15 | Dienstag, 20. September 2005
Papperlapapp…
Es gibt sogar Pläne, dass Erzbistum Freiburg zu teilen, weil es ohnehin zu groß und unübersichtlich ist. Also wieder mal an der Wirklichkeit vorbei…
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#3   Benedikt   14:50:49 | Dienstag, 20. September 2005
@ Dr. Enderfers
Sie haben sicherlich recht.
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#2   Beatrix   14:33:04 | Dienstag, 20. September 2005
ad Benedikt
Ich halte es nicht fuer wahrscheinlich, dass deutsche Dioezesen zusammengelegt werden. Man sagt, der Hl. Stuhl habe Interesse an moeglichst kleinen statt moeglichst grossen Dioezesen. Bevor deutsche Bistuemer zusammengelegt werden, werden eher solch grosse wie Muenster oder Regensburg zerlegt.
Ich wuerde jede Wette eingehen, dass in dieser Frage sich die naechsten 50 bis 100 Jahre nichts, aber auch gar nichts tun wird.
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#1   Benedikt   13:45:45 | Dienstag, 20. September 2005
7 Diözesen
Darum dürfen wir die Sache mit der Alten Messe getrost auf sich beruhen lassen und darüber nachdenken, welche die sieben deutschen Diözesen sind, die nach dem Willen des vatikanischen Staatssekretariates „höchstwahrscheinlich“ von der kirchlichen Landkarte verschwinden werden.
Ist zwar ein abenteuerliches Gerücht, aber die sieben Diözesen würde ich locker zusammen bekommen. Legt man den Maßstab der Tradition an, sieht es für einige Bistümer wie Fulda, Essen, Aachen, Limburg, Berlin, Görlitz, Erfurt und Freiburg gar nicht so gut aus ;-) München und Paderborn müssten zumindest auf den Titel Erzbistum verzichten. Dagegen kenn eich ein heute eher kleines deutsches Bistum am Rhein, dass dann eine ziemliche Restauration erleben würde ;-)))
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