16:24:28 | Dienstag, 20. September 2005
„Wir wollen keine Kampfesstimmung in der Diözese. Das ist nicht christlich.“
Einen Tag nach seinem Amtsantritt veröffentlichte die Regionalpresse heute ein Gespräch mit dem neuen Bischof von Linz. Darin bezeichnet er konservative kirchliche Kreise als Randgruppen.
(kreuz.net, Linz) Das Interview mit Bischof Ludwig Schwarz (65) erschien in der heutigen Ausgabe der Regionalzeitung
‘Oberösterreichische Nachrichten’ – kurz: OÖN. Mons. Schwarz ist Salesianer und war bis zu seiner Ernennung
Weihbischof von Wien.
Der Journalist der OÖN meint, daß der zurückgetretene Bischof von Linz – Mons.
Maximilian Aichern – „erhebliche Schwierigkeiten“ mit „konservativen Kreisen“ gehabt habe.
Ob er „zu
diesen Gruppen“ – die Zeitung weiß keine Namen – Kontakte geknüpft habe?
Der Bischof deutet auf die
Tatsache hin, daß er
erst einen Tag Bischof von Linz sei: „Da kann ich unmöglich mit allen Gruppen –
den Randgruppen wie Sie sagen – schon Kontakt aufgenommen haben. Mir ist es ein großes Anliegen, mit
allen zu sprechen.“
Das Regionalblatt erwähnt einen jüngsten Bericht der in Linz beheimateten katholischen
Internetplattform ‘kath.net’. Der Online-Dienst informierte kürzlich, daß Mons. Schwarz ab Oktober in
der Linzer Karmelitenkirche monatlich Katechesen halten wird.
Ob es sich dabei um ein Entgegenkommen
„an konservative Kreise“ handle, fragt der Journalist.
Es sei als Bischof sein Recht, Katechesen zu halten –
verteidigt sich Mons. Schwarz. Er habe noch keine Entscheidung getroffen, weil er mit den „zuständigen
Stellen“ der Diözese noch nicht geredet habe: „Ich denke ernsthaft daran, Katechesen zu halten.“
Mons.
Schwarz präzisiert nicht, in welchen diözesanen Zuständigkeitsbereich bischöfliche Katechesen fallen.
Nach Angaben von kath.net sind die Termine für die ersten Vorträge des neuen Bischofs bereits fix.
Sie sind für den 21. Oktober, 11. November und 23. Dezember vorgesehen.
Angesprochen auf angebliche
diözesane „Vernaderer“ – Denunzianten –, verweist der Bischof auf ein Wort aus dem Evangelium: „Wenn
du etwas gegen deinen Bruder hast, dann geh’ hin und sprich mit ihm unter vier Augen.“
Mons. Schwarz
ermahnt, daß man nicht sogleich
Briefe nach Rom schicken, sondern zuerst mit dem Betreffenden sprechen
solle:
„Das ist wichtiger, als sofort höheren Instanzen zu schreiben.“
Linz gelte als schwierige Diözese,
fährt der Journalist fort: Wie er als Bischof im Spannungsfeld zwischen dem katholischen und progressistischen
Lager bestehen könne?
„Ich habe nicht den Eindruck, daß Linz eine schwierige Diözese ist“, überrascht
der Bischof: Probleme gebe es überall, wo Menschen zusammenleben. Zur Kirche würden alle gehören, die
Heiligen genauso wie die Sünder:
„Mit Hilfe von oben wird man immer das Gemeinsame sehen. Wir wollen
keine Kampfesstimmung in der Diözese. Das ist nicht christlich.“
Das Blatt erwähnt, daß sich Bischof
Schwarz erst Anfang Juli für eine neue
Diskussion über die Priesterehe ausgesprochen hat. Ob diese Aussage
noch gelte?
Der Bischof weicht aus:
Der Pflichtzölibat sei ein Kirchengebot. Kirchengebote könnten
nur von der Weltkirche, also dem Papst und einem Konzil, abgeändert werden. Das sei nicht Sache des einzelnen
Bischofs.
Ob er nun für die Lockerung oder die Beibehaltung des Zölibats sei, beharrt die Zeitung.
„Ich bin für den Zölibat“, erklärt der Bischof jetzt unmißverständlich: „Ich habe selber diesen
ehelosen Weg gewählt. Unser Herr und Meister hat auch ehelos gelebt und uns ein Vorbild gegeben.“
Ob
das ein Rückzug sei?
Er habe im Juli den Begriff der „viri probati“ in den Mund genommen und damit gemeint,
daß auch bewährte verheiratete Männer in Zukunft eingebunden werden könnten, rechtfertigt sich der
Bischof: „Aber die Entscheidung liegt bei der Weltkirche.“
Ob er sich in Rom für die Priesterehe einsetzen
wolle?
Wenn ein Konzil stattfinde und dieses Thema auf der Tagesordnung stehe und er als Bischof daran
teilnehme, dann werde er seine Meinung sagen.
Die OÖN verweisen auf Fälle in der Diözese Linz, bei
denen öffentliche Ehebrecher nach einem Gespräch mit dem Ortspfarrer zur heiligen Kommunion zugelassen
werden.
Mons. Schwarz scheint das Problem nicht zu kennen:
„Ich weiß nicht, woher Sie das wissen, daß
die Priester die wiederverheirateten Geschiedenen alle zur Kommunion gehen lassen?“
Solche Praktiken
seien nach Prüfung des Gewissens und Rücksprache mit dem Pfarrer erlaubt worden, beharrt die Zeitung.
Die Ehe sei – antwortet der Bischof – „an und für sich“ unauflöslich und von Christus als Sakrament
eingesetzt worden. Wenn eine Ehe scheitere und ein Partner ein zweites Mal standesamtlich heirate, entstünden
„schwierige Situationen“.
Man müsse ihnen mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen begegnen:
Man könne
nicht einfach sagen, daß wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zugelassen seien:
„Das könnte
nur unter ganz bestimmten Umständen und Voraussetzungen hin und wieder eine Möglichkeit sein.“
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