UNO
Selbstprofilierung auf Kosten der Kirche
Die etwas vergessene Hauptanklägerin des Internationalen Gerichtes für Ex-Jugoslawien verspürte kürzlich die Lust, wieder einmal in den Medien aufzuscheinen. Sie fand dazu einen geeigneten Weg.
(kreuz.net) 1999 wurde die damalige Staatsanwältin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Carla del Ponte (58), zur Chefanklägerin der Internationalen Kriminalgerichte für Ex-Jugoslawien und Ruanda ernannt.

Im Jahr 2003 entband der UNO-Sicherheitsrat Frau del Ponte gegen ihren Willen von ihren Verpflichtungen für Ruanda. Man wolle mit diesem Schritt die Abwicklung der Prozesse beschleunigen, hieß es damals offiziell.

Kritiker von Frau del Ponte erklärten außerdem, daß sie eine schlechte Administratorin und eine ineffektive Staatsanwältin sei.

Vor einigen Tagen setzte Frau del Ponte das Gerücht in die Welt, daß der Vatikan den kroatischen General und mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ante Gotovina versteckt halte.

Antikirchliche Medien waren ihr für diese Schlagzeile dankbar.

Ein entsprechender Artikel erschien am Dienstag in der britischen Tageszeitung ‘Daily Telegraph’.

Der Direktor des vatikanischen Presseamtes, Joaquin Navarro-Valls, dementierte das Gerücht umgehend und veröffentlichte dazu einige interessante Hintergründe.

Frau del Ponte habe sich mit dem Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, Erzbischof Giovanni Lajolo, getroffen.

Das Treffen sei auf Anfrage von Frau del Ponte zustandegekommen. Sie habe den Vatikan im Fall des kroatischen Generals um Informationen und Unterstützung gebeten.

Erzbischof Lajolo erklärte der Staatsanwältin, daß das Staatssekretariat kein Organ des Heiligen Stuhles sei und darum formell nicht mit internationalen Gerichten zusammenarbeiten könne.

Im Vatikan ist die kirchliche von der staatlichen Organisation zu unterscheiden. Der Heilige Stuhl ist die politische Entität des Vatikans während die Römische Kurie für die kirchlichen Belange zuständig ist.

Erzbischof Lajolo forderte Frau del Ponte sodann auf, ihre Hinweise über den angeblichen Aufenthalt von General Ante Gotovina in religiösen Gebäuden „mit einiger Präzision“ zu spezifizieren, damit er mit den zuständigen kirchlichen Autoritäten in Kontakt treten könne.

Eine frühere Untersuchung hatte in der Vergangenheit zu negativen Ergebnissen geführt.

Die Bitte von Erzbischof Lajolo wurde von Frau del Ponte bisher nicht beantwortet. Statt dessen wandte sie sich offensichtlich an die Medien.

Die gleiche Taktik hat Carla del Ponte übrigens schon einmal ausprobiert.

Im Februar 2004 behauptete die Chef-Anklägerin, daß sich der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic in Belgrad verstecke:

„Ich habe erst letzte Woche von einer glaubwürdigen Quelle die Information erhalten, daß Karadzic jetzt in Belgrad ist“, verkündete Frau del Ponte vor Journalisten in Brüssel:

Doch der serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic erklärte vor der Nachrichtenagentur ‘Reuters’, daß Frau del Ponte seiner Regierung nie einen Hinweise oder irgendeine Hilfe gegeben habe, die zur Lokalisierung oder Verhaftung der Verdächtigten geführt hätte.

Wäre Karadzic in Belgrad würde sich die pro-amerikanische Regierung beeilen, ihn zu fassen und auszuliefern, erklärte der Chef der Radikalen Partei, Tomislav Nikolic:

„Frau del Ponte hätte genauso sagen können, daß Karadzic in London untergetaucht ist“.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Soramonas   16:56:26 | Freitag, 15. Juli 2011
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#3   Andrija   18:19:19 | Sonntag, 25. September 2005
Rufmord
warum müssen sich die linken und atheisten nie rechtfertigen und entschuldgen. elende hexe, auch über sie wird gerichtet werden.
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#2   Frl.Ilse   14:41:54 | Sonntag, 25. September 2005
@schwieriges Thema
Die Frage nach dem Verbleib der ex-jugoslawischen Kriegsverbrecher ist ein ungemein schwieriges und komplexes Terrain. Viele Staaten habe da ihre Hände im Spiel. Tatsache ist, dass Carla del Ponte sicherlich eine solche Information nicht in die Welt hinausposaunt, wenn sie nicht überzeugt wäre, dass etwas dran sein könnte (was nicht heißt, dass es tasächlich so ist, aber die „Rattenlinie“ und den dahinterstehenden Bischof Hudal hat es nach dem 2. Weltkrieg ja auch gegeben). Tatsache ist auch, dass in der serbisch-orthodoxen Kirche einige dieser Kriegsverbrecher als Helden und Märtyrer verehrt werden. In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ befindet sich dazu ein Artikel. Also, lassen wir Frau del Ponte weiterarbeiten, sie führt einen für Europa ungemein wichtigen Prozess.
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#1   Evelin   15:56:49 | Freitag, 23. September 2005
Blair oder Queen
„Frau del Ponte hätte genauso sagen können, daß Karadzic in London untergetaucht ist“.
Wahrscheinlich hat ihn Blair oder die Queen versteckt…
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