USA
Die Tragödie geht weiter
Letzte Woche starben zwei US-Seminaristen bei einem Autounfall auf dem Gelände des Priesterseminars der Erzdiözese Chicago. Jetzt drohen dem überlebenden Unglücksfahrer bis zu 28 Jahre Haft.
(kreuz.net, Chicago) Der örtliche Staatsanwalt hat Anklage gegen die beiden Seminaristen erhoben, die letzten Donnerstag einen schweren Autounfall überlebten.

Die beschuldigten Seminaristen studieren beide im dritten vorletzten Jahr vor der Diakonatsweihe.

Beim Unglück kamen zwei weitere Seminaristen ums Leben. Das berichtete die Tageszeitung ‘Chicago Tribune’.

Seminarist Robert Spaulding (27), der den Unglückswagen – einen Oldsmobile Aurora – steuerte, erschien am Dienstag vor Gericht.

Er wies das Doppelte der erlaubten Promillenzahl auf, als er letzten Donnerstag um 01.30 Uhr mit seinem Wagen und drei Mitfahrern auf dem Gelände des Seminars eine Kurve verfehlte und gegen einen Baum fuhr.

Im US-Bundesstaat Illinois sind für einen privaten Fahrer über 21 Jahre 0.8 Promille Alkohol im Blut erlaubt.

Die vier Alumnen kehrten von einem Abend mit Pizza und Bier zurück.

Spaulding ist der fahrlässigen Tötung im angetrunkenen Zustand angeklagt. Diese kann mit einer Gefängnisstrafe von 6 bis 28 Jahren bestraft werden, erklärt das Büro des zuständigen Staatsanwaltes.

Am Dienstag wurde Spaulding weiterer Vergehen angeklagt und erneut verhaftet. Seine Eltern hatten für ihn nach der ersten Festnahme eine Kaution von umgerechnet 4000 Euro gestellt.

Ebenfalls angeklagt ist der beifahrende 36jährige Alumnus Mark Rowlands, dem der Unglückswagen gehörte. Im Handschuhfach fanden die Ordnungshüter nach dem Unfall Polizeiabzeichen, einen Revolver und Munition.

Rowlands arbeitete vor seinem Eintritt ins Priesterseminar von 1992 bis 2001 als Polizist im US-Bundesstaat Ohio im Osten der USA.

Dort wurde er im Februar 2000 wegen Bestechung, Meineid und einem Steuervergehen angeklagt. Er sprach sich vor Gericht der Behinderung von Amtsgeschäften schuldig. Als Gegenleistung wurden die anderen Anklagen fallengelassen.

Das Gericht verurteilte ihn zu einem Strafgeld von umgerechnet 300 Euro und bürdete ihm die Gerichtskosten auf.

Es scheint, daß die kirchlichen Oberen über diesen Vorfall nur teilweise informiert waren, obwohl sie das Vorleben des Seminaristen zweimal überprüft hatten.

Sein früherer Arbeitgeber erklärte, daß Rowlands bei der Entlassung seine Polizei-Identitätskarte und sein Abzeichen vorschriftsgemäß zurückgegeben habe.

Die in seinem Wagen gefundenen Polizeiplaketten entsprachen nicht seinem damaligen Rang.

In der Zwischenzeit sind die beiden überlebenden Alumnen vom Priesterseminar suspendiert worden, bis die kriminellen Anschuldigungen gegen sie geklärt sind.

Die Prozeßkosten werden von den jeweiligen Heimatdiözesen getragen.

Der angeklagte Unglücksfahrer gehört zur Diözese von Cheyenne im US-Bundesstaat Wyoming. Der Besitzer des Wagens studierte für die Diözese von Columbus im US-Bundesstaat Ohio.

Die Flagge des Priesterseminars wurde auf Halbmast gesetzt.

Die beiden getöteten Seminaristen gehörten beide zur Erzdiözese Kansas City im US-Bundesstaat Kansas. Sie saßen auf den Rücksitzen des Unfallwagens.

Es handelt sich um den 28jährigen Matthew Molnar und um den 23jährigen Jason Cheek. Molnar studierte im zweiten, Cheek im ersten Jahr.

Im betroffenen Priesterseminar, wo 204 Seminaristen studieren, wurde am 19. September ein Requiem für Matthew Molnar zelebriert.

Ein Requiem für Jason Cheek ist im Lauf dieser Woche vorgesehen.
      
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