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Sonntag, 25. September 2005 10:29
Einst führten sie Kreuzzüge
Der Generalsekretär der Schweizerischen Bischofskonferenz äußerte sich in einem Interview zur Priesterehe, der Frauenordination, dem Fall in der Basler Gemeinde ‘Röschenz’ und nicht zuletzt zum Weltjugendtag.
(kreuz.net, Freiburg) Generalsekretär Agnell Rickenmann sprach Mitte September mit der schweizerischen katholischen Presseagentur ‘kipa’. Die Interviewfragen nahmen Bezug auf den Hirtenbrief der Schweizerischen Bischofskonferenz anläßlich des Eidgenössischen Dank-, Buß- und Bettag vom 18. September.

Die Diskussion über die Themen Frauenordination, Priesterehe, Gummivorrichtungen zur Kinderverhütung und einem angeblichen „Reformstau“ führe auf „beiden Seiten“ zu viel Energieverschwendung.

Rickenmann teilte „die Schweizer Katholiken“ explizit in die zwei Lager „konservativ“ und „progressiv“.

Die Arbeit der Kirche sei jedoch viel größer als diese Problematiken und deren Kräftespiele, bei denen die Schweizer Bischofskonferenz „ein gewisses Gleichgewicht“ bewahren müsse.

Die ‘kipa’ bemerkt, daß die Forderung nach der Priesterehe heute selbst durch hohe Kirchenvertreter auch in der Schweiz ausgesprochen werde.

Das Problem sei nicht – so die Antwort Rickenmanns – die „gelassenen Debatte“ über diese Frage. Vielmehr sei sie oft Teil eines ganzen Paketes von Forderungen, welche auch die Frauenordination umfassen. Der Priester verweist diesbezüglich auf eine „Synode“ der Landeskirche im Kanton Luzern.

Der Zugang zum Weiheamt für verheiratete Männer sei eine Frage der Kirchendisziplin, der Tradition und der Spiritualität, erklärt Rickenmann. Dagegen tangiere die Frauenordination die Lehre der Kirche.

Die Frage der Weihe von verheirateten Männern stelle sich angesichts der leeren Priesterseminarien: „Aber wird die Krise weitergehen, selbst wenn diese Weihe möglich wird?“

Er persönlich zweifle daran, daß eine Aufhebung des Pflichtzölibats eine adäquate Antwort auf die „Krise bei den Berufungen“ darstelle.

Auf den Fall Röschenz angesprochen, gesteht Rickenmann eine „gewisse Schwäche“ des schweizerischen Systems der Beziehungen zwischen den Kirchen und dem Staat.

Es brauche den Mut zu einer neuen Diskussion dieses Systems, um zu schauen, ob nicht Änderungen angezeigt seien.

Zur Frage des Weltjugendtags erklärt Rickenmann, daß sich die jungen Menschen nicht mehr mit den Leitfiguren der progressiven Bewegungen – Hans Küng oder Eugen Drewermann – identifizierten:

„Jene, die einst gewisse Kreuzzüge geführt haben, können nicht verstehen, daß junge Menschen anders denken als sie. Es löst bei ihnen Frustration und Bitterkeit aus, wenn sie sehen, daß sich die Kirche auf ganz andere Art entwickelt hat, als sie sich das in den 1960er, 1970er und 1980er vorgestellt hatten.“

Die Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien vor allem durch eine „diakonische Kirche“ geprägt gewesen: eine soziale Kirche mit einer Vorzugsoption für die Armen.

Das sei heute nicht vergessen. Gegenwärtig werde dieser Aspekt jedoch durch die spirituelle Suche, durch das Gebet und die Eucharistie ergänzt: „All das haben wir am Weltjugendtag angetroffen.“

Die neue Generation führe eine Kirche mit sich, in der es natürlich sei zu beten, seinen Glauben zu teilen, die eucharistische Anbetung zu pflegen. Das sei eine viel weniger starre und viel entspanntere Kirche.

Zur Frage der kirchlichen Berichterstattung in weltlichen Medien meint Rickenmann, daß er zweierlei Erfahrungen mache.

Verschiedene Medien würden die Ereignisse im Leben der Kirche gut erfassen und darüber kompetent berichten.

Doch manchmal sprächen die Journalisten mit Vorurteilen über die Kirche:

Sie schreiben Artikel mit dem einzigen Ziel, diese zu verkaufen.“
3 Lesermeinungen:
Mittwoch, 28. September 2005 11:21
Elendester Sünder: Eine sinnlose Aussage
Rickenmann teilte „die Schweizer Katholiken“ explizit in die zwei Lager „konservativ“ und „progressiv“.

Das wäre eine sinnlose Aussage, die nur der Verwirrung dient. Innerhalb der Kirche kann es nicht zwei Lager geben. Die heilige Kirche, der mystische Leib Christi, ist nicht in Lager aufteilbar. Rickemann meint anscheinend, daß es sowohl in der Hierarchie als auch unter den Laien Personen gibt, die sich katholisch nennen, aber es in Wahrheit gar net sind.
Sonntag, 25. September 2005 14:03
Chris: Katholischer Liberalismus
Wenn Rickemann in der liberalen Schweiz von konservativen Katholiken redet, dienen diese bei genauer Untersuchung nur einer Alibifunktion. Da R. aber weder sich als konserv. noch als progressiv bezeichnet, muss man ihn als liberal einstufen. Wir wissen ja alle, dass die Kath. Kirche auf einen Felsen gegründet worden ist, diese Eigenschaften scheinen aber R. zu stören wenn er sagt: „Die neue Generation führe eine Kirche mit sich, in der es natürlich sei zu beten, seinen Glauben zu teilen, die eucharistische Anbetung zu pflegen. Das sei eine viel weniger starre und viel entspanntere Kirche.“
Und hiermit offenbart R. dem Leser, dass der Liberalismus der schweizer- und auch der deutschen Bischofskonferenz (Lehmann) im Gegensatz zur K. Tradition steht, deren Verteidiger er in absolut populistischer Weise mit den Kreuzzügen gleisetzt! Dieser Liberalismus, der fast von allen europ. Bischöfen forciert wird, beinhaltet also eine seltsame Toleranz, die sich dem Modernismus zwar nur halb öffnet, aber die Tradition vollkommen ausschließt. Es ist uns gesagt, dass der Weg des Lebens schmal und die Pforte eng ist. R. , Lehmann & Co haben oder wollen diese Pforte zu einem Scheunentor ausbauen, indem Sie sich entweder über das Testament hinwegsetzen, ignorieren, falsch interpretieren oder künstlich erweitern, um den Menschen den Glauben zu vermitteln, dass man auch neben dem Weg gehend ins Himmelreich gelangen kann.
Sonntag, 25. September 2005 13:20
jolie: wenn solche leute
mit ihrem diplomatischen geschwafel in der schweiz den ton angeben, wird sich nichts ändern. wird die krise nicht gesehen oder will man sie nicht sehen?
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