Eigentlich hätte er in Siena einen Preis entgegennehmen sollen, doch einer Gruppe von ungefähr vierzig jugendlichen Extremisten gelang es, die Zeremonie zu stören.
(kreuz.net, Siena) Am vergangenen Freitag nachmittag ist der Kardinalvikar von Rom bei einer Preisverleihung
in Siena von etwa vierzig jugendlichen Randalierern niedergepfiffen worden.
Das berichtete der italienische
Fernsehsender ‘Rai24’.
Siena ist das kulturelle Zentrum der Toskana und befindet sich knapp 200 Kilometer
nordwestlich von Rom.
Der Kardinal war von der Stiftung ‘Fondazione liberal’ eingeladen worden und sollte
den Preis „Liberal Siena 2005“ erhalten.
Die ‘Fondazione liberal’ wurde 1995 in Rom gegründet, um ein
neokonservatives, proamerikanisches Gedankengut zu fördern. Im ersten Komitee der Stiftung saß auch
der gegenwärtige italienische Präsident Carlo Azeglio Ciampi.
Kardinal Ruini hatte gerade mit seiner
Dankesrede begonnen, als sich ein Sturm von Pfiffen und Schreien erhob.
„Schande, Schande“, schrieen
anwesende Gymnasiasten und Universitätsstudenten. Sie wollten damit angeblich gegen ein sich „wiederholtes
Einmischen der Kirche in die Angelegenheiten des Staates“ protestieren.
Angesichts der Tumulte packte
der Kardinal und Präsident der Italienischen Bischofskonferenz sein Manuskript wieder ein und verließ
das Podium unverrichteter Dinge.
Die extremistischen Studenten setzten ihr Gebrüll fort und entrollten
auch ein Spruchband mit der Aufschrift: „Freie Liebe in einem freien Staat.“
In Sprechchören riefen
die Extremisten Sprüche wie „Wir sind alle homosexuell“ und „Wir wollen Homo-Konkubinate schließen,
vorwärts in den Rechten“.
Schließlich gelang es Angestellten des Hauses, in dem der Anlaß stattfand,
die Jugendlichen zu überzeugen, den Saal zu verlassen.
Der Protest dauerte ungefähr zehn Minuten.
Er wurde von zahlreichen linksextremistischen Organisationen unterstützt. Unter ihnen befanden sich die
‘Jungen Kommunisten’ und verschiedene Homo-Organisationen.
Nach dem Ende der Störung hielt der Kardinal
seinen Vortrag. Mit einem Lächeln bezeichnete er das Geschehen ironisch als „angenehme Unterbrechung“.
Der Präsident der Stiftung unterstrich, daß die jugendlichen Störer einen Dank verdient hätten, weil
sie seine vorangegangene 50minütige Rede unter Beweis gestellt hätten – nämlich, daß der Mißbrauch
der Freiheit die Menschen zum Schweigen bringe.
Pier Ferdinando Casini, der Präsident der italienischen
Abgeordnetenkammer, bezeichnete die Geschehnisse in Siena vor Journalisten als erste vergiftete Früchte
einer Kampagne der Intoleranz gegen die Kirche.
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Wallstreet Wallstreetkreise (Wallstreetbörse als Symbol für Finanzmacht) nenne nicht nur ich die Finanz-
und Wirtschaftsleute und/oder -magnaten, die es auch unter den Neocons gibt. Was die Haltung zur Homosexualität
betrifft, gibt es wohl Berührungspunkte. Nur dazu brauchen wir die Neocons nicht.
ist doch klar wirklich interessante Frage (…), warum ein Kardinal der Kirche eine Stiftung, die proamerikanisches,
neo“konservatives“ (d. h. Turbokapitalismus, politischer Zionismus, Antiarabismus, amerikanischer Unilateralismus)
Gedankengut vertritt, so sympathisch findet. Na das ist doch klar: Weil die Neokonservativen dafür sind,
Homosexuellen Bürgerrechte zu verweigern. Da würde sich die Kirche sogar mit dem Leibhaftigenselbst
verbünden, solange er gegen Schwule und Lesben ist. Da ist die Kirche nicht zimperlich.
#5 Yersinia 20:55:28 | Sonntag, 25. September 2005
@evelin: was sind „Wallstreetkreise“? in Schottland gibt’s „Kornkreise“ aber dass die Wallstreet in New
York Kreise gezogen hätte, ist mir nicht bekannt;
In der Tat gibt es bei den NEOCONS der USA die Strategie, die „konservativen“ Katholiken der nachkonziliaren
Kirche einzufangen (am besten über das ProLifeThema –- nach der Wahl macht man dann aber eh nichts in
dieser Richtung), was teilweise auch aufgegangen ist. In den USA stehen ja meist nur zwei Parteien zur
Wahl – die Republikaner und die Demokraten – in einer Art hegelschen Dialektik aufeinander bezogen. Beide
sind in jedem Fall proamerikanisch, prokapitalistisch und prozionistisch, nur eben mit unterschiedlichen
Akzentuierungen (man vergleiche einfach die Administrationen Bush sen., jun., Clinton) Bei der letzten
Wahl standen zwei Yale-Absolventen und Mitglieder der Geheimstudentenverbindung „Skull and Bones“ zur
Auswahl. Und beide Parteien versuchen eben bestimmten Wählergruppen eine Heimat zu geben, die Republikaner
die Evangelikalen und „Neo“-Katholiken; die Demokraten die „linke“ Intelligenz, homosexuell empfindende
Personen, Feministen/innen etc. Christen sollten sich – wenn es geht – aus dem Ganzen heraushalten. Wen
sollte ich wählen – ich bin absolut pro Life, „konservativ“, schätze aber auch Intellektuelle wie Noam
Chomsky aufgrund ihrer Opposition gegen den Afghanistan- und Irak-Krieg…
Kardinal pro Neocons ? Tja, die dummen Extremisten hielten sich lieber mit Homo-Parolen und Spät-68er-Slogans
auf, anstatt der wirklich interessanten Frage nachzugehen, warum ein Kardinal der Kirche eine Stiftung,
die proamerikanisches, neo“konservatives“ (d. h. Turbokapitalismus, politischer Zionismus, Antiarabismus,
amerikanischer Unilateralismus) Gedankengut vertritt, so sympathisch findet. Die meisten Zielrichtungen
der Neocons sind direkt gegen die kath. Soziallehre gerichtet, auch gegen das Bestreben des Vatikans,
auch für die Palästinenser offen zu sein. Seinerzeit wurde Papst Joh. Paul II wegen seiner Sozialenzykliken
von Wallstreetkreisen, wohl auch von Neocons noch als „Kommunist“ beschimpft. Europa benötigt keine Nachhilfe
von den USA wegen „Konservativismus“ (sowieso ein schwammiger Begriff).