Welt und Kirche sprechen von Wahlbetrug bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Die katholischen Bischöfe treten bei einer Pressekonferenz in Lemberg mit Bitten an die neue Regierung und das ukrainische Volk.
(kreuz.net, Kiew) Die ukrainische Wahlkommission erklärte gestern Nachmittag den bisherigen Ministerpräsidenten
Viktor Janukowitsch zum Sieger der Präsidentenwahl vom 21. November.
Janukowitsch wurde vor allem im
russischsprechenden Ostteil des Landes gewählt. Er war der Kandidat des abtretenden Präsidenten Leonid
Kutschma und orientiert sich politisch eher an Moskau. Dagegen siegte Juschtschenko im mehr ukrainischsprechenden
Westteil des Landes, der sich traditionell von den Russen eher absetzt. Er versprach im Wahlkampf eine
stärkere Orientierung der ukrainischen Politik nach Westen.
Gegen den neugewählten Präsidenten Janukowitsch
opponiert jetzt nicht nur der Herausforderer, Viktor Juschtschenko, sondern auch die katholische Kirche,
die vor allem im ehemals polnischen Westen des Landes stark ist. Dort gibt es viele ukrainische Katholiken
des byzantinischen Ritus (Griechisch-Katholische Kirche) sowie zahlreiche polnischstämmige Katholiken
des lateinischen Ritus.
Das historische Zentrum der Westukrainie, das auch Galizien genannt wird, ist
Lemberg (Lwiw). Lemberg ist die einzige Stadt der Welt, wo zwei Kardinäle residieren, die beide einer
Diözese vorstehen. Es handelt sich um den Großerzbischof der Griechsch-Katholischen Kirche, Lubomyr
Kardinal Husar (Bild), und den römisch-katholishen Erzbischof von Lemberg, Marian Kardinal Jaworski (78).
Nach Auszählung der Stimmzettel ergaben sich 49,46 % der Stimmen für den Sieger Janukowitsch und 46,61%
für seinen Oppositionskandidaten Juschtschenko. Internationale Organisationen sprechen von Wahlbetrug.
Auch katholische Würdenträger der Ukraine nehmen dieses Wort in den Mund. Am 23. November bezogen die
ukrainisch-katholischen Bischöfe, unter dem Vorsitz des Lemberger Kardinals Husar (71), bei einer Pressekonferenz
Stellung.
Die Bischöfe baten die Regierung angesichts der Massenproteste, Waffengewalt zu vermeiden.
Menschenscharen auf der Straße, die ihre Rechte friedlich verteidigten, seien keine dunkle Masse, sondern
mutige, opferbereite und verantwortungsbewußte Menschen, die man ehren und deren Stimme man hören sollte.
Die Regierung möge ihre Macht nicht dazu einsetzen, um ihre Interessen gegen das eigene Volk durchzusetzen.
Die Bischöfe sprachen von einseitiger Information, gekauften Stimmen und anderen Mißbräuchen sowie
von Versuchen die Ergebnisse zu fälschen.
Der ukrainische Präsident habe vor den Wahlen mehrmals bekräftigt,
daß diese demokratisch durchgeführt würden. Heute sei die Nation überzeugt, daß die demokratischen
Grundsätze verletzt worden seien.
Ein Aufruf zum Gebet war die katholische Antwort von Seiten der Bischöfe
in dem „schwierigen und entscheidenden Moment“.
Auch der Heilige Vater, Papst Johannes Paul II., versicherte
bei der gestrigen Generalaudienz dem ukrainischen Volk sein besonderes Gebet.
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