Alte Messe
Liturgische Zeitbomben
Man sollte den Konzilsvätern nicht zuviel Schuld daran geben, daß sie die Zeitbomben, die in die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums eingebaut wurden, nicht entdeckt haben. Von Michael Davies, der heute vor einem Jahr verstarb.
(kreuz.net/UnaVoce) Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch ‘Pope John’s Council’ – Das Konzil von Papst Johannes –, das sich mit der Liturgiekonstitution ‘Sacrosanctum Concilium’ des Zweiten Vatikanischen Konzils beschäftigt.

In seinem Standardwerk ‘La Nouvelle Messe’ – Die Neue Messe – bemerkt Louis Salleron, daß der gewöhnliche Laie weit davon entfernt gewesen wäre, die Liturgiekonstitution als Auslöser für eine Revolution zu betrachten. Er hätte in ihr vielmehr die Krönung der liturgischen Erneuerung gesehen, die bereits seit hundert Jahren in Gang war.

Damit keine Mißverständnisse entstehen: Der römische Ritus bot einen gewissen Spielraum für eine liturgische Erneuerung, aber es mußte eine Erneuerung in der wahren Bedeutung des Wortes sein – eine Erneuerung, die von der bestehenden Liturgie ausgegangen wäre und ihre Möglichkeiten voll ausgeschöpft hätte.

Man könnte einwenden, daß die vorliegende Untersuchung der Liturgiekonstitution unausgewogen ist, weil sie sehr wenig über die beachtliche Lehrunterweisung und über die pastoralen Hinweise sagt, welche die Konstitution enthält, und statt dessen nur die Mängel betont.

Tatsache ist aber, daß die spätere liturgische Revolution, die sich aus der Konstitution entwickelte, gerade mit Hilfe der wenigen Sätze, die hier behandelt werden, ausgelöst wurde.

Die, welche die Kontrolle über das ‘Consilium’ erlangten, verwendeten diese Sätze genau so, wie sie diese zu verwenden beabsichtigt hatten, als sie diese als Mitglieder der vorkonziliaren und konziliaren Liturgiekommission in die Konstitution einbauten.

Das ‘Consilium’ war das Gremium, das die Liturgiekonstitution in die Praxis umsetzte.

Fast von dem Augenblick an, als sie von den Konzilsvätern so euphorisch verabschiedet wurde, war die Liturgiekonstitution nur noch toter Buchstabe.

Sie hätte dazu benützt werden können, um eine echte Erneuerung einzuleiten, so wie dies Pater Emanuel in Mesnil St. Loup vorgemacht hatte. Eine solche Erneuerung hätte sich an die wahren liturgischen Grundsätze gehalten, die von den Päpsten bekräftigt und in verschiedenen Dokumenten erläutert wurden. Solche Dokumente sind ‘Tra le sollicitudini’ des hl. Papstes Pius X. (1903) oder ‘De musica sacra et sacra liturgia’ von Papst Pius XII. (1958).

Aber darüber zu rätseln, was hätte sein können, ist die nutzloseste aller Tätigkeiten. Es kommt alleine auf das an, was tatsächlich geschehen ist.
„Planen diese Väter eine Revolution?“, fragte der entsetzte Kardinal Alfredo Ottaviani – der damalige Präfekt des Heiligen Offiziums – während der Konzilsdebatte über die Liturgie.

Ja, das taten sie.

Oder das taten wenigstens die sogenannten „Periti“ – die Konzilssachverständigen –, als deren Sprachrohr die Bischöfe auftraten.

Das Ausmaß der bischöflichen Unterwürfigkeit unter das Kommando sogenannter „Sachverständigen“ hat Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) im September 1975 in einem Vortrag in Wien enthüllt.

Er bezeugte, daß die französische Bischofskonferenz Sitzungen abhielt, in denen die Bischöfe den genauen Text der Reden erhielten, die sie zu halten hatten: „Sie, Bischof Soundso, werden über dieses Thema sprechen, und ein bestimmter Theologe wird den Text für Sie ausarbeiten. Alles, was Sie zu tun haben, ist, den Text vorzulesen.“

Ja, eine Revolution war tatsächlich geplant worden.

Sie sollte durch die in der Liturgiekonstitution versteckten Zeitbomben ausgelöst werden.

Auszug aus dem 16. Kapitel des Buches „Pope John’s Council“ des Präsidenten der Internationalen UNA VOCE-Föderation, Michael Davies († 25. September 2004). Übersetzt von Katharina Wagner.
UNA VOCE Deutschland e. V. – Geldorpstr. 4, 50733 Köln


Morgen: Die „Schlacht“ vom 7. Dezember 1962
      
12 Lesermeinungen
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#12   Marcel   12:19:53 | Mittwoch, 28. September 2005
Der phillipinische Bischof Lazo (1917-2000)
Benedikt schrieb : Gehört Bischof Lazo nun offiziell der FSSPX an und ist weiter residierender Bischof?
Bischof Manat ist als aktiver Diözesanbischof „nur“ ein FSPPX-Sympathisant.
Bischof Lazo, Jahrgang 1917, ab 1993 im Ruhestand, wandte sich erst privat und 1996 öffentlich der FSSPX zu: er verteidigte sie öffentlich, besuchte ihre Einrichtungen, wohnte Priesterweihen bei und legte dabei auch den Weihekandidaten die Hände auf, uam.
Er schloß sich der FSSPX praktisch an. Mehrere phillipinische Priester folgten ihm und agieren seither in ihr.
Der Bürgermeister von Quezon City (~2 Mio. Einwohner) ließ 1998 die Stadt nach einer hl. Messe in einer FSSPX-Kirche dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, unter Mitwirkung von Mgr. Lazo. Fernsehübertragung durch zwei Sender, usw.
Dem Druck seiner Bischofskollegen hielt Mgr. Lazo tapfer stand – und Rom sich zurück.
Am Sonntag, dem 24.5.1998, legte Mgr. Lazo nach der hl. Messe in der phillipinischen FSSPX-Kirche namens „Unsere Liebe Frau vom Siege“ ein feierliches Glaubensbekenntnis ab, das in der (weltlichen) Presse veröffentlicht und per Brief an Papst JP2 geschickt wurde.
Dieses in einem Mitteilungsblatt abgedruckte Glaubensbekenntnis ist hier im Netz verfügbar (URL). img380.imageshack.us/…380/8723/lazo4kw.png
Am 11.4.2000 verstarb Mgr. Lazo.
Möge er bei Gott für seine Mitbrüder im Bischofsamt bitten, damit sie die Kraft und die Klarsicht haben mögen, seinem mutigen Beispiel zu folgen.
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#11   Benedikt   10:32:30 | Mittwoch, 28. September 2005
@ Marcel
Gehört Bischof Lazo nun offiziell der FSSPX an und ist weiter residierender Bischof? Oder ist er einfach nur zur Tradition zurückgekehrt, was alles mögliche bedeuten kann?
Symphatisant ist ja nicht gleich Mitglied…
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#10   Marcel   09:06:55 | Mittwoch, 28. September 2005
Erzbischof Lefebvre und Bischof Manat, Thailand
Mileschristi schrieb : Wenn es Bd. II der dt. Übersetzung gibt, dann kann sie über Sartobuch gekauft werden
Ja, diesen Hinweis gab ich ebenfalls.
Nach meinem Wissen – habe das irgendwo gelesen – hat Michael Davies Bd. IV nie zu Ende geschrieben, es sollen auch keine Handschriften vorhanden sein – Schade !
In der Tat schade.
Dann nehmen wir eben das bestehende Gute, das wir in Band I bis III vor uns liegen haben.
–--
Weiß jemand, wie die praktische Zusammenarbeit des Bischofs der thailändischen Diözese Ratchaburi, Mgr. Manat, mit der kanonisch errichteten – und niemals vom Papst aufgehobenen – Priesterbruderschaft St. Pius X. aussieht?
Im Herbst 2001 gab Mgr. Manat in einem US-SSPX-Priesterseminar ein vielversprechendes Interview über seine Rückkehr zur Tradition. Hier in „The Angelus“: Bishop Manat (URL) www.sspx.ca/…ber/Bishop_Manat.htm
Angeregt zu dieser Kooperation mit der FSSPX wurde Bischof Manat offenbar von seinem Bekannten, Bischof Lazo, der sich schon davor offiziell der FSSPX anschloß – ohne irgendeine Reaktion von Seiten Roms.
Doch wie sie praktisch aussieht, würde mich interessieren. Man liest wenig darüber, was zweierlei bedeuten kann.
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#9   MilesChristi   12:58:43 | Dienstag, 27. September 2005
Apologia
Wenn es Bd. II der dt. Übersetzung gibt, dann kann sie über Sartobuch gekauft werden oder in den Bücherständen der Kapellen und Kirchen der FSSPX.
Nach meinem Wissen – habe das irgendwo gelesen – hat Michael Davies Bd. IV nie zu Ende geschrieben, es sollen auch keine Handschriften vorhanden sein – Schade !
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#8   Marcel   11:42:32 | Dienstag, 27. September 2005
Apologia pro Marcel Lefebvre
Ein Leser fragte (mich) kürzlich, wo man die deutsche Übersetzung der „Apologia pro Marcel Lefebvre“ von Michael Davis beziehen könnte; vor allem ab Band II, weil Band I bereits in Händen haltend.
Leider wußte ich die Antwort nicht. Vielleicht kann jemand weiterhelfen.
In der Zwischenzeit fand ich Band I. bis III. der englischen Buchfassung: diese wurden von „The Angelus“ auf der Asia-Sspx-Seite in Netz gestellt:
Apologia pro Marcel Lefebvre www.sspxasia.com/…e/Apologia/index.htm
Wieviele Bände kamen von dem Werk insgesamt heraus?
Michael Davis schrieb im Vorwort zu Band III im April 1988, daß bereits Band IV. in Arbeit sei.
The Angelus sagt im Inhaltsverzeichnis zur obigen Buch-Referenz: „Chapters added to website weekly“.
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#7   Yersinia   19:44:21 | Montag, 26. September 2005
an die werten Mitdiskutanten unter mir:
was habe ich in meinem Posting geschrieben? – und was habt ihr herausgelesen? –
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#6   Ignatius   07:42:20 | Montag, 26. September 2005
Lügenbombe
@ Yersinia und im übrigen gilt: „Suche die Menschen, die die Wahrheit suchen – meide jene, die sie gefunden haben!“
Im übrigen gilt DIESES nur für die Dummen (wieder im Aquinsinn) die den Einflüsterungen des Teufels glauben, und für die Bösen die ihm glauben wollen. Jawohl „glauben“ –- sie vertrauen dem Teufel! Wieso baut man auf den Vater der Lüge der behauptet es gibt keine Wahrheit? Was hat er dir versprochen? „Freiheit“ von Gott verspricht dieser Lügner ; Freiheit von dem „angeblichen Tyrannen“ der uns freie Menschendenker angeblich unterdrückt –- das sagt ausgerechnet der schrecklichste Tyrann allen Geschaffenens : der Teufel.
Im Gegensatz zu den Gläubigen steht es : die vertrauen NUR Gott.
Denn unser Herr hat gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Im übrigen gilt: Der einzige Weg, die einzige Wahrheit, das einzige Leben.
Wenn ihr achso freie Freidenker seit dann denkt doch mal drüber nach was der Sohn Gottes wirklich sagt –- nicht das was ihr ode der Teufel denken wollt, sondern was er sagt. Bevor es zu spät ist und man ewiglich in der Hölle sein muss wo es gar furchtbar ist und immer mit dem großen Verführer vereint. Stell dir das schlimmste vor was du kannst –- und noch UNENDLICH schlimmer ist es da. Am schlimmsten es aber dass man nie, NIEMALS wieder Gott schauen wird –- der einzig den erlösenden Trost spenden kann.
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#5   Irenäus   22:08:23 | Sonntag, 25. September 2005
@Yersinia
…meide jene, die sie gefunden haben. So, so. Also will sie sich nicht argumentativ mit Leuten auseinandersetzen, die zumindest glauben, in der Wahrheit zu sein. Das jedenfalls läßt tief blicken.
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#4   Toby   21:43:31 | Sonntag, 25. September 2005
@ Yersinia
ganz nebenbei hat sich die Welt im 20. Jahrhundert eben stark gewandelt …
Aha. Das Latein musste also deshalb verschwinden, weil es heute in fast jedem Haushalt einen Kühlschrank gibt.
Oder wie soll ich Deine Argumentation verstehen?
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#3   Yersinia   21:21:02 | Sonntag, 25. September 2005
eine These
muß man immer hinterfragen, eine Behauptung ist sowieso fraglich – und im übrigen gilt: „Suche die Menschen, die die Wahrheit suchen – meide jene, die sie gefunden haben!“
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#2   Irenäus   20:55:16 | Sonntag, 25. September 2005
Hinterfragung
Mit Fug und Recht hinterfrage ich den Relativismus, der geradezu in rechthaberischer Weise die These, man könne letzte Wahrheiten erkennen, als „fundamentalistisch“ oder „triumphalistisch“ beschimpft.
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#1   Yersinia   20:48:04 | Sonntag, 25. September 2005
fragt sich nur, wozu
„diese Väter“ eine Revolution gplant haben sollten? und warum die angeführten Bischöfe so gehorsam gewesen sein sollen? wenn ein Bischof gegen seine Glaubensüberzeugung handeln soll, wird er wohl den Mut haben, dies nicht zu tun – und wenn er den Mut nicht hat, wird er wohl keine Glaubensüberzeugung haben?
ganz nebenbei hat sich die Welt im 20. Jahrhundert eben stark gewandelt und „Autoritäten“ von anno dazumal werden heute mit Fug und Recht hinterfragt; die Menschen von heute sind nun mal gebildeter und unabhängiger (auch wenn sich natürlich von den Gegnern der Moderne viele negative Beispiele anführen ließen);
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