Judentum
Vom Staat gebaute jüdische Kapelle – Wo bleibt der Aufschrei?
Der Präsident der ‘Katholischen Liga’, William Donohue, kommentierte kürzlich einen ausgebliebenen Protest der ‘Anti-Diffamations-Liga’, der ‘Amerikanischen Union für zivile Freiheiten’ und der ‘Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat’.
(kreuz.net) Grund für den vermißten Aufschrei war der Bau einer Jüdischen Kapelle in der US-Marineakademie.

Die ‘Anti-Diffamations-Liga’ ist eine jüdische Organisation, die sich nach eigener Aussage gegen die Verleumdung des Jüdischen Volkes und für Gerechtigkeit und die gerechte Behandlung aller einsetzt.

Die ‘Amerikanischen Union für zivile Freiheiten’ ist eine Organisation, die gegen den Einfluß der Kirchen in der US-amerikanischen Öffentlichkeit kämpft. Die ‘Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat’ vertreten ähnliche Anliegen.

Vom 16. bis zum 18. September fanden in der US-Marineakademie die Feierlichkeiten zur Eröffnung des ‘Commodore Uriah P. Levy Centers’ und einer Jüdischen Kapelle statt.

Die offizielle Einweihung erfolgte am Sonntag, dem 18. September.

Dazu verfaßte der Präsident der ‘Katholischen Liga’, William Donohue, eine Stellungnahme. Die ‘Katholische Liga’ ist eine Organisation, die sich gegen die Diffamierung von Katholiken in der US-amerikanischen Öffentlichkeit einsetzt.

Hier der Wortlaut der Stellungnahme:

Die ‘Katholische Liga’ hat Verständnis für die zentrale Rolle, welche die Religion im Leben der meisten Amerikaner spielt und sie ist für das Bedürfnis nach religiösem Ausdruck unter unseren Männern und Frauen in Uniform besonders aufgeschlossen.

Deshalb gratulieren wir der Marineakademie für die Eröffnung des Jüdischen Zentrums und sind von Herzen damit einverstanden, daß Staatsgelder verwendet wurden, um eine Jüdische Kapelle zu bauen.

Unser Problem ist die Heuchelei der ‘Anti-Diffamations-Liga’, der ‘Amerikanischen Union für zivile Freiheiten’ und der ‘Amerikaner für die Trennung von Kirche und Staat’.

Unter dem Applaus dieser drei Gruppierungen werden katholischen Schulen Staatsgelder verweigert, um Landkarten für die Klassenräume zu kaufen.

Dafür darf die Staatsregierung fast zwei Millionen Dollar ausgeben, um in der Marineakademie eine Jüdische Kapelle zu bauen, ohne daß die gleichen Vereinigungen nur ein Wort des Protestes von sich geben.

Katholische Kinder in den öffentlichen Schulen der Stadt New York dürfen in ihren Klassenräumen keine Weihnachtskrippe aufstellen, aber jüdische Kinder bekommen eine Menorah – alles mit Zustimmung der ‘Anti-Diffamations-Liga’.

Jetzt darf ein US-Militärgebäude auf dem Grund der Marineakademie einen riesigen, nach außen sichtbaren Davidstern tragen, ohne daß die Kirche-Staat-Wachhunde einen Piepser von sich geben.

Mehr noch. Die Marineakademie pflegt seit 1845 ein überkonfessionelles Tischgebet.

Aber die ‘Anti-Diffamations-Liga’ und die ‘Amerikanische Union für zivile Freiheiten’ wollen es jetzt abgeschafft wissen.

Die ‘Anti-Diffamations-Liga’ hat deswegen sogar dem ‘Komitee für Militärdienst’ des Repräsentantenhauses und des Senates geschrieben und das Tischgebet als „zutiefst besorgniserregend“ bezeichnet.

Mit anderen Worten. Gebetsteppich können mit Staatsgeldern gekauft werden, um mutmaßliche muslimische Terroristen in Guantánamo Bay zufriedenzustellen. Jüdische Kapellen werden mit Staatsgeldern errichtet.

Aber christliche Kinder dürfen im Klassenzimmer nicht „Stille Nacht“ singen.

Hat jedermann kapiert?
      
6 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#6   Frl.Ilse   15:21:18 | Mittwoch, 28. September 2005
@Kirche und die USA
Das Verhältnis Kirche und Staat ist in den USA ein ganz anderes als bei uns. Die Trennung ist in der Tat viel strikter als in der Bundesrepublik – oder war es, bis die Bush-Regierung erschien. Eine der ersten Taten der Regierung war es, soziale Projekte der in den USA starken evangelikalen Kirchen durch Staatsgelder zu unterstützen. Hätte in Deutschland keinen interessiert, in den USA hat das für viel Unruhe gesorgt, weil das nicht üblich war. Wie die religiöse Regelung in der Armee ist, weiß ich nicht, aber offenbar geht die Regierung jetzt dazu über, auch andere Regligionsgruppen mit staatlichen Geldern zu unterstützen.
Das jüdische Lobbygruppen in den USA so stark sind, hat viele Gründe. Die USA haben einen für Europa ungewohnt hohen Anteil an Einwohnern jüdischen Glaubens (d. h. es sind tatsächlich allerdings nur ein paar Kleckerprozent der Bevölkerung). Darüberhinaus sind die die USA ein Land mit freier Meinungsäußerung und ohne eine lange Geschichte des Antisemtismus, so dass sich Lobbygruppen, auch jüdischen, viel freier und stärker zu Wort melden als bei uns. Bei uns in Europa sind im Gegenzug die Bauern immer im Gespräch, obwohl sie nur 1,5 % der arbeitenden Bevölkerung ausmachen. Dafür kriegen sie aber Subventionen in Höhe der Hälfte des EU-Haushalts. Damit will ich sagen, dass Lobbyarbeit die tatsächlichen Verhältnisse gewaltig verzerren kann.
Redaktion benachrichtigen
#5   Athanasius   22:47:26 | Dienstag, 27. September 2005
–--
Eine Kapelle kann jeder Confession angehören. Und früher sprachen die Behörden von „israelitischen Kirchen und Kapellen“ anstatt vom damals deniegrerend erfahrenen Wort „Synagoge“ (da direkte Räferenz zur „Sie sind eine Synagoge Satans“ der Johannes-Offenbarung).
Die Geschichte der Anti Defamation League stimmt.
Übrigens ist man auch lebensfeindlich. Die Verbindung mit der Freimaurerei ist logisch. Der Wiederaufbau des Tempels, die kabbalistische Mysterienreligion und der Liberalismus wird ja von den Zionisten geteilt. Hier muss man aber unterscheiden: man finanziert den Staat Israels, aber nicht die orthodoxen Juden in jenem Staat, da diese mit dem Kabbalah usw. nicht viel anfangen, wie es aber die meisten anderen Juden wohl tun.
Die ADL muss aber kaum seriös genommen werden. Zumindest ihre Argumente nicht. Sie ist selbst an sich aber sehr mächtig!
Übrigens erwecken die Holocaust-Industrie die die ADL betreibt die rechtmässige Empörung vieler ziviler Juden, da diese das politische Treiben der B’nai B’rither ADL sehen als Ausbeutung des tragischen Schicksals und der KZ-Geschichte ihrer Vorfahren.
Redaktion benachrichtigen
#4   Chris   20:48:29 | Dienstag, 27. September 2005
ADL und B’nai B’rith
Die ADL wurde 1913 von Mitgliedern der jüdischen Bnai Brith Loge gegründet. Alle Mitglieder der ADL sind auch Mitglieder des Bnai Brith und diese sind Vertreter des Zionismus.
Über den ADL schrieb der Jüdischstämmige Chomsky, linksintellektueller: Der ADL hat praktisch seine frühere Rolle als Zivilrechtorganisation aufgegeben und ist zu einer tragenden Säule der israelischen Propaganda geworden. Antisemitische Beschuldigungen sollen jede Kritik an der Politik Israels im Keim ersticken, davon ablenken oder schwächen. (Sinngemäß) Der Preis der ADL wird nur an Logenmitglieder vergeben, dabei ist es unwichtig ob sie einer rein jüdische Loge oder der Freimaurerei angehören. Von 2000 an wurden ausgezeichent: Berlusconi, Kwasniewski, Chirac (Grand Orient) und aufgepasst: Klaus Kinkel (FDP)
Redaktion benachrichtigen
#3   Yersinia   18:53:11 | Dienstag, 27. September 2005
es gibt keine
„Jüdischen Kapellen“ – ist der Ausdruck „Kapelle“ nicht einzig Gebäuden der katholischen Konfession vorbehalten?
Redaktion benachrichtigen
#2   mrnka   14:38:09 | Dienstag, 27. September 2005
Gleichheit vor dem Gesetz
Alle sind gleich, aber manche sind eben gleicher (wichtiger, mächtiger, einflußreicher).
Redaktion benachrichtigen
#1   Dolfus   13:04:56 | Dienstag, 27. September 2005
„Indirekt“-Klausel läßt alles umgehen
So auch die Unterstützung christlicher Organisationen, die v.a. sozial tätig sind.
Nachdem religiöse Gruppen wesentlicher Bestandteil der US-Gesellschaft sind, ist die Trennung zwischen Staat und Kirche einerseits sinnvoll, andererseits sollte man staatliche Unterstützungen, um dem Gesetz Genüge zu tun, indirekt weiterführen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
JudentumAns Licht JudentumWechselseitige Entschuldigungen JudentumNoch mehr Selbstrechtfertigungen aus Jerusalem JudentumInterreligiöses Doppelbegräbnis JudentumEntspannte Spannung? JudentumFehlende Einsicht JudentumObersturmbannführer Benediktus? JudentumWird sich Israel entschuldigen? JudentumHerr Scharon kann den guten Namen Israels wieder herstellen JudentumDialog oder Dialügen? JudentumArbeitet Israel mit gezielten Lügen gegen den Papst? JudentumEin billiger Trick JudentumDie schwarze Legende bröckelt JudentumGegenseitige Verständigung und Wertschätzung? JudentumZuhause beim Oberrabbiner fliegen die Fetzen
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net